Bauarbeiter auf der Baustelle eines Fertighauses.
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Bauen | Ratgeber

Fertighaus-Kosten: Was kostet ein Fertighaus?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Was kostet ein Fertighaus? In unserem Artikel sagen wir euch, mit welchen Fertighaus-Kosten ihr mindestens rechnen müsst und wie sie sich zusammensetzen. Außerdem zeigen wir euch verschiedene Modelle und liefern eine Beispielrechnung.

Was kostet ein Fertighaus? Diese Frage ist ähnlich einfach zu beantworten wie "Was kostet ein Auto?". Kurzum: Die Fertighaus-Kosten hängen von ganz vielen Faktoren ab. Wir wagen trotzdem den Versuch, euch eure Fragen so gut wie möglich zu beantworten und geben wertvolle Hinweise, was ihr auf eurem Weg ins eigene Haus unbedingt beachten solltet.

Fertighaus-Kosten: Enormer Preisanstieg

Die Baupreise sind spätestens mit dem Anstieg der Materialkosten durch die Decke geschossen. 2021 haben die meisten Fertighaus-Anbieter ihre Preise mehrfach erhöht, die Kosten stiegen um mehr als zehn Prozent. Wir kommen kaum noch hinterher, die Preise in unseren Artikeln zu aktualisieren. Auch viele Hersteller schreiben nur noch "Preis auf Anfrage" über ihre Häuser.

Unser Tipp: Verschafft euch in unserer riesigen Fertighaus-Datenbank einen Überblick, filtert nach zahlreichen Kriterien und lasst euch Informationen direkt über unsere Katalogbestellung zuschicken.

Wovon die Fertighaus-Kosten vor allem abhängen

Unabhängig von der Marktsituation kommt es bei den Kosten für ein Fertighaus vor allem auf zwei zentrale Punkte an: Bauart und Ausbaustufe.

1. Bauarten beim Fertighaus

Bei den Bauarten unterscheidet man beim Fertighaus nach:

  • Holzbauweise: Die Holzbauweise ist die gebräuchlichste Form beim Fertighausbau. Sie ermöglicht es, einen Großteil an vorgefertigten Bauteilen direkt an die Baustelle zu bringen und dort zusammenzusetzen. Fertighäuser in Holzbauweise sind in der Regel etwas günstiger als Massivhäuser.
  • Massivbauweise: Allerdings gibt es auch Massiv-Fertighäuser. Dabei kommen häufig große, vorgefertigte Wandelemente aus Ziegeln, Beton oder Betonsteinen zum Einsatz. Es ist also eher eine Mischform aus dem Fertighausbau mit vorgefertigten Elementen und dem Massivhausbau, bei dem Stein auf Stein gebaut wird.

Ihr wollt mehr über die jeweiligen Vor- und Nachteile erfahren? Lest unseren Artikel "Fertighaus oder Massivhaus".

Klar ist: Je standardisierter die Bauteile und je höher der Grad der Vorfertigung, desto schneller und effizienter steht euer Fertighaus. Und desto geringer sind die Kosten.

2. Ausbaustufen beim Fertighaus

Neben der Bauweise beeinflusst auch die Ausbaustufe den Preis beziehungsweise die Fertighaus-Kosten:

  • Bausatzhaus: Beim Bausatzhaus bekommt ihr vom Fertighausanbieter das zugeschnittene Material sowie eine Bauanleitung geliefert. Für den Bau seid ihr selbst zuständig. Pro Quadratmeter liegen die Preise für ein Bausatzhaus bei etwa 900 Euro. Fertighäuser als Bausatzhaus kosten also ab ca. 100.000 Euro.
  • Ausbauhaus: Hier stellt euch der Fertighausanbieter den Rohbau hin, ihr müsst euch vornehmlich nur noch um den Innenausbau kümmern. Hier müsst ihr pro Quadratmeter mit etwa 1.300 Euro rechnen. Fertighäuser als Ausbauhaus kosten ab ca. 130.000 Euro.
  • Schlüsselfertiges Haus: Auch wenn der Begriff etwas anderes erwarten lässt: Bei einem schlüsselfertigen Fertighaus können je nach Baubeschreibung für euch auch noch Restarbeiten zu erledigen sein, bevor ihr einziehen könnt. Trotzdem ist dieses die höchste Ausbaustufe. Schlüsselfertige Fertighäuser werden ab 180.000 Euro angeboten. Für diesen Preis bekommt ihr allerdings nicht viel mehr als 100 Quadratmeter Wohnfläche.

Das sind allerdings nur grobe Richtwerte. So gibt es kleine Modulhäuser, die von den Anbietern schon für knapp 80.000 verkauft werden. Gerade bei den Ausbau- und Bausatzhäusern gibt es teils Varianten für einen fünfstelligen Preis. Und es gibt sogar schlüsselfertige Fertighäuser unter 150.000 Euro. Dabei handelt es sich aber um sehr kleine Fertighäuser oder um Aktionshäuser.

