"Tiny House Stuttgart" auf der Tiny House-Ausstellung Weinstadt
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Bauen | Pro/Contra-Liste

Tiny House auf Rädern: Als Ladung oder als Wohnwagen zulassen?

Wer ein mobiles Tiny House bewegen will, der benötigt eine Straßenzulassung: entweder als Wohnwagen oder als Ladung. Wir erklären euch die Vorteile und Nachteile der beiden Zulassungsformen für Tiny Houses on Wheels.

Mit dem richtigen Anhänger macht ihr euer Tiny House mobil. Doch wie steht es da mit der Zulassung? Als Wohnwagen oder als Ladung? Wir stellen euch die Vorteile und Nachteile beider Optionen vor.

Grundsätzlich gilt: Jeder, der ein Fahrzeug und/oder einen Anhänger auf deutschen Straßen bewegen möchte, muss diesen zur Zulassung anmelden – also auch ein Tiny House.

Dabei habt ihr folgende zwei Möglichkeiten:

Ein Tiny House als Wohnwagen zulassen

Es reicht nicht, wenn der Anhänger, auf dem das Tiny House steht, zugelassen ist. Warum? Wenn das Tiny House fest mit dem Trailer verbunden wird, erlischt die Betriebserlaubnis des Anhängers, da sich durch den fest verbundenen Aufbau die Fahrzeugklasse ändert. Deshalb braucht das Tiny House on Wheels eine neue Zulassung und Einzel-Betriebserlaubnis.

Wer erteilt die Zulassung als Wohnwagen?

Um das Tiny House als Wohnwagen zuzulassen, benötigt ihr eine Betriebserlaubnis von einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer des TÜV oder der DEKRA.

Diese Betriebserlaubnis bekommt ihr nur, wenn entsprechende Vorschriften eingehalten werden. Dazu prüft der Prüfer die Maße (maximal 4 Meter Höhe und 2,55 Meter Breite), das Gewicht (maximal 3,5 Tonnen) sowie sicherheitsrelevante Faktoren (zum Beispiel Sicherheitsglas, keine scharfen Kanten).

Wichtig: Die Wohnwagen-Zulassung gilt nur in Deutschland. Möchtet ihr mit eurem Tiny auf Rädern ins Ausland, benötigt ihr eine separate Zulassung für jedes Land, in das ihr fahren wollt. Oder alternativ eine Genehmigung nach der europäischen Rahmenrichtlinie 70/156/EWG (EG-Typgenehmigung).

Vorteile und Nachteile einer Tiny-House-Zulassung als Wohnwagen

Ein großer Nachteil einer Zulassung des Tiny Houses als Wohnwagen ist, dass dieser Weg oft recht beschwerlich ist, denn es müssen zahlreiche Vorschriften eingehalten werden. Was genau zu beachten ist, ist nicht immer klar geregelt oder dokumentiert. Ihr seid häufig vom guten Willen des Prüfers abhängig.

Tipp: Wer den Prüfer aber schon zu Beginn der Tiny House-Bauphase hinzuzieht, hat später bessere Karten, seine Wohnwagen-Zulassung auch zu bekommen.

Ein weiterer Nachteil in der Zulassung als Wohnwagen liegt in den Konsequenzen bezüglich der Versicherung. Dauerhaftes Wohnen im Tiny House ist damit nicht mehr versicherungsfähig. Bitte informiert euch darüber, bevor ihr euch für diesen Weg entscheidet.

Zudem wollen viele Besitzer eines Tiny House selbiges als dauerhafte Wohnstätte nutzen und die Minihäuser ebenso vor den Behörden als auch in der Gesellschaft als solche anerkannt bekommen. Wenn nun das Tiny House als Wohnwagen gilt, dürfte die Anerkennung als vollwertiges Haus und damit als dauerhafte und anerkannte Wohnstätte nicht gerade einfacher werden.

Zahlreiche Tiny House-Hersteller lassen ihre Tiny Houses dennoch vom TÜV als Wohnwagen zu. Vorteil dieser Vorgehensweise ist die rechtliche Situation. Wenn der TÜV bei der Abnahme einen Mangel übersieht, haftet er dafür. Wer die TÜV-Abnahme nicht selber machen kann oder will, kann das bei einzelnen Tiny House-Herstellern machen lassen.

