Fliesenmuster geben jedem Raum eine besondere Betonung. Wir zeigen euch, worauf ihr dabei achten müsst, welche unterschiedlichen Verlege-Muster für Fliesen es gibt und vor allem wie sie am besten wirken.
Ähnlich wie bei Parkett gibt es auch bei Fliesen unterschiedliche Verlegemuster. Aber nicht jedes Fliesenmuster ist für jeden Raum geeignet. Wir zeigen euch hier die beliebtesten Arten, um Fliesen zu verlegen und sagen euch, was ihr dabei beachten solltet.
Ob in Küche, im Bad oder in anderen, meist funktionalen Räumen – Fliesen als Bodenbelag sind haltbar, pflegeleicht und erschwinglich. Darüber hinaus gibt es sie in allen erdenklichen Größen und Farben.
Bevor ihr euch für eine bestimmte Fliese entscheidet, überlegt euch, in welches Verlegemuster der Fliesen für euch in Frage kommt. Dazu klärt ihr am besten folgende Fragen:
Wie groß ist der Raum? Ein Fischgrätmuster ergibt in einem Sechs-Quadratmeter-Bad wenig Sinn. Umgekehrt wirken große Räume durch ein abwechslungsreiches Verlegemuster optisch interessanter.
Diagonal oder rechtwinklig? Je nachdem, ob ihr die Fliesen diagonal oder rechtwinklig verlegt, ändert sich die Menge des Verschnitts. Als Faustregel gilt: Bei einer diagonalen Verlegung sollte ihr zehn Prozent, bei einer rechtwinkligen Verlegung rund fünf Prozent an Verschnitt einplanen.
Benötigt ihr eine besondere Optik? Zum Beispiel bei Fliesen in Holzoptik wollt ihr bestimmt ein Fliesenbild, das einen Dielenboden nachahmt. Da passt dann der wilde Verband sehr gut. Soll der Raum dagegen ruhiger und sachlicher wirken, solltet ihr ein neutraleres Verlegemuster für die Fliesen wählen.
Bei der Auswahl eurer Wunschfliese solltet ihr also immer auch die Raumwirkung im Kopf haben. Außerdem fliesen Profis erst die Wände, dann den Boden. Wenn Wand- und Bodenfliesen das gleiche Format haben, richten sich die Bodenfugen nach den Fugen an der Wand. Dementsprechend wird dann auch das Fliesen-Verlegemuster gewählt.
Die 9 beliebtesten Fliesenmuster
Von klassisch bis komplett individuell: Hier zeigen wir euch die neun Fliesen-Verlegemuster, mit denen ihr beim Fliesen euren Raum zur Wirkung bringt.
Fliesenmuster 1: Kreuzverband / Kreuzfuge
Wer Ruhe in den Raum bringen möchte, der wählt den Kreuzverband als Verlegemuster. Alle Fugen kreuzen sich hier, deshalb ist dieses Muster auch als Kreuzfuge bekannt. Gerade bei großen und quadratischen Fliesenformaten empfiehlt sich das Verlegen im Kreuzverband.
Vorteile: bringt Ruhe in die Fläche
Nachteile: könnte langweilig wirken
Schwierigkeitsgrad: gering, einfach zu verlegen
Fliesenmuster 2: Halbverband
Beim Holzboden ist der Halbverband auch als "englischer Verband" oder "regelmäßiger Verband" bekannt. Dabei sind die Fugen jeweils um eine halbe Fliesenlänge versetzt. Der Halbverband wird häufig bei rechteckigen Fliesen eingesetzt, allerdings nur bis zu einer bestimmten Größe.
Ab circa 60 x 30 Zentimetern ist der Halbverband nicht mehr zu empfehlen. Durch die natürlich Krümmung der Fliese stößt hier die tiefste Stelle (der Rand) der einen Fliese auf die höchste Stelle (die Mitte) der anderen Fliese. Hierdurch kommt es zu einem unschönen Höhenversatz.
