Bauherr vor Hausbau mit Architektenzeichnung
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Bauen | Ratgeber

Versicherungen für Bauherren: Diese 3 Policen solltet ihr unbedingt haben

Level: Für Anfänger

Auf Baustellen passiert schnell mal was und dann kann es richtig teuer werden. Versicherungsberater Harald Peschken vom Bundesverband der Versicherungsberater erklärt, welche Versicherungen Bauherren unbedingt brauchen.

Bauherren tragen viel Verantwortung. Sie sind für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich, selbst wenn Fremdfirmen das Eigenheim errichten. Zudem kann während der Bauphase einiges schiefgehen: Ein Sturm, der das gerade eingedeckte Dach abdeckt. Ein Gerüst, das umfällt und vor dem Grundstück parkende Autos beschädigt. Oder Diebe, die verlegte Kupferrohre rausreißen. Die finanziellen Folgen können euch im schlimmsten Fall ruinieren.

Deshalb rät der unabhängige Versicherungsberater und Präsident des Bundesverbands der Versicherungsberaters (BVVB) Harald Peschken dazu, dass ihr als Bauherr unbedingt drei Versicherungen abschließt: eine Bauherrenhaftplichtversicherung, eine Bauleistungsversicherung und eine Wohngebäudeversicherung mit beitragsfreier Feuerrohbauversicherung.

Wer ist Bauherr?

Bevor ihr euch um den Versicherungsschutz kümmert, solltet ihr allerdings erstmal überlegen, wer überhaupt Bauherr der Immobilie ist. Wenn ihr euer Haus nämlich von einem Bauträger kauft, dann seid ihr fein raus. In diesem Fall geltet ihr als Erwerber. Der Bauträger ist Bauherr und damit verantwortlich. Er muss sich um die Versicherungen kümmern.

Wenn ihr allerdings euren Hausbau mit einem Generalunternehmen, Einzelunternehmern oder in Eigenregie plant und durchführt, dann seid ihr rechtlich der Bauherr und damit verantwortlich. Um diese Versicherungen solltet ihr euch noch vor Baubeginn kümmern:

1. Bauherrenhaftpflichtversicherung

Als Bauherr seid ihr verpflichtet, euch in regelmäßigen Abständen davon zu überzeugen, dass eure Baustelle sicher ist. Kommt ihr dem nicht nach oder überseht ihr eine Schadensquelle und es kommt zu einem Schaden, dann müsst ihr ohne eine umfassende Absicherung mit eurem gesamten Vermögen haften.

Die Bauherrenhaft­pflicht­versicherung springt beispielsweise ein, wenn ein Gerüst umfällt und parkende Autos beschädigt oder wenn herumfliegende Dachziegel Passanten verletzen. Sie zahlt auch, wenn beim Ausheben des Kellers Bäume auf dem Nachbargrundstück beschädigt werden oder wenn die Baustelle nicht gesichert ist und Kinder in eine Grube fallen.

Wenn Menschen verletzt werden, können die Schadenersatzansprüche im schlimmsten Fall in die Millionenhöhe gehen. Deshalb deckt eine gute Bauherrenhaftpflicht Schäden in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro ab.

In der Bauherrenhaftpflichtversicherung ist das gesamte Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtrisiko für das zu bebauende Grundstück und das zu errichtende Bauwerk versichert. Falls ihr bereits eine bestehende Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung für ein unbebautes Grundstück habt, könnt ihr diese kündigen.

Wer braucht eine Bauherrenhaftpflichtversicherung?

