Wintergarten mit Einrichtung
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Wintergarten anbauen: Kosten, Bausätze & Tipps

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Wintergärten sind als zusätzliche Nutz- oder Wohnfläche Gold wert. Viele Hausbesitzer möchten deshalb nachträglich einen Wintergarten anbauen. Erfahrt hier, was es dabei zu beachten gibt und welche Kosten auf euch zukommen.

Wer einen Wintergarten anbauen will, muss sich nicht nur zwischen Kalt- und Warmwintergarten entscheiden. Auch Faktoren wie die Baugenehmigung und das geeignete Material für die Verglasung und den Bodenbelag sind zu beachten. Wir geben euch Orientierung für den erfolgreichen Wintergarten-Anbau.

Wintergarten anbauen: Braucht man eine Baugenehmigung?

Bevor ihr euren Wintergarten-Anbau bis ins Detail plant, solltet ihr euch beim zuständigen Bauamt erkundigen, ob ihr eine Genehmigung braucht. Grundsätzlich sind für einen Bauantrag zwei Faktoren wichtig:

  1. Größe eures Wintergartens
  2. euer Wohnort

Denn jedes Bundesland hat eigene Richtlinien, wenn es ums Thema Wintergarten anbauen geht. Ihr könnt sie in den Landesbauverordnungen nachlesen.

In manchen Bundesländern wie Brandenburg, Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen könnt ihr nach aktuellem Stand einen Wintergarten bis zu einer Größe von 25 bis 30 Quadratmetern ohne Genehmigung (verfahrensfrei) anbauen. In anderen Regionen ist der Bauantrag immer Pflicht.

Fazit: Um euer Bauvorhaben von Beginn an richtig anzugehen, erkundigt euch beim örtlichen Bauamt, ob euer Wintergarten-Projekt genehmigungspflichtig ist.

Kaltwintergarten oder Warmwintergarten?

Ein Wintergarten ist als ein geschlossener, lichtdurchlässiger Anbau an ein Haus definiert. Mindestens eine Wandfläche und das Dach sind in der Regel aus Glas. In seltenen Fällen gibt es auch freistehende Konstruktionen.

Man unterscheidet zwei Wintergarten-Typen:

1. Kaltwintergarten

Der Kaltwintergarten ist thermisch vom Wohnhaus getrennt und nicht beheizt. Er dient als Klimapuffer zwischen Außenbereich und Gebäude. An sonnigen Tagen kann man es sich auch im Winter darin gemütlich machen. Die Fläche dient üblicherweise aber eher als Gewächshaus. Hier herrscht das perfekte Klima, damit Pflanzen überwintern können.

Beachtet: Bei einem Kaltwintergarten sollte die Verbindungstür zum Wohngebäude dicht zu verschließen sein, wie jede andere Außentür im Haus. Auch ist es sinnvoll, dass die Hauswand zwischen Anbau und Wohngebäude gedämmt ist.

Ein Kaltwintergarten ist meist einfach verglast und schnell aufgebaut, erst recht, wenn ihr euch für einen Bausatz entscheidet. Die Kosten sind in der Regel überschaubar.

Kaltwintergarten mit Pflanzen
Ein Kaltwintergarten ist das optimale Zuhause für viele Pflanzen, auch über Winter. © Getty Images/iStockphoto

2. Der Warmwintergarten

Ein Warmwintergarten ist beheizt und kann als zusätzlicher Wohnraum dienen, auch im tiefsten Winter. In der Regel erweitert ein Warmwintergarten das vorhandene Wohnzimmer, so dass ein nachträglicher Anbau mit größerem Aufwand verbunden ist.

Auch solltet ihr beachten, dass Luftfeuchtigkeit und Wärme, die in den Wintergarten eindringen, ins Haus übergehen. Eine fachgerechte Dämmung und eine Zweifach- oder Dreifachverglasung sind Voraussetzung. Daher liegen die Kosten deutlich über dem Budget, das ihr für einen Kaltwintergarten einplanen müsst. Dafür schafft ihr zusätzliche Wohnfläche.

