Mann vor verschimmelter Hauswand
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Wohnen | Ratgeber

Schimmel im Tiny House: So vermeidet ihr hohe Luftfeuchtigkeit

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Viele Tiny-House-Bewohner haben mit Schimmel in ihrem Häuschen zu kämpfen. Wie ihr euer Tiny House so baut, dass Schimmel gar nicht erst entsteht und was ihr gegen zu viel Feuchtigkeit machen könnt, die Schimmel im Tiny House begünstigt, das erklären wir euch in diesem Ratgeber.

Schimmel ist eines der größten Probleme in einem Tiny House. Denn im Gegensatz zu großen Wohnhäusern ist die verfügbare Luftmenge und damit auch die Wasseraufnahmefähigkeit der Luft in einem Minihaus extrem begrenzt. Es entsteht aber ähnlich viel Luftfeuchtigkeit wie in einem größeren Haus. Die Folge: Bei erhöhter Luftfeuchtigkeit setzt sich das Wasser besonders schnell an den Wänden ab und bietet einen idealen Nährboden für Schimmelpilze. Und die können gesundheitsschädlich sein und Allergien oder sogar Asthma hervorrufen.

Wir erklären euch, wie ihr die Luftfeuchtigkeit in eurem Tiny House niedrig halten könnt und so der Bildung von Schimmel vorbeugt. Außerdem zeigen wir auf, was ihr baulich beachten müsst, damit später kein Schimmel in eurem Tiny House entsteht.

So entsteht Feuchtigkeit im Tiny House

Im Tiny House gibt es viele Ursachen für Luftfeuchtigkeit, die zum Schimmelproblem werden können:

  • Feuchtigkeit aus der Atemluft der Bewohner: Die eingeatmete Luft wird in unserem Körper mit Wasser angereichert. Jeder Mensch gibt im Laufe des Tages zwei Liter Wasser über die Atmung und die Haut ab. Da kommt einiges zusammen, vor allem dann, wenn sich mehrere Personen im Tiny House befinden.
  • Beim Kochen und Wasser erhitzen reichert sich die Luft mit Wasser an. Man denke nur an die schön dampfenden Speisen.
  • Beim Duschen und Baden entsteht ebenfalls sehr viel Luftfeuchtigkeit.
  • Nasse Wäsche gibt Feuchtigkeit an die Luft ab, wenn sie trocknet.
  • Pflanzen geben Feuchtigkeit an die Raumluft ab.
  • Wenn Propangas verbrennt, entsteht Wasser.
  • Feuchtigkeit wird auch durch nasse Schuhe und Jacken ins Haus getragen.
  • Das Gleiche gilt für Hunde mit nassem Fell.

Eine weitere Ursache für Feuchtigkeit im Tiny House können Baumängel sein. Ist das Haus nicht richtig gedämmt und sind Wärmebrücken vorhanden, dann entsteht durch den großen Temperaturunterschied von innen nach außen im Winter Tauwasser dort, wo die Kälte auf die Wärme trifft. Das ist so ähnlich wie die Brille im Winter, die beschlägt, wenn man von draußen reinkommt und feuchte warme Innenluft auf der kalten Brille kondensiert.

So erkennt ihr, dass Schimmelbefall droht

Ideal ist für Wohnräume eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent. Wie hoch die tatsächliche Luftfeuchtigkeit in eurem Tiny House ist, prüft ihr am besten mit einem Hygrometer.

Dass ihr ein Problem mit zu hoher Feuchtigkeit in eurem Tiny House habt, erkennt ihr daran, dass sich an den Fensterscheiben oder an den Außenwänden regelmäßig Kondenswasser bildet. Das bedeutet bereits Alarmstufe Gelb. Dann empfiehlt sich ein regelmäßiger Blick hinter die Möbel an der Wand und in die versteckten Ecken.

Sollten sich da schon Schimmelsporen entwickelt haben, besteht Alarmstufe Rot. Es droht die Gefahr, dass das Tiny House bereits mit Schimmelsporen kontaminiert und im schlimmsten Falle unbewohnbar geworden ist. Wenn im Innenraum Ausblühungen sichtbar werden, sind die Räume zwischen Außen- und Innenwand in der Regel auch verschimmelt.

Bild eines beschlagenen Fensters
Ein beschlagenes Fenster ist ein eindeutiges Zeichen für zu hohe Luftfeuchtigkeit im Innenraum. © GChristo - stock.adobe.com

Bauliche Maßnahmen, um Schimmel im Tiny House vorzubeugen

Oft kommt es in Tiny Houses zu Schimmelbildung, weil Baumängel vorliegen. Vor allem bei selbstgebauten Minihäusern fehlt oft der bauphysikalische Sachverstand, der nötig ist, um dem Problem vorzubeugen. Gerade ein Wandaufbau mit Dämmung ist bauphysikalisch gesehen eine komplexe Sache, bei der man einiges falsch machen kann.

