Barrierefreies Badezimmer mit Haltegriffen, unterfahrbarem Waschtisch und bodenebener Dusche.
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Modernisieren | Ratgeber

Altersgerechtes Bad: Ideen, Kosten & Förderung fürs barrierefreie Bad

Tanja Müller

Tanja Müller

Mit nüchterner Klinikatmosphäre hat ein modernes altersgerechtes Bad nichts mehr gemein. Wir zeigen Ideen fürs barrierefreie Badezimmer, mit welchen Kosten ihr für den Umbau rechnen müsst und wie ihr an Zuschüsse kommt.

Wer heute einen Badumbau plant, sollte dabei gleich an Morgen denken und ein altersgerechtes Bad einplanen. Denn von einem barrierefreien Badezimmer profitieren nicht nur Senioren, sondern auch Familien mit kleinen Kindern. Was der Umbau zum altersgerechten Bad kostet, wie das aussehen kann und welche Zuschüsse ihr auch ohne Pflegestufe kassieren könnt, erfahrt ihr hier. Dazu erklären wir, weshalb die Begriffe barrierefrei, barrierearm und altersgerecht oft für Verwirrung sorgen.

2,5 Millionen Wohnungen müssen in den nächsten 20 Jahren in Deutschland umgebaut werden, allein bedingt durch den demografischen Wandel. Der größte Anpassungsbedarf besteht dabei bei den Badezimmern.

Barrierefreies, barrierearmes oder altersgerechtes Bad?

Bevor wir euch mit den Tipps zum Badumbau versorgen, wollen wir aber kurz auf die verschiedenen Begriffe eingehen. Denn wenn ihr mit Profis – also Handwerkern, Herstellern und Behörden – zu tun habt, werdet ihr schnell merken, dass es große Unterschiede zwischen barrierefrei, barrierearm, barrierereduziert oder altersgerecht gibt. Obwohl alle Begriffe oft als Synonyme verwendet werden.

  • Barrierefreies Bad: Die Umsetzung nach DIN-Standard 18040-2 ist wegen der gesetzlichen Vorgaben eine große Herausforderung. Hier geht es im Wesentlichen darum, dass das Badezimmer auch von Personen im Rollstuhl benutzt werden kann.
  • Barrierearmes/barrierereduziertes/altersgerechtes Bad: Eine Modernisierung zum barrierearmen Badezimmer (manche sagen auch barrierereduziert oder altersgerecht) ist deutlich einfacher und kostengünstiger. Die meisten privaten Bauherren streben daher diese einfache Form des Badumbaus an – nennen diesen aber oft "barrierefrei".

Ideen fürs altersgerechte Badezimmer

Schwellenlose Badezimmer bieten euch in allen Lebensphasen optimale Bewegungsfreiheit und Sicherheit – nicht nur dann, wenn eure Mobilität eingeschränkt ist. Und das sterile Krankenhausmilieu haben barrierefreie Badezimmer längst abgelegt.

Selbstredend stehen Komfort und Sicherheit beim barrierefreien Wohnen an erster Stelle. Doch die Optik schwellenloser Badezimmer kann durchaus mit denen behaglicher Wellnessoasen mithalten. Nicht nur das Produktdesign von Sanitärkeramik, Armaturen und Badmobiliar hat sich in puncto Ergonomie weiterentwickelt. Auch bei der Planung eures barrierefreien Bades habt ihr heute viel mehr Möglichkeiten, den Raum ergonomisch zu gestalten.

Barrierefreie Badewannen und Duschen

Noch relativ neu auf dem Markt sind Duschbadewannen. Darin könnt ihr brausen und baden zugleich. Durch eine Tür in der Wannenverkleidung steigt ihr ganz bequem ein.

Schwellenlose Duschen sind sicher, komfortabel, dazu noch pflegeleicht. Außerdem lassen sie euer Bad großzügig wirken. Wenn ihr über genügend Platz verfügt, dann gönnt euch doch eine Walk-in-Glasanlage: einen frei begehbaren Duschplatz hinter üppig dimensionierten Glasscheiben.

Bodenebene Dusche auch im Altbau möglich

Beim Neubau könnt ihr euch den Traum vom schwellenlosen Brausevergnügen am einfachsten erfüllen. Schließlich geht es an die bauliche Substanz. Inzwischen ist die Technik aber so weit, dass ihr euch eine bodenebene Dusche auch nachträglich installieren könnt, selbst in Altbauten. Ihr müsst nicht das Bodenniveau im ganzen Raum anheben lassen, damit das Wasser abfließt. Dafür haben die Hersteller spezielle Ablaufrinnen entwickelt.

7 Tipps für die altersgerechte und barrierefreie Badplanung

Von der Planung bis zur Umsetzung – unsere sieben Tipps helfen euch, ein nachhaltig komfortables, barrierefreies Bad zu schaffen:

1. Genug Bewegungsfreiheit schaffen

Die meisten Bäder werden modernisiert, wenn die Kinder ausziehen. Diese Gelegenheit solltet ihr nutzen, euer Badezimmer gleich zukunftsorientiert zu planen. Reißt ihr dann noch Wände ein, eröffnet das eurem Badumbau ganz neue Dimensionen.

