Bauarbeiter prüft Fertighaus-Bauteil auf einer Baustelle.
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Fertighaus-Bauzeit: Wie lange dauert ein Hausbau?

Antonia Eigel

Antonia Eigel

Der Bau eines Fertighauses kommt dem Wunsch vieler Bauherren nach Planungssicherheit entgegen. Kurze Bauzeiten und ein durchgetakteter Zeitplan bringen viele Vorteile mit sich. Wie lange es von Planungsbeginn bis Schlüsselübergabe dauert.

Wer schnell ein Haus bauen will, der baut heute in der Regel ein Fertighaus. Von Planungsbeginn bis zur Schlüsselübergabe vergehen meist nur maximal neun bis zwölf Monate, so bislang das Versprechen vieler Fertighaus-Hersteller. Die reine Fertighaus-Bauzeit ab dem ersten Spatenstich nimmt dabei überraschend wenig Zeit in Anspruch.

Doch die Nachfrage nach Fertighäusern steigt seit einigen Jahren konstant an, hinzu kommen pandemiebedingte Lieferschwierigkeiten, welche die Bauzeit verlängern. Auf welche Fertighaus-Bauzeiten sich zukünftige Bauherren einstellen müssen, und wie der zeitliche Ablauf beim Bau eines Fertighauses im Detail aussieht, haben wir für euch aufgeschlüsselt.

Wie lange dauert der Bau eines Fertighauses?

Pauschal lässt sich die Frage nach der Bauzeit eines Fertighauses natürlich nicht beantworten und auf einen fixen Tag festnageln. Denn es kommt auch auf die individuellen Kundenwünsche bei der Bauplanung an. Dazu gibt es weitere Faktoren, die die Fertighaus-Bauzeit beeinflussen können:

Dennoch lässt sich grob abschätzen, wie viel Zeit ihr in der Theorie für die einzelnen Schritte von Planung bis Schlüsselübergabe einplanen könnt:

  • Bauplanung: ein Tag bis mehrere Wochen
    • Bedarfsanalyse
    • Planung durch Architekten
  • Bauantrag/Baugenehmigung: drei bis vier Monate
  • Bauphase: zwei bis fünf Wochen
    • Keller oder Bodenplatte (bis zu fünf Wochen)
    • Rohbau (ein bis zwei Tage)
  • Innenausbau: acht bis zwölf Wochen (schlüsselfertig)

Für ein (schlüsselfertiges) Fertighaus haben Fertighaus-Hersteller ab Planungsstart bis Fertigstellung bislang mindestens sechs Monate, mit Puffern neun bis zwölf Monate veranschlagt. Solche Fertighaus-Bauzeiten sind momentan aber nur in der Theorie realistisch.

Denn die Nachfrage nach Fertighäusern ist seit drei Jahren sehr hoch und steigt weiter an. Das übertrifft derzeit nicht nur die Produktionskapazitäten vieler Fertighaus-Hersteller. Hinzu kommt, dass pandemiebedingt auch Baumaterialien knapp sind und die Preise für Baumaterialien steigen. Bauherren, die heute einen Vertrag für ein Fertighaus unterschreiben, müssen im Schnitt 18 Monate bis Baubeginn warten. Bei manchen Fertighaus-Anbietern sind es derzeit sogar 24 Monate.

So könnt ihr die Bauplanung verkürzen

Auch wenn Bauherren es letztendlich nicht selbst in der Hand haben, wie lange es bis zum Baustart des neuen Eigenheimes dauert, können sie zumindest die Bauplanungsphase durch gute Vorbereitung selbst etwas verkürzen.

Denn bevor die eigentliche Bauplanung durch den Architekten losgehen kann, ermittelt der Fertighaus-Hersteller den Bedarf der zukünftigen Bauherren. Das kann einen Tag, aber auch mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. In der Regel wird in diesem Zuge auch das zukünftige Grundstück vorab besichtigt. Dann müssen folgende Fragen geklärt werden:

Auf Basis der Bedarfsanalyse erstellt ein Architekt dann in den nächsten Wochen einen Bauplan. Die Bauherren erhalten jetzt meist auch das konkrete Angebot, in dem alle Leistungen rund um das Fertighaus aufgelistet sind.