Vorteile: wirkt abwechslungsreich und trotzdem ruhig
Nachteile: nur für Fliesen bis zu einer bestimmten Größe geeignet
Schwierigkeitsgrad: gering, einfach zu verlegen
Fliesenmuster 3: Viertelverband / Drittelverband
Ähnlich wie beim Halbverband werden die Fugen beim Drittelverband beziehungsweise Viertelverband gleichmäßig versetzt angeordnet. Allerdings hier nur um eine Viertel- beziehungsweise Drittelbreite der Fliese. Dadurch entsteht ein Treppenmuster. Gut geeignet ist diese Form des Fliesen-Verlegemusters, um einen Raum optisch zu strecken. Daher bei schlauchförmigen Räumen lieber in Querrichtung verlegen.
Vorteile: streckt den Raum
Nachteile: erhöht den Verschnitt, da Abstände gleichmäßig sein müssen
Schwierigkeitsgrad: mittel, exakter Versatz sollte eingehalten werden
Fliesenmuster 4: Diagonalverband
Beim Diagonalverband ist der Winkel, in dem die Fliesen verlegt werden, zwar frei wählbar. In den meisten Fällen sieht man aber die 45-Grad-Variante. Besonders bei rustikaleren Böden (zum Beispiel mit Terrakotta- oder anderen Natursteinfliesen) ist der Diagonalverband sehr beliebt.
Vorteile: klare, sehr elegante Linienführung
Nachteile: erhöht den Verschnitt, da gerade zum Rand hin das Muster immer kleinteiliger wird
Schwierigkeitsgrad: mittel, exakte Ausrichtung ist wichtig
Fliesenmuster 5: Wilder Verband
Beim wilden Verband folgt der Versatz keiner Regel. Bei Parkettböden nennt sich das dann "Schiffsboden". Der Vorteil: Beim Fliesen fällt kaum Verschnitt an, denn das Verschnittstück der letzten Reihe wird einfach an den Anfang der nächsten Reihe gelegt. Allerdings geht die Sparsamkeit auf Kosten eines doch eher unruhigen Gesamtbildes.
Vorteile: sparsam, da wenig Verschnitt
Nachteile: eher unruhiges Gesamtbild, wenig elegant
Schwierigkeitsgrad: einfach, da der Versatz gewollt ist
Fliesenmuster 6: Römischer Verband
Was auf den ersten Blick aussieht wie eine willkürliche Art des Verlegens, folgt einem strengen Prinzip. Quadrate und Rechtecke wechseln sich beim römischen Verband in einer ganz bestimmten Reihenfolge ab. Sehr lebhaft und aufwendig zu verlegen, sieht man dieses Verlegemuster – ähnlich wie beim Diagonalverband – auch häufig bei Natursteinböden.
Schwierigkeitsgrad: hoch, folgt einer sehr strengen Geometrie
Fliesenmuster 7: Bahnenverband
Rechtecke mit unterschiedlichen Längen und Breiten werden – jeweils – in einer kompletten Bahn verlegt. Deshalb der Name Bahnenverband. Die Längsfugen laufen dabei in eine Richtung. Der Bahnenverband eignet sich eher für Böden in rustikaler Optik.
Vorteile: bietet (auch durch unterschiedlich farbige Fliesen) viele Gestaltungsmöglichkeiten
Nachteile: eignet sich eher nur für große Flächen
Schwierigkeitsgrad: mittel, Fugenabstände müssen exakt ausgerichtet sein
Fliesenmuster 8: Fischgrätverband
Den Fischgrätverband kennt ihr vielleicht vom Parkettboden. Genau wie bei der Holzvariante werden auch die Fliesen im rechten Winkel verlegt, so dass sie ein "V" ergeben. Die strenge Geometrie wirkt sehr edel. Durch unterschiedliche Farbnuancen lässt sich das Muster noch etwas auflockern.
