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Bauen | Ratgeber

Tiny Houses für den Ruhestand: Wie altersgerecht sind die Minihäuser?

Arne Schätzle

Im Alter wird das große Haus irgendwann lästig: zu groß, zu aufwendig, zu teuer. Warum also nicht in ein Tiny House umziehen? Wir sagen euch, ob das eine gute Idee ist.

Tiny Houses sind nicht nur für junge Menschen und Best Ager ein Thema, auch ältere Semester interessieren sich für den boomenden Wohntrend. Schließlich gibt es gute Gründe, sich gerade im Alter 60+ räumlich zu verkleinern: Die Kinder sind längst aus dem Haus, Pflege und Instandhaltung fallen zunehmend schwerer, und dann sind da ja auch noch die Kosten.

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Betriebs- und Nebenkosten sind schließlich umso höher, je größer sich das Eigenheim bemisst. Und auch wenn es ums Bauen beziehungsweise Kaufen geht, sind die Kosten für ein Tiny House unterm Strich wesentlich geringer. Wer darauf aus ist, kann selbstverständlich auch für ein Tiny House ordentlich in die Tasche greifen, kleine Modelle gibt es aber auch schon ab 30.000 Euro.

Ein Tiny House im Ruhestand: Mobil, frei und unabhängig?

Ein Tiny House verspricht Freiheit und Ungebundenheit. Schließlich steht gerade Pensionären nach dem Ende der Arbeitszeit ein ordentliches Zeitbudget zur Verfügung, das sich perfekt für einen Roadtrip nutzen lässt. Ein weiterer Vorteil? Viele Tiny House-Modelle sind darauf ausgelegt, sie mit überschaubarem Aufwand flexibel aufzustellen und zu bewegen.

Grundsätzlich gilt, je kleiner, desto beweglicher sind Tiny Houses. Allerdings ist zu bedenken: Ein Tiny House ist kein Wohnwagen. Um mobil zu sein, braucht es für den Ortswechsel einen großen Pickup-Truck mit viel Leistung, der den großen Anhänger, auf dem das Haus steht, auch bewegen kann.

Viele Menschen wollen im Alter aber auch einfach wieder näher an die Familie rücken. Ist das Grundstück der Angehörigen groß genug, lässt sich ein Tiny House direkt dort aufstellen. So wahrt man seine Unabhängigkeit und ist trotzdem immer in der Nähe.

Was zeichnet ein altersgerechtes Tiny House aus?

Zahlreiche Minihäuser gleichen ihre geringe Grundfläche durch eine zweite Ebene aus. Irgendwann im fortgeschrittenen Alter wird es allerdings recht beschwerlich, zum Schlafen über eine Hühnerleiter in den Alkoven zu klettern. Altersgerechte Tiny Houses zeichnen sich dadurch aus, dass sie alle Räume auf einer Ebene vereinen. Diese Exemplare benötigen allerdings eine entsprechend große Grundfläche, Kleinstlösungen mit einer Größe von nur 10 Quadratmetern sind dann passé.

Die kleine Grundfläche eines Tiny Houses kann man auch vergrößern, indem man es zum Beispiel um einen geschlossenen Wintergarten erweitert. Dieser lässt sich als vollwertiger Wohnraum nutzen. Mit Glasschiebetüren kann man zudem einen komplett geschlossenen Raum bei Bedarf in eine offene Veranda verwandeln. Außerdem sorgen großzügige Glasflächen für ausreichend Licht im Haus – eine Eigenheit, die gerade Menschen mit nachlassender Sehkraft zu schätzen wissen. So verlangt beispielsweise auch die DIN-Norm für barrierefreies Wohnen, dass auf eine gute Belichtung und Besonnung der Wohnungen geachtet werden muss.

Grundsätzlich gilt: Rechtzeitig barrierefrei denken

Überhaupt finden sich in diesem Anforderungskatalog für barrierefreies Wohnen viele Anregungen für sinnvolle Ausstattungsmerkmale altersgerechter Wohnungen, berücksichtigt er doch die zunehmenden körperlichen Einschränkungen.

Wichtige barrierefreie Ausstattungsmerkmale sind neben einer schwellenlosen Ausführung beispielsweise Türen, die leicht zu bedienen sind. Dazu gehört auch die bedarfsgerechte Greifhöhe von Bedienelementen wie dem Türdrücker (85 cm über der Oberkante des Fußbodens) sowie eine ausreichende Türbreite. Kurzum: Fürs altersgerechte Wohnen gibt es viel zu beachten. Wer die Handicaps rechtzeitig bedenkt, muss später nicht noch einmal nachrüsten oder sogar umziehen, wenn sich das Haus nicht anpassen lässt. Das gilt natürlich nicht nur für Tiny Houses.