Sobald also Fragen zur Auswahl geeigneter Materialien, zu deren Diffusionsoffenheit oder der sinnvollen Anordnung entstehen, ist es sinnvoll, dass Selbstbauer bereits in der Planungsphase einen Profi hinzuziehen. Das kann beispielsweise ein Bauingenieur sein. Das Honorar für den Fachmann ist gut angelegtes Geld und bewahrt euch später möglicherweise vor teuren Bauschäden.

Wir hören auch immer wieder bei Tiny-House-Bewohnern, die ihr Häuschen bei einem Tiny-House-Hersteller gekauft haben, von Schimmelproblemen. In diesem Fall haftet der Hersteller für den entstandenen Schaden, wenn erwiesenermaßen ein Baumangel vorliegt.

Folgende Punkte können die Schimmelgefahr in eurem Tiny House senken:

Der richtige Wandaufbau

Damit die Wand durch das Kondensieren von Wasserdampf nicht durchfeuchtet wird, muss zum einen der Taupunkt möglichst weit außen liegen. Zum anderen ist es sehr hilfreich, wenn die Wandkonstruktion nach außen hin immer diffusionsoffener wird.

Zusammen sorgen diese beiden Faktoren dafür, dass Feuchtigkeit möglichst lange gasförmig bleibt, deshalb leicht zur Außenseite transportiert werden kann und dort schließlich ablüftet.

Für die Dämmung gilt immer: Feuchtwarme Innenraumluft darf nicht in die Isolation oder die Zwischenräume gelangen. Das heißt, ihr müsst mit einer Dampfsperre oder Dampfbremse dafür sorgen, dass keine feuchtwarme Luft in die Dämmschicht eindringen kann.

Nach außen hin sollte der Wandaufbau diffusionsoffen sein, damit eventuell vorhandene Feuchtigkeit nach außen gelangen kann.

Ein Beispiel: Bei einem Bauwagen wird das Blechdach von innen mit Styropor gedämmt und mit einer Holzverschalung versehen. Der Effekt: Die feuchte, warme Luft aus dem Innenraum kann durch die Ritzen der Styropordämmung bis zum kalten Blechdach dringen. Dort kondensiert sie. Das Wasser tropft auf die Innenverkleidung, diese fängt an zu schimmeln.

Das könnt ihr verhindern, indem ihr zwischen Styropordämmung und Holzverschalung eine absolut dichte Dampfsperre anbringt.

Baumaterialien, die Feuchtigkeit ausgleichen können

Generell eignen sich ökologische Dämmstoffe wie Schafwolle, Hanf, Stroh oder Holzweichfaserplatten für einen diffusionsoffenen Wandaufbau. Auch Hanfkalk als Baumaterial für die Wände kann viel Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben.

Auch Putzgrundstoffe, die wie Gips oder Lehm Luftfeuchtigkeit aufnehmen, kristallin binden und bei sinkender Raumfeuchte wieder abgeben können, sind sinnvoll. Ebenso mindern Anstriche mit Mineralfarben wie Silikatfarbe oder Kalkfarbe die Schimmelgefahr.

Feuchtigkeit im Tiny House überwachen: Hygrometer aufstellen

Wir raten allen Tiny-House-Bewohnern, mehrere Hygrometer in ihrem Häuschen aufzustellen, um sicherzustellen, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist.

Moderne Hygrometer messen die relative Luftfeuchtigkeit und die Raumlufttemperatur. Sie können daraus auch automatisch den Taupunkt errechnen. So könnt ihr jederzeit prüfen, ob der Taupunkt unterhalb der Lufttemperatur liegt. Ihr solltet aber auch wissen, wie die ermittelten Werte zu interpretieren sind.

Ein Hygrometer misst die Werte jeweils nur für den Ort, an dem er aufgestellt ist. Wenn das Messgerät für diesen Ort einen Taupunkt errechnet, der nur knapp unterhalb der Zimmertemperatur liegt, dann kann an anderen Stellen im Tiny House die Temperatur bereits unter dem Taupunkt liegen. Deshalb auch mehrere Hygrometer, denn hier gilt: Viel hilft viel!

Diese Luftfeuchtigkeit-Messer erhaltet ihr relativ preiswert beim Optiker oder im Versandhandel. Beachtet jedoch, dass nur elektronische Geräte zuverlässig arbeiten. Eine Untersuchung der Zeitschrift "test" hat ergeben, dass man sich auf die Angaben von Zeigerinstrumenten nur dann verlassen kann, wenn sie geeicht sind (Gebrauchsanweisung beachten).

Mit dem Hygrometer könnt ihr die Luftfeuchtigkeit messen
Es gibt auch Hygrometer mit integrierter Temperaturanzeige. © Getty Images/iStockphoto

Feuchtigkeit und Schimmelrisiko im Tiny House senken

Auch wenn die Wände und die Dämmung diffusionsoffen sind, entsteht in einem Tiny House so viel Feuchtigkeit, dass das allein nicht ausreicht. Ihr müsst zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um die Feuchtigkeit aus dem Haus zu bekommen und damit das Schimmelrisiko zu senken.

