Blick in eine leere Wohnung mit Holzfußboden.
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Wohnen | Expertentipp

Stimmt es, dass eine kalte Nachbarwohnung meine Heizkosten erhöht?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Die Nachbarwohnung ist leer, kalt und unbeheizt. Sobald ihr das Thermostat bei euch aufdreht, heizt ihr also indirekt mit. Aber stimmt das auch? Ob die kalte Nachbarwohnung eure Heizkosten wirklich erhöht, erfahrt ihr hier.

Ein Phänomen, das so mancher Mieter aus einem Mehrfamilienhaus kennt: Steht eine Nachbarwohnung im Winter leer, wird sie meist nicht beheizt und dadurch kalt. Infolgedessen erhöhen sich die eigenen Heizkosten, weil ihr die andere Wohnung quasi mitheizt. Aber ist das nur eine "gefühlte" Tatsache oder lässt sich das auch belegen?

Es stimmt in der Tat: Eine unbeheizte Nachbarwohnung heizt ihr indirekt mit. Dadurch erhöhen sich auch automatisch eure Heizkosten. Schuld daran ist der so genannte "Transmissionwärmeverlust".

Transmissionwärme: So geht Heizwärme verloren

Der Transmissionswärmeverlust (kurz: HT) ist eine physikalische Kenngröße. Darüber wird definiert, wie viel Wärme ein Haus über die Gebäudehülle – also über Wände, Fenster, Türen und Dach – verliert. Der Transmissionswärmeverlust lässt sich individuell berechnen. Das ist dann wichtig, wenn ihr zum Beispiel euren Wärmebedarf richtig planen wollt.

Angegeben wird der Transmissionswärmeverlust in Watt pro Kelvin (W/K). Ein Wert von 5 W/K bedeutet, dass bei einem Temperaturunterschied von 1 Grad Celsius zwischen drinnen (Wohnung) und draußen ständig 5 Watt an Wärme verloren gehen. Klingt erst einmal nicht so dramatisch. Im Winter potenziert sich das aber.

Habt ihr draußen zum Beispiel -5 Grad und in der Wohnung muckelige 20 Grad, dann beträgt die Temperaturdifferenz 25 Grad. Bei 5 W/K wäre dass dann ein dauernder Wärmeverlust von 5 x 25 = 125 Watt.

Soviel heizt ihr für die kalte Nachbarwohnung

Die "Allianz für einen klimaneutralen Wohnungsbestand" untersucht in einem Pilotprojekt technische Maßnahmen, mit denen sich eine bessere Wärmeverteilung sowie sparsameres Verbrauchs- und Lüftungsverhalten in Mehrfamilienhäusern umsetzen lässt.

Die Allianz, ein Zusammenschluss aus Energiedienstleistern, Heizungsfirmen, Wohnungsunternehmen und zwei Universitäten, hat dabei auch die Folgen des Transmissionswärmeverlustes geprüft. Dabei gab es auch das Szenario der kalten Nachbarwohnung. In diesem Beispiel ist diese aber noch bewohnt, sie wird nur weniger beheizt. Folgende Rahmenbedingungen wurden untersucht:

  • Mehrfamilienhaus mit sechs Parteien.
  • Außentemperatur: 0 Grad Celsius.
  • Bei fünf Wohnungen steht das Heizungs-Thermostat konstant auf 20 Grad Celsius.
  • Der Mieter in der Wohnung im ersten Stock senkt dagegen die Temperatur zwischen 10 und 16 Uhr sowie 22 und 6 Uhr auf 16 Grad Celsius ab.
Infografik zu Heizenergieverbrauch in einem Mehrfamilienhaus

Das Ergebnis: Über, unter und neben der kalten Nachbarwohnung mit der teils abgesenkten Temperatur erhöhen sich die Heizkosten um 3,5 bis 6,5 Prozent. Der Mieter der teilweise weniger beheizten Wohnung spart dagegen satte 32 Prozent an Heizkosten ein! Interessanterweise reduzieren sich die Heizkosten des gesamten Hauses dadurch immer noch um 0,6 Prozent.

Mietminderung, weil ihr die Nachbarwohnung mitheizt?

Die Nachbarwohnungen heizen also ganz klar mit – zum eigenen Kostennachteil und zum Vorteil der un- oder wenig beheizten Wohnung. Ungerecht, mögen einige jetzt denken. Und sich die Frage stellen: Muss ich die höheren Heizkosten wirklich bezahlen? Oder kann ich meine Miete mindern, wenn die Wohnung nebenan leer steht und ich diese indirekt mitheize?

Nein, sagt das Amtsgericht Frankfurt (Oder). Höhere Heizkosten aufgrund einer leer stehenden, kalten Nachbarwohnung sind kein Wohnungsmangel und damit auch kein Mietminderungsgrund (Az.: 25 C 1002/04).

Allerdings darf euer Vermieter die gesamten Heizkosten des Hauses nicht nur auf die vermieteten Wohnungen verteilen. Bei der Heizkostenabrechnung muss er auch die leer stehende Wohnung berücksichtigen und als Vermieter die Kosten für diese anteilig tragen. Darauf weist der Berliner Mieterverein hin.

Dass ihr eure kalte Nachbarwohnungen indirekt mitbeheizt, dagegen lässt sich also nichts machen. Was aber, wenn eure Wohnung kalt bleibt, obwohl ihr das Thermostat voll aufgedreht habt? Oder anders gefragt:

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