Die Bauherrenhaftpflicht ist ein Muss für alle, die

  • ein neues Eigenheim oder Mehrfamilienhaus bauen
  • Hauseigentümer sind und größere Umbauten planen
  • grundlegende Sanierungen oder Modernisierungen (zum Beispiel eine Wärmedämmung) planen

Kosten der Bauherrenhaftpflichtversicherung

Die Kosten für die Bauherrenhaftpflichtversicherung betragen etwa ein Tausendstel des kalkulierten Baupreises. Wenn ihr beispielsweise ein 250.000 Euro teures Einfamilienhaus plant, müsst ihr in der Regel zwischen 200 und 300 Euro für die Versicherung zahlen. Tests der Stiftung Warentest haben gezeigt, dass die Preisunterschiede der verschiedenen Anbieter groß sind. Das günstigste Angebot stammt für eine Bausumme von 250.000 Euro bei der aktuellsten Testserie von 2017 von der Gothaer. Hier werden einmalig 89 Euro fällig. Bei der Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt zahlen Bauherren dagegen für ihren Versicherungsschutz 208 Euro. Ihr zahlt die Versicherungsprämie einmalig nach Vertragsabschluss.

Die Bauherrenhaftpflichtversicherung ist im Vergleich zu anderen Haftpflichtversicherungen zeitlich beschränkt. Der Versicherungsschutz einer Police beträgt in der Regel zwei Jahre.

Gute Privathaftpflicht schließt Bauherrenrisiko mit ein

Harald Peschken empfiehlt euch, erst mal in den Versicherungsunterlagen eurer Privathaftpflichtversicherung nachzuschauen, ob da das Risiko für Bauherren schon eingeschlossen ist. Dies ist nämlich oft bis zu einer bestimmten Summe der Fall. "Wer ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung plant, für den reicht dieser Schutz unter Umständen aus und er kann sich eine zusätzliche Bauherrenhaftpflichtversicherung sparen", so Peschken.

Vom Gerüst gestürzter Bauarbeiter
Wenn auf der Baustelle Arbeiter verunglücken, dann haftet dafür unter Umständen der Bauherr. © Getty Images

2. Bauleistungsversicherung

Die zweite wichtige Versicherung, die ihr als Bauherr braucht, ist die Bauleistungsversicherung. Sie sichert euch gegen Schäden ab, die das Bauprojekt an sich gefährden. Das können Schäden sein, die durch ein Unwetter verursacht werden, durch Vandalismus oder durch Konstruktions- und Materialfehler. Auch Elementarschäden wie die Unterspülung des Rohbaus durch Hochwasser oder der Diebstahl fest verbauter Materialien kann damit versichert werden. "Das Risiko, das die Bauleistungsversicherung abdeckt, ist relativ hoch, zumal in einem Bauprojekt oft ein Großteil eures Vermögens drinsteckt", so Versicherungsberater Peschken.

Was kostet eine Bauleistungsversicherung?

Der Versicherungsbeitrag hängt davon ab, wie teuer euer Bauvorhaben ist. Zur Bausumme zählen alle Kosten, die beim Bau entstehen – vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung. Auch eure geplanten Eigenleistungen müsst ihr berücksichtigen. Nicht dazu zählen der Grundstückspreis und die Erschließungskosten für die Stromversorgung oder den Anschluss an die Kanalisation.

Bei einer Bausumme von 250.000 Euro ist eine günstige Bauleistungsversicherung schon für einen Einmalbeitrag von weniger als 300 Euro zu haben. Plant ihr mit Baukosten in Höhe von 300.000 Euro, erhöht sich der Beitrag um ungefähr 50 Euro. Bei den meisten Tarifen ist ein Selbstbehalt zwischen 150 und 500 Euro üblich.

Harald Peschken rät aber dazu, nicht zuerst auf den Preis zu schauen, sondern zunächst auf die Leistungen. Ein Test der Stiftung Warentest hat gezeigt, dass sich Bauleistungs­versicherungen in Preis und Leistung deutlich unterscheiden.Und Versicherungsberater Peschken hat noch einen Tipp: "Wenn ihr selbst baut, kann der Architekt den Beitrag anteilig auf die einzelnen Gewerke umlegen."

