Ein Minihaus mit Holzfassade und mit spitzem Dach
© Hollandfoto / Getty Images

Bauen | Info-Guide

Tiny House kaufen: Modelle, Beispiele und Kosten

Eva Dorothée Schmid

Wer ein Tiny House kaufen möchte, bekommt immer mehr Optionen. Die Anzahl der Hersteller wächst rasant. Wir zeigen verschiedene Modelle und sagen, was sie kosten.

Per Kran, Tieflader, Bahn oder Schiff kommen sie an jeden gewünschten Einsatzort. Und dort bleiben sie, wachsen oder ziehen wieder um – eben wie das Leben so spielt: Tiny Houses. Es ist nicht übertrieben, von einem Trend zu sprechen: Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, ein solches Tiny House zu kaufen. Auf die Frage "Leben in einem Tiny House – können Sie sich das vorstellen?" antworteten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im August 2019 33 Prozent der Befragten mit Ja.

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Wohnraum ist in vielen Städten knapp. Da kommen Tiny Houses gerade recht, können sie doch kleinste Lücken füllen. Ein Grundstück von etwa 200 Quadratmetern Fläche mit Anschlüssen reicht den Mini-Häusern. Dabei kann die Fläche vielleicht nicht einmal gekauft, sondern gepachtet oder geleast sein. Und immer mehr Kommunen weisen Flächen für Tiny Houses aus, einen Überblick über geplante Tiny-House-Siedlungen gibt es hier.

Verschiedene Arten von Tiny Houses

Die Vielfalt an Tiny-House-Modellen ist groß. Prinzipiell kann man folgende drei Arten von Tiny Houses unterscheiden:

Drei Arten Tiny House Grafik

Am flexibelsten ist ein Tiny House on Wheels. Allerdings gibt es hier auch große Beschränkungen, denn ein solches Tiny House darf nicht schwerer als 3,5 Tonnen sein und es müssen bestimmte Maße eingehalten werden, damit man damit auf der Straße unterwegs sein kann.

Mehr Möglichkeiten was die Materialwahl und Einrichtung betrifft, bieten Modulhäuser und Minihäuser, die häufig auch besser gedämmt sind. Sie können per Lkw und Kran von einem Ort zum anderen transportiert werden.

Tiny Houses als vollwertiger Lebensraum

Die flexiblen Bauten dienen nicht nur als vollwertiger Lebensraum für moderne digitale Nomaden, die der Job oder die Liebe in eine andere Stadt verschlägt. Tiny Houses bieten sich auch als unkomplizierte Wohnraumerweiterung an – auf ein bestehendes Flachdach oder in den Garten gesetzt.

Der Bedürfnisse gibt es viele. Da kann Oma auf das Grundstück ihrer Kinder ziehen, bleibt im eigenen Heim autark und ist dennoch ihrer Familie nah. Oder Existenzgründer richten sich im heimischen Garten ein abgeschlossenes Büro ein. Ideal auch für selbständige Mütter oder Väter, die trotz abgeschiedener Arbeitsstätte für die Kinder immer erreichbar sein wollen. Beispiele für Menschen, die bereits in einem Tiny House leben, zeigt unsere Serie Tiny Wohnglück.

Zukunftsvisionäre, mutige Architekten, aber auch Fertighaus-Hersteller wagen sich an den Bau von Mini-Häusern. Sie schaffen höchst modernen Wohnraum, der sowohl optisch ansprechend als auch funktional ist. Die meisten Tiny Houses lassen sich ganz nach dem eigenen Zeit- und Lebensplan verändern, unkompliziert aufstocken, erweitern oder auch wieder zurückbauen.

Wer ein Tiny House kaufen möchte, findet im Folgenden acht Beispiele mit Beschreibung, Bildern, Preisen und Kontaktdaten. Die Liste ist natürlich längst nicht vollständig, sondern soll euch vor allem einen Eindruck verschaffen, wie vielfältig mittlerweile der Tiny House-Markt geworden ist.

Tipp: Auf unserer Themenseite Tiny House findet ihr alle Informationen und regelmäßig neue Artikel. Oder ihr abonniert den wöchentlichen Wohnglück-Newsletter und folgt uns auf Facebook und Instagram.

Tiny House 1: "Flying Spaces"

"Flying Spaces" nennt SchwörerHaus sein Modulhaus-Konzept, dessen kleinstes Modell rund 96.000 Euro kostet. Der Anbieter verfügt über viel Erfahrung, denn bereits seit 2010 bietet er seine fliegenden Bauten an.

Das kleinste Model ist als Zweiraum-Wohnung mit 30 Quadratmetern konzipiert. Es gibt aber auch größere Module. Zudem können die einzelnen Module zu größeren Einheiten kombiniert werden. Angeboten werden auch Möbellösungen aus der Schwörer Design-Schreinerei, die den knappen Platz ideal nutzen.

Ihr könnt zwischen verschiedenen Ausbaustufen wählen: Ausbauhaus, Technik-Fertig, Fast-Fertig oder Bezugsfertig.

