Handwerker markiert Holzleiste mit Stift für den Zuschnitt
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Das solltet ihr beachten, wenn ihr durch Eigenleistung Geld sparen wollt

Eva Brenner

Eva Brenner

Für alle, die beim Hausbau Geld sparen wollen, ist ein Ausbauhaus eine interessante Alternative. Aber Vorsicht: Wohnglück-Kolumnistin Eva Brenner weiß, dass sich schon so mancher Hobby-Handwerker gnadenlos überschätzt hat.

Ein Haus zu bauen ist doch ziemlich teuer. Wohl dem, der bei so einem Projekt anpacken und viele Arbeiten in Eigenleistung selber erledigen kann. Aber Achtung: Ganz so einfach, wie sich viele das vorstellen, ist das nicht! Gerade wer sein Fertighaus in großen Teilen selbst ausbauen möchte, sollte dabei einige wichtige Punkte beachten.

Die Ausbaumöglichkeiten beim Fertighaus

Doch vorweg erst einmal eine Begriffsdefinition: Welche Möglichkeiten der Eigenleistung habe ich eigentlich? Beim Fertighaus unterscheidet man drei Ausbaustufen:

  • Bausatzhaus
  • Ausbauhaus
  • Schlüsselfertig

Beim Bausatzhaus wird, wie der Name unschwer erkennen lässt, der Bausatz des Hauses geliefert und dieses wird durch den Bauherrn oder beauftragte Unternehmen aufgebaut. Das ist die günstigste Variante des Fertighauses, bedarf aber viel Energie in Sachen Organisation der Gewerke und der Eigenleistung.

Unter einem Ausbauhaus versteht man in der Regel die Fertigstellung des Rohbaus. Der gesamte Innenausbau kann dann durch beauftragte Unternehmen oder in Eigenleistung erbracht werden. Hier gibt es von den Herstellern meist auch noch mal unterschiedliche Ausbaustufen – je nachdem, wie viel man selber ausbauen kann und möchte. Dazu gehören auch Materialpakete, die ihr auf die Baustelle geliefert bekommt und die ihr selbst oder mit Helfern verarbeitet.

Schlüsselfertig bedeutet bezugsfertig. Das heißt, man kann das Haus beziehen ohne großartigen Aufwand. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass noch Bodenbeläge, Tapeten oder ähnliche Dinge, deren Bearbeitungsaufwand überschaubar ist, in Eigenleistung erbracht werden können oder durch beauftragte Unternehmen.

Hier findet ihr noch weitere Infos: Ausbauhaus als Fertighaus: Kosten, Modelle, Vorteile und Nachteile

Schätzt euer handwerkliches Können realistisch ein!

Für welche Variante ihr euch entscheidet, ist aber nicht nur rein finanziell zu sehen! Ihr könnt durchaus Geld sparen, wenn ihr Eigenleistungen erbringt. Ihr solltet euch jedoch nicht übernehmen und realistisch einschätzen. Denn es kommt selbstredend auch auf die eigene fachliche Eignung an.

Grundsätzlich gilt: Selbst wenn ihr handwerklich begabt seid oder sogar einen handwerklichen Beruf ausübt, bei fachfremden Arbeiten müsst ihr deutlich mehr Zeit einplanen als ein Fachmann. Und genau das solltet ihr unbedingt bei der Planung berücksichtigen! Vor allem, wenn andere Gewerke auf die in Eigenleistung erbrachte Arbeit aufbauen müssen.

Sonst kommt es unweigerlich zu Zeitverzögerungen und damit auch Mehrkosten. Am besten, ihr haltet alle zu erbringenden Eigenleistungen sowie die geplante Zeiten schriftlich fest – und lasst euch dann professionell beraten, ob eure Kalkulation auch realistisch ist. Schaut euch gern dazu auch diesen Artikel an: Muskelhypothek: So könnt ihr eure Eigenleistung als Eigenkapital nutzen

Mann und Frau mauern mit Ytong-Steinen.
Mauern hochziehen in Eigenleistung: Einige Fertighaus-Hersteller bieten dafür sogar Kurse an. Doch überlegt euch sehr genau, ob ihr so ein wichtiges Gewerk wirklich selbst übernehmen wollt. © Ytong

Gewährleistung: Euer Fehler, eure Kosten

Es sollte euch bewusst sein, dass es auf die erbrachten Leistungen von Handwerkern eine Gewährleistung gibt (ausgenommen sind Verschleißerscheinungen oder Bedienfehler). Man unterscheidet zwischen Arbeiten an Gebäuden, bei welchen ihr fünf Jahre Gewährleistungsfrist habt, und Arbeiten, die die Substanz des Gebäudes nicht substanziell betreffen. Zum Beispiel wären das Reparaturen, Malerarbeiten etcetera. In diesem Fall habt ihr lediglich eine zweijährige Gewährleistungsfrist.