Mein Tipp: Nicht zuerst auf den Preis, sondern erst auf die Leistung einer Versicherung gucken.

Harald Peschken, unabhängiger Versicherungsberater

3. Feuerrohbauversicherung

Die Bauleistungsversicherung kommt zwar für Schäden durch Sturm, Orkan oder Hagel auf, in den meisten Fällen aber nicht für Schäden durch Feuer, Explosionen oder Blitzeinschlag. Gegen solche Schäden schützt eine Feuerrohbauversicherung. Sie zahlt, wenn das halbfertige Gebäude abbrennt. Eine gute Feuerrohbauversicherung schließt auch alle Baustoffe ein, die sich auf der Baustelle befinden.

Die Feuerrohbauversicherung ist in vielen Wohngebäudeversicherungen kostenfrei enthalten. Wenn ihr eine solche Wohngebäudeversicherung für eure Immobilie vor Beginn der Bauarbeiten abschließt, dann bekommt ihr die Feuerrohbauversicherung kostenlos.

Sie läuft klassischerweise sechs Monate, es gibt aber auch Angebote, die Schutz über einen längeren Zeitraum hinweg bieten, so Peschken. Sobald das Gebäude fertig ist und ihr eingezogen seid, übernimmt die Wohngebäudeversicherung den Versicherungsschutz.

Die Feuerrohbauversicherung könnt ihr eventuell auch im Paket mit einer Bauleistungsversicherung gegen Aufpreis abschließen.

Zusätzliche Versicherungen für Bauherren

Bauherrenhaftpflicht, Bauleistungsversicherung und Feuerrohbauversicherung sind für alle Bauherren sinnvoll. Darüber hinaus gibt es noch weitere Versicherungen, die für Bauherren in Frage kommen.

Bauhelferversicherung

Mit der Bauhelferversicherung werden private Bauhelfer abgesichert. Die Versicherung ist für Bauherren dann sinnvoll, wenn viele Arbeitsschritte in Eigenleistung erbracht werden und dabei Familienangehörige, Freunde oder andere Personen mitarbeiten. Die Bauherrenhaftpflicht umfasst nicht den Schutz der Helfer. Deshalb müssen Bauhelfer bei der Berufsgenossenschaft Bau (BG Bau) gemeldet und darüber gesetzlich versichert werden – unabhängig davon, ob sie für ihre Arbeit bezahlt werden oder nicht.

Bauherren müssen die Bauhelfer bei der örtlichen Berufsgenossenschaft Bau anmelden. Nur ihr als Bauherr und euer Ehepartner seid davon ausgenommen. Wer das versäumt, dem droht ein Bußgeld von bis zu 2.500 Euro. Die BG Bau versichert dann alle Bauhelfer in der gesetzlichen Bauhelferversicherung.

Beiträge für die Bauhelferversicherung

Die Beiträge für die Bauhelferversicherung über die Berufsgenossenschaft errechnen sich aus einem fiktiven Arbeitslohn und einem Beitragssatz. Die Höhe der Beitragssätze variiert je nach Bundesland. So werden bei der BG Bau Hamburg beispielsweise 2,09 Euro Prämie pro Arbeitsstunde angesetzt. Wenn also zwei Bauhelfer je 100 Arbeitsstunden auf eurer Baustelle im Einsatz waren, müsst ihr nach Fertigstellung eures Hauses 418 Euro an die BG Bau überweisen. Für Bauhelfer, die weniger als 40 Stunden leisten, müsst ihr keine Beiträge zahlen.

Die gesetzliche Bauhelferversicherung deckt allerdings nur die nötigsten Schäden ab. Ein umfassender Schutz bei Invalidität, einem Krankenhausaufenthalt oder Tod ist nur mit einer privaten Bauhelfer-Unfallversicherung möglich. Diese ergänzt die gesetzliche Bauhelferversicherung. Ihr müsst sie für jeden Bauhelfer einzeln abschließen.

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