Was kostet ein Fertighaus 2022?

Generell liegt der Quadratmeterpreis für ein Fertighaus zwischen 1.800 und 2.500 Euro. Der Durchschnittspreis für ein 140 Quadratmeter großes Fertighaus liegt bei 280.000 Euro. (Stand Februar 2022).

Für die oben erwähnten Ausbaustufen haben wir mal drei exemplarische Beispiele aus unserer Datenbank aufgelistet. Kategorie: eher preiswert.

1. Bausatzhaus: Innovationshaus 140 von Ytong Bausatzhaus

Ein Bausatzhaus muss architektonisch nicht langweilig sein. Beim Innovationshaus 140 von Ytong Bausatzhaus sorgen Rücksprünge in der Fassade für einen Hingucker und bilden zusätzlich einen guten Wetterschutz über dem Eingang und einem Teil der Terrasse.

2. Ausbauhaus: Vita Nova Modern 99 von Kager Haus

Ein Einfamilienhaus mit rund 100 Quadratmetern Wohnfläche, das dem Kfw40-Standard entspricht. Das Modell Vita Nova Modern 99 von Kager Haus ist in Holzrahmenbauweise errichtet und hat ein Flachdach.

3. Schlüsselfertiges Haus: Aura 136 von Town & Country Haus

Das Doppelhaus Aura 136 von Town & Country Haus ist dank moderner Grundrissgestaltung ein echtes Familienhaus. Auf Wunsch ist dieses Haus auch mit Keller sowie als Energiesparhaus erhältlich. Der Hersteller hat ordentlich an der Preisschraube gedreht und bietet das schlüsselfertige Fertighaus nun für über 200.000 Euro an.

Was die Fertighaus-Kosten noch beeinflusst

Habt ihr euch für ein Hausmodell entschieden? Oder schwankt ihr noch zwischen einigen Varianten? In punkto Kosten fürs Fertighaus solltet ihr auch folgende Punkte beachten:

  • Bodenplatte oder Keller? Die Fertighaus-Hersteller werben üblicherweise mit Festpreisen für bestimmte Ausbaustufen. Doch die Angaben gelten in der Regel "ab OK". Das Kürzel steht für "ab Oberkante Bodenplatte" beziehungsweise "ab Oberkante Keller" – je nachdem, ob ihr euer Haus mit oder ohne Keller plant. Die reine Grundplatte ist im Preis natürlich mit inbegriffen. Wollt ihr dazu noch einen Fertigkeller haben, dann müsst ihr mit Mehrkosten zwischen 35.000 bis 70.000 Euro rechnen.
  • Wahl der Dachform: Fertighäuser werden oft im Baukastensystem angeboten, das heißt, ihr habe auch bei der Dachform eine Auswahl. Wer kostenbewusst bauen will, entscheidet sich für ein klassisches Satteldach.
  • Hausform und Hausgröße: Ein L-förmiges Haus ist komplizierter zu bauen als ein rechteckiges. Und der eingeschossige Bungalow mit 100 Quadratmetern Wohnfläche weniger aufwendig als der Zweigeschosser mit über 200 Quadratmetern. Derzeit liegen die durchschnittlichen Baupreise für schlüsselfertige Fertighäuser zwischen 1.800 und 2.500 Euro pro Quadratmeter. Je nach Ausstattung und Individualisierung sind aber auch Fertighaus-Kosten von 4.500 bis 6.000 Euro pro Quadratmeter möglich. Daher planen kostenbewusste Bauherren ihren Bedarf ganz genau und haben dabei vor allem auch die Nutzung in der Zukunft im Auge.
  • Fertighaus-Hersteller: Um den Vergleich vom Artikelanfang aufzugreifen: Auch bei den Fertighaus-Anbietern gibt es "Porsche" und "Opel". Erstere bieten dann eben zertifizierte Ökohäuser individuell nach Kundenwunsch, letztere eher Standard-Häuser mit Standard-Materialien und Standard-Ausstattung. Es gibt auf jeden Fall Hinweise, woran ihr gute Fertighaus-Anbieter erkennt.

Diese Fertighaus-Kosten kommen noch hinzu

Der Vorteil eines Fertighauses: Habt ihr euch in Sachen Bauart, Ausbaustufe, Größe und Ausstattung entschieden, dann lassen sich die reinen Baukosten sehr gut kalkulieren. Ihr wisst also genau, was ihr für euer Haus bezahlen müsst.

