Tiny House
© Tchibo

Bauen | Pro/Contra-Liste

Tiny House: Vorteile und Nachteile der Minihäuser

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Level: Für Anfänger

Ein Tiny House eignet sich nicht für jeden: Wenn ihr mit einem Umzug in ein Minihaus liebäugelt, dann solltet ihr wissen, was auf euch zukommt. Neben vielen Vorteilen haben Tiny Houses nämlich auch Nachteile – nicht gerade wenige.

Jeder achte Deutsche könnte sich vorstellen, in einem Tiny House zu leben. Das hat eine Umfrage von Interhyp im Februar 2019 ergeben. Vor allem mobile Tiny Houses, deren Wohnfläche zwischen acht und 20 Quadratmetern beträgt, liegen eben voll im Minimalismus-Trend. Doch welche Vorteile und Nachteile ergeben sich aus einem Leben im Minihaus? Wir erklären euch, was für und was gegen die Minihäuser spricht.

Vorteile von Tiny Houses

Tiny Houses sind entweder von Anfang an auf Anhängern gebaut, die mit Autos gezogen werden können, oder sie sind so konstruiert, dass sie per Tieflader transportiert werden können. Mobile Tiny Houses haben folgende sieben Vorteile:

1. Geringe Baukosten

Auch wenn der Quadratmeterpreis bei Tiny Houses nicht geringer ist als bei größeren Bauvorhaben, liegen die Gesamtkosten natürlich aufgrund der geringen Fläche sehr viel niedriger als bei einem herkömmlichen Wohnhaus. Wie viel ihr für ein Tiny House investieren müsst, steht in unserem Artikel "Tiny House - Mit diesen Kosten müsst ihr rechnen".

Außerdem benötigt ihr für ein Tiny House nur ein kleines Grundstück – und diese sind billiger als große Grundstücke. Vor allem, wenn ein Grundstück zu klein für ein herkömmliches Haus ist, könnt ihr es eventuell günstig erwerben.

Ein Tiny House kann eine Alternative zur teuren Mietwohnung in Großstädten sein – vor allem für jene, die sich ein normales Haus nicht leisten können.

2. Geringe Unterhaltskosten

Ein Tiny House ist im Unterhalt deutlich günstiger als ein herkömmliches Haus. Ihr werdet weniger Geld für Heizung und Strom zahlen und könnt auch nicht so viel für Dekoration und Mobiliar ausgeben – denn dafür ist schlicht kein Platz im Minihaus.

3. Tiny Houses sind gut für die Umwelt

Für den Bau eines Tiny Houses werden weniger Ressourcen verbraucht als für ein großes Haus und auch im laufenden Betrieb ist der ökologische Fußabdruck eines Tiny Houses geringer. Denn es gilt: Je weniger Wohnfläche jemand bewohnt, desto geringer sind seine CO2-Emissionen.

Außerdem werden insbesondere für Tiny Houses auf Rädern keine Flächen versiegelt.

Da der Platz überschaubar ist, können Bewohner von Tiny Houses nicht so viele Dinge anschaffen – auch dadurch verkleinert sich ihr ökologischer Fußabdruck. Mehr dazu, wie nachhaltig ein Tiny House wirklich ist, lest ihr in unserem Artikel "Tiny House und Nachhaltigkeit: Wie nachhaltig sind die Mini-Häuser?".

autarkes Tiny House auf einer Wiese
Autarke Tiny Houses, wie dieses Modell von Wohnwagon, sind besonders ökologisch. © Wohnwagon

4. Weniger Zeitaufwand fürs Putzen, Aufräumen und die Instandhaltung

Wer eine Villa mit acht Zimmern sauber halten muss, der ist damit naturgemäß deutlich länger beschäftigt, als wenn es nur darum geht, 20 Quadratmeter sauber und ordentlich zu halten. Bewohner eines Tiny Houses müssen also weniger Zeit fürs Putzen und Aufräumen aufwenden als Leute, die in einem großen Haus wohnen.