Das Ganze wird vertraglich festgehalten und die Gewährleistungsfrist wird von dem jeweils zuständigen Gesetz geregelt (BGB/ VOB Vergabe- und Vertragsordnung). Sofern ein Mangel vom Bauherren festgestellt wird, hat der Handwerker ein Recht darauf nachzubessern. Ihr solltet also nicht vorschnell einen anderen Handwerker das Problem beheben lassen.

Die Gewährleistung entfällt selbstredend, wenn ihr diese Leistung selbst erbringt. Dann müsst ihr für etwaige Schäden auch selber aufkommen. Umso wichtiger ist eine fachmännische Ausführung. Wer mehr dazu wissen möchte: Bauabnahme: Warum sie bei Baumängeln so wichtig ist

Bauhelfer unbedingt versichern!

Ein Thema, welches ebenfalls von großer Relevanz ist, ist die sogenannte Bauhelferversicherung. Wenn ihr euch dazu entschlossen habt, einige Tätigkeiten in Eigenleistung auszuführen, nehmt ihr in der Regel auch Hilfe von Freunden, Kollegen oder der Familie in Anspruch. Diese Helfer sollten unbedingt versichert werden!

Andernfalls können im Falle eines Unfalls enorm hohe Kosten auf den Verantwortlichen zukommen. Abgesehen von einer Geldstrafe, die ihr an die örtliche Baugenossenschaft zu zahlen habt, müsst ihr unter Umständen den Krankenhausaufenthalt oder gar die Invalidenrente des Bauhelfers zahlen – und damit erweist sich niemand einen Gefallen.

Deswegen ist eine Bauhelferversicherung unerlässlich, ebenso wie das Führen eines Bautagebuches, in dem ihr notiert, wann welcher Bauhelfer vor Ort war. Auch dazu gibt es einen informativen, weiterführenden Artikel: Versicherungen beim Hausbau: Diese 3 Policen sollten Bauherren haben

Paar schleift gemeinsam Wand ab vor dem Streichen
Was geht, was nicht? Schätzt eure Fähigkeiten realistisch ein, wenn es um die Eigenleistung geht. © iStock/Getty Images/stockfour

Das könnt ihr realistisch an Eigenleistung erbringen

Sofern ihr euch beim Bau eines Fertighauses für das Rundum-Sorglos-Paket, die schlüsselfertige Übergabe, entschieden habt, erhaltet ihr ein fertiges, zum Einzug bereites Haus, das nur noch auf die individuelle Note des Hausbesitzers wartet.

Und genau das ist von enormer Bedeutung bei einem Fertighaus. Es hat keine Ecken und Kanten und noch keine Spuren vom Leben wie ein krummer, schiefer Altbau. Hier muss dringend etwas passieren, damit das Haus Herz und Seele, einen Charakter erhält. Und genau dies könnt ihr als Eigenheimbesitzer selbst ausführen.

Hier eine kurze Aufzählung von Gewerken, die jeder in Eigenleistung mit etwas handwerklichem Geschick erbringen kann:

Inneneinrichtung

Innenausbau

  • Zusätzliche Trockenbauwände, um einen weiteren Raum zu erzeugen (zum Beispiel Abstellkammer, Ankleidezimmer, weiteres Kinderzimmer et cetera)
  • Maßarbeit: Einbaumöbel oder Einbauschränke (zum Beispiel Küche, Vorratsraum, Flur, Keller)
  • Bodenbeläge wie Rollenware oder Click-Böden (Laminat/ Vinyl/ Linoleum/ Kork/ Parkett)

Abschließend noch einmal der Hinweis: Seid euch bewusst, wie umfangreich "Eigenleistung" sein kann. Die wenigsten von uns werden zum Beispiel wissen, wie man eine Baustelle richtig einrichtet. Und auch bei einem Ausbauhaus gibt es die unterschiedlichsten Varianten, welche Materialien ihr überhaupt angeliefert bekommt und wer diese letztendlich verbaut.

Es ist also von enormer Bedeutung, dass ihr euch vernünftig beraten lasst und alle Verträge und Absprachen sorgfältig prüft und auch dokumentiert!

Unser abschließender Tipp: Ihr wollt wissen, worauf es bei der Grundrissplanung ankommt oder ihr interessiert euch für das Thema Wohnungseinrichtung? Dann schaut doch gern auch in die weiteren Kolumnen unserer Autorin Eva Brenner. Ihr findet diese in unserer großen Übersicht:

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