Renate Scherer vor ihrem Tiny House
© Schwörer Haus/Jürgen Lippert

Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Renate Scherer und ihr Flying Space

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Auf einem Grundstück, das für normale Häuser zu klein ist, hat Renate Scherer ein Tiny House aufgestellt. In unserer Serie "Tiny Wohnglück" erzählt sie von den Vorteilen, die das Leben auf kleinem Fuß für sie hat.

Viele ältere Menschen verbrauchen einen Großteil ihrer Rente für den Unterhalt und die Nebenkosten eines großen Hauses. Für einen Platz, den sie gar nicht benötigen. Renate Scherer, 60 Jahre alt und Leiterin einer Kita, wollte es anders machen. Sie zog im August 2018 in ein 42 Quadratmeter großes Tiny House.

Zuerst hatte sie ein Grundstück in einem kleinen Dorf im Hunsrück gekauft. Das lag schon lange unbebaut ohne wirkliche Kaufinteressenten brach, da es für ein normales Haus zu klein ist. Für ein Tiny House dagegen ist es ideal und bietet sogar noch genügend Platz rundherum.

Flying Space mit Carport und überdachter Terrasse

Beim Fertighausanbieter Schwörer Haus erwarb Scherer dann ein sogenanntes "Flying Space". Mit dem Bauantrag hatte sie keine größeren Probleme, weil ihr Tiny House als Bungalow anerkannt wurde. Allerdings lehnte die Gemeinde ein Flachdach ab, so dass ein Satteldach auf das Flying Space gesetzt werden musste. Das sei aber kein Problem gewesen, erzählt Renate Scherer.

Das 42 Quadratmeter große Haus mit Carport und überdachter Terrasse kostete die Kita-Leiterin inklusive Baunebenkosten zwischen 150.000 und 180.000 Euro. Es steht auf zwei Streifenfundamenten.

Keine Verkehrsfläche, mehr Platz

Durch die geschickte Raumaufteilung kann in Renate Scherers Tiny House auf Verkehrsfläche verzichtet werden, was mehr Wohnraum bringt. Man betritt das Minihaus giebelseitig und gelangt direkt in die Küche. Diese ist seitlich durch das barrierefreie Badezimmer begrenzt.

Hinter der Küche befindet sich das geräumige Wohn- und Esszimmer mit direktem Zugang auf die überdachte Terrasse. Hinter dem Wohnbereich liegt das Schlafzimmer, das durch ein großes Fenster mit Tageslicht versorgt wird.

Die Überdachung im Giebelbereich wurde weit über das Tiny House hinausgezogen, um einen überdachten Carport zu schaffen. Durch die zweite Überdachung auf der Traufseite ist eine geschützte Terrasse entstanden, die über ein Hebe-Schiebeelement vom Wohnzimmer aus zugänglich ist.

Tiny House mit Niedrigenergie-Standard

Da die Winter im Hunsrück sehr frostig sein können, war Renate Scherer ein leicht zu heizendes Haus wichtig. Auch wenn sie nicht zu Hause ist, sollten es ihre zwei Hunde warm haben. "Nur mit einem Holzofen zu heizen, und dann vielleicht die Hunde im Kalten zu haben, das wollte ich auf keinen Fall", sagt sie. Deshalb entschied sie sich für ein gut gedämmtes Niedrigenergie-Haus mit kontrollierter Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung. Sie hat eine elektrische Fußbodenheizung und Direktheizelemente, warmes Wasser liefert ein Durchlauferhitzer. Scherer freut sich nun über ein immer warmes Haus und niedrige Heizkosten.

Eigentlich wollte sie erst später bauen. Aber heute ist die 60-Jährige froh, dass sie nicht lange gewartet hat, da die Preise immer weiter steigen und sie schon heute ihr Häuschen im Grünen genießen kann. Oft halten Menschen an dem Minihaus an und sind neugierig. Insbesondere wenn Renate Scherer im Garten ist, wird sie oft angesprochen, weil vielen diese Art zu wohnen auch gefallen würde.

5 Fragen an Tiny-House-Bewohnerin Renate Scherer

1. Warum bist du in ein Tiny House gezogen?

Weniger ist mehr, ich wollte unnötigen Ballast hinter mir lassen und nicht mehr Räume und Dinge besitzen, verwalten und reinigen, die ich kaum nutze und eigentlich nicht brauche.

2. Welche Hürden musstest du nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Ich musste ein Grundstück finden, das schon erschlossen war und wurde in einem kleinen Dorf fündig, wo es ein Grundstück gab, das für normale Häuser zu klein ist. Die Baugenehmigung habe ich relativ einfach bekommen, da ich ein Dach auf das Flying Space aufsetzen lassen konnte.

Wichtig war das vorherige Bodengutachten. Das Haus ist zwar nicht schwer, aber nicht jeder Grund ist auch fester Baugrund. Was danach kam, war alles ganz easy: Das Haus wurde von Schwörer in einer Halle gebaut, als Schwertransport gebracht und mit dem Kran aufs Fundament gestellt und verankert. Das Haus war innen komplett bezugsfertig. Nur ich und die Möbel rein und Lampen aufhängen.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in deinem Tiny House?

Es gibt eigentlich keine Herausforderungen, ich fühle mich sehr wohl.

4. Was gefällt dir am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Ich habe alles, was ich brauche und nichts Unnötiges. Es gibt mir ein sehr zufriedenes Gefühl mit den Dingen zu leben und die Dinge zu brauchen, die mir wichtig sind und alles Unwichtige hat hier keinen Platz. Und ich verliere keine Lebenszeit fürs Putzen.

5. Was würdest du heute anders machen, wenn du dir nochmal ein Tiny House kaufen würdest und was hättest du gerne vorher gewusst?

Ich hätte es viel früher gemacht, weil es nicht nur ein anderes Wohnen ist, sondern ein Lebensgefühl.

Renates Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Macht euch eine Liste, was euch wichtig ist und was nicht und fragt euch dann, warum das so ist.

Unser abschließender Tipp: Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Auf unserer großen Übersichtsseite findet ihr alle Teile unserer Serie "Tiny Wohnglück":

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