"Tiny House Stuttgart" auf der Tiny House-Ausstellung Weinstadt
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Bauen | Ratgeber

Tiny House auf Rädern: Vorteile, Nachteile und die richtige Zulassung

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Ein Tiny House auf Rädern verspricht Mobilität und Flexibilität. Es hat aber auch einige Nachteile, über die wir euch hier aufklären. Zudem benötigt das Haus auf Rädern eine Straßenzulassung – entweder als Wohnwagen oder als Ladung. Wir erklären euch die Vorteile und Nachteile der beiden Zulassungsformen für ein Tiny House auf einem Anhänger.

Für viele klingt das verlockend: Ein Haus auf Rädern, das man überall mit hinnehmen kann. Doch was in der Theorie toll klingt, erweist sich in der Praxis in Deutschland als schwierig und kompliziert. Wir schildern euch die Vorteile und Nachteile eines Tiny House on Wheels und erklären, welche Möglichkeiten es gibt, ein solches Tiny House auf Rädern zuzulassen.

Vorteile eines Tiny House auf Rädern

Ein Tiny House auf einem Anhänger hat den Vorteil, dass man es relativ leicht von A nach B transportieren kann. Wenn das Tiny House nicht breiter als 2,55 Meter und länger als 7 Meter ist, kann es auf dem Anhänger, auf dem es gebaut wurde, transportiert werden – und zwar ohne Sonderzulassung. Es darf dabei allerdings das Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen und eine Höhe von 4 Metern nicht überschreiten. Es kann dann wie ein Wohnwagen von einem ausreichend starken Pkw gezogen werden.

Tiny House auf Rädern, das von eine Pkw gezogen wird
Ein Tiny House auf einem Anhänger kann wie ein Wohnwagen auf der Straße bewegt werden, wenn es bestimmte Maße und ein Höchstgewicht einhält. © Rolling Tiny House GmbH

Wer wegen eines neuen Jobs in eine andere Stadt ziehen muss, kann sein Zuhause einfach mitnehmen – vorausgesetzt, er findet in der neuen Stadt eine geeignete Stellfläche für das Tiny House auf Rädern.

Ein weiterer Vorteil eines Tiny Houses auf einem Anhänger ist, dass es kein Fundament benötigt. Wenn ihr euer Tiny House auf einem Campingplatz abstellen wollt, dann ist die Bauweise mit Rädern von Vorteil.

Tiny Houses, die so gebaut sind, dass sie eine Straßenzulassung bekommen, könnt ihr theoretisch auch mit in den Urlaub nehmen, denn ihr könnt sie mit einem Pkw selbst bewegen. So spart ihr die Kosten für Hotelübernachtungen und habt euer Zuhause immer bei euch. In der Praxis sind viele bewohnte Tiny Houses dafür aber zu schwer, sie müssten erst leergeräumt werden. Zudem muss für die Fahrt der gesamte Hausrat gesichert werden.

Nachteile eines Tiny House auf Rädern

Den Vorteil der Mobilität und Flexibilität eines Haus auf Rädern könnt ihr in der Praxis in Deutschland leider häufig nicht nutzen. Stellplätze sind rar und deshalb ziehen die wenigsten Tiny-House-Bewohner häufig mit ihrem mobilen Tiny House um. Und wenn ihr euer Tiny House auf Rädern auf einem Grundstück aufstellen und es dauerhaft bewohnen wollt, dann braucht ihr bei jedem Umzug wieder eine Baugenehmigung.

Ein weiterer Nachteil eines Tiny House auf einem Anhänger ist, dass es die Größen- und Gewichtsbeschränkungen oft nicht erlauben, das Tiny House auf Rädern gut zu dämmen. Fußbodenkälte ist ein großes Problem bei dieser Bauart. Zudem schränken euch die Gewichts- und Größenvorgaben bei der Materialwahl sehr ein. Auch der Grundriss wird dadurch sehr schlauchförmig. Es ist auch nur schwer möglich, alles auf einer Ebene barrierearm unterzubringen.

Mehrere Tiny-House-Bewohner, mit denen wir für unsere Serie Tiny Wohnglück gesprochen haben und die ein Tiny House auf Rädern bewohnen, sagen heute, sie würden das nächste Mal ein Tiny House ohne Räder bauen. Dieses kann auch mobil sein (mit Hilfe eines Krans und eines Tiefladers), bringt aber nicht so viele Einschränkungen mit sich.

