Montage eines Fertighauses, schwebendes Wandteil
© SchwörerHaus/Jürgen Lippert

Bauen | Listicle

Ausbauhaus, Bausatzhaus, schlüsselfertiges Haus: Die Unterschiede bei Fertighäusern

Claudia Lindenberg

Level: Für Alle

Viele Anbieter von Fertighäusern bieten unterschiedliche Ausbaustufen an. Doch was bedeutet eigentlich der Begriff Ausbauhaus oder Bausatzhaus? Was ist unter einem schlüsselfertigen Haus zu verstehen? Wir zeigen euch, was mit den Begriffen gemeint ist.

Ein Fertighaus ist ein Fertighaus? Nicht ganz. Es gibt auch bei der vorgefertigten Variante des Bauens verschiedene Stufen. Für welche ihr euch entscheidet, hängt – neben den finanziellen Mitteln – auch von eurem handwerklichem Geschick und eurer Zeit ab.

Wir erläutern hier die gebräuchlichsten Ausbaustufen bei Fertighäusern.

Fertighaus bauen in Eigenregie: Das Bausatzhaus

Beim Bausatzhaus übernimmt der Anbieter lediglich die Lieferung der für die Errichtung des Hauses erforderlichen Bausätze. Die Bauherren erstellen dann den Rohbau und übernehmen auch den kompletten Innenausbau.

Diese Variante ist besonders kostengünstig, erfordert aber eine längere Bauzeit, da Bauherren in der Regel nur nach Feierabend mit anpacken können. Die Hersteller bieten Schulungen und fachliche Unterstützung durch Bauleiter an – ganz auf sich gestellt sind Bauherren bei dieser Ausbauform also nicht.

Das sind die Vorteile eines Bausatzhauses

  • Die finanzierende Bank wertet eure Eigenleistungen als Eigenkapitalersatz. Das kann euch helfen, günstigere Konditionen für den Baukredit zu erhalten. Diese hängen davon ab, wie viel Kapital ihr vorweisen könnt.
  • Ihr könnt mit einem Ausbau in Eigenregie die Baukosten reduzieren. Auch das hilft, die Finanzierungskosten überschaubar zu halten. So bleibt möglicherweise noch Spielraum für das ein oder andere Extra im Haus.
  • Ihr bekomm einen stärkeren Bezug zu eurem Haus, wenn ihr selbst mit angepackt habt.

Welche Nachteile ein Bausatzhaus haben kann

  • Ihr müsst sehr viel Zeit für den Ausbau einplanen. Das kann für euer Privatleben belastend sein und sich auch auf euren Job negativ auswirken.
  • Auch wenn ihr Handwerker mit einzelnen Ausbau-Tätigkeiten beauftragt, kostet das Zeit, da ihr euch um die Koordination kümmern müsst.
  • Die Bauphase kann sich insgesamt deutlich verlängern – je nachdem, wie viel ihr in welcher Zeit selbst erledigen könnt. Das wiederum kann dazu führen, dass ihr über längere Zeit sowohl Miete als auch Kreditraten zahlen müsst.
  • Ihr haftet für Mängel bei Arbeiten, die ihr selbst durchgeführt habt.

Ihr solltet euren zeitlichen Einsatz lieber vorsichtig kalkulieren. So gerät der Zeitplan auch dann nicht durcheinander, wenn ihr beispielsweise wegen Krankheit eine Weile ausfallt. Ebenfalls wichtig: Schätzt auch eure handwerklichen Fähigkeiten realistisch ein, damit es nicht zu Baumängeln kommt. Andernfalls lauft ihr Gefahr, später doch noch teure Nachbesserungen in Auftrag geben zu müssen, damit Handwerker die Mängel beseitigen.

Beim Ausbauhaus stellt der Hersteller die "Hülle" auf, den Rest erledigt der Bauherr. © SchwörerHaus/Jürgen Lippert

Fertighaus mitbauen: Das Ausbauhaus

Beim Ausbauhaus errichtet der Hersteller den Rohbau und stellt ihn von außen fertig. Den Innenausbau übernehmen die Bauherren, weshalb Ausbauhäuser oft auch als Mitbauhaus bezeichnet werden. Dazu gehören nicht nur das Streichen der Wände und das Verlegen von Bodenbelägen und Wandfliesen, sondern auch die Installationsarbeiten zur Haustechnik – also Elektrik, Heizungs- und Sanitäranlagen.

Je nach Anbieter können Bauherren bestimmte Leistungspakete wählen, die sie sich nicht selbst zutrauen – beispielsweise den Badausbau. Üblich ist auch der Begriff "technikfertig" beim Ausbauhaus: In diesem Fall ist der Hersteller die Haustechnik zuständig. Bei den Sanitärarbeiten bedeutet das beispielsweise, dass ihr zwar keine Wasserleitungen verlegen müsst, aber für das Verlegen der Fliesen und die Installation der Sanitärkeramik und Armaturen zuständig seid.

Achtung: Es gibt keine wirklich verbindlichen Vorgaben, welche Leistungen im Rahmen eines Ausbauhauses vom Hersteller erbracht werden müssen. Um teure Überraschungen zu vermeiden, solltet ihr vor der Entscheidung für ein Ausbauhaus sorgfältig prüfen, welche Arbeiten der Hersteller übernimmt und welche ihr selbst übernehmen müsst. Das hilft euch auch bei der Klärung der Frage, welche Arbeiten ihr vielleicht doch lieber den Fachleuten überlasst.

