Einfamilienhaus im Rohbau, Dachstuhl noch nicht gedeckt.
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Bauen | Expertentipp

Stimmt es, dass die Bauzinsen jetzt wieder steigen?

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Kreditnehmer haben jahrelang von Bauzinsen zum Nulltarif profitiert. Jetzt zeichnet sich eine Trendwende ab: Wer eine Immobilie finanzieren will, muss tiefer in die Tasche greifen. Ob die Bauzinsen künftig weiter steigen, lest ihr hier.

Immobilienkäufer und Bauherren bekommen es aktuell von allen Seiten ab: Eigentum wird immer teurer, die Preise für Baustoffe explodieren und nun steigen auch die Bauzinsen. Jahrelang waren Kredite vergleichsweise günstig. Wie geht es in den kommenden Monaten weiter?

Bauzinsen könnten sich bis Jahresende verdoppeln

Zu Jahresbeginn lag der Zinssatz für Immobiliendarlehen noch bei günstigen 0,5 bis 0,7 Prozent. Inzwischen müssen Kreditnehmer bei einer Laufzeit von zehn Jahren mit durchschnittlich rund 1 Prozent rechnen. Und die Tendenz ist steigend.

Davon zumindest geht der Kreditvermittler Interhyp aus. Laut dessen Trendbarometer ist ein weiterer Zinsanstieg bei Immobilienkrediten möglich. Die Frankfurter Finanzberatung FMH prognostiziert sogar, dass die Zinssätze bei Krediten mit zehn Jahren Laufzeit bis Ende 2021 auf 1,2 bis 1,5 Prozent anwachsen könnten. Der Rekordsatz von 4 Prozent wie zuletzt im Jahr 2011 ist zwar noch in weiter Ferne, doch auch kleine Zinssprünge haben finanziell große Effekte.

Tipp: Die Zinsen könnt ihr nicht beeinflussen, die Baukosten schon: Sparen beim Hausbau? So haltet ihr die Kosten in Grenzen.

Warum steigen die Zinsen für Immobilienkredite?

Ein Grund für die aktuelle Trendwende ist die steigende Inflation. In der Euro-Zone ist die Inflationsrate im Juni 2021 um knapp zwei Prozent gestiegen. Ziehen die Preise weiter an, bleiben auch die Immobilienkredite nicht unberührt, da sich die Banken bei der Zinsgestaltung an der Inflationsrate orientieren.

Hinzu kommt, dass die Zinsen von Staatsanleihen und Pfandbriefen steigen, mit denen Banken Immobilienkredite refinanzieren. Ihre Mehrkosten geben die Banken durch höhere Bauzinsen an die Verbraucher weiter.

Infografik zu Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite an private Haushalte
Die Zinsen für Wohnungsbaukredite sind heute fast 70 Prozent günstiger als noch vor 10 Jahren. (Quelle: Bausparkasse Schwäbisch Hall). © Antonia Eigel/wohnglueck.de

Was bedeutet ein Anstieg der Bauzinsen für Immobilienkäufer?

Zinsanstiege sind immer eine zusätzliche Belastung für Kreditnehmer. Auch wenn die Differenz zwischen 0,7 und 1,0 oder möglichen 1,4 Prozent zunächst gering erscheint, zeigt unser Beispiel, wie