"Flying Spaces" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

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Infos zu den "Flying Spaces":

  • Wohnfläche: 30 bis 70 Quadratmeter
  • Kosten: ab ca. 96.000 Euro für 30 Quadratmeter, ca. 134.00 Euro für 50 Quadratmeter, jeweils bezugsfertig
  • Kontakt zum Hersteller

Tiny House 2: "Wohnwagon"

Der österreichische Hersteller Wohnwagon ist ein Pionier in Sachen autarkes Tiny House. Der erste Wohnwagon wurde bereits 2013 gebaut, mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne. Mittlerweile bietet das Unternehmen sechs verschiedene Modelle an, die sich alle dadurch auszeichnen, dass sie mit natürlichen Materialien wie heimischem Fichten- und Lärchenholz, Lehmputz und Schafwolle als Dämmung hergestellt werden.

Die Palette reicht vom 15 Quadratmeter großen Atelier-Wagen "Susi" bis zum familientauglichen Modell "Hubert", das 42 Quadratmeter groß ist. Besonderes Augenmerk legt man bei Wohnwagon auf das Thema Autarkie, wobei es Modelle mit unterschiedlichen Autarkiegraden gibt.

Angeboten werden die Tiny Houses auf Wunsch mit Bio-Toilette, Wasserkreislaufsystem, Holz-Solar-Zentralheizungssystem und Photovoltaik-Inselanlage.

Wohnwagon im Video - ein Anwendungsbeispiel

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Infos zu Wohnwagon

  • Wohnfläche: 15 bis 42 Quadratmeter
  • Kosten: Der Einstiegspreis für einen 15 Quadratmeter großen Wohnwagon liegt bei 50.570 Euro ohne Einrichtung. Die teuerste Variante kostet, voll möbliert, rund 180.000 Euro.
  • Kontakt zum Hersteller

Tiny House 3: "LoftCube" und "Fincube"

Zur Avantgarde deutscher Designer, die sich etwas trauen, zählt zweifelsfrei auch Werner Aisslinger. Der Berliner, der permanent neue Technologien und Materialien für seine Arbeiten auslotet, erschafft mit seinem LoftCube einen futuristischen Wohncontainer.

Medienpräsent aufgestellt auf einem Hochhaus-Flachdach, tritt der Gestalter des Tiny Houses mit seinem eigenwilligen Ausflug in die Architektur eine Welle los. Sein ökologischer Nachfolger, der Fincube, wird in Südtirol in Niedrigenergiebauweise produziert. Das mobile Loft aus Holz und Glas verbindet Nachhaltigkeit mit exklusivem Design.

"Loftcube" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

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Infos zum "Loftcube":

Tiny House 4: "coodo"

Die Firma LTG (Lofts to go) aus Brandenburg hat ihr Tiny House "coodo" getauft.

Das moderne, offene Design und der weitgehende Verzicht auf Trennwände scheinen jeden verfügbaren Quadratmeter gefühlt zu verdoppeln. Die markante Gebäudehülle besteht aus Glasfaserbeton auf verzinktem Stahlskelett. Das macht das Tiny House "coodo" korrosionsfrei und wasserbeständig.

"coodo" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

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Infos zu "coodo":

Tiny House 5: "Ecocapsule"

Winzig, mobil und auf das autarke Leben ausgelegt ist das visionäre Wohn-Ei "Ecocapsule" von Nice Architects. Die Slowaken bringen auf 4,48 x 2,40 x 2,48 Meter Fläche Wohnraum für zwei Personen inklusive Dusche und WC unter. Dank Solaranlage und Windturbine versorgt sich die Ökokapsel selbst.

Das dank der besonderen Form der Behausung aufgefangene Regenwasser wird bei "Ecocapsule" sogar zu Trinkwasser aufbereitet. Laut Hersteller wird das Tiny House zum Stückpreis von 79.900 Euro angeboten.

"Ecocapsule" im Video – ein Anwendungsbeispiel:

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Infos zu "Ecocapsule":

Tiny House 6: "Cabin One"

Das Tiny House "Cabin One", ehemals "Cabin Spacey" hat Simon Becker aus Berlin ertüftelt. Das erste Modell hatte rund 25 Quadratmeter Nutzfläche, inzwischen gibt es unterschiedliche Tiny Houses von Cabin One.

Dort liegt der Fokus auf Minimalismus, Design und Wohnqualität. Jedes Minihaus wird im Werk vorproduziert und anschließend an seinen Bestimmungsort ausgeliefert. Zur Wahl stehen verschiedene Ausstattungspakete.

Infos zu "Cabin One":

Tiny House 7: "Rolling Tiny House"

Seit 2018 baut Peter Pedersen in Schleswig-Holstein Tiny Houses on Wheels in Serie. Sie basieren auf einer Strahlrahmen-Konstruktion, um alle statischen Erfordernisse für die Baugenehmigung, aber auch für den Betrieb auf der Straße zu erfüllen. Die Fassade besteht aus Kiefer, außerdem erfüllt das Tiny House die Anforderungen der EnEV 2016.

