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Bauen | Ratgeber

Seecontainerhaus: So verwandelt ihr Schiffscontainer in ein Tiny House

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Profis

Seecontainer sind eine relativ günstige Möglichkeit, schnell zu einem Tiny House zu kommen. Es gibt inzwischen mehrere Anbieter von fertigen Seecontainerhäusern und Anleitungen für Menschen, die sich selbst ein Haus aus Schiffscontainern bauen wollen.

Je nachdem wie eure Lebenssituation und euer Lebensstil aussehen, könnte ein ausgebauter Seecontainer durchaus eine Alternative zum Kauf oder Bau eines Minihauses sein. Wenn der Bebauungsplan Flachbauten zulässt, dann könnt ihr mit einem Seecontainer in relativ kurzer Zeit zu einem regendichten Rohbau kommen.

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Den könnt ihr gegebenenfalls auch in Eigenleistung zu einem Seecontainerhaus ausbauen. Dafür gibt es detaillierte Anleitungen, die ihr im Netz kaufen könnt. Wer nicht selbst Hand anlegen will, wird bei auf Containerhäuser spezialisierten Anbietern fündig.

Was ist ein Containerhaus?

Der Begriff Containerhaus bezeichnet in erster Linie den Umbau von ehemaligen Seefrachtcontainern zu voll ausgestattetem Wohnraum. Inzwischen haben sich aber auch professionelle Bauunternehmen von der bausteinförmigen Bauweise inspirieren lassen und bieten Fertig-Module in Containerbauweise an. Diese sind etwas günstiger als konventionelle Einfamilienhäuser.

Den Charme (und die Nachhaltigkeit) eines Recyclinghauses besitzen allerdings nur Gebäude aus gebrauchten Seecontainern. Diese bestehen zum Großteil aus korrosionsbeständigem Stahl, der mit einem Schutzlack und einer Farblackierung auf Epoxidharzbasis versehen ist.

Wir erklären euch, was ihr alles über Seecontainer als Wohnraum (auch Cargotecture genannt) wissen müsst.

Wie viele Quadratmeter Wohnfläche bietet ein Seecontainer?

Ein standardisierter 20-Fuß-Seecontainer ist im Inneren 5,90 Meter lang und 2,35 Meter breit. Die Höhe beträgt 2,39 Meter. Damit ergibt sich eine Wohnfläche von 13,87 Quadratmetern.

Ein 40-Fuß-Container bietet ein Innenmaß von 12,03 Metern mal 2,35 Metern. Er ist ebenfalls 2,39 Meter hoch. Somit ergibt sich hier eine nutzbare Quadratmeterfläche von 28,27 Quadratmetern.

Beide Container-Typen gibt es auch noch als High Cube-Version. Dann sind sie innen 2,70 Meter hoch.

Ihr solltet allerdings berücksichtigen, dass von diesen Maßen noch einiges an Fläche für die unbedingt erforderliche Dämmung abgeht. Diese könnte man natürlich auch außen anbringen, dann verliert der Container aber seine einzigartige Optik. Außerdem lässt er sich dann nicht mehr so einfach transportieren.

Wer mehr Platz benötigt, kann mehrere Container miteinander kombinieren – entweder nebeneinander oder übereinander, in diesem Fall würde man die beiden Container über eine Außentreppe miteinander verbinden.

Seecontainer in verschiedenen Farben
Seecontainer gibt es in verschiedenen Farben und Größen zu kaufen. © Getty Images

Vorteile und Nachteile von Seecontainern als Tiny House

Seecontainer zu Wohnzwecken zu nutzen hat einige Vorteile:

  • Seecontainer sind relativ günstig.
  • Ein Seecontainerhaus ist schnell fertig.
  • Die Schiffscontainer sind wasserfest und sehr stabil.
  • Aufgrund ihrer genormten Maße sind Tiny Houses aus Seecontainern einfach transportabel – per Lastwagen, Schiff und Kran.
  • Seecontainerhäuser benötigen lediglich ein einfaches Streifenfundament oder ein Punktfundament.
  • Sie sind ökologisch, weil sie nur wenig neues Material verbrauchen.

Allerdings haben die Schiffscontainerhäuser auch einige Nachteile:

  • Es ist nicht so einfach, für dauerhaft zu Wohnzwecken genutzte Seecontainerhäuser eine Baugenehmigung zu bekommen. Nach dem deutschen Baurecht muss Wohnraum je nach Bundesland mindestens eine Raumhöhe von 2,30 oder 2,40 Metern aufweisen. Für kleine Gebäude gibt es aber zum Teil Ausnahmen.
  • Seecontainer werden in Leichtbauweise konstruiert und nicht isoliert. Je nach Sonneneinstrahlung und Umgebungstemperatur verwandeln sie sich schnell in Kühlschränke oder Backöfen. Eine gute Dämmung, der Einbau einer Belüftung und mehrfachverglaste Fenster sind daher ein Muss, aber mit entsprechendem Aufwand verbunden.
  • Der Grundriss eines Seecontainerhauses ist sehr schlauchförmig, was die Einrichtung ein bisschen tricky macht.
Containerhaus
Indem einzelne Wände des Containers durch Glas ersetzt werden, kommt Licht in das Tiny House. © Getty Images/iStockphoto

Was kostet ein Seecontainerhaus?

Das Container-Upcycling zu Wohnzwecken bietet sich besonders für Menschen mit kleinem Geldbeutel an. Wer beim Umbau seines Seecontainers in ein Tiny House selbst Hand anlegt und mit einer minimalistischen Ausstattung zufrieden ist, kann sein Mini-Haus bereits für 10.000 Euro bauen. Fertig ausgestattete Containerhäuser bekommt ihr ab 15.000 Euro.

