Paar guckt auf Hausgrundriss
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Bauen | Ratgeber

Hausbau: Gibt es den perfekten Hausgrundriss?

Sandra Hermes

Das Bad im Erdgeschoss oder lieber oben? Ein Homeoffice oder doch ein größeres Kinderzimmer? Und soll die Sonne morgens in die Küche oder ins Schlafzimmer scheinen? Bei eurer Hausplanung ist der perfekte Grundriss das Wichtigste. Wie der aussieht, entscheidet ihr selbst. Wir helfen euch, keinen Aspekt aus den Augen zu lassen.

Ihr habt die Chance, ein Haus ganz nach euren Vorstellungen zu bauen. Das ist klasse! Nutzt sie und investiert genug Zeit, um euren perfekten Hausgrundriss zu finden. Denn der ist so individuell wie eure Familie. Erst wenn ihr an jeden Punkt einen Haken machen könnt, habt ihr an alles gedacht und einen Bogen um die größten Fettnäpfchen gemacht.

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Wir zeigen euch 13 Punkte, die ihr auf eurer ganz privaten Checkliste bei der Erstellung des perfekten Hausgrundrisses abhaken solltet.

1. Den Bebauungsplan für den Hausgrundriss studieren

Der Grundriss eures Hauses ist natürlich von der Größe eures Grundstücks abhängig. Denn der Bebauungsplan sieht in der Regel bestimmte Abstandsflächen vor, die euer Haus zum Nachbarn einhalten muss.

Auch die Anzahl der Geschosse sowie die Dach- und Firsthöhe sind vermutlich vorgeschrieben. Insofern ist kaum ein Bauherr völlig frei in der Grundrissplanung. Aber keine Sorge. Auch innerhalb dieser Rahmenbedingungen kann ein guter Architekt vieles möglich machen. Denn wenn ihr euch gerade Gedanken über den perfekten Grundriss macht, werdet ihr euer Haus vermutlich eher frei planen. Der Grundriss von Musterhäusern kann in der Regel nur geringfügig verändert werden.

2. Den Standort genau in den Blick nehmen

Neben den puren Maßen eures Grundstücks solltet ihr euren Bauplatz genauer in Augenschein nehmen. Ist es eben oder abschüssig? In welche Richtung liegt der beste Blick und um welche Himmelsrichtung handelt es sich? Gibt es Bäume oder große Nachbargebäude, die euch Licht nehmen werden? Gibt es aufgrund von Straßen und anderen Lärmquellen (Kindergarten, Schule, öffentliche Gebäude, Geschäfte, geplante Bauvorhaben?) eine laute und eine ruhige Seite?

Plant so, dass der Wohnbereich einen möglichst guten Blick hat und das Schlafzimmerfenster nicht zu einer Lärmquelle zeigt. Natürlich wäre es toll, auch aus dem Bad einen schönen Ausblick zu haben, aber wie lange hält man sich dort auf? Grundrissplanung fordert auch Kompromissbereitschaft.

3. Bestandsaufnahme vom derzeitigen Hausgrundriss machen

Die beste Informationsquelle für euren perfekten Grundriss wird von euch bewohnt. Eure aktuellen vier Wände verraten euch genau, was ihr braucht, was ihr praktisch findet und was ihr euch in Zukunft wünscht.

Die Diele war euch schon immer zu eng? Die Kinder haben zu wenig Platz zum Spielen und in der Küche stehen sich beim Kochen immer alle im Weg? Jetzt habt ihr die Chance, eure Wohnsituation zu optimieren. Plant größere Kinderzimmer oder ein Extrazimmer, in dem Lego-Gebäude und die Carrera-Bahn auch mal aufgebaut bleiben können. Spart dafür Fläche im Schlafzimmer und konzipiert Küche und Esszimmer als offenen Bereich oder mit einer Kochinsel.

Vergesst aber nicht die positiven Seiten eures alten Zuhauses. Geht von Raum zu Raum und notiert euch, was ihr schön findet und warum ihr euch in einem Zimmer schon immer wohl gefühlt habt. Geht die Punkte mit eurem Architekten durch und versucht gemeinsam, sie in den neuen Grundriss zu integrieren.

4. Hausgrundriss für die Küche: Laufwege minimieren

Eine offene Küche spart euch auch Laufwege. Denn wenn das Esszimmer ungünstig liegt, rennt ihr beim Tischdecken und Anrichten ständig hin und her. Checkt das einmal selbst. Wie häufig geht ihr täglich von Herd, Kühlschrank oder Spüle zu eurem Esstisch? Der neue Grundriss sollte diese Wege minimieren.