Wintergarten anbauen: Holz, Aluminium oder Kunststoff?

Egal, ob Kaltwintergarten oder Warmwintergarten: Die verwendeten Materialien geben die Richtung vor, in puncto Optik und Preis. Ihr habt in der Regel die Wahl zwischen:

Auch Kombinationen, besonders Holz-Alu-Konstruktionen, sind möglich und beliebt. Weitere Informationen zu den einzelnen Möglichkeiten findet ihr in den nächsten Abschnitten.

Wintergarten anbauen aus Holz

Holz besticht durch seine rustikale Optik und hohe Stabilität. Der natürliche Baustoff ist bei Warmwintergärten besonders beliebt. Denn das Material speichert nicht nur zuverlässig Wärme, es verleiht dem Raum auch Gemütlichkeit.

Nachteile sind, dass Holz nicht allzu witterungsbeständig und sehr pflegeintensiv ist. Deshalb sind Holzwintergärten außen häufig zusätzlich mit Aluminium verkleidet.

Blick auf Tür zum Wintergarten mit Pflanzen
Holzrahmen sorgen im Wintergarten für extra wohnlichen Charme. © Getty Images

Wintergarten-Bausatz aus Aluminium

Als Alternative zu Holz bietet sich Aluminium an, das filigraner aussieht. Das Metall ist teurer, hat aber den Vorteil, dass es leicht und stabil zugleich ist. Selbst größere Bauprojekte sind realisierbar. Auch die Verarbeitung ist in der Regel ein Kinderspiel, da die meisten Hersteller vorgefertigte Bausätze anbieten.

Wenn ihr euch für einen solchen Wintergarten-Bausatz interessiert, empfiehlt es sich, in der Region nach einem geeigneten Hersteller zu suchen. Das verkürzt nicht nur Transportwege, ihr habt bei Rückfragen zum Aufbau auch immer einen Ansprechpartner vor Ort und müsst euch nicht auf eine Ferndiagnose per Telefon-Hotline verlassen.

Ein Karte mit Wintergarten-Herstellern in Deutschland stellt der Bundesverband Wintergarten e.V. zur Verfügung.

Info: Bei Warmwintergärten ist zu beachten, dass es aufgrund der hohen Leitfähigkeit von Aluminium zu Wärmeverlusten kommen kann. Eine isolierende Kunststoffschicht zwischen Innen- und Außenprofil ist daher zu empfehlen.

Wintergarten mit Sofaecke
Eine Alu-Konstruktion ist leicht und stabil und daher bei großen Wintergärten besonders beliebt. © Getty Images/iStockphoto

Wintergarten anbauen aus Kunststoffkonstruktion

Als dritte und günstigste Variante kommen Kunststoffprofile mit Stahlkern in Frage. Dabei ist der stabile Stahl mit PVC als Korrosionsschutz ummantelt. Größter Nachteil ist, dass diese Konstruktionen ein hohes Eigengewicht haben. Außerdem kann die Oberfläche bereits nach wenigen Jahren eine gräuliche Optik bekommen. Wintergärten aus Kunststoff sehen deshalb meist nicht so hochwertig aus.

Wintergarten Boden: Holz, Fliesen oder Pflaster als Bodenbelag

Besonders beim Warmwintergarten ist der Bodenbelag ein wichtiges Thema. Damit der Raum bewohnt werden kann, ist eine ausreichende Dämmung Pflicht. Das bedeutet, ihr braucht ein wärmegedämmtes Fundament oder einen entsprechenden Estrich. Als Bodenbelag kommen vor allem Holz und Fliesen in Frage.

Holzboden

Holzböden, zum Beispiel Parkett aus Buche oder Eiche, wirken wohnlich und sind fußwarm. Vorteil für die Sommermonate: Das Material heizt nicht so schnell auf wie etwa Steinbeläge. Holzböden sind dafür aber anfällig für Feuchtigkeit. Wer viele Pflanzen im Wintergarten halten möchte, sollte besser auf Fliesen umsteigen.

