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Häuser aus dem 3D-Drucker: Ist das die Zukunft des Bauens?

Michael Penquitt

Level: Für Alle

Häuser aus dem Drucker versprechen niedrige Kosten, viel Zeitersparnis und eine nachhaltige Bauweise. Doch wann kommt die Technologie nach Deutschland?

Die Weltbevölkerung wächst stetig und noch ist kein Ende dieser Entwicklung in Sicht. Zwar verlangsamt sich dieser Trend seit einiger Zeit, dennoch sollen im Jahr 2050 laut Prognosen der Vereinten Nationen knapp 10 Milliarden Menschen den Planeten Erde bewohnen.

Das stellt uns vor große Herausforderungen. Neben der Lebensmittelversorgung und der Klimakrise steht eine weitere wichtige Frage im Raum: Wo sollen all diese Menschen wohnen? Schon jetzt haben Millionen Menschen kein Dach über dem Kopf und wir kommen einfach nicht mit dem Bau neuer Unterkünfte hinterher. Neue Häuser kosten häufig vermeintlich zu viel und ihre Errichtung ist eine langwierige Angelegenheit.

Start-Ups aus den USA sind Vorreiter

Einige Start-Ups und NGOs meinen, eine Lösung gefunden zu haben: Statt sie aus vielen Einzelteilen dank menschlicher Muskelkraft zu bauen, drucken sie die Häuser einfach mithilfe von 3D-Druckern aus. Könnte diese Technologie dabei helfen, auch in Deutschland die Wohnungsknappheit zu reduzieren?

In den vergangenen Jahren haben einige Projekte rund um den 3D-Druck von Wohnhäusern von sich reden gemacht. Am öffentlichkeitswirksamsten war wohl das der US-amerikanischen Firma Icon. 2018 hat das Start-Up die erste offizielle Baugenehmigung für ein Haus aus dem Drucker in den Vereinigten Staaten erhalten. Daraufhin hat das Team innerhalb von wenigen Wochen in der texanischen Hauptstadt Austin ein Gebäude entstehen lassen.

Gedruckte Häuser für Lateinamerika

Das Tiny House des Modells Chicon House verfügt über eine Terrasse und ist 32 Quadratmeter groß. In der Herstellung hat es umgerechnet rund 8.500 Euro gekostet und wurde laut Icon innerhalb von wenigen Wochen gebaut. Es wird derzeit nicht bewohnt, sondern dient als sogenannter "Proof of Concept", um Investoren und Kooperationspartner vom Potenzial der Bauweise dank 3D-Drucker zu überzeugen.

In Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation New Story plant Icon nun, in El Salvador eine gedruckte Siedlung für rund 400 Menschen zu errichten, die bislang in prekären Wohnverhältnissen leben. Die Projektverantwortlichen versprechen, Häuser mit einer Wohnfläche von 55 bis 75 Quadratmetern zu bauen. Die Fertigstellung eines kompletten Hauses soll dann nur 24 Stunden in Anspruch nehmen und 3.500 Euro kosten. Der Spatenstich soll noch 2019 erfolgen.

Derzeit sammelt das Start-Up Anfragen, um zu ermitteln, wo, abgesehen von den Krisenregionen dieser Welt, die Nachfrage nach gedruckten Häusern am größten ist.

Häuser aus dem 3D-Drucker in China

Das chinesische Unternehmen WinSun Decoration Design Engineering ist da angeblich schon einen, wenn nicht zwei Schritte weiter: Bereits 2014 berichteten Medien darüber, dass die 3D-Drucker der Firma innerhalb kürzester Zeit einen ganzen Straßenzug in Shanghai bestehend aus zehn Häusern gedruckt hätten. Auch hier lag der Preis bei 3.500 Euro pro Haus.

Der Unterschied: Ein Haus soll jeweils etwa 200 Quadratmeter groß sein. Jedoch wurden hier die Elemente zunächst einzeln aus einem Betongemisch gedruckt, um anschließend vor Ort zu einem ganzen Haus zusammengesetzt zu werden. Seitdem hat WinSun unter anderem ein Bürogebäude in Dubai sowie ein mehrstöckiges Mehrfamilienhaus in der chinesischen Provinz Jiangsu gebaut.

Auch in Russland steht ein Musterhaus

Und auch die russisch-amerikanische Firma Apis Cor hat 2017 mit Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. Mitten im russischen Winter hat das Unternehmen, ebenfalls in 24 Stunden, ein kleines Wohnhaus mit 38 Quadratmetern Wohnfläche ausdrucken lassen. Inklusive des Ausbaus soll es knapp 10.000 Euro gekostet haben. Die runden Wände und die gelb gestrichene Fassade verleihen dem Gebäude ein ungewöhnliches Aussehen. Und doch gilt es als das bisher kompletteste Wohnhaus, das einem 3D-Drucker entstammt.

In Deutschland ist man vorsichtig

Wann kommt denn nun dieses 3D-Bauverfahren nach Deutschland? Experten wie Klaudius Henke und Moritz Mungenast von der Technischen Uni München sind sich einig: Es dauert noch einige Jahre. Es wurde schlicht noch kein Material gefunden, dass die hohen Zugkräfte aushält. Die Gebäude werden dadurch, so die Befürchtung, mit den Jahren immer unsicherer. Doch die Technologie hat Potenzial und weitere Innovationen werden nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Wer auf moderne Wohnkonzepte steht, wird mit Sicherheit auch Freude an Tiny Houses finden. Und wer sich für die Installation von intelligenten Steuerungssystemen zu Hause interessiert, findet bei uns alles über das Smart Home.

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