Auch eine Putzhilfe können sich Tiny House-Bewohner sparen. Und was an Instandhaltung anfällt, können sie oft selbst erledigen.

5. Mobilität und Flexibilität

Ein großer Vorteil von Tiny Houses ist, dass sie mobil sind. Wer wegen eines neuen Jobs in eine andere Stadt ziehen muss, kann sein Zuhause einfach mitnehmen – vorausgesetzt, er findet in der neuen Stadt eine geeignete Stellfläche. Tiny Houses, die so gebaut sind, dass sie eine Straßenzulassung bekommen, könnt ihr auch mit in den Urlaub nehmen, denn ihr könnt sie mit einem Pkw selbst bewegen. So spart ihr die Kosten für Hotelübernachtungen und habt euer Zuhause immer bei euch.

Mobiles Tiny House als Anhänger
Dass man Tiny Houses von Ort zu Ort transportieren kann, ist ein großer Vorteil dieser Wohnform. © GreenAkku

6. Möglichkeit, um schnell Wohnraum zu ergänzen

Auch wenn ihr euch nicht vorstellen könnt, dauerhaft in einem Tiny House zu leben, könnte ein Mini-Haus dennoch etwas für euch sein. Tiny Houses sind eine schnelle Baulösung zur Ergänzung von Wohnraum. Ihr könnt sie beispielsweise als Gartenhaus nutzen, als Übernachtungsmöglichkeit für Gäste, für das Au-Pair-Mädchen oder als eigene Studentenbude. Auch als Ferienhäuschen oder Wochenendhaus eignet sich ein Tiny House.

7. Minimalismus-Trend

Viele Menschen haben erkannt, dass ein Zuviel an Krimskrams um uns herum träge und unzufrieden macht. Nicht umsonst ist "Downsizing" ein neuer Trend. In einem Tiny House ist einfach nicht genug Platz, um überflüssigen Ballast anzuhäufen – das wirkt auf viele Menschen befreiend. Wer nicht so viel Unnötiges hat, der kann seinen Fokus auf die wichtigen Dinge im Leben legen.

Nachteile von Tiny Houses

Die Minihäuser haben natürlich auch einige Nachteile, vor allem, wenn es sich um ein Tiny House auf Rädern handelt. Die zwölf größten Nachteile von Tiny Houses:

1. Tiny Houses sind nicht familientauglich

Der Wohnraum in einem Tiny House reicht höchstens für eine oder zwei Personen aus. Lernt man als Single jemanden kennen, muss man sich vielleicht von seinem Tiny House verabschieden, denn nicht jeder kann und will auf so engem Raum leben – und schon gar nicht zusammen mit einer anderen Person. Auch wenn Kinder unterwegs sind, wird das Tiny House auf Dauer nicht genug Platz bieten.

Raum ist in der kleinsten Hütte für ein glücklich liebend Paar.

Friedrich Schiller

2. Großer Planungsaufwand

Einfach nach eigenem Gusto drauflos bauen – das geht beim Tiny House nach hinten los. Denn wenn es auf einem Anhänger gebaut werden soll, müssen bestimmte Höchstmaße und ein Höchstgewicht von 3,5 Tonnen eingehalten werden, auch ist dann eine gute Gewichtsverteilung wichtig.

Ein gutes Design ist bei einem Tiny Houses viel wichtiger als bei einem großen Haus, denn es muss kompakte und sehr effiziente Lösungen bieten. Fehler im Design verschlechtern den Wohnalltag. Deshalb ist der Planungsaufwand für ein Tiny House größer, als ihr vielleicht denkt.

3. Aufwendiges Genehmigungsverfahren

Wer denkt, er könne sein Tiny House einfach abstellen, wo es ihm gerade gefällt, der irrt. Wenn das Tiny House zum Hauptwohnsitz werden soll, handelt es sich offiziell um ein Bauvorhaben und dafür gelten die Bestimmungen des deutschen Baugesetzbuches, die Landesbauordnung des jeweiligen Bundeslandes, der Flächennutzungsplan und gegebenenfalls auch ein Bebauungsplan und eine Ortsgestaltungssatzung.