Offenen Küchen mit viel Stauraum und Essplatz gehört die Zukunft – hier ein Modell von Team 7 aus Naturholz und Farbglas in mattem Schwarz. © Team 7

5. Beim Hausgrundriss an die Kinder denken

Wenn ihr ein Haus für die ganze Familie plant, ist es wichtig, euch bei der Planung den Kinderalltag zu vergegenwärtigen. Ein Bad im ersten Stock ist für ein Paar kein Problem. Aber stellt euch zwei Kita-Kinder vor, die an einem Regentag vom Spielplatz kommen. Perfekt wäre ein zweiter Eingang durch den Hauswirtschaftsraum. Nachdem man dort die Kids aus Gummistiefeln und Sandsachen geschält hat, gelangt man direkt zum Bad nebenan. Klasse, oder?

Auch die Lage der Kinderzimmer ist wichtig. Sind sie zu weit vom Zentrum des Hauses (meistens Küche und Wohnzimmer) entfernt, rennen die Eltern ständig zu ihnen, wenn der nächste Mama- oder Papa-Ruf erschallt. Liegen die Zimmer um die Ecke, kann ein Problem auch mal schnell durch Zuruf aus der Welt geschafft werden.

6. Die Zukunft beim Hausgrundriss mit einplanen

Natürlich lässt sich die Zukunft nicht voraussehen. Aber bei der Grundrissplanung können dennoch Entwicklungen mit einbezogen werden, die relativ wahrscheinlich sind.

So werden die Kinder natürlich größer und finden es dann meistens besser, ein Zimmer zu haben, dass möglichst weit weg von den Eltern liegt. Plant so, dass ihr Zimmer später tauschen könnt. Das Arbeitszimmer im ersten Stock wird zum Jugendzimmer und das Kinderzimmer im Erdgeschoss das neue Homeoffice. Wenn die Möglichkeit besteht, hat das Jugendzimmer sogar ein kleines Extrabad. Das beste Mittel, um künftigen Engpässen in den frühen Morgenstunden zu entgehen.

Wer noch mehr Platz investieren kann, plant gleich eine kleine Einliegerwohnung mit, die in den ersten Jahren noch mit zum Wohnraum gehört und später durch variable Wände und schon vorbereiteten Versorgungsleitungen zu einer separaten Wohneinheit wird. Ob dort dann ein erwachsenes Kind, eine Pflegekraft oder ein Mieter einziehen, wird die Zukunft zeigen.

Fertighaus als Massivhaus: Dreigiebelhaus mit Einliegerwohnung von Roth Massivhaus
Vorausgedacht: Bei diesem Fertighaus ist die Einliegerwohnung von vornherein mit eingeplant. © Roth Massivhaus

7. Das Draußen nicht vergessen

Auch die Lage von Terrasse, Garten und Balkonen gehören zu einer guten Grundrissplanung. Von welchem Raum geht es nach draußen? Muss es das Wohnzimmer sein oder wollt ihr den Zugang nach draußen lieber durch den offenen Küchenbereich anlegen?

Auch hier geht es wieder um Laufwege. Denn im Sommer ist es praktisch, wenn die Distanz zwischen Kühlschrank und Gartentisch und Grill nicht zu groß ist. Damit ihr dann nicht zu früh im Schatten eures eigenen Hauses sitzt, muss auch der Verlauf der Sonne mitgedacht werden. Mit dem kostenlosen Online-Tool "Sonnenverlauf" könnt ihr checken, wo sich die optimale Lage eurer Terrasse befindet.

8. Arbeitsplätze beim Hausgrundriss einplanen

Die Umstände des Coronavirus hat viele Familien an die Grenzen ihrer räumlichen Kapazitäten gebracht. Im Homeoffice zu arbeiten ohne eines zu haben, ist anstrengend. Auch wenn die Pandemie einmal Geschichte ist, hat sie unseren Blick auf unsere Arbeitsorganisation verändert.

Auch künftig wird Homeoffice für immer mehr Arbeitgeber zu einer realistischen Option. Gut, wenn ihr die bei der Grundrissplanung mitdenkt und einen Raum als Arbeitszimmer konzipiert.

Ihr seid gar keine Büroarbeiter? So ein Zimmer kann der ganzen Familie gute Dienste leisten. Als ruhiger Arbeitsplatz fürs Homeschooling oder als Gästezimmer für den nächsten Besuch. Das klappt allerdings nur, wenn er weit weg von Küche und Kinderzimmer liegt.

Darüber hinaus ist es sinnvoll, Platz für andere Arbeiten zu schaffen. Ihr seid leidenschaftliche Handwerker oder Hobbygärtner? Überlegt bei der Hausplanung, wo Platz für eine kleine Werkstatt ist und wo ihr Setzlinge vorziehen und Gartengeräte aufbewahren könnt.

9. Badezimmer gut organisieren

Wenn ihr die Wahl habt, sind zwei Badezimmer für eine Familie besser als eines. Mindestens ein WC mit Waschbecken sollte zusätzlich eingeplant werden.

