Test des Wärmeverlusts eines Hauses
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Transmissionswärmeverlust: Was er bedeutet und wie ihr ihn berechnet

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Transmissionswärmeverlust? Das ist der stetige Wärmeverlust eures Hauses. Je schlechter Baumaterialien und Dämmung, desto mehr wertvolle Wärmeenergie geht durch die Gebäudehülle flöten. Wir erklären, wie ihr den Wert errechnet und wie ihr den Energieverlust reduzieren könnt.

In Zeiten von Energieknappheit und steigenden Kosten beschäftigen wir uns viel mehr mit dem Thema Energieeffizienz als früher. Umso wichtiger, auch die Begrifflichkeiten besser zu verstehen. Beim Transmissionswärmeverlust (HT) ist das gar nicht so schwer. Merkt euch schon mal das Wichtigste: Je kleiner der Wert, desto besser hält sich die Wärme in euren vier Wänden und umso geringer sind eure Heizkosten.

Ihr wollt schnell handeln und eure Energiekosten reduzieren? Dann findet ihr hier viele praktische Hinweise: Heizkosten sparen: 23 Tipps, wie ihr eure Heizkosten senken könnt

Was ist der Transmissionswärmeverlust?

Der Transmissionswärmeverlust ist per Definition der Verlust an Wärme durch die Hülle eures Hauses. Wäre sie hermetisch abgeschlossen, würde euer Haus keine Energie verlieren. Die Temperatur bliebe immer gleich. Dem ist natürlich nicht so. Alle Baumaterialien sind zu einem gewissen Anteil durchlässig für Wärme – die einen mehr, die anderen weniger. Man spricht auch von der Wärmedurchgangseigenschaft.

Der Transmissionswärmeverlust ist besonders groß, wenn die Dämmung schlecht ist. Oder andersherum: Je durchlässiger die Außenhülle eures Hauses, desto mehr Wärmeenergie entweicht über Wände, Türen, Fenster und das Dach nach draußen. Die Heizleistung muss für Ausgleich sorgen. Oder: Wenn mehr Energie verloren geht, müsst ihr verstärkt heizen.

In der Bauphysik wird der Transmissionswärmeverlust mit HT abgekürzt. Gemessen wird er in Watt pro Kelvin (W/K).

Genauer: Watt pro Kelvin gibt die Leistung in Watt an, die bei einem Grad Kelvin Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen entsteht.

Wozu ist der Kennwert für den Wärmeverlust wichtig?

Mit dem HT-Wert lässt sich die Dämmqualität der Außenhülle eines Gebäudes beurteilen und vergleichen. Das ist besonders beim Neubau, beim Hauskauf oder bei einer Sanierung von Bedeutung. Je kleiner der Wert, desto energieeffizienter ist das Gebäude.

Auch für die Planung einer neuen Heizung müsst ihr den Transmissionswärmeverlust eures Heims kennen. Der Wert fließt in die Heizlastberechnung ein. Außerdem darf der Wärmeverlust nach dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG) bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Für freistehende Wohngebäude bis 350 Quadratmeter gelten maximal 0,40 Watt pro Quadratmeter und Kelvin (GEG, § 50, Absatz 2).

Was ist der spezifische Transmissionswärmeverlust HT'?

Bezogen auf ein Gebäude wird auch vom spezifischen Transmissionswärmeverlust gesprochen. Er wird mit HT' abgekürzt. Der Wert beschreibt die Summe der U-Werte aller Bauteile eines Gebäudes, also zum Beispiel von Wänden, Fenstern, Türen, Rohrleitungen und Dach. Dabei wird der Energieverlust beziehungsweise die Verlustleistung ins Verhältnis zur gesamten Gebäudefläche gesetzt.

Der U-Wert ist der Wärmedurchgangskoeffizient. Er verrät, wie viel Wärme in Watt pro Kelvin und Quadratmeter (W/(m²K)) über ein Gebäudeteil an die Außenluft abgegeben wird. Lies hier mehr dazu: Wärmedurchgangs­koeffizient einfach erklärt

Wie berechne ich den Transmissionswärmeverlust?