Und in all diesen Verordnungen sind Tiny Houses bisher nicht vorgesehen. Deshalb ist es nicht ganz einfach, eine Genehmigung für ein Tiny House zu bekommen. In jedem Fall solltet ihr vor dem Grundstückskauf eine Bauvoranfrage stellen, um zu klären, ob ihr euren Tiny House-Traum an eurem Wunschort tatsächlich verwirklichen dürft.

Selbst wenn das Tiny House nur als Wochenend- oder Ferienhaus dienen soll, müsst ihr einiges beachten. Je nachdem, ob es auf Privatgrund abgestellt werden soll, auf einer Parzelle auf einem Campingplatz oder in einem Wochenend- oder Ferienhaus-Gebiet. Im ersten Fall ist ebenfalls eine Baugenehmigung nötig. Im zweiten Fall könnt ihr dort keinen Erstwohnsitz anmelden. Und auch wenn ihr euer Tiny House nur abstellen wollt, braucht ihr dafür einen genehmigungsfähigen Abstellplatz.

4. Weniger Wohnkomfort

Wer in einem Tiny House lebt, der muss in Sachen Wohnkomfort Abstriche machen. Davon erzählt Tiny House-Bewohnerin Jenna aus den USA. "Das Leben in einem Tiny House nervt – manchmal" ist der Titel ihres YouTube-Videos, das bislang rund sechs Millionen Abrufe erzielt hat.

Zu den Punkten, die sie anspricht sind, gehört, dass ein Tiny House schnell dreckig wird, weil ihr eben keine Verkehrsflächen wie einen Flur habt, in dem ihr euch dreckige Kleidung und Schuhe auszieht. Sie beschreibt, dass das Bettmachen aufgrund des wenigen Platzes ziemlich akrobatisch ist, dass sich Gerüche – zum Beispiel beim Kochen – sofort im ganzen Haus ausbreiten und dass die Komposttoilette für Besucher sehr erklärungsbedürftig ist.

5. Kein Platz für Gäste

Übernachtungsgäste im Tiny House? Schwierig. Selbst für eine aufblasbare Matratze auf dem Boden fehlt meistens der Platz. Auch wer gerne viele Freunde zum Essen oder zu einer Party einlädt, der wird in einem Tiny House wahrscheinlich nicht glücklich. Festtafeln muss man eigentlich nach draußen verlagern – da muss dann wiederum das Wetter mitspielen.

6. Beschränkungen beim Hausrat

Gerade bei Tiny Houses auf Rädern, die für eine Straßenzulassung nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen dürfen, müsst ihr euch beim Hausrat sehr beschränken. Oft wiegen die Häuser schon leer knapp 3,5 Tonnen. Deshalb kann man oft nicht das kaufen, was einem am besten gefällt, sondern muss auf das zurückgreifen, was am wenigsten wiegt.

Wer für ein Hobby umfangreiches Equipment braucht, wer eine sehr große Garderobe hat und sein Heim zu jeder Jahreszeit neu dekorieren will, der hat mit einem Tiny House ein echtes Problem.

Das Gewichtsproblem lässt sich natürlich dadurch lösen, dass ihr euren Hausrat bei jedem Ortswechsel separat transportiert. Das aber ist umständlich und nervig und macht den Mobilitätsvorteil schnell zunichte.

7. Verkehrssicherheit kostet Zeit und Geld

Wer ein Tiny House auf einem Anhänger hat und diesen im Verkehr bewegen will, muss sich regelmäßig um dessen Verkehrssicherheit kümmern. Das bedeutet, dass ihr regelmäßig beim TÜV vorbeischauen und Steuern zahlen müsst. Zudem müsst ihr euer Tiny House an seinem Stellplatz aufbocken, damit die Reifen entlastet werden.

