Alois Bredl vor seinem Tiny House
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Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Alois Bredl ist mit 62 Tiny-House-Pionier

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Alois Bredl hat sein Einfamilienhaus verkauft und wohnt nun in einem Tiny House auf dem Grundstück seines Sohnes. Über seine Beweggründe spricht der Rentner in unserer Serie "Tiny Wohnglück".

Alles fing an mit einem Tchibo-Prospekt, den Alois Bredl in die Hände bekam. Dort sah er zum ersten Mal ein Tiny House. "Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt" sagt der 62-Jährige heute. In den kommenden Jahren las er immer mal wieder von Menschen, die in einem Tiny House wohnen und fing an, zu ihnen Kontakt aufzunehmen und sich die Häuser vor Ort anzuschauen. Er recherchierte Hersteller von Tiny Houses in seiner Nähe, schlief zur Probe bei Zinipi, bei der Zimmerei Prommersberger.

"Irgendwann hat es Klick gemacht und ich wusste, genau das ist das Richtige für mich", erzählt der Verwaltungsbeamte im Ruhestand. Er verkaufte sein Einfamilienhaus, das für ihn alleine längst zu groß geworden war, und seit November 2020 wohnt er nun in einem 28 Quadratmeter großen Tiny House in Ruderting. Es ist das erste Tiny House im Landkreis Passau.

Schlafplatz auch im Erdgeschoss fürs Alter

Das Tiny House steht auf einem 640 Quadratmeter großen Baugrundstück, das Bredls Sohn gehört. Es ist 2,55 Meter breit, 3,99 Meter hoch und 8,49 Meter lang. Es bietet im Erdgeschoss 22 Quadratmeter plus sechs Quadratmeter im Schlafloft. Dazu eine große, überdachte Terrasse.

Alois Bredl schläft bisher oben, er hat sich aber auch unten einen Schlafplatz einplanen lassen, falls er irgendwann die Treppe nicht mehr hochkommt. "Dann ist alles barrierefrei", sagt der Ruheständler. Und bis es so weit ist, nutzt er das Schlafzimmer, wenn seine Enkel zu Besuch sind.

Die Fassade seines Häuschens besteht aus Douglasie, die Innenverkleidung aus dreischichtverleimter Fichte. Gedämmt ist das Tiny mit Steinwolle und geheizt wird mit einer elektrischen Fußbodenheizung sowie Infrarotpaneelen an der Decke. Gleich nebenan errichtet Bredl einen Carport, auf dem eine Photovoltaikanlage stehen und den Strom für sein Häuschen produzieren soll. Nächstes Jahr will er sich auch ein Elektroauto anschaffen.

28 Quadratmeter für 74.000 Euro

Alois Bredl hat nach Tiny-House-Herstellern in seiner Nähe gesucht und sich vor Ort Häuser angeschaut. Ganz in seiner Nähe fand er einen Familienbetrieb, aber der war für dieses Jahr ausgebucht und so kam er auf die Zimmerei Prommersberger. Dort hat er für sein Tiny House ohne Anschlusskosten 74.000 Euro bezahlt. Er benötigte nur noch eine Waschmaschine, einen Trockner und einen Fernseher. Zugelassen ist das Tiny als Wohnanhänger.

Er freut sich, dass er nicht mehr so viel putzen muss und keine so hohen Heizkosten mehr hat. Und er bekommt häufig Besuch: Schaulustige oder Tiny-House-Interessenten kommen vorbei und schauen sich das erste Tiny House im Landkreis an. Auch die Enkel kommen vorbei und zeigen ihren Freunden stolz, wie ihr Opa wohnt. Das Tiny House ist Dorfgespräch.