Denn genügend Bewegungsraum insbesondere vor den Sanitärelementen gilt als A und O, bei kleinen Bädern stellt die Umsetzung allerdings eine besondere Schwierigkeit dar. Wenn ihr unterm Waschtisch genug Freiraum lasst, könnt ihr diesen bequem im Sitzen nutzen – wichtig für Rollstuhlfahrer, komfortabel für alle zum Beispiel beim Haare waschen oder Frisieren.

2. Unterputz-Armaturen verwenden

Auch mit Unterputz-Armaturen verschafft ihr euch Bewegungsfreiheit. Hier verschwindet die Technik komplett in der Wand. Nur der Wasserauslauf und die Bedienelemente schauen heraus. Moderne Thermostate verhindern übrigens ein Überhitzen, auch der Armatur, damit ihr euch beim Anfassen nicht verbrüht.

3. Im barrierefreien Bad öffnen Badezimmer-Türen nach außen

Ein ganz allgemeiner Tipp für barrierefreies Bauen gilt auch fürs Badezimmer: Die Zimmertür sollte sich nach außen öffnen lassen.

4. Sensoren machen das Badezimmer smart und sicher

Wasserhahn und Toilettenspülung aktiviert ihr heute durch bloße Annäherung. Sensoren übernehmen die Steuerung. Das macht es nicht nur besonders bequem, sondern vor allem hygienisch. Dank exakter Dosierung spart ihr so auch noch Wasser. Praktisch: Eine Nachtlichtfunktion weist mit einem Lichtstreifen im Dunkeln sicher den Weg zum WC. Mehr zu Armaturen mit Sensoren.

5. Rutschfesten Fußboden verlegen

Den Fußboden solltet ihr im barrierefreien Bad mit rutschfesten Fliesen verlegen lassen. Da fällt übrigens auch der Nachwuchs nicht so schnell auf die Nase.

Mehr zum Thema lest ihr auch in unseren Beiträgen:

6. Mit Ablagen und Griffen ausstatten

Kleinigkeiten erleichtern den Alltag im barrierefreien Badezimmer: Zusätzliche Hilfsmittel könnt ihr bei Bedarf relativ schnell und unkompliziert ergänzen. Sitzelemente für Dusche oder Badewanne zum Beispiel. Aber auch gut erreichbare Ablagen für Shampoo, Duschgel, Fön oder Zahnpflege sowie Halte-, Stütz- und Klappgriffe erleichtern den Badalltag.

7. Notruf-System im Bad

Wer an ein barrierefreies Bad denkt, hat oft die Kordel (aus vielen Hotelzimmern) vor Augen, die einen Notruf auslöst. Diese kann im Notfall Leben retten – ob man ein solches Haus-Notruf-System aber schon vorsorglich im jungen Seniorenalter installieren lässt, das sollte man ganz individuell entscheiden.

Was kostet der Umbau zum altersgerechten Bad?

15.000 Euro veranschlagen Forscher von der TU München für die barrierearme Umgestaltung einer kompletten Wohnung. Der Umbau vom Bad zum barrierefreien Badezimmer verschlingt davon etwa 8.500 bis 10.000 Euro – das ist aber nur unwesentlich mehr, als eine "normale" Modernisierung eines Badezimmers kostet. Wer also sein Bad ohnehin renovieren möchte, sollte die Chance nutzen, an die Zukunft zu denken und plant gleich ein altersgerechtes Bad ein.

KfW-Förderung für Badsanierung auch ohne Pflegestufe möglich

Der Staat fördert den Umbau zum barrierefreien beziehungsweise altersgerechten Bad – allerdings ist der Zuschuss davon abhängig, ob im Haushalt Personen mit Pflegestufe leben. Doch auch ohne Pflegestufe können Fördermittel beantragt werden, es gibt zwei Möglichkeiten:

  • KfW-Programm 455-B: Fördert ganz allgemein eine Barrierereduzierung beim altersgerechten Umbau mit einem Investitionszuschuss in Höhe von 6.250 Euro. Allerdings sind diese KfW-Fördermittel oft sehr schnell ausgeschöpft. Falls der Bundes­haushalt 2022 neue Mittel vorsieht, kann die Förderung allerdings wieder möglich werden.
  • KfW-Förderprogramm 159: Das Programm "Altersgerecht umbauen" fördert Modernisierungs­maßnahmen, mit denen Barrieren reduziert werden, mit einem Kredit.

Doch nicht nur der Staat, sondern auch Krankenkassen und Pflegeversicherungen geben Zuschüsse für einen barrierefreien Badumbau – sofern eine Pflegestufe vorliegt. Informiert euch am besten direkt bei euren Anbietern.

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