Paar sucht Musterfliesen aus
© SchwörerHaus/Jürgen Lippert

Bauen | Listicle

Bemusterung: Haus erfolgreich bemustern in 11 Schritten

Sven Rohde

Level: Für Alle

Die Bemusterung für ein Haus kann ein wunderbares Erlebnis sein, weil das zukünftige Zuhause hier seinen Charakter bekommt. Es gibt aber auch einige Risiken. Wir sagen, wie diese herausfordernde Aufgabe gelingt.

Die Form des (Fertig-)Hauses und sein Grundriss sind geplant, womöglich steht schon der Rohbau – jetzt geht es darum, dem Haus seinen ganz eigenen Charakter zu verleihen. Dafür gibt es gerade bei einem Fertighaus (oder schlüsselfertig angebotenem Haus) die Möglichkeit der Bemusterung. Heißt konkret: Im Bemusterungszentrum des Herstellers legt ihr als Hausbesitzer fest, wie euer Eigenheim ganz konkret aussehen soll.

Eigentlich eine schöne Aufgabe, denn jetzt breitet sich die ganze Welt des Wohnens aus: Bodenbeläge und Fliesen, Armaturen und Waschtische, Türdrücker und Teppichböden. Aber es stecken auch nicht zu unterschätzende Risiken in dieser Situation.

Die Risiken bei der Bemusterung eines Hauses

Mal eben so die komplette Inneneinrichtung durchplanen, das dürfte den wenigsten von uns ohne Probleme gelingen. Zumal es bei der Bemusterung doch einige Fallstricke gibt.

Risiko Nr. 1: Der Überblick geht verloren

Bis zu 300 Details müssen Bauherren bei der Ausstattung eines Hauses entscheiden, von der Dachpfanne bis zur Küchenarmatur. Wer das ad hoc erledigen will, trifft selten die besten Entscheidungen.

Risiko Nr. 2: Der Finanzrahmen wird gesprengt

Die Verlockung, doch teurere Materialien als geplant auszuwählen, ist sehr groß. Wer ihr zu oft folgt, kann die Baukosten um mehrere Zehntausend Euro nach oben treiben.

Risiko Nr. 3: Die Partner streiten sich

Bei einem Hausbau wollen natürlich beide Partner das für sie Optimale planen – haben aber nicht unbedingt identische Wünsche. Hier geht es um tragfähige Kompromisse. "Da mehr als 90 Prozent der Häuser schlüsselfertig gebaut werden, findet die Bemusterung meistens in Bemusterungszentren statt", beschreibt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren das Prozedere. "Die Haushersteller und großen Bauunternehmen haben ihre eigenen Zentren, ansonsten sind sie herstellerübergreifend organisiert, etwa in Stein- oder Sanitärzentren."

Damit Bauherren hier die richtigen Entscheidungen treffen, sollten sie folgende elf Punkte beachten.

Von den Armaturen über die Türen bis zur Fassade lässt sich so ziemlich alles bemustern. © SchwörerHaus/Jürgen Lippert

1. Bedürfnisse klären

Je früher Bauherren beginnen, sich darüber Klarheit zu verschaffen, was wirklich ihren Bedürfnissen entspricht, desto besser gelingt das Ergebnis. So kann es hilfreich sein, Ausschnitte aus Zeitschriften zu sammeln und Musterhauszentren, Bau- und Einrichtungsmärkte sowie Großhändler für Elektro- und Sanitärprodukte zu besuchen. Hier merken Partner auch schnell, ob sie sich einig sind oder nicht, und können Kompromisse finden.

2. Finanzrahmen abstecken

Jeder Baupartner, ob Architekt, Bauträger oder Hausanbieter, hat eine andere Strategie für die Kalkulation. Manche setzen einen besonders niedrigen Standard an, um mit Kampfpreisen zu locken, andere werben mit In­klusiv-Leistungen. Deswegen sollten Bauherren frühzeitig auf die gewünschten Baupartner zugehen und einen Vergleich machen, welche Ausstattung im Preis inbegriffen ist. Erst dann ist auch klar, wie viel das Haus tatsächlich kosten wird.

3. Baubeschreibung prüfen

Die Baubeschreibung ist für die Ausstattung ein entscheidendes Dokument. Hier sollten die Produkte, die später im Haus verbaut werden, so konkret wie möglich beschrieben sein, am besten mit Hersteller, Produktname und Preis. Entsprechen die Produkte den Vorstellungen? Das lässt sich dann im Fachhandel oder Bemusterungszentrum überprüfen.

4. Experten konsultieren

"Jeder möchte gesund wohnen", weiß Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren. "Ob Baustoffe aber gesund sind, ist ohne Beratung kaum zu erkennen, insbesondere wenn sie aus mehreren Komponenten bestehen. Ist jemand in der Familie allergisch oder empfindlich gegen bestimmte Materialien? Dann vor der Bemusterung erst zum Arzt."

5. Vorbemusterung machen

Hier können Bauherren vor Vertragsabschluss prüfen, ob die im Preis enthaltene Ausstattung ihnen tatsächlich gefällt oder ob nachgebessert und draufgezahlt werden muss. Ja, es ist ziemlich aufwendig, aber eine Vorbemusterung mit zwei verschiedenen Anbietern kann dann den Ausschlag geben, mit welchem man bauen möchte.