Vorteile: sehr edles, klassisches Muster
Nachteile: schwierig zu verlegen, eignet sich fast nur für große Räume
Schwierigkeitsgrad: hoch, eher etwas für Profis
Fliesenmuster 9: Polygonalverband
Fliesen und Fugen je nachdem, wie es gerade passt: Die typische Optik des Polygonalverbandes wird häufig im Außenbereich eingesetzt. Hier ist der Verschnitt besonders hoch, rechnet beim Verlegen im Polygonalverband deshalb mit rund 20 Prozent mehr Material.
Vorteile: bringt eine naturnahe Optik
Nachteile: im Innenbereich eher selten, hoher Materialeinsatz
Schwierigkeitsgrad: gering (fertige Polygonalplatten) bis hoch (einzelne Bruchstücke)
5 Tipps für die richtige Wahl von Fliesen und Verlegemuster
Das richtige Fliesen-Verlegemuster ist häufig auch abhängig von der Fliesenart. Beachtet dazu noch folgende Tipps:
Bei weitläufigen Räumen wird oftmals empfohlen, helle Fliesen mit dunklen Fugen zu kombinieren. Das rastert einen Raum und macht ihn dadurch für das Auge ruhiger und wohnlicher. Wollt ihr ein möglichst homogenes Bild haben, dann wählt ihr zu den Fliesen eine ähnliche Fugenfarbe. Das wirkt gerade bei dunklen Fliesen sehr edel.
Querstreifen machen dick. Was in der Mode gilt, lässt sich auch auf Fliesenmustern beziehen. Verlegt ihr in einem schmalen Raum die Fliesen in Quer- und nicht in Längsrichtung, wird der Raum optisch verbreitert.
Um Unebenheiten oder schiefe Wände zu verdecken, nehmt ihr am besten kleinteilige Mosaikfliesen. Damit lassen sich kleinere Unregelmäßigkeiten gut "wegfliesen". Das gilt gleichermaßen für Boden und Wände.
Großformatige, rechteckige Fliesen liegen gerade im Trend. Deren Oberfläche ist oft leicht gekrümmt. Deshalb solltet ihr hier den Versatz so gering wie möglich halten, zum Beispiel mit einem Kreuz- oder Viertelverband. Sonst kommt es zu leichten Unebenheiten. Die stören beim Wischen, schlimmstenfalls merkt ihr mit den Füßen, dass der Boden nicht wirklich eben ist.
Überlegt euch auch, ob ihr Fliesen ebenfalls als Zusatzelemente verlegen könnt. Sockelleisten oder Bordüren sind Elemente, mit denen ihr Akzente setzen könnt.
Das solltet ihr bei Fliesenmustern noch beachten
Grundsätzlich ist eine gründliche Planung und sehr sorgfältiges Arbeiten beim Fliesen wichtig. Kleine Fehler seht ihr sofort – und die stören euch garantiert jedesmal, wenn ihr zum Beispiel das frisch geflieste Bad betretet.
Macht euch auf jeden Fall vor Beginn der Arbeiten einen Verlegeplan. Messt den Raum sorgfältig aus und zeichnet das Muster, das ihr verlegen wollt, ein. Achtet darauf, dass die Abschlussfliesen an den Wänden nicht zu klein ausfallen.
Niedrige Räume fliest ihr am besten deckenhoch. Rechteckige Fliesen, die vertikal verlegt sind, strecken dabei den Raum. Umgekehrt gilt: Große Räume möglichst nicht deckenhoch fliesen. Hier eher waagerecht arbeiten und vielleicht das Fliesenschild mit einer Bordüre beenden.
Die Fugenbreite richtet sich auch nach der Fliesengröße. Dabei gilt: Je kleiner die Fliese, desto schmaler die Fuge. Achtet auf ein einheitliches Fugenbild. Das ist ganz besonders wichtig, wenn der Fliesenbelag über zwei Räume verteilt und zum Beispiel vom Bad in den Flur übergeht.
Mut zu Form und Farbe ist die eine Sache. Auf Dauer gesehen sind neutrale Farben und klare Strukturen besser. Optische Reize könnt ihr sowohl im Bad als auch in der Küche besser mit Deko-Elementen setzen.