Für einen gebrauchten Seecontainer müsst ihr etwa 2.000 bis 4.000 Euro bezahlen. Die Preise schwanken stark, je nach Lage des Welthandels.

Wenn ihr nicht gerade in Hafennähe wohnt und auch nicht Besitzer eines Lkw seid, dann müsst ihr den Transport des Containers zum Wunschort mit in euer Budget einkalkulieren. Die Kosten für die Anlieferung des Containers betragen etwa 1,50 Euro je Kilometer, außerdem braucht ihr zum Abladen vor Ort einen Mobilkran, der mit 80 bis 120 Euro pro Stunde zu Buche schlägt.

Seecontainer zum Tiny House umbauen

Wenn ihr selbst einen Seecontainer zu einem Tiny House umbauen wollt, dann braucht ihr zunächst einen Seecontainer. Nagelneue Container gibt es in Deutschland kaum zu kaufen, da sie zu 90 Prozent in China hergestellt werden und den Weg hierher in der Regel nicht leer zurücklegen.

Tipps zum Kauf gebrauchter Seecontainer als Wohnraum

Achtet beim Kauf darauf, dass der Container eine CSC-Plakette hat. Das ist sowas wie die TÜV-Plakette beim Auto. Es gibt vier Klassifizierungen für die Einstufung von gebrauchten Seecontainern: Container mit A haben noch eine hervorragende Qualität, solche mit D eine minderwertige. Für Wohnzwecke solltet ihr möglichst einen neuwertigen Frachtcontainer oder einen gebrauchten Container mit der Klassifizierung A oder B wählen.

Wenn irgendwie möglich, schaut euch auch die Unterkonstruktion des Containers an. Hier setzt sich gerne mal Rost an, der auf den ersten Blick nicht erkennbar ist und später für Ärger sorgen könnte.

Versucht auch in Erfahrung zu bringen, was in dem Container transportiert wurde. Container mit frischen Waren wie Obst, Gemüse oder Blumen werden nämlich oft mit Pestiziden und anderen Giftstoffen behandelt, damit die Ware ohne Schädlinge und Tiere an ihrem Zielhafen ankommt. Viele Container sind deshalb mit Chemikalien belastet, die auch für Menschen schädlich sein können.

Brauche ich eine Baugenehmigung für ein Seecontainerhaus?

Wie bei Tiny Houses allgemein gilt auch für Seecontainerhäuser: Sie unterliegen wie alle Gebäude dem Baurecht. Ihr braucht also eine Baugenehmigung und müsst den Bebauungsplan beachten oder – falls vorhanden – die in eurem Ort geltende Ortsgestaltungssatzung.

Deshalb: Bevor ihr euch an den Bau macht oder ein Seecontainerhaus kauft, klärt mit der zuständigen Baubehörde, ob dieses überhaupt genehmigungsfähig ist. Weitere Informationen erhaltet ihr in unserem Artikel:

Anleitung zum Ausbau eines Seecontainers zum Tiny House

Stefan Brandt aus dem niedersächsischen Liebenburg hat sich selbst ein Tiny House aus einem 20-Fuß-Seecontainer gebaut. Der Diplom-Ingenieur hat den Bau seines "Pocketcontainers" minutiös dokumentiert und verkauft seit ein paar Jahren detaillierte Anleitungen, mit denen man mit etwas handwerklichem Geschick selbst unterschiedlich große Seecontainer zu Wohnzwecken ausbauen kann. Laut Brandt ist der Pocketcontainer so gedämmt, dass er nach der Energieeinsparverordnung 2009 genehmigungsfähig ist.

Die Standardversion des Pocketcontainer können Hobby-Handwerker zu 95 Prozent in Eigenregie bauen.

  • Kosten: circa 6.000 bis 9.000 Euro
  • Bauzeit: etwa 14 Arbeitstage

Die Bauanleitungen mit detaillierter Stückliste und Bezugsquellen könnt ihr für 49 bis 79 Euro auf Brandts Seite Pocketcontainer.de bestellen. Und hier gibt es eine 3-D-Animation des Pocketcontainers.

Ein fertiges Seecontainerhaus kaufen

Ihr seid handwerklich nicht begabt und traut euch den Selbstbau eines Seecontainerhauses nicht zu? Kein Problem: Es gibt mittlerweile auch in Deutschland Firmen, die Seecontainerhäuser fertigen.

Your-Boxx von Schreinerei Häger

Die Schreinerei Häger aus Kerpen bietet unter dem Namen Your-Boxx individuell ausgebaute Seecontainerhäuser an. Fertig sind die Tiny Houses mit Miniküche, Minibad und Terrasse in acht bis zwölf Wochen. Sie erfüllen die aktuelle Energieeinsparverordnung EnEv 2017.

Kosten einer Your-Boxx: ab 30.000 Euro.

Umgebauter Seecontainer von Your Boxx
Aus einem Seecontainer wird Your Boxx – ein modernes Tiny House. © Constantin Meyer/Häger & Söhne GmbH

Big Box Berlin

Auch bei Big Box Berlin gibt es verschiedene Wohnboxen aus ehemaligen 20- und 40-Fuß-Frachtcontainern. Sie verfügen über ein Bad mit Dusche, WC und Waschbecken, sind komplett elektrifiziert und können nach Kundenwunsch möbliert werden. Durch den Umbau nach DIN 4108-02 / EnEV 2016 steht die WohnBOX einem konventionellen Bauwerk in nichts nach und ihr könnt sie zu jeder Jahreszeit und bei jeder Temperatur nutzen.

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