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Bauen | Ratgeber

Große Stadt, kleine Häuser: Tiny Houses in Berlin und Brandenburg

Michael Penquitt

In ganz Deutschland wächst das Interesse an Tiny Houses. Wenn ihr im Raum Berlin wohnt und neugierig seid, solltet ihr diese Adressen kennen.

Tiny Houses sind auf dem Vormarsch. Die kleinen Häuschen, ob mobil oder stationär, versprechen die Erfüllung unterschiedlicher Bedürfnisse und Sehnsüchte. Insbesondere immer mehr Großstädter interessieren sich für das Wohnen auf kleinstem Raum. Einige sehen darin die Lösung für den urbanen Wohnraummangel, andere betrachten Tiny Houses als ideale Ferienunterkunft fürs Wochenende oder gar für einen längeren Urlaub.

Kein Wunder also, dass sich in Berlin und Brandenburg mehrere Anlaufstellen für Tiny-House-Fans finden. Wir stellen euch die wichtigsten vor.

1. Tiny-House-Siedlung in Berlin: Die Insel Weißensee

Der Mirbachplatz in der Nähe des Berliner Weißensees ist ein außergewöhnlicher Fleck Erde. In der Mitte des dortigen Kreisverkehrs befindet sich die Ruine der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Bethanienkirche. Die Grünfläche um den Kirchturm herum ist ein wenig verwildert. Eigentlich ist das Grundstück für den Bau von Eigentumswohnungen vorgesehen. In den vergangenen Jahren ist das beabsichtigte Bauprojekt aber immer wieder ins Stocken geraten. Wann der Bau beginnt, ist nach wie vor nicht klar.

Das wussten einige Aktivistinnen und Künstler für sich zu nutzen und haben auf der Brachfläche eine kleine Tiny-House-Siedlung gegründet. Die "Insel Weißensee" ist in erster Linie ein Nachbarschafts- und Community-Projekt, zu dem alle Interessierten eingeladen sind. Hier finden Feste, Workshops und Ausstellungen statt.

Mit dem Eigentümer des Grundstücks haben die Initiatoren eine mietfreie Zwischennutzung vereinbart. So haben alle etwas davon: Den Tiny-House-Bewohnern steht eine kostenlose Fläche zum Leben und für die kreative Nutzung zur Verfügung. Im Gegenzug sorgen sie im Sinne des Inhabers dafür, dass sich keine unbefugten Personen Zutritt auf das Grundstück und in die Kirchenruine verschaffen. Das heißt aber auch: Die Tiny Houses stehen nur auf Zeit auf dem Mirbachplatz. Die aktuelle Nutzungserlaubnis gilt bis Mitte 2020. Wie es danach weitergeht, ist noch nicht klar.

2. Neue städtische Architektur: Tiny Foundation

Die Tiny Foundation versteht sich als Agentur für soziale Nachbarschaft. Mithilfe von Tiny Houses versucht das vom Architekten Van Bo Le-Mentzel gegründete gemeinnützige Unternehmen, die Herausforderungen des Wohnens in der Stadt zu meistern. Tiny Foundation vermietet Tiny Houses, berät bei der Planung und beim Bau, bietet Workshops sowie Vorträge an und stellt auch selbst Mini-Häuser her.

Im Frühling 2019 stellte Tiny Foundation bereits sechs Tiny Houses auf dem Parkplatz von Ikea in Lichtenberg auf. Das "Tiny House Ville" stand dort zwar nur für einen Monat und diente zunächst nur Besuchern als Denkanstoß. Wenn es nach Van Bo Le-Mentzel geht, sollen in Zukunft aus dieser Idee neue, alternative und gemeinschaftliche Wohnkonzepte entstehen, die das Leben in der Stadt verändern.

3. Cabin One: Das Tiny House der Zukunft

Hinter dem Berliner Unternehmen Cabin Spacey stehen die Architekten Simon Becker und Andreas Rauch. Zusammen haben sie die Cabin One entworfen – ein Tiny House der Zukunft. Auf 25 Quadratmetern Wohnraum findet sich alles, was man zum modernen Wohnen braucht. Als Kunde könnt ihr die einzelnen Module im Innern des Hauses flexibel und individuell zusammenstellen. Das hat seinen Preis: Alleine die Basis kostet 88.500 Euro, mit allem drum und dran bekommt ihr die Cabin One für 99.900 Euro.

Die diente auch dem Wohnglück SMARTHAUS, das 2019 auf Deutschlandtour gegangen ist, als Grundlage. Darin verbaute die Firma innovative Smart-Home-Lösungen, um den Besuchern diese moderne Form des Wohnens erlebbar zu machen.

4. Ein eigenes Tiny House bauen mit Andreas Beutel

Begonnen hat alles mit dem Bau von Hausflößen. 2016 dann hat sich Andreas Beutel auch an Tiny Houses versucht und mit Hilfe der Prüfgesellschaft Dekra ein eigenes Modell entwickelt. Beim Haus "Malmö" handelt es sich um ein transportables Häuschen in Holzbauweise.