So spart ihr Zeit: Die meisten Fertighaus-Hersteller sind in Musterhausparks vertreten und bieten die Möglichkeit einer Vorbemusterung an, wo ihr euch bereits im Vorfeld über die verschiedenen Ausbaustufen, Innenausstattung und weitere Details informieren könnt. Befindet sich der Fertighaus-Hersteller nicht in der Region, müsst ihr für den Besuch vielleicht ein komplettes Wochenende einplanen.

Wie lange dauert es, bis man eine Baugenehmigung erhält?

Um mit einem Bauprojekt starten zu können, egal ob Fertighaus oder Massivhaus, benötigt ihr im Vorfeld eine Baugenehmigung, dazu müsst ihr einen Bauantrag stellen. Das kann, abhängig von Bundesland und Kommune, einige Wochen bis zu vier Monate dauern, bis die zuständige Behörde diese erteilt.

Ihr könnt das Verfahren beschleunigen und die Bauzeit eures Fertighauses verkürzen, indem ihr vor allem auf die Vollständigkeit aller Unterlagen für den Bauantrag achtet.

Fertighaus-Bauzeit verkürzen: Mit Keller oder Bodenplatte?

Wer ein Fertighaus bauen will, kommt um diese Entscheidung nicht herum. Damit es aufgestellt werden kann, braucht es ein solides Fundament, entweder in Form einer einfachen Bodenplatte oder eines Kellers. Mit diesen Bauzeiten könnt ihr rechnen:

  • Bodenplatte: zwei Wochen
  • Keller: vier bis fünf Wochen

Die Bauzeit sollte bei dieser Entscheidung aber nicht das ausschlaggebende Kriterium sein. Entscheidet selbst für euch, ob ihr einen Keller braucht oder nicht. Eine Hilfestellung bietet euch der Artikel Vorteile und Nachteile eines Kellers.

Das häufigste Gegenargument bei Kellern sind die vermeintlichen Mehrkosten, die entstehen. Betrachtet man jedoch die gesamte Bausumme, fällt auf, dass die Kosten für einen unterkellertes Fertighaus nur durchschnittlich 20 Prozent über den Kosten für ein Haus mit Bodenplatte liegen, so der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF). Und das bei einem Zugewinn von 20 bis 40 Prozent Nutzfläche, die als Wohnfläche sowie für Haus- und Heiztechnik genutzt werden kann. Das entlastet die oberen Stockwerke.

Ob Keller oder Bodenplatte, in beiden Fällen ist die Qualität der tragenden Konstruktion im Erdreich entscheidend, damit die gesamte Investition sowie das Haus nicht ins Wanken gerät. Fällt die Wahl auf einen Keller, empfehlen Gutachter immer häufiger den Bau einer weißen Wanne, die gibt es auch als Fertigkeller.

Mit einem Baugrundgutachten sorgt ihr dafür, dass ihr euer Haus auf solidem Grund baut.

Montage eines Fertighauses, schwebendes Deckenteil
Der Fertighaus-Rohbau steht binnen zwei Tagen. Der Innenausbau kann zeitnah beginnen. © SchwörerHaus/Jürgen Lippert

Fertighaus-Bauzeit: Rohbau steht in Rekordzeit

Aufgrund des sehr hohen Vorfertigungsgrades kann ein Fertighaus-Rohbau binnen zwei Tagen fertiggestellt werden. Im Werk werden alle Wände bereits so vorbereitet, dass sie auf der Baustelle vom Bautrupp nur noch mithilfe eines Krans aufgestellt und montiert werden müssen. Steht der Rohbau, kann das Dach eingedeckt und die Regenrinnen montiert werden.

Großer Vorteil: Da die Fertigung im Werk komplett witterungsunabhängig stattfindet, können Zeitpläne sehr genau eingehalten werden. Bauteile wie Türen oder Fenster und auch Steckdosen sind in der Regel dann schon eingebaut. Schnee, Wind und Regen sind bei der Fertigstellung des Rohbaus prinzipiell kein großes Hindernis, weshalb ihr ein Fertighaus auch im Winter aufstellen lassen könnt. Regnet oder schneit es doch mal, werden die Bauteile mit Planen abgedeckt. Bei größeren Unwettern kann es dennoch zu nicht eingeplanten Verzögerungen kommen.