Liegt ein Badezimmer kindertauglich im Erdgeschoss, könnt ihr das zweite nach oben verlegen. Der Traum so mancher Hausbesitzerin: Das Badezimmer neben Schlaf- und Ankleidezimmer. Was toll aussieht und klasse ist, wenn ihr einen ähnlichen Schlaf-Wach-Rhythmus habt, kann zum Alptraum werden, wenn der eine im Schichtdienst arbeitet und der andere noch weiterschlafen möchte. Auch hier gilt, dass sich die Raumplanung an eurem Leben orientieren muss.

Auch die Größe des Bads solltet ihr nochmal checken. Ein großzügig geschnittenes Badezimmer sieht klasse aus und ist der Inbegriff von Luxus. Aber denkt daran, dass das Bad neben der Küche der Raum ist, der am häufigsten geputzt werden muss. Wenn ihr das später selbst macht, werdet ihr euch freuen, das das Bad etwas übersichtlicher geworden ist.

10. Die Größe beim Hausgrundriss im Blick behalten

Große Räume sind toll, kosten aber leider Geld. Wenn ihr die Kosten im Blick behalten wollt, hilft nur eins: Fläche sparen. Überlegt nochmal genau, wo ihr mehr unbedingt Platz braucht und wo ein paar Extra-Quadratmeter nur "nice-to-have" wären. Auch durch große Fenster und einen offen geplanten Wohn-, Küchen- und Essraum erzeugt ihr Größe, auch wenn sie optischer Natur ist.

11. Auch beim Hausgrundriss mal etwas Neues wagen

Die meisten werden nur einmal im Leben vor der Chance stehen, ein eigenes Haus zu planen. Wenn schon, denn schon! Nutzt sie und durchdenkt gemeinsam mit eurem Architekten einmal außergewöhnliche Optionen.

In modernen Grundrissen werden immer häufiger Möbel als Raumteiler eingesetzt. Zum Beispiel eine halbe Kochinsel als Teiler zwischen Küche und Essbereich. Auch verschiebbare Wände sind eine Möglichkeit, ein Raumkonzept flexibel zu gestalten. So kann sich euer Haus euren Bedürfnissen im Lauf der Zeit anpassen. Und wenn ihr schon mal dabei seid: Wieso muss der Grundriss immer rechteckig sein? Stumpfe Winkel lassen außergewöhnliche Räume entstehen und machen euer Haus zu einem echten Unikat.

Zimmer müssen auch nicht immer gleichhoch sein. In einem frei geplanten Zuhause habt ihr ganz andere Möglichkeiten. So kann der Wohnbereich bei einem ausreichend großen Grundriss über zwei Stockwerke gehen. Ihr könnt über Emporen, Galerien und Abstufungen (Splitlevel) nachdenken. So liegt das Wohnzimmer zum Beispiel etwas tiefer und zum Küchen- und Essbereich geht es einige Stufen höher. Das bringt Struktur und Abwechslung in einen offen gestalteten Bereich. Allerdings können Treppen und Stufen auch eine Gefahrenquelle für kleine Kinder sein.

12. Passgenau planen

Viele euer Möbel werden mit ins neue Zuhause ziehen. Blöd, wenn sie dann gar nicht passen. Macht eine Liste der Möbelstücke, die gesetzt sind und die ihr vermutlich in den kommenden fünf Jahren nicht aussortieren werdet. Die werden dann bei der Grundrissplanung berücksichtigt. Alles, was später kommt, muss sich dann dem neuen Heim anpassen.

13. Den Fachmann ran lassen

Mittlerweile gibt es Software, mit der ihr auch als Laien einen Grundriss für euer Traumhaus erstellen könnt. Das ist sicher eine gute Möglichkeit, um euch an eurem perfekten Grundriss heranzutasten. Aber wenn es ernst wird, solltet ihr das lieber einen Fachmann machen lassen.

Bauherren mit Architekten bei der Hausplanung
Wie, wo, welcher Umfang? Bei der Planung des perfekten (und damit individuellen) Hausgrundrisses kommt ihr um die Hilfe eines Fachmanns nicht herum. © Getty Images

Fazit: So gelingt euch der perfekte Hausgrundriss

Der perfekte Grundriss eines Hauses sieht für jeden anders aus. Das beginnt bei der Anzahl und dem Alter der Bewohner und endet bei der Art der Jobs und der liebsten Hobbys.

Für die einen kommt aufgrund einer körperlichen Einschränkung nur ein Bungalow infrage, andere haben sich immer schon ein Haus mit Galerien und Emporen gewünscht. Wichtig ist, dass man alle angesprochenen Themenkomplexe für sich durchdenkt. Denn am Grundriss lässt sich nun mal später nicht viel ändern. Wie auch immer euer Traumhaus aussehen wird, wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Planen!

Und wer von euch nicht unbedingt ein ganzes Haus, sondern eher eine neue Wohnung plant, dem legen wir abschließend folgenden Artikel ans Herz:

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