Das Rolling Tiny House zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass der zur Verfügung stehende Raum möglichst optimal genutzt wird. Die bereits integrierten Möbel wurden speziell für das Haus designt und erfüllen alle Voraussetzungen, die an ein Wohnhaus gestellt werden und auf der anderen Seite die nötige Bewegungsfreiheit, die den Innenraum gefühlt deutlich größer erscheinen lassen.

Wer ein Rolling Tiny House kaufen möchte, muss mit Kosten in Höhe von rund 50.000 Euro rechnen. Es gibt drei Grundversionen:

  • Basic – schlüsselfertig ohne Möblierung
  • Advanced – schlüsselfertig mit Teilmöblierung
  • Fullsize – bezugsfertig mit kompletter Möblierung

Das Rolling Tiny House im Video

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Infos zum Rolling Tiny House

  • Wohnfläche: 28 Quadratmeter
  • Kosten: ab 49.900 Euro in der bezugsfertigen Grundversion
  • Kontakt zum Hersteller

Tiny House 8: Fertighaus als modularer Anbau

So mancher Hausbesitzer kennt das Problem: Irgendwie wird dringend mehr Platz benötigt, aber auch mit noch so aufwendigen Um- oder Ausbauten ist die Sache nicht getan.

Abhilfe schaffen hier vorproduzierte Fertighäuser in Modulbauweise. Wer ein solches Tiny House kaufen möchte, muss mit einem Preis ab 55.000 Euro rechnen.

Die Module enthalten alle vorausgewählten Wohnelemente, können also im Idealfall auch ein komplettes "Tiny House" sein. Entweder als Solitär oder in Kombination mit weiteren Elementen können so von der individuellen Einzellösung bis hin zum Modul-Reihenhaus fast sämtliche Wohnwünsche im Baukastensystem erfüllt werden.

So bietet zum Beispiel die im nordrhein-westfälischen Löhne ansässige SmartHaus GmbH an, ihre in Holzbauweise vorproduzierten Module als Einzelmodul an einen Bestandsbau zu setzen. Über einen Durchbruch kann eine direkte Verbindung hergestellt werden, so ist natürlich auch ein separater Eingang möglich. Auch als Aufstockung auf Flachdächern oder in Hanglagen können die Module verbaut werden.

Dabei verfolgt die Firma einen interessanten Gedanken: Neben der Individuallösung zur vielfältigen Nutzung wird auch barrierefreies Wohnen auf einer Ebene angepriesen. So werden Tiny Houses sogar zur bedenkenswerten Alternative beim Thema altersgerechtes Wohnen.

Infos zum modularen Anbau:

Wem ein Tiny House zu winzig ist, der kann sich vielleicht mit einem Mini-Haus anfreunden. Mehr dazu hier:

Tiny House kaufen, Baurecht beachten

Ein Tiny House kaufen, das ist also gar nicht mehr so kompliziert – und wird mit der zunehmenden Massenproduktion auch immer erschwinglicher. Mehr Infos zu den Kosten lest ihr in unserem Beitrag "Tiny House: Mit diesen Kosten müsst ihr rechnen". Alternativ könnt ihr euch ein Tiny House natürlich auch selber bauen.

Doch es gibt ja auch noch das deutsche Baurecht, und dieses hat nicht umsonst den Ruf, weltweit eines der umständlichsten zu sein.

Selbst die kleinste Bude bedarf in Deutschland einer Baugenehmigung, sofern sie zum Wohnen dienen soll. Für so genannte untergeordnete Gebäude wie Gartenhäuser, die nicht zum ständigen Aufenthalt bestimmt sind und eine gewisse Größe nicht überschreiten, reicht häufig eine Anmeldung. Für Tiny Houses, die dauerhaft bewohnt werden sollen, gilt dies aber nicht.

Das Bauamt ist die richtige Adresse, um erst einmal zu erfahren, ob fürs Tiny House eine Baugenehmigung benötigt wird. Die Höchstgrenzen der umbauten Flächen sind nämlich regional sehr unterschiedlich.

Den Bauantrag für das Mini-Haus muss der Bauherr an die zuständige Behörde stellen. Das übernehmen im Regelfall die Architekten. Häufig bieten auch die Haushersteller einen Bauantragsservice an. Mehr zum Thema Baurecht und Tiny Houses lest ihr in unserem Beitrag: Baugenehmigung fürs Tiny House: Wichtige Infos zum Baurecht.

Wer einmal ausprobieren will, wie es sich anfühlt, in einem Tiny House zu wohnen, der findet Adressen, wo dies möglich ist, in unserem Artikel "Probewohnen im Tiny House".

Tiny House: Die wichtigsten Fragen und Antworten

In unserem Video beantwortet Tiny-House-Experte Jean-Pierre Jacobi die wichtigsten Fragen rund ums Tiny House.

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