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Bauen | Statement

Eva Brenner: "Tiny Houses treffen den Zeitgeist"

Eva Brenner

Level: Für Alle

Als Studentin hat sich TV-Star Eva Brenner mit ihrem Reißbrett eine kleine Wohnung in Düsseldorf geteilt, heute könnte sie sich hingegen nicht vorstellen, in einem Tiny House zu leben. In ihrer Kolumne beschäftigt sie sich mit dem spannenden Trend.

Ein spannender Trend schwappt aus den USA und Großbritannien zu uns nach Deutschland: Tiny Houses. Laut einer Studie könnte sich hierzulande jeder Achte vorstellen, in einem Minihaus zu leben.

Ich gebe ganz offen zu: Ich gehöre noch nicht dazu, weil ich nun mal auf dem Lande aufgewachsen bin. Sozusagen mit viel Auslauf auch im Haus. Besonders, wenn ich nach mehreren Hotelübernachtungen nacheinander zurück nach Hause komme, genieße ich es doch sehr, wenn Bett und Kühlschrank nicht nur drei Schritte voneinander entfernt sind.

rotes Minihaus am Meer
Minihäuser als innenarchitektonische Herausforderung: Wie bringt man die wichtigsten Funktionen auf wenig Raum unter? © Tchibo

Tiny House: Ein spannender Trend

Aus (innen-)architektonischer Sicht finde ich Tiny Houses aber hochinteressant. Schließlich ist das eine völlig neue Herausforderung, die wichtigsten Funktionen eines Zuhauses auf viel weniger Raum unterzubringen.

Wie ich in meiner vorigen Kolumne geschrieben habe, stellen Innenarchitekten bei ihren Planungen die Bewohner in den Mittelpunkt. Daher ist es für mich sehr spannend zu verstehen, woher dieser Wohntrend Tiny House kommt und warum diese Wohnform auf viele Menschen eine so starke Faszination ausübt. Ich denke, diesen Fragen muss man sich von zwei Seiten nähern.

1. Wirtschaftliche Zwänge

In einem großen Haus zu leben, das muss man sich leisten können. Besonders in Großstädten wird Wohnraum immer teurer. Ein Eigenheim mit kleinem Garten in und um München, Hamburg, Frankfurt oder Berlin (und vielen weiteren deutschen Städten) können sich selbst Normal- und Gutverdiener nicht mehr leisten. Die Menschen suchen daher nach alternativen Wohnformen.

Tiny Houses könnten eine der Lösungen sein: Sie verbrauchen wenig Grundfläche, kosten mitunter unter 100.000 Euro und versprechen – wenn als mobiles Eigenheim angelegt – maximale Freiheit, falls man mal die Stadt wechseln muss oder möchte.

Innenansicht des Wohnglück-SMARTHAUS
Leben auf weniger als 30 Quadratmetern? Ein Tiny House ist zwar trendy, aber man muss auch wissen, worauf man sich einlässt. © planet c/Studioraum

2. Freiwillige Reduktion

Preis und Flexibilität sind also zwei Gründe, weshalb Tiny Houses derzeit so viel Zuspruch erfahren. Aus gesellschaftlicher Sicht finde ich aber einen anderen Grund noch spannender: Die freiwillige Reduktion des eigenen Wohnraums.

Tiny Houses passen wunderbar in den Zeitgeist, ich gebe ihm mal die Überschrift "Nachhaltigkeit". (Wobei es zum Thema Tiny House und Nachhaltigkeit auch unterschiedliche Meinungen gibt ...)

Während es älteren Generationen vor allem darum ging, möglichst viele Dinge zu besitzen und dadurch den eigenen Status zu untermauern, stehen heute Achtsamkeit und Minimalismus im Fokus. Weniger besitzen und nur das, was zur eigenen Persönlichkeit gehört: Der selbst restaurierte Schaukelstuhl des geliebten Opas, der mitgebrachte Teppich von der Hochzeitsreise oder der selbst geschreinerte Esstisch – ihr wisst, was ich meine.

In ein Tiny House wurde Marie Kondo meines Wissens bislang noch nicht gerufen.

Eva Brenner, Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur

Tiny Houses passen für mich daher prima zum Trend des aufgeräumten Lebens (über diesen schreibe ich bestimmt demnächst mal in dieser Kolumne), den wir durch Netflix-Serien von und mit Marie Kondo vorgeführt bekommen. Die Aufräum-Expertin aus Japan befreit Menschen von der Last ihrer Besitztümer. In ein Tiny House wurde Marie Kondo meines Wissens bislang noch nicht gerufen.

Auch ich weiß, dass ich eigentlich zu viele Dinge besitze. Und ich weiß, dass Ausmisten gut tut. Ein Leben auf 40 Quadratmeter oder weniger, wie ich es während meiner Studienzeit in Düsseldorf praktizierte, das wäre für mich heute eine Herausforderung. Aber eine, die auch ziemlich spannend sein kann und durchaus Vorteile hat.

Abschließend habe ich noch zwei Tipps, falls ihr euch für Tiny Houses interessiert:

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