Die Wohnwagen-Zulassung hat außerdem Vorteile, wenn ihr euer Tiny House auf Privatgrund oder auf einem Campingplatz abstellen wollt.

Eine Tiny House-Bewohnerin, die ihr selbst gebautes Tiny House als Wohnwagen zugelassen hat, ist Uschi. Ihre ganze Geschichte lest ihr hier:

Tiny House als Ladung zulassen

Alternativ könnt ihr euer Tiny House auf Rädern auch als ordentlich gesicherte Ladung deklarieren. Dann benötigt ihr keine zusätzliche Zulassung, solange euer Anhänger vom TÜV geprüft ist.

Wie eine Ladung ordentlich zu sichern ist, schreibt die Straßenverkehrsordnung vor:

Die Ladung (…) ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung, nicht verrutschen, umfallen, hin- und herholen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen könnte (…).

STVO, §22, Abs. 1.

Konkret muss die Ladung so gesichert sein, dass sie bei Kurvenfahrten nicht nach links oder rechts verrutschen kann. Auch beim Bremsen darf sie nicht nach vorne und beim Anfahren am Berg nicht nach hinten verrutschen. Ebenfalls muss ein Abkippen nach links oder rechts ausgeschlossen sein

Wollt ihr euer Tiny House als Ladung deklarieren, dann darf es nicht untrennbar mit dem Anhänger verbunden sein. In der Praxis werden hierfür zum Beispiel Flügelschrauben verwendet, die es möglich machen, die Ladung händisch vom Aufbau zu lösen.

Wer lässt das Tiny House als Ladung zu?

Für die Ladungssicherung tragt ihr als Fahrer oder Halter die Verantwortung. Und das ist durchaus problematisch. Passiert was, dann ist eine sorgfältige Ladungssicherung nur schwer nachweisbar.

In jedem Fall solltet ihr eine umfangreiche (Foto-)Dokumentation vom Aufbau und den Befestigungen haben und diese idealerweise von einem Sachverständigen abnehmen lassen.

Auf Nummer sicher geht ihr, wenn ihr eure Ladung, also euer Tiny House, über die DEKRA zertifizieren lasst.

Vorteile und Nachteile eines Tiny Houses als Ladung

Der größte Nachteil ist, dass im Schadensfall die Versicherung einen Gutachter schicken wird. Und für den ist es relativ leicht, eine unzureichende Ladungssicherung festzustellen und nachzuweisen. Ihr als Besitzer haftet dann für den entstandenen Schaden.

Darüber hinaus zählt zur Ladung sämtliches bewegliches Mobiliar im Tiny House. Dieses müsst ihr während Fahrten mit hoch belastbaren Spanngurten sichern. Einfache Seile, Schnüre oder Taue sind dafür nicht geeignet. Ist das nicht möglich, dann müsst ihr alle Ladungsteile entfernen und in einem gesonderten Fahrzeug transportieren, das über geeignete Möglichkeiten zur Ladungssicherung verfügt.

Ein Vorteil eines Tiny House als Ladung ist, dass dieser Weg einfacher ist als der der Zulassung als Wohnwagen. Zudem spart ihr die Kfz-Versicherung und die Steuern, außerdem die alle zwei Jahre anfallenden TÜV-Gebühren.

Fazit: Was ist besser – Tiny House als Ladung oder als Wohnwagen zulassen?

Ob ihr euer Tiny House als Wohnwagen zulasst oder als Ladung deklariert, hängt davon ab, wo ihr es hinstellen wollt und wie oft ihr es bewegen müsst oder wollt. Außerdem spielt euer Sicherheitsbedürfnis eine Rolle.

Wer einen Stellplatz auf einem Campingplatz hat, der wird eher eine Wohnwagen-Zulassung wählen. Das gleiche gilt, wenn ihr oft unterwegs seid mit eurem Häuschen.

Falls die TÜV-Abnahme als Wohnwagen nicht möglich oder nicht gewünscht ist, dann stellt die Abnahme als Ladung eine mögliche Alternative dar.

Wie andere Tiny-House-Bewohner ihr Tiny House zugelassen haben, könnt ihr in unserer Serie Tiny Wohnglück nachlesen. Dort erzählen Menschen, die ein Minihaus bewohnen, von ihrem Leben im Tiny House und von den Hürden, die sie überwinden mussten.

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