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Wohnen | Info-Guide

Tiny House oder Bauwagen: Was ist der Unterschied?

Michael Penquitt

Level: Für Einsteiger

Tiny House ist nur ein neuer Name für den allseits bekannten Bauwagen. Das behaupten Skeptiker und Traditionalisten. Doch es gibt auch Unterschiede.

Der Trend zum Tiny House ist eine logische Konsequenz des aktuellen Zeitgeistes. In Deutschland und weiten Teilen des "Westens" erleben wir einen Überfluss an materiellen Dingen, von dem sich manche nun versuchen frei zu machen. Sie üben sich in Reduktion und begeben sich auf die Suche nach anderen Werten, um einen klaren Blick darauf zu erhalten, was sie glücklich macht.

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Darin unterscheiden sich Tiny Houses denn auch am meisten von klassischen Bauwagen: Die Entscheidung, in ein Tiny House zu ziehen, entsteht meistens aus dem Wunsch, sich von Überflüssigem zu trennen und das Leben ein wenig aufzuräumen. Bewohnerinnen und Bewohner solcher kleinen Häuser verzichten daher nur so weit auf Luxus, wie es ihnen recht ist. Das Komfortniveau passen sie je nach Bedarf an – es geht schließlich darum, sich wohl zu fühlen. Häufig stellen Tiny-House-Enthusiasten nach einiger Zeit fest, dass sie bereit sind, auf noch mehr zu verzichten und reduzieren ihre Einrichtung um weitere Elemente. Für manche ist das der Einstieg in ein nahezu autarkes Leben als Selbstversorger.

Tiny Houses haben Platz für Luxus

Das Leben in einem Bauwagen hingegen hat sich in Deutschland, zumindest historisch betrachtet, aus der Not heraus entwickelt und entfaltet sich für manche erst nach dem Einzug zu einer eigenen Lebenseinstellung. Von Luxus kann dann häufig schon aus rein finanziellen Gründen nicht die Rede sein. Allerdings vermissen Bauwagenbewohner diesen Luxus auch nicht unbedingt, da der bewusste Verzicht identitätsstiftend sein kann.

Konkret äußert sich das in vielen Eigenschaften des Zuhauses: Tiny Houses können, müssen aber nicht auf einem mobilen Fundament wie einem Anhänger stehen. Schließlich sind für echte Tiny Houses eine Baugenehmigung oder andere Zulassungen notwendig, um darin wohnen zu dürfen. Viele verfügen daher auch über voll funktionsfähige Sanitäranlagen, die an die Kanalisation und die Wasserversorgung angeschlossen sind. Sie sind meist auch besser gedämmt als einfache Bauwagen.

Die meisten Tiny Houses werden dank dieser Eigenschaften von Beginn an als längerfristiger Wohnsitz vorgesehen. Sie sind nicht vergleichbar zum Beispiel mit sogenannten "fliegenden Bauten", die dafür vorgesehen sind, immer wieder an unterschiedlichen Orten aufgestellt zu werden.

Bauwagen als Symptom einer anderen Zeit

Wagenplätze sind im eigentlichen Sinne ebenfalls nicht zur Ansiedlung bestimmt. Dennoch haben sich vor allem in den entbehrungsreichen Nachkriegsjahren zahlreiche Menschen mit ihren Bau-, später auch mit Wohnwagen auf diesen Plätzen niedergelassen. Mit der Zeit entstanden die als Wagenburgen bezeichneten Siedlungen, die seit den 70ern zu Orten alternativer Kultur angewachsen sind. In den 50er Jahren versuchte die Politik in vielen Bundesländern noch diese Bauwagensiedlungen mit restriktiven Gesetzen zu verhindern.

Vielerorts sind die mittlerweile veralteten Gesetze offiziell immer noch in Kraft. Dennoch werden diese Wagenplätze heutzutage geduldet und teilweise auch geschätzt. Das Wohnen in Tiny Houses ist, sofern eine entsprechende Genehmigung vorliegt, rechtlich anerkannt und wird immer beliebter.

Wie ihr seht, ist eine trennscharfe Definition, wo ein Bauwagen aufhört und ein Tiny House beginnt, nicht ganz einfach. Wie auch immer man es nennen mag, bietet das Leben auf kleinstem Raum viele Vorteile.

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