Fensterlüftung

Wenn das Tiny House nicht so gut gedämmt ist und sich nur eine einzelne Person dort aufhält, die selten duscht, wenig kocht und keine Pflanzen besitzt, dann kann es ausreichend sein, das Tiny House regelmäßig richtig zu lüften, um eine zu hohe Luftfeuchtigkeit in den Griff zu bekommen. Wie ihr richtig lüftet, lest ihr hier:

In sehr gut gedämmten Tiny Houses reicht die Fensterlüftung allein allerdings nicht aus. Dann müsst ihr weitere Maßnahmen gegen die Luftfeuchtigkeit ergreifen.

Einbauventilator mit hygroskopischer Steuerung fürs Badezimmer

Am meisten Luftfeuchtigkeit fällt im Badezimmer an. Da dieses im Tiny House oft aber nicht vollständig vom Rest der Wohnfläche abgetrennt ist, breitet sich die Luftfeuchtigkeit schnell im ganzen Haus aus.

Ein hygrostatisch gesteuerter Abluftventilator hilft, die Luftfeuchtigkeit schnell nach draußen zu führen. Das Prinzip dieser Geräte ist, dass der Ventilator anspringt, wenn die Luft­feuchtig­keit einen bestimmten Wert erreicht hat. Wenn der Einbauventilator die ganze Zeit läuft, ist das ein Indiz dafür, dass der Ventilator nicht ausreicht und ihr zusätzliche Maßnahmen ergreifen müsst.

Ihr solltet auch bedenken, dass selbst ein kleiner Abluftventilator ein Luftvolumen von über 100 Kubikmeter pro Stunde ansaugt. Da das Luftvolumen eines Tiny Houses begrenzt ist, muss die Luft irgendwo herkommen, und zwar von außen. Das bedeutet allerdings, dass im Winter nach jedem Duschen die komplette Wärme aus dem Tiny House gesaugt wird. Deshalb ist es sinnvoll, auch einen Wärmetauscher einzubauen.

Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung einbauen

In den meisten Tiny Houses wird es notwendig sein, eine Lüftungstechnik einzubauen, die entweder die feuchtigkeitsgeschwängerte Raumluft gegen Frischluft bei gleichzeitiger Wärmerückgewinnung austauscht oder das Wasser aktiv mittels Luftentfeuchtung aus der Raumluft entzieht.

Wärmerückgewinnung heißt, dass die einströmende kalte Luft von außen durch die zeitgleich ausströmende Luft von innen vorgewärmt wird. Auf diese Weise wird der Verlust von Heizwärme auf ein Minimum reduziert. Das sorgt für niedrige Heizkosten und schont die Umwelt. Beim typischen Fensterlüften geht die Wärme nahezu ohne Rückgewinnung nach draußen verloren.

Für ein Tiny House benötigt ihr ein oder zwei Lüfter, die in die Außenwand eingebaut werden. Dafür ist es notwendig, ein Loch in die Außenwand (oder in die Decke) zu bohren. Außerdem benötigt ihr einen Stromanschluss.

Für Minihäuser sind Geräte mit mittlerer Leistung um 10 Kubikmeter pro Stunde ausreichend. Die meisten Modelle bieten eine variable Einstellung der Umwälzung in mehreren Stufen. Der Nachteil dieser Geräte: Mit steigender Lüftungsmenge nimmt auch das Betriebsgeräusch zu. Insgesamt ist der Ventilator mit 20 bis 30 Dezibel jedoch kaum hörbar.

Je nach gewähltem Modell lässt sich die Lüftung per Knopfdruck oder sogar mit einer Fernbedienung oder per App steuern. Solche Lüfter mit Wärmerückgewinnung bekommt ihr zum Beispiel von Bayernluft ab etwa 400 Euro. Dazu kommen die Kosten für die Montage.

Es gibt auch solarbetriebene Lüfter. Mit ihnen entstehen zumindest im Sommer keine Betriebskosten. Voraussetzung ist, dass ihr ein Solarpanel an der Südseite eures Hauses oder auf dem Dach anbringen könnt. Ein Anbieter ist beispielsweise Solarventi. Es gibt außerdem Solar-Warmluftkollektoren, die sowohl für eine Raumerwärmung als auch Raumentfeuchtung sorgen.

Luftentfeuchter

Eine weitere Möglichkeit, die Luftfeuchtigkeit in eurem Tiny House zu senken, sind Luftentfeuchter. Es gibt verschiedene Arten von Luftentfeuchtern, die je nach Größe eures Häuschens oder Grad des Luftfeuchtigkeitsproblems geeignet sind. Eine Übersicht findet ihr hier:

Konkrete Geräte haben wir euch in unserem Artikel "Luftentfeuchter: 7 Geräte, die für gute Raumluft sorgen" aufgelistet und in diesem Artikel erklären wir, wie Luftentfeuchter ohne Strom funktionieren und für wen sie sich eignen.

Luftentfeuchter im Wohnzimmer
Luftentfeuchter werden mit oder ohne Strom betrieben und können Feuchtigkeit aus eurem Tiny House ziehen. © Getty Images/iStockphoto

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