Ein Nachteil eines Tiny House auf Rädern ist auch, dass ihr zum Aufstellen nicht nur eine Baugenehmigung benötigt, ihr braucht auch eine Straßenzulassung und die gibt es nur bei entsprechender Karosseriestatik.

Tiny House auf Rädern zulassen

Grundsätzlich gilt: Jeder, der ein Fahrzeug und/oder einen Anhänger auf deutschen Straßen bewegen möchte, muss diesen zur Zulassung anmelden – also benötigt ihr auch für euer Tiny House eine Straßenzulassung.

Dabei habt ihr zwei Möglichkeiten: Ihr könnt das Tiny House auf Rädern als Wohnwagen oder als Ladung zulassen. Die Vorteile und Nachteile beider Möglichkeiten erläutern wir euch hier.

Ein Tiny House als Wohnwagen zulassen

Es reicht nicht, wenn der Anhänger, auf dem das Tiny House steht, zugelassen ist. Warum? Wenn das Tiny House fest mit dem Trailer verbunden wird, erlischt die Betriebserlaubnis des Anhängers, da sich durch den fest verbundenen Aufbau die Fahrzeugklasse ändert. Deshalb braucht das Tiny House on Wheels eine neue Zulassung und Einzel-Betriebserlaubnis.

Wer erteilt die Zulassung als Wohnwagen?

Um das Tiny House auf Rädern als Wohnwagen zuzulassen, benötigt ihr eine Betriebserlaubnis von einem amtlich anerkannten Sachverständigen oder Prüfer des TÜV oder der DEKRA.

Diese Betriebserlaubnis bekommt ihr nur, wenn entsprechende Vorschriften eingehalten werden. Dazu prüft der Prüfer die Maße (maximal 4 Meter Höhe und 2,55 Meter Breite), das Gewicht (maximal 3,5 Tonnen) sowie sicherheitsrelevante Faktoren (zum Beispiel Sicherheitsglas, keine scharfen Kanten).

Wichtig: Die Wohnwagen-Zulassung gilt nur in Deutschland. Möchtet ihr mit eurem Tiny auf Rädern ins Ausland, benötigt ihr eine separate Zulassung für jedes Land, in das ihr fahren wollt. Oder alternativ eine Genehmigung nach der europäischen Rahmenrichtlinie 70/156/EWG (EG-Typgenehmigung).

Vorteile und Nachteile einer Tiny-House-Zulassung als Wohnwagen

Ein großer Nachteil einer Zulassung des Tiny Houses als Wohnwagen ist, dass dieser Weg oft recht beschwerlich ist, denn es müssen zahlreiche Vorschriften eingehalten werden. Was genau zu beachten ist, ist nicht immer klar geregelt oder dokumentiert. Ihr seid häufig vom guten Willen des Prüfers abhängig.

Tipp: Wer den Prüfer aber schon zu Beginn der Tiny House-Bauphase hinzuzieht, hat später bessere Karten, seine Wohnwagen-Zulassung auch zu bekommen.

Ein weiterer Nachteil in der Zulassung als Wohnwagen liegt in den Konsequenzen bezüglich der Versicherung. Dauerhaftes Wohnen im Tiny House ist damit nicht mehr versicherungsfähig. Bitte informiert euch darüber, bevor ihr euch für diesen Weg entscheidet.

Zudem wollen viele Besitzer eines Tiny House selbiges als dauerhafte Wohnstätte nutzen und die Minihäuser ebenso vor den Behörden als auch in der Gesellschaft als solche anerkannt bekommen. Wenn nun das Tiny House als Wohnwagen gilt, dürfte die Anerkennung als vollwertiges Haus und damit als dauerhafte und anerkannte Wohnstätte nicht gerade einfacher werden.

Zahlreiche Tiny House-Hersteller lassen ihre Tiny Houses dennoch vom TÜV als Wohnwagen zu. Vorteil dieser Vorgehensweise ist die rechtliche Situation. Wenn der TÜV bei der Abnahme einen Mangel übersieht, haftet er dafür. Wer die TÜV-Abnahme nicht selber machen kann oder will, kann das bei einzelnen Tiny House-Herstellern machen lassen.