Offiziell barrierefrei dürfen sich übrigens ausschließlich Gebäude nennen, die der besagten DIN-Norm 18040 folgen. Häuser und Wohnungen, die lediglich einzelne Aspekte dieser Norm berücksichtigen, gelten lediglich als barrierearm oder altersgerecht.

Besondere Anforderungen für ein altersgerechtes Tiny House

In einer barrierefreien Wohnung muss man alle Räume erreichen können, ohne eine Schwelle zu überqueren. Pro Raum muss zudem eine Bewegungsfläche zum Wenden und Drehen mit dem Rollstuhl gewährleistet sein. Und damit auch sitzende Personen genügend Ausblick haben, sollten Brüstungen im Außenbereich ab 60 cm über der Oberkante des Fußbodens eine Durchsicht ermöglichen – zumindest in Teilbereichen.

Einer der wichtigsten barrierefreien Räume ist ganz klar das Badezimmer. Schließlich will man auch mit einem Handicap gerade bei der Körperpflege möglichst lange selbstständig bleiben. Dazu gehören ein ebenerdiger Einstieg in die Dusche und Wände, an denen man auch Stütz- und Haltegriffe neben dem WC-Becken sowie im Dusch- oder Wannenbereich montieren kann. Hierfür müssen die Wände entsprechend stabil sein.

Wo bekomme ich ein altersgerechtes Tiny House?

Klar, wer sich ein Tiny House auf den Leib schneidern lässt, kann seine Anforderungen von Anfang an in das Projekt einfließen lassen, von barrierearm bis barrierefrei. Mittlerweile gibt es auch viele Anbieter, die sich auf den Bau maßgefertigter Minihäuser spezialisiert haben.

Die Firma Holzbau Pletz aus Ortenburg im niederbayerischen Passau hat sich auf Unikate spezialisiert, auf Tiny Houses mit maximaler Größe und Barrierefreiheit – bis zu zehn Meter Gesamtlänge messen die Minihäuser. Eine Kundin der Firma, eine gehbehinderte Seniorin im Alter von 78 Jahren, hat ihre Erfahrungen mit ihrem Tiny House der bayerischen Handwerker in ihrem Blog namens "Omas Tiny House" veröffentlicht. Für jede/n Interessierte/n ein lesenswerter Tipp.

Modular und barrierefrei ins Tiny House

Manche Anbieter haben auch vorkonfigurierte, altersgerechte und sogar barrierefrei konzipierte Tiny Houses im Sortiment. Die Firma EcoChalet aus dem Kreis Kleve in Nordrhein-Westfalen beispielsweise bietet mobile Modulhäuser in verschiedenen Größen und Schnitten an. Mit dem Modell Ecosy hat das Unternehmen ein barrierefreies, 46 Quadratmeter großes Modulhaus im Angebot. Die Häuser lassen sich bis zu einer beachtlichen Größe von 92 Quadratmetern erweitern und individuell ausstatten.

Auch der Anbieter Contimexx setzt auf Modulbauweise und hat zwei barrierefreie, altersgerechte Modelle im Programm, mit rund 30 beziehungsweise knapp 50 Quadratmetern. Inklusive Wohn-, Koch-, Schlaf- und Badbereich, die sich barrierefrei gestalten lassen. Die Module taugen auch als Anbau-Lösung für ein vorhandenes Haus. Sie sind erweiterbar und wie bei vielen Modulhäusern, kann man auch mit diesen Modellen bei Bedarf umziehen.

Fazit: Tiny House – wie altersgerecht geht es?

Also, taugt ein Tiny House nun für das altersgerechte Wohnen? Die Antwort lautet wie so oft: Es kommt darauf an. In Bezug auf Größe und Ausstattung gibt es ein breites Angebot, da findet sich etwas für jede und jeden.

Etwas schwieriger wird es sein, den Wunsch nach Mobilität umzusetzen. Tiny Houses, auch in Form von Modulhäusern, lassen sich zwar versetzen, für den flexiblen Roadtrip sind aber nur wenige Exemplare geeignet. Hier wären unter Umständen ein Wohnwagen oder ein Wohnmobil die bessere Lösung. Auch weil ein altersgerechtes Tiny House in der Regel ohne zweite Ebene auskommen muss, was die Grundfläche entsprechend vergrößert und die Mobilität minimiert.

Am wichtigsten aber: Tiny Houses lassen sich altersgerecht gestalten, von barrierearm bis barrierefrei. Hier kommt es vor allem auf eine gründliche Planung an. Dann steht dem Leben im Tiny House auch im Alter kaum etwas entgegen.

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