8. Tiny Houses sind nicht barrierefrei

Zum Schlafbereich eines Tiny Houses kommt man meistens über eine Treppe oder Leiter. Auch wenn das Haus auf einem Anhänger steht, ist es nicht ebenerdig zugänglich. Damit ist diese Wohnform für ältere Menschen oft nicht geeignet. Und rollstuhlgerecht ist ein Tiny House – mit wenigen Ausnahmen – erst recht nicht.

Innenansicht eines Tiny Houses mit Treppe
Die Schlafebene ist in Tiny Houses in der Regel nur über eine Treppe erreichbar - deshalb sind diese Häuser nicht barrierefrei. © Tiny House Design

9. Mobilität ist nicht nur ein Vorteil

Mobilität klingt erst mal toll. In Deutschland ist aufgrund er bürokratischen Regeln aber auch großer Aufwand damit verbunden. Wohnen ist in Deutschland nur auf erschlossenen Grundstücken erlaubt. Das bedeutet, ihr müsst euch bei jedem Umzug mit den jeweiligen Wasser- und Elektrizitätswerken auseinandersetzen, um euer Tiny House ans Netz anzuschließen.

Für jeden neuen Ort, an dem ihr etwas länger wohnen wollt, benötigt ihr zudem eine Baugenehmigung. Die wiederum bekommt ihr nur, wenn der entsprechende Bebauungsplan auch Tiny Houses zulässt. Für die Baugenehmigung müsst ihr jedes Mal neu bezahlen.

10. Schwierig zu versichern

Es ist schwierig, für ein Haus auf Rädern eine Gebäudeversicherung zu finden. Diese ist in erster Linie auf Gebäude mit einem Fundament ausgelegt. Im schlimmsten Fall bleibt man bei Feuer, Wasser- oder Sturmschäden auf dem Schaden sitzen.

Die typischen Camping-Versicherungen sind auf Wohnwagen beschränkt, die auf offiziellen Campingplätzen stehen. Wollt ihr euer Tiny House auf einem privaten Grundstück aufstellen, müsst ihr die Versicherung individuell aushandeln.

11. Finanzierung des Tiny Houses

Wenn ihr für den Kauf eines Tiny Houses einen Kredit braucht, dann könnte das schwierig werden. Wenn Häuser fest mit dem Grundstück verankert sind, wird das Darlehen mittels einer Grundschuld im Grundbuch eingetragen. Bei Tiny Houses auf Rädern ist das nicht der Fall. Dann muss der Grundstückswert ausreichen, um von den Banken als Sicherheit zu gelten. Steht das Tiny House auf einem fremden Grundstück, solltet ihr anderweitiges Vermögen vorweisen können, um einen Bankkredit zu bekommen.

Problematisch könnte auch werden, dass viele Banken einen Immobilienkredit erst ab 30.000 Euro, manche sogar erst ab 50.000 Euro anbieten.

12. Ein Leben im Tiny House ist oft kalt

Habt ihr schon mal im Winter in einem Zelt geschlafen? Nein, wahrscheinlich nicht, ist ja auch viel zu kalt. Ein Wohnwagen ist nicht viel wärmer – und auch die meisten mobilen Tiny Houses sind eher schlecht als recht gedämmt. Und dabei haben wir noch nicht mal über Dusche und Bad gesprochen.

Wer also ernsthaft einen Umzug in ein Tiny House erwägt, sollte auch an die kalte Jahreszeit denken.

Reset House im Winter
Das Reset House ist so isoliert, dass es auch im Winter bewohnbar ist. © Fabian Thueroff

Tipp: Probewohnen vor der Entscheidung

Wer sich nicht sicher ist, ob das Konzept Tiny House die persönlichen Ansprüche erfüllt, kann erstmal in einem Tiny House zur Probe wohnen. Dank des Hypes gibt es inzwischen Tiny Houses, die als Ferienwohnung oder Hotel genutzt werden. Außerdem bieten mehrere Hersteller an, dass man in ihren Tiny Houses übernachten kann. Mehr Informationen dazu findet ihr in unserem Artikel "Probewohnen im Tiny House: 10 Minihäuser, in denen ihr testweise übernachten könnt".

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