Den Transmissionswärmeverlust eures Hauses oder eures Neubauprojektes selbst zu berechnen, ist im Prinzip natürlich machbar. In der Praxis übernimmt die Berechnung aber eher ein zertifizierter Energieberater oder euer Architekt. Bei Fertighäusern oder zum Kauf angebotenen Bestandsimmobilien steht der Wert unter dem Punkt "Energetische Qualität der Gebäudehülle HT'" bereits im Energieausweis. Dennoch schadet es nicht, zu verstehen, wie der Wert entsteht.

Tabellen zur Berechnung des Transmissionswärmeverlustes

Für die Berechnung braucht ihr neben der Fläche die U-Werte der Bauteile, welche die Außenhülle eures Hauses bilden. Für die unterschiedlichen Baustoffe gibt es Richtwerte, die im Einzelfall abweichen können. Je kleiner der U-Wert, desto geringer ist der Temperaturverlust durch das Bauteil.

Folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Wärmedurchgangskoeffizienten von verschiedenen Bauteilen:

  • Bauteil
  • Dicke in cm
  • U-Wert in W/m2K
  • Außenwand, Holzrahmenbau
  • 25
  • 0,20
  • Außenwand, Porenbeton
  • 36,5
  • 0,23
  • Außenwand Massivholz
  • 20,5
  • 0,50
  • Fenster, Wärmeschutzverglasung
  • 2,4
  • 1,30
  • Außenwand, Mauerziegel
  • 24
  • 1,50
  • Fenster mit Isolierverglasung
  • 2,4
  • 3,00
  • Einfachfenster
  • 0,4
  • 5,90

U-Werte von Bauteilen und Dämmungen (Angaben ohne Gewähr)

Außerdem braucht ihr für die Berechnung des Transmissionswärmeverlustes den sogenannten Temperaturkorrekturfaktor. Damit wird berücksichtigt, dass zum Beispiel durch eine Wand mehr Wärme verlorengeht, wenn sie frei steht als wenn sie ans Erdreich oder an ein anderes Gebäude grenzt. Passend dazu könnte euch dieser Artikel interessieren: Stimmt es, dass eine kalte Nachbarwohnung meine Heizkosten erhöht?

Die nachfolgende Tabelle fasst die Temperaturkorrekturfaktoren nach DIN EN 12831 zusammen:

  • Grenze
  • Faktor
  • an die Außenluft
  • 1,0
  • an einen unbeheizten Raum
  • 0,9
  • über das Dach nach außen
  • 0.8
  • an ein angrenzendes Gebäude
  • 0,5
  • ans Erdreich
  • 0,4

Temperaturkorrekturfaktoren nach DIN EN 12831

Transmissionswärmeverlust berechnen: Formel und Beispiel

In unserem Beispiel berechnen wir den Transmissionswärmeverlust eines Fensters. Ihr benötigt drei Werte: die Fläche des Bauteils, den U-Wert und den Temperaturkorrekturfaktor. Wir unterstellen eine Fläche von 1,4 Quadratmetern. Bei einem Fenster mit Isolierverglasung kann man von einem Wärmedurchgangskoeffizienten von 3,0 W/m²K ausgehen. Der Temperaturkorrekturfaktor beträgt hier beispielhaft 1,0.

Diese drei Kennzahlen werden zunächst miteinander multipliziert:

U-Wert x Temperaturkorrekturfaktor x Fläche

Beispiel: 3,0 W/m²K x 1,0 x 1,4 m² = 4,2 W/K

Dann kommt noch ein sogenannter Wärmebrückenzuschlag ins Spiel. Der allgemeine Zuschlag beträgt 0,1 W/m²K. Ein geringerer Standardwert von 0,05 W/m²K ist nur dann zulässig, wenn euer Haus durchgängig den Vorgaben aus dem Beiblatt 2 der DIN 4108 entspricht. Die Formel lautet:

Wärmebrückenzuschlag x Fläche

Beispiel: 0,1 W/m²K x 1,4 m² = 0,14 W/K

Zum Schluss addiert ihr beide Ergebnisse und erhaltet den Transmissionswärmeverlust. Die Formel dafür lautet also:

Transmissionswärmeverlust = (U-Wert x Temperaturkorrekturfaktor x Fläche) + (Wärmebrückenzuschlag x Fläche)

Beispiel: 4,2 W/K + 0,14 W/K = 4,34 W/K

Unser Isolierglasfenster hat also einen Transmissionswärmeverlust von 4,34 W/K.