Dies Leistungen sollte der Hersteller eines Ausbauhauses erbringen

Da ihr beim Ausbauhaus den Innenausbau übernehmt, muss der Hersteller euch eine witterungsbeständiges, wetterfestes und wärmegedämmtes Haus hinstellen. Das würde dann folgende Leistungen umfassen:

  • Errichtung der Außen- und Innenwände
  • Die Wärmedämmung
  • Fassadenverkleidung bzw. Verputzung
  • Dacheindeckung
  • Fenster einbauen (inklusive Rollläden)
  • Leerrohre für die elektrischen Leitungen verlegen
  • Rohre für Wasser, Abwasser und Gas verlegen (inklusive Anschlüsse)
  • Haus- und Terrassentür inklusive Schließanlage montieren

Wie gesagt: Verbindliche Vorgaben gibt es nicht. Wenn ihr aber euer Haus innen selbst ausbauen wollt, denn geht das nur im Trockenen – und dafür sind die o. a. Arbeiten absolut notwendig.

Das kann beim Ausbauhaus vom Bauherren selbst gemacht werden

Ihr solltet euch im Klaren sein, was beim Innenausbau noch so alles auf euch zukommt. Das können die unterschiedlichste Gewerke mit ganz verschiedenen Schwierigkeitsgraden sein. Bleibt auch hier realistisch uns lasst im Zweifelsfall eine Fachfirma die Arbeiten übernehmen. Folgende Leistungen gehören üblicherweise beim Ausbauhaus zum Aufgabenbereich des Bauherren:

  • Heizungsanlage einbauen
  • Wasser und Abwasser anschließen
  • Gas- und Stromleitungen installieren
  • Estrich, Fliesen und Bodenbeläge verlegen
  • Sanitärobjekte einbauen
  • Türen einbauen, Trockenbauwände hochziehen
  • Malern und tapezieren, innen verputzen und Türen und Fenster lackieren
Frau streicht eine Wand
Malerarbeiten gehören zu den klassischen Eigenleistungen, die Bauherren selbst erbringen können. © Getty Images/iStockphoto

Alles (fast) erledigt: Das schlüsselfertige Haus

Beim schlüsselfertigen Haus übernimmt der Hersteller nicht nur die Errichtung des Rohbaus, sondern auch den Innenausbau. Anders als der Begriff "schlüsselfertig" es suggeriert, kann es je nach Anbieter vorkommen, dass ihr vor dem Einzug noch Wände streichen oder tapezieren müsst und ihr auch für das Verlegen der Bodenbeläge zuständig seid. Der Grund: Die Bezeichnung ist rechtlich nicht fest definiert.

Häufig finden sich in den Verträgen dann auch Formulierungen wie "schlüsselfertig ohne Haustechnik“ oder „schlüsselfertig ohne Malerarbeiten, Bodenbeläge und Innentüren“. Lasst euch also genau erklären, was mit schlüsselfertig gemeint ist und haltet das in der Bau- und Leistungsbeschreibung fest.

Die Standardleistungen für ein schlüsselfertiges Haus

Folgende Leistungen sollten bei der schlüsselfertigen Variante eines Fertighauses mit inbegriffen sein:

Bauvorbereitung

  • Kran, Gerüst, Montage, Transportkosten

Bauplanung

  • Kosten für den Architekten, die Bauleitung und die Erstellung des Energieausweises

Bauausführung:

  • Hausbau (inklusive Bodenplatte/Keller oder Oberkante Bodenplate)
  • Außenverkleidung bzw. Außenputz
  • Dacheindeckung und Dachentwässerung
  • Estrich plus Bodenbeläge
  • Fliesen- und Malerarbeiten
  • Haustechnik mit Heizungsanlage (wenn vereinbart auch Lüftung), komplette Sanitärinstallation, komplette Elektroinstallation
  • Hauseingangstür, Innentüren, Terrassentür
  • Fenster und Treppe
SchwörerHaus Haus Stark E 15-149.10
In er schlüsselfertigen Fertighaus-Variante muss der Käufer im Idealfall nur noch einziehen. © SchwörerHaus

Manche Hersteller bezeichnen Häuser, in die nur noch einziehen müsst, auch aus "bezugsfertig". In diesem Fall seid ihr auf der sicheren Seiten. Diese Ausbaustufe ist am teuersten, bietet aber den Vorteil, dass die Bauphase schneller abgeschlossen werden kann. Das liegt daran, dass Profis einfach schneller arbeiten als ihr selbst es könnt. Aber auch hier gilt: Alle Gewerke, alle Arbeiten genauestens vertraglich festhalten.

Ein schlüsselfertiges Haus kommt dann für euch infrage, wenn ihr kaum Zeit habt, um auf der Baustelle mit anzupacken. Ihr habt eher zwei linke als zwei rechte Hände? Auch dann ist ein schlüsselfertiges Haus für euch die bessere Wahl, denn so vermeidet ihr, dass ihr später doch noch einen Handwerker engagieren müsst, wenn es mit dem Ausbau in Eigenregie nicht klappt. Und das kostet nicht nur mehr, sondern führt auch dazu, dass ihr noch länger mit dem Umzug warten müsst. Auch das kann euer Bauprojekt zusätzlich verteuern.

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