Die Wohnwagen-Zulassung hat außerdem Vorteile, wenn ihr euer Tiny House auf Privatgrund oder auf einem Campingplatz abstellen wollt.

Eine Tiny House-Bewohnerin, die ihr selbst gebautes Tiny House als Wohnwagen zugelassen hat, ist Uschi. Ihre ganze Geschichte lest ihr hier: Tiny Wohnglück: Tiny House-Bewohnerin Uschi und ihr selbstgebautes Häuschen

Tiny House als Ladung zulassen

Alternativ könnt ihr euer Tiny House auf Rädern auch als ordentlich gesicherte Ladung deklarieren. Dann benötigt ihr keine zusätzliche Zulassung, solange euer Anhänger vom TÜV geprüft ist.

Wie eine Ladung ordentlich zu sichern ist, schreibt die Straßenverkehrsordnung vor:

Die Ladung (…) ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung, nicht verrutschen, umfallen, hin- und herholen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen könnte (…).

STVO, §22, Abs. 1.

Konkret muss die Ladung so gesichert sein, dass sie bei Kurvenfahrten nicht nach links oder rechts verrutschen kann. Auch beim Bremsen darf sie nicht nach vorne und beim Anfahren am Berg nicht nach hinten verrutschen. Ebenfalls muss ein Abkippen nach links oder rechts ausgeschlossen sein.

Wollt ihr euer Tiny House als Ladung deklarieren, dann darf es nicht untrennbar mit dem Anhänger verbunden sein. In der Praxis werden hierfür zum Beispiel Flügelschrauben verwendet, die es möglich machen, die Ladung händisch vom Aufbau zu lösen.

Wer lässt das Tiny House als Ladung zu?

Für die Ladungssicherung tragt ihr als Fahrer oder Halter die Verantwortung. Und das ist durchaus problematisch. Passiert was, dann ist eine sorgfältige Ladungssicherung nur schwer nachweisbar.

In jedem Fall solltet ihr eine umfangreiche (Foto-)Dokumentation vom Aufbau und den Befestigungen haben und diese idealerweise von einem Sachverständigen abnehmen lassen.

Auf Nummer sicher geht ihr, wenn ihr eure Ladung, also euer Tiny House auf Rädern, über die DEKRA zertifizieren lasst.

Vorteile und Nachteile eines Tiny Houses als Ladung

Der größte Nachteil ist, dass im Schadensfall die Versicherung einen Gutachter schicken wird. Und für den ist es relativ leicht, eine unzureichende Ladungssicherung festzustellen und nachzuweisen. Ihr als Besitzer haftet dann für den entstandenen Schaden.

Darüber hinaus zählt zur Ladung sämtliches bewegliches Mobiliar im Tiny House. Dieses müsst ihr während Fahrten mit hoch belastbaren Spanngurten sichern. Einfache Seile, Schnüre oder Taue sind dafür nicht geeignet. Ist das nicht möglich, dann müsst ihr alle Ladungsteile entfernen und in einem gesonderten Fahrzeug transportieren, das über geeignete Möglichkeiten zur Ladungssicherung verfügt.

Ein Vorteil eines Tiny House als Ladung ist, dass dieser Weg einfacher ist als der der Zulassung als Wohnwagen. Zudem spart ihr die Kfz-Versicherung und die Steuern, außerdem die alle zwei Jahre anfallenden TÜV-Gebühren.

Fazit: Was ist besser – Tiny House als Ladung oder als Wohnwagen zulassen?

Ob ihr euer Tiny House als Wohnwagen zulasst oder als Ladung deklariert, hängt davon ab, wo ihr es hinstellen wollt und wie oft ihr es bewegen müsst oder wollt. Außerdem spielt euer Sicherheitsbedürfnis eine Rolle.

Wer einen Stellplatz auf einem Campingplatz hat, der wird eher eine Wohnwagen-Zulassung wählen. Das gleiche gilt, wenn ihr oft unterwegs seid mit eurem Häuschen.

Falls die TÜV-Abnahme als Wohnwagen nicht möglich oder nicht gewünscht ist, dann stellt die Abnahme als Ladung eine mögliche Alternative dar.

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