Was bedeutet das Ergebnis?

Euer Fenster verliert ständig 4,34 Watt, wenn die Temperatur draußen ein Grad kälter ist als drinnen. Liegt der Temperaturunterschied bei 20 Grad (zum Beispiel drinnen 17°C Grad, draußen -3°C), gibt dasselbe Fenster im Winter kontinuierlich 86,8 Watt ab. Das entspricht einem Wärmeverbrauch von 86,8 Wattstunden (86,8 W x 1 h = 86,8 Wh).

Würdet ihr in ein Fenster mit Wärmeschutzverglasung (U-Wert:1,3 W/m²K) investieren, wäre der Transmissionswärmeverlust geringer. Er läge bei 1,96 W/K. Der Wärmeverbrauch bei 20 Grad Temperaturunterschied läge dementsprechend nur bei 39,2 Wattstunden.

Tramsmissionswärmeverlust = (1,3 W/m²K x 1,0 x 1,4 m2) + (0,1 x 1,4 m²) = 1,96 W/K

Um den spezifischen Verlustkoeffizienten eines gesamten Gebäudes zu errechnen, müsst ihr die Werte aller Bauteile addieren. Anschließend dividiert ihr das Ergebnis durch die Summe aller Bauteilflächen.

Das Endergebnis wird in der Einheit W/m²K angegeben. Je kleiner der Wert, desto weniger Wärme verliert euer Haus durch die Außenhülle.

Wie lässt sich der Transmissionswärmeverlust senken?

Um Heizenergie zu sparen, müsst ihr unter anderem den Transmissionswärmeverlust eures Hauses senken. Das funktioniert vor allem durch moderne Baumaterialien. Sie können den Energieabfluss durch die Außenhülle reduzieren.

Mit diesen Maßnahmen senkt ihr den Transmissionswärmeverlust:

Lest hier mehr über die verschiedenen Maßnahmen: Energetische Sanierung: Welche Maßnahmen lohnen sich?

Welche dieser Einzelmaßnahmen in eurem Fall die größten Einsparpotentiale haben, kann euch ein Energieberater bei einem Vor-Ort-Termin am besten sagen. Nutzt gleich die Chance für einen Modernisierungscheck oder eine Modernisierungsberatung.

Wer neu baut, sollte unbedingt prüfen, ob der prognostizierte Wärmeverlust sich innerhalb der Grenzen des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) bewegt. Sprecht mit eurem Architekten oder Fertighaushersteller, inwiefern ihr durch die Wahl anderer Baumaterialien den Wert noch nach unten korrigieren könnt.

Tipp: Viele Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind förderfähig. Alles, was ihr dazu wissen müsst, verraten wir euch in diesem Ratgeber: Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Fördersummen, Konditionen, Anträge

Weitere Energieleistungskennzahlen

Der Transmissionswärmeverlust ist nicht der einzige Faktor, der die Energieeffizienz eines Hauses beschreibt. Gerade wenn es um die finanzielle Förderung von Neubauten geht, ist auch der Primärenergiebedarf (PEV) wichtig. Er spielt zum Beispiel beim Passivhaus oder beim Effizienzhaus KfW 40 Plus eine Rolle.

Soll die Heizlast eines Hauses berechnet werden, müssen außerdem der Lüftungswärmeverlust (HV) und die zusätzliche Aufheizleistung berücksichtigt werden. Beim Lüftungswärmeverlust geht es neben dem normalen Lüftungsverhalten auch um die unfreiwillige Durchströmung. Etwa wenn in alten Häusern die Fenster undicht sind. Die zusätzliche Aufheizleistung beschreibt die Leistung, welche eine Heizung nach einer Heizpause zum Wiederaufheizen benötigt. Dazu muss die Heizungsanlage eine Leistungsreserve bereithalten.

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