Fliesen

Fliesen, zum Beispiel aus Terrakotta, sind die beliebteste Variante für den Wintergarten. Das Verlegen ist zwar aufwändig, dafür bietet der Bodenbelag viele Vorteile: Er ist leicht zu reinigen, unempfindlich und erwärmt schnell. Da Fliesen jedoch von Natur aus kühler sind als Holz, solltet ihr über den Einbau einer Fußbodenheizung nachdenken.

Wintergarten mit Sofaecke und Steinboden
Alternativ zu Terrakotta-Fliesen bieten sich für Warmwintergärten auch graue Steinböden an. © Getty Images/iStockphoto

Gepflasterter Boden für den Wintergarten

Die Böden in Kaltwintergärten sind in der Regel gepflastert. Diese Variante ist ideal für nicht beheizte Flächen, zudem preisgünstig und flexibel.

Wintergarten-Verglasung: Welches Glas für Wintergärten?

Die Verglasung macht den Wintergarten erst zu dem, was er ist. Sie sorgt dafür, dass sich der Raum durch das eindringende Sonnenlicht schnell erwärmt. Für einen Kaltwintergarten genügt in der Regel eine Einfachverglasung. Wer aber seinen Anbau als Wohnraum nutzen will, der ist auf eine hochwertige Zweifach- oder gar Dreifachverglasung angewiesen.

Im Dachbereich ist zudem Sicherheitsglas vorgeschrieben. Als Alternative hat sich Acrylglas durchgesetzt. Es ist leichter, splitterfest und UV-beständig. Nachteilig ist jedoch, dass die Kunststoffverbindung nicht kratzfest ist.

Dachfenster vom Wintergarten
Fürs Dach beim Wintergarten sind Sicherheitsfenster Pflicht. © Getty Images/iStockphoto

Wintergarten dämmen: Welche Vorschriften gibt es?

Die Dämmvorschriften für Wintergärten ergeben sich aus dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Ein Faktor, den ihr berücksichtigen solltet, wenn ihr einen Wohnwintergarten anbauen wollt, ist die Wärmedurchlässigkeit der Verglasung. Sie wird durch den U-Wert angegeben. Einzelfenster und Fenstertüren dürfen einen U-Wert von 1,3 nicht überschreiten. Für Dachfenster gilt ein Maximalwert von 1,4.

Eine wichtige Neuerung, auf die der Bundesverband Wintergarten hinweist: Nunmehr besteht vor einem Bauvorhaben die Pflicht zur Führung eines Energie-Beratungsgesprächs. Wer also einen Warmwintergarten anbauen will, sollte sich zeitnah an einen Energieberater oder qualifizierten Wintergartenanbieter wenden. Dieser muss die Berechtigung haben, Energieausweise auszustellen. In der Regel bieten auch Kommunen und Gemeinden kostenlose Informationsgespräche an.

Wintergarten richtig isolieren: Verschattung, Dichtungen & Isolierglas

Das Thema Dämmung ist insbesondere beim Bau eines beheizten Warmwintergarten relevant, schließlich soll möglichst wenig Wärme und Energie verloren gehen. Ist der Wintergarten nicht entsprechend isoliert, kann sich das schnell negativ auf die Heizkosten auswirken. Wintergartenanbieter empfehlen deshalb:

  • Wärmedämmglas/Wärmeschutzverglasung: Wie oben bereits angeführt, sollte die Energiebilanz der Wintergartenverglasung den modernen Standards entsprechen. Lasst euch hierzu am besten von einer Fachfirma beraten, die sich mit Wintergartenverglasung auskennt.
  • Verschattungselemente: Rollos, Jalousien oder Vorhänge sorgen im Sommer sorgen dafür, dass sich der Wintergarten nicht übermäßig aufheizt, im Winter schützen sie vor eindringender Kälte.
  • Dichtungen: Die beste Wärmschutzverglasung taugt nichts, wenn die Fenster nicht richtig abgedichtet sind. Am besten lassen sich die Fugen mit Silikon oder Kautschuk verschließen. Dazu solltet ihr sie regelmäßig auf ihre Dichtheit überprüfen.