Mittlerweile fertigt Andreas Beutel seine Tiny Houses in Brandenburg an der Havel, westlich von Berlin, in Serie. Auf Anfrage werden auch eure Wünsche berücksichtigt, sodass ihr das Tiny House anschließend je nach Bedarf als Ferienunterkunft, Büro oder Erstwohnsitz nutzen könnt.

5. Probewohnen im Rolling Tiny House

Peter Pedersen ist auf Expansionskurs. Der Unternehmensgründer aus dem hohen Norden stellt immer mehr seiner Rolling Tiny Houses deutschlandweit auf, damit sich Interessierte selbst ein Bild vom Leben auf kleinstem Raum machen können. Eines davon steht seit Januar 2020 in Priort vor den Toren Berlins. Auf der Website von Rolling Tiny House könnt ihr euch nicht nur zur Besichtigung, sondern auch zum aktiven Probewohnen anmelden.

6. Ein Tiny House als Kunstprojekt: Das Penthaus à la Parasit

Das Tiny House Movement verändert, wie wir über gutes Leben und Wohnen denken. Wie passend, dass ausgerechnet ein Tiny House derzeit in und um Berlin auf den gravierenden Wohnraummangel aufmerksam macht. Das voll verspiegelte "Penthaus à la Parasit", wie es die Macher nennen, zieht von Dach zu Dach und eignet sich den Raum an, der allen zusteht. Ein Protest gegen die städtische Wohnungspolitik der vergangenen Jahre und eine klare Kritik an reichen Investoren, die zum Problem beitragen.

Auf der Website des Penthauses à la Parasit erfahrt ihr mehr über dieses Projekt. Dort könnt ihr euch auch um das Demowohnen auf nur 3,6 Quadratmetern bewerben. Aber Vorsicht: Es kann jederzeit sein, dass die Künstler mit ihrem Häuschen auf Anweisung der Polizei vom Felde ziehen müssen und sich ein anderes Dach aneignen.

7. Molos für Obdachlose: Die Tiny Winterunterkünfte

Eigentlich waren die kleinen rechteckigen Holzhütten der Firma My Molo als kleine Unterkünfte für Festivals gedacht. Nachdem sie im Sommer ihr Soll getan haben, kam der Winter und damit eine Frage: Was soll mit den Molos passieren? Das kleine Unternehmen aus Marienwerder hat sich für die wohl beste aller Lösungen entschieden: Statt leer herumzustehen, werden die Tiny Houses zumindest übergangsweise Obdachlosen als Schlafquartier zur Verfügung gestellt.

Das Kältehilfe-Projekt finanziert sich vollständig aus Spenden, fünf Monate Winterunterkunft kosten pro Molo 1.100 Euro. Wer in den Molos in Friedrichshain übernachtet, entscheidet das Betreuerteam um Diakon Wolfgang Willsch, einer der Pioniere der Berliner Kältehilfe. Gerne würde My Molo das Projekt ausweiten und auch in anderen Großstädten umsetzen, dafür braucht es aber Unterstützer, die die Unterkünfte vor Ort betreuen. Interessenten können sich unter info@mymolo.de melden.

8. Campingplätze mit Stellplätzen für Tiny Houses

Vor allem im Norden Brandenburgs finden Tiny-House-Besitzer und solche, die es vielleicht mal werden wollen, Campingplätze, auf denen nicht nur Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte, sondern auch Tiny Houses ausdrücklich willkommen sind.

Der Campingplatz am Kleinen Lottschesee in Wandlitz-Klosterfelde ist so einer. Nur etwa eine Dreiviertel Stunde Autofahrt von Berlin entfernt, stellt die Betreiberin Margitta Bayer neuerdings auch Stellplätze für Tiny Houses zur Verfügung. Die ersten genügsamen Bewohner haben sich bereits vor Ort eingefunden. Noch finden auf dem Gelände Bauarbeiten statt, damit ab Mitte 2020 Wasser- und Stromanschlüsse dem Komfort erhöhen.

Auch im äußeren Norden Brandenburgs, im Naturpark Uckermärkische Seen findet sich ein Campingplatz mit ganz ähnlichem Konzept. In der "Wilden Heimat" in Fürstenberg/Havel sollen bis Sommer 2020 mehrere Tiny-House-Stellplätze voll erschlossen werden, sodass es den Bewohnern nicht an fließendem Wasser und Strom fehlt.

Außerdem gibt es da noch den Naturcampingpark Rehberge in Lychen. Der Campingplatz bietet unter anderem Glamping an. Vier idyllisch gelegene und fest verankerte kleine Hütten laden von April bis Oktober zum Erholen ein. Wer also mal in einem Tiny House probewohnen möchte, ist hier genau richtig.

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