6. Bemusterung des Hauses gut vorbereiten

Im Idealfall sind die wichtigsten Entscheidungen für das, was später dem Haus Charakter und Atmosphäre verleihen soll, schon gefallen, wenn man zur Bemusterung kommt – indem man die Vorbemusterung ausgewertet und sich geeinigt hat. Vor allem sind zu Hause aber die kritischen Punkte geklärt, die es zwischen Partnern gibt. Eine gute Frage auf dem Weg zu Einigung: "Wenn nicht jeder seine Idealvorstellung durchsetzen kann – was ist für uns beide ein guter Kompromiss?"

Reicht die Wanne oder soll es gleich ein Whirlpool sein? Bleibt bei der Bemusterung diszipliniert. © SchwörerHaus/Jürgen Lippert

7. Beim Termin Zeit lassen

Denkt dran: Alles, was nicht abmontiert werden kann, wird euch die nächsten 20 oder 30 Jahre erhalten bleiben. Da lohnt es sich, zehn Minuten länger darüber nachzudenken, welcher Klinker, welcher Bodenbelag, welches Türmodell es sein soll. Der Fokus der Beratung sollte deswegen auch auf den Produktvorteilen wie Haltbarkeit oder Pflegeintensität liegen, weniger auf dem Stil. Ein guter Rat von Eva Reinhold-Postina: "Was gerade aktuell und meist teuer ist, wird meist auch als Erstes wieder ­unmodern."

8. Diszipliniert bleiben

Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbundes, warnt vor einer typischen Gefahr der Bemusterung: "Wenn man vorher zu Hause über die Ausstattung diskutiert hat, dann ist man sich einig, mit einer Standardausstattung zufrieden zu sein. Aber wenn man im Bemusterungszentrum steht und den Vergleich hat, erliegt man oft doch der Marketingstrategie des Anbieters." Deswegen: Cool bleiben, sich diszipliniert an die Planung halten und sich angesichts der vielen schönen Dinge nicht in eine Euphorie treiben lassen. Die würde womöglich eine Nachfinanzierung nötig machen.

9. Laufende Kostenkontrolle

In den Bemusterungszentren ist es üblich, dass mit jeder Entscheidung für ein Ausstattungsdetail die Bausumme aktualisiert wird. Das ist natürlich vor allem bei Details oberhalb des Standards von Bedeutung. Hier hat man immer noch einmal die Gelegenheit innezuhalten: "Wollen wir diesen Aufpreis tatsächlich zahlen?"

Mann und Frau stehen vor einer Bemusterungs-Wand mit Schubladen
Die Qual der Wahl: Um im Bemusterungszentrum nicht die Übersicht zu verlieren, sollten sich Baupaare vorher über ihre Vorstellungen und den Finanzrahmen verständigen. © Christian Kohrs für Viebrockhaus

10. Budget für Sonderwünsche

Wenn Sonderwünsche drin sein müssen, ist es gut, dafür eine entsprechende Reserve einzuplanen. Wer zum Beispiel 4.000 Euro als frei verfügbare Summe vorgesehen hat, kann sich ohne schlechtes Gewissen ein schönes Highlight fürs neue Zuhause gönnen.

11. Nicht nur auf die Schönheit achten

Auf diesen Tipp legt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren großen Wert: "Achten Sie nicht nur aufs Design, sondern probieren Sie Dinge aus! Bei manchen modernen Waschbecken fragt man sich, wie sich dort ein normaler Mensch die Achseln waschen soll, ohne das Bad unter Wasser zu setzen. Stellen Sie sich vors Waschbecken und simulieren Sie den Waschvorgang. Ein anderes Beispiel: WCs. Die sind heute oft sehr schmal. Setzen Sie sich mal drauf und bleiben ein paar Minuten sitzen. Und legen Sie sich in die Badewanne."

Zudem sollte man Produkte unter die Lupe nehmen und dabei auch die Pflege beachten. Ein Beispiel: Die Bodenabläufe für ebene Duschen, die heutzutage fast zum Standard gehören, lassen sich oft nur säubern, indem man mit Wattestäbchen am Boden hantiert. Auch Kieselsteinböden sind zwar attraktiv, aber schwer zu reinigen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium: die Reparaturmöglichkeit. Bei Spiegelschränken mit LED-Leuchten etwa lassen sich LEDs manchmal nicht auswechseln. Geht die Lampe kaputt, muss der ganze Spiegel ausgetauscht werden.

Bemusterung beim Architektenhaus

Bauherren, die mit einem Architekten bauen, haben es oft schwerer mit der Bemusterung, vor allem mit der Kostenkontrolle Der Architekt legt bei der Ermittlung der Kosten zumeist Erfahrungswerte aus seinen bisherigen Bauvorhaben zugrunde. Die müssen mit den Erwartungen und dem Geschmack der Bauherren nicht übereinstimmen. Beginnt dann die Bemusterungstour durch die verschiedenen Großhändler, treten diese Differenzen Stück für Stück zutage, was mehrere Wochen dauern kann.

Florian Becker vom Bauherren-Schutzbund: "Das Architektenhaus muss nicht automatisch teurer werden. Weil man aber viel mehr individuelle Möglichkeiten hat als beim schlüsselfertigen Bauen, besteht hier die erhöhte Gefahr, die Kontrolle über die Kosten zu verlieren." Wichtig also: Gleich zu Beginn der Planung detailliert besprechen, mit welchen Ziegeln, Fliesen, Schaltern oder Armaturen gerechnet wurde, und die Kalkulation bei abweichenden Vorstellungen entsprechend anpassen.

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