Anbau-Wintergarten: Vorbereitung & Planung

Ein Anbau-Wintergarten, besonders wenn er als Wohnraum dienen soll, ist ein größeres Bauvorhaben. Die richtige Vorbereitung ist dabei alles. Bereits bei der Planung solltet ihr folgende vier Punkte beachten:

1. Wintergarten-Standort

Achtet darauf, dass der Wintergarten-Anbau günstig liegt. Ein Warmwintergarten sollte gut vom Wohnzimmer erreichbar sein. Ein Kaltwintergarten, in dem Pflanzen überwintern sollen, ist idealerweise direkt über den Garten oder die Terrasse begehbar.

2. Wintergarten-Ausrichtung: In welche Himmelsrichtung?

Ein Wintergarten an der Südseite ist lichtdurchflutet, muss aber ausreichend beschattet und belüftet sein.

Ein Nord-Wintergarten ist im Sommer angenehm temperiert, im Winter muss er extra beheizt werden.

Ost- oder Westausrichtung sind ideal für Frühaufsteher oder Fans von Abendlicht. Macht die Lage auch davon abhängig, welche Pflanzen ihr im Wintergarten halten wollt.

3. Schatten im Wintergarten

Damit die Sonneneinstrahlung euch mehr nützt als schadet, solltet ihr für ausreichend Schatten sorgen – zum Beispiel durch Beschattungssysteme an Dach und Außenwänden.

4. Belüftung im Wintergarten

Die Belüftung verhindert Schimmelbildung. Beim Kaltwintergarten genügen in der Regel Lüftungsschlitze. Für einen Warmwintergarten solltet ihr eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung einplanen.

Beleuchteter Wintergarten
Ein Wintergarten mit Nordausrichtung ist eher dunkel – hier ist eine gute Beleuchtung sinnvoll. © Getty Images/iStockphoto

Wintergarten Kosten: Was kostet ein Wintergartenanbau?

Die Kosten für euren Wintergarten hängen von verschiedenen Faktoren ab:

  • Material: Am günstigsten ist Kunststoff, gefolgt von Holz. Aluminium oder ein Holz-Alu-Verbund sind am teuersten. Hinzu kommen Kosten für Verglasung, Dämmung und Fundament.
  • Dachform: Flachdach und Pultdach sind günstiger als ein Walmdach oder Satteldach.
  • Heizung, Lüftung und Schattierung: Je aufwändiger die Systeme, desto mehr Budget müsst ihr einplanen. Bei einem Warmwintergarten ist dieser Punkt ein großer Kostentreiber.
  • Ausstattung: Zur Basisausstattung zählen Bodenbelag und Türen. Hier hängen die Kosten vom verwendeten Material ab.

In Baumärkten gibt es Wintergarten-Bausätze zu kaufen. Auch hier variieren die Preise, abhängig vom Material. Standardmodelle gibt es für 4.000 bis 25.000 Euro.

Wer sich das Selberbauen nicht zutraut, sollte die Arbeit in die Hände einer Fachfirma geben. Die Kosten dafür sind entsprechend höher:

  • Gesamtkosten Anbau
  • Betriebskosten pro Jahr
  • Kaltwintergarten
  • circa 10.000 - 25.000 Euro
  • circa 200 Euro
  • Warmwintergarten (mittelwarm)
  • circa 15.000 - 50.000 Euro
  • circa 350 Euro
  • Wohnwintergarten
  • circa 25.000 bis 100.000 Euro
  • circa 500 Euro

Ein Kaltwintergarten aus Kunststoff mit einfacher Verglasung beginnt bei rund 500 Euro pro Quadratmeter. Insgesamt landet ihr bei etwa 10.000 bis 25.000 Euro. Wärmegedämmte Wintergärten fangen bei circa 1.500 Euro pro Quadratmeter an. Die Preise liegen je nach Ausstattung bei 15.000 bis 100.000 Euro.

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