Vielleicht wird Bredls Tiny House nicht das einzige im Ort bleiben. Der Bürgermeister denke bereits über eine Tiny-House-Siedlung in seiner Gemeinde nach, erzählt der 62-Jährige. Schließlich gebe es innerorts 70 baureife, brachliegende Grundstücke, die nicht zum Verkauf stünden.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohner Alois Bredl

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Ich hatte bereits einige Jahre allein in einem 116 Quadratmeter großen Einfamilienhaus gewohnt und mir war das immer schon zu groß. Ich habe das Haus verkauft und auf das Grundstück meines Sohnes ein Tiny House gestellt, weil er damit flexibler ist, als wenn ich dort ein normales, kleines Haus gebaut hätte. Er kann das Tiny House später für die Enkel nutzen, es auf einen Campingplatz als Ferienimmobilie stellen oder einfach verkaufen und das Grundstück für ein großes Haus nutzen.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny House ziehen zu können?

Das erschlossene Grundstück war bereits im Familienbesitz und die Gemeinde stand der Idee sehr offen gegenüber. Der Bürgermeister war überrascht, dass es das erste Tiny House im Landkreis ist. Wir haben eine kurze Stellungnahme vom Landratsamt angefordert, die gaben auch ihr Okay. Im Bebauungsplan war eigentlich eine andere Dachform vorgesehen, aber ich habe eine Befreiung beantragt und die wurde auch sehr zügig bewilligt.

Mein Haus umfasst lediglich 74 Kubikmeter umbauten Raum und ist damit in Bayern eigentlich baugenehmigungsfrei. Nun kam das Landratsamt aufgrund eines Fotos in einem Zeitungsartikel allerdings zu dem Schluss, dass die überdachte Terrasse auch zum umbauten Raum gehört und damit nachträglich ein Bauantrag notwendig ist, weil ich über 75 Kubikmeter komme. Den muss ich nun noch stellen, bin aber nach einem Telefonat mit dem Kreisbaumeister guter Dinge, dass es da keine Probleme geben wird.

Die TÜV-Zulassung hat mir der Hersteller übergeben und die haben das Haus auch hergefahren.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Der geringe Platz ist natürlich schon eine Herausforderung. Ich versuche schon jahrelang zu entrümpeln, überlege bei allem, was ich in die Hand genommen habe, kann ich das wegschmeißen, jemandem schenken oder es verkaufen? Überraschenderweise fiel mir das nicht schwer. Ich habe immer gesammelt, alles mögliche aufgehoben, auch noch von meinen Großeltern. Aber wenn man keinen Bezug zu den Sachen hat, ist der Ballast jetzt weg. Aber es ist ein langwieriger Prozess, ich bin noch immer am Entrümpeln.

Ich habe hier drinnen alles, was ich vorher auch im großen Haus hatte, aber es ist alles greifbar und in der Nähe. Alles hat seinen festen Platz. Ich muss halt jetzt, wenn ich am Tisch meinen Laptop stehen habe und da dann essen will, alles wegräumen, kann es nicht einfach stehen lassen.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Dass sich viel im Freien abspielt, ich bin viel mehr draußen als früher und genieße den Garten, den ich auch immer im Blick habe. Es herrscht ein bisschen Urlaubsstimmung. Im Vergleich zu einem Bungalow mit normaler Deckenhöhe wirkt das Tiny House mit Schlafloft großzügig, man merkt nicht, dass die Fläche so klein ist.

Zudem ist es überraschend kuschelig warm hier drinnen, das ist eine angenehme Überraschung.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House bauen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Um das zu beantworten, ist es noch ein bisschen zu früh, ich wohne ja erst zwei Monate hier. Ich habe den Bauprozess eng begleitet, war alle zwei Wochen in der Firma. Man hätte das Haus auch selbst ausbauen können, das ist sicher reizvoll, wenn man die Zeit und das Know-How dazu hat.

Alois Bredls Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Man sollte sich wirklich gründlich informieren und sich die Zeit nehmen, in einem Tiny House probezuwohnen. Nur so kann man beurteilen, ob man mit der geringen Fläche zurechtkommt.

Ihr wollt noch von anderen Tiny House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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