Da der Rohbau nach bereits zwei Tagen steht und Türen und Fenster schon verbaut sind, ist er sofort regendicht. Feucht gewordene Bauteile können so binnen kürzester Zeit trocknen. Lange Trockenphasen wie bei Massivhäusern gibt es hier nicht.

Innenausbau: Fertighaus-Bauzeit zieht sich

Der Innenausbau zieht die Bauzeit zum Schluss nochmal in die Länge. Steht der Rohbau nach gerade einmal zwei Tagen, planen Fertighaus-Hersteller acht bis zwölf Wochen für den Innenausbau ein, sofern es sich um ein schlüsselfertiges Haus handelt. Folgende Arbeiten müssen jetzt noch erledigt werden:

Wie lange der Innenausbau tatsächlich dauert, ist aber auch abhängig davon, für welche Ausbauform ihr euch im Vorfeld entschieden habt.

  • Bausatzhaus: Der Hersteller liefert nur die einzelnen Bausätze. Vom Rohbau bis zum Innenausbau übernehmt ihr als Bauherr die kompletten Arbeiten selbst.
  • Ausbauhaus: Der Hersteller liefert die gesamte Gebäudehülle und montiert sie wetterfest. Ihr übernehmt nach der Übergabe den Großteil des Innenausbaus in Eigenregie.
  • Schlüsselfertig: Das Fertighaus ist (so gut wie) bezugsfertig, ihr nehmt in der Regel nur noch die Schlüssel entgegen.

Aber Achtung: Egal, welche Ausbaustufe ihr wählt – legt vertraglich ganz genau fest, wer welche Leistungen zu erbringen hat. Das kann nämlich ganz unterschiedlich sein, selbst der Begriff "schlüsselfertig" ist nicht eindeutig definiert und lässt im Zweifelsfall viel Spielraum für Interpretationen. Lasst euren Bauvertrag im Zweifel von einem Juristen prüfen.

Eigenleistung spart Geld, aber keine Bauzeit

Je mehr Eigenleistung ihr erbringen müsst, desto länger dauert der Innenausbau:

  • Bausatzhaus & Ausbauhaus: circa sechs bis zwölf Monate (Rohbau und Innenausbau)
  • Schlüsselfertig: acht bis zwölf Wochen (Rohbau und Innenausbau)

Ein Bausatzhaus oder Ausbauhaus kann sinnvoll für euch sein, wenn ihr möglichst viel selbst entscheiden und Geld sparen wollt. Dazu könnt ihr euch so viel Zeit lassen, wie ihr braucht. Dennoch: Zeit ist auch Geld. Eine längere Bauphase bedeutet auch, dass die monatliche Kostenbelastung höher ist. Laufende Mietkosten in der alten Wohnung oder alte Darlehensraten sowie Darlehensraten vom neuen Haus summieren sich.

Ausbauhäuser könnt ihr allerdings auch in verschiedenen Ausbaustufen kaufen. Wollt ihr zum Beispiel die Sanitärinstallationen lieber einem Fachbetrieb überlassen, könnt ihr das über den Fertighaus-Hersteller gleich mit buchen.

Am bequemsten und schnellsten, aber auch am teuersten ist die schlüsselfertige Variante. Da ihr bereits alle Ausbaumaterialien in der Planungsphase festgelegt habt, und Anschlussstellen für Elektro- und Sanitärinstallationen bereits im Wandaufbau mit eingeplant sind, und alle Handwerkerleistungen aus einer Hand kommen, könnt ihr hier garantiert mit der kürzesten Fertighaus-Bauzeit rechnen.

Unsere abschließende Empfehlung: Bausatzhaus, Ausbauhaus oder lieber doch schlüsselfertig? In unserer Wohnglück Fertighaus-Datenbank könnt ihr ganz einfach eure gewünschte Ausbaustufe voreinstellen. Viel Spaß beim Stöbern!

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