Aber Vorsicht: Damit sind die Fertighaus-Kosten aber noch nicht komplett. Denn rein mit dem Haus ist es nicht getan. Zwei zentrale Posten müsst ihr bei der Frage, was ein Fertighaus kostet, noch mit einbeziehen:

Die Kosten für das Grundstück

Nur in den seltensten Fällen hat der Fertighaushersteller auch ein Grundstück für euch. Normalerweise müsst ihr euch das selbst besorgen. Hier findet ihr einen informativen Artikel, was ihr beim Grundstückskauf alles beachten solltet. Ein Spartipp: Vielleicht findet ihr noch eine Baulücke, die ihr günstiger erstehen könnt.

Die Kosten für euer Grundstück sind natürlich sehr individuell, je nach Größe und vor allem der Lage. Laut Statistischem Bundesamt kostete ein Quadratmeter baureifes Land 2020 im Bundesdurchschnitt 199 Euro Euro. Aber die Differenzen sind natürlich riesig und Grundstücke vor allem in Ballungsgebieten rar und teuer.

Die Baunebenkosten

Von den Nebenkosten beim Grundstückskauf (zum Beispiel die Grunderwerbsteuer) über die Kosten bei der Bauvorbereitung (zum Beispiel die Erschließungskosten) bis hin zu den Kosten für das Fertighaus während und nach der Fertigstellung (zum Beispiel für die Bauabnahme) – als Bauherr kommt kostentechnisch noch einiges auf euch zu.

Unterschätzt bitte die Baunebenkosten für ein Fertighaus nicht! Sie machen immerhin rund 15 bis 20 Prozent der gesamten Baukosten aus.

Kosten für Außenanlagen und Einrichtung

Zäune, Wege, der Eingang und natürlich Möbel und andere Einrichtungsgegenstände – streng genommen müsst ihr auch das in die Kostenkalkulation für euer Fertighaus mit einbeziehen.

Das Bodenseehaus Bohlingen
Grundstück, Bauvorbereitung, Außenanlagen – neben dem reinen Kaufpreis gibt es noch einiges Zusatzkosten, die ihr einkalkulieren müsst. © Das Bodenseehaus

Beispielrechnung: Fertighaus-Kosten

Hier einmal exemplarisch eine grobe Überschlagsrechnung, was euch der Kauf eines Fertighauses insgesamt kostet:

  • Posten
  • Kosten in Euro
  • Kaufkosten des Fertighauses
  • 250.000
  • Kaufnebenkosten (Makler, Notar, Grunderwerbsteuer)
  • ca. 25.000
  • Kosten der Bauvorbereitung (Baugenehmigung, Grundschuldeintrag, Erdarbeiten, Vermessungs- und Erschließungkosten)
  • ca. 30.000 bis 60.000
  • Nebenkosten beim Hausbau (Versicherung, Baubegleitung und Bauabnahme)
  • ca. 2.000 bis 7.000
  • GESAMTSUMME
  • ca. 307.000 bis 342.000

Beispielhafte Auflistung der Kosten beim Kauf eines Hauses

Wie gesagt sind diese Kosten beim Fertighaus nur grob kalkuliert. Gerade bei den Kosten für die Bauvorbereitung kommt es zum Beispiel darauf an, wie viel Erde ihr ausheben müsst und ob das Grundstück voll erschlossen oder nur teilerschlossen ist.

(Wie) kann ich die Fertighaus-Kosten senken?

Solltet ihr euch vorgenommen haben, mit den Herstellern zu verhandeln, um die Fertighaus-Kosten zu senken, dann schlagt euch das lieber aus dem Kopf: Die Auftragsbücher sind derart voll, dass kaum ein Anbieter es nötig hat, euch großartige Rabatte zu gewähren. Die Wartezeiten aufs Fertighaus liegen jetzt schon teilweise bei zwei Jahren.

5 schnelle Spartipps fürs Fertighaus

  1. Ihr solltet lieber darüber nachdenken, ob ihr selbst anpacken könnt. Aber passt bitte auf: So mancher Bauherr hat sich bei der Berechnung seiner "Muskelhypothek" überschätzt.
  2. Die beste Art beim Fertighaus-Bau zu sparen: Schlüsselt die einzelnen Posten genau auf und priorisiert dann: Brauchen wir wirklich 180 Quadratmeter oder reichen vielleicht nicht auch 140 mit der Option auf späteren Ausbau? Vielleicht kommt ja auch ein Minihaus infrage? Müssen die Jalousien wirklich alle elektronisch und smart gesteuert sein? Können wir vielleicht doch auf einen Keller verzichten?
  3. Vergleicht die verschiedenen Angebote (zum Beispiel in unserer Fertighaus-Datenbank),
  4. informiert euch in Musterhausparks und
  5. legt euch nicht zu schnell auf einen Anbieter fest.

Weitere Spartipps findet ihr in unserem Artikel Günstig bauen.

Viel Erfolg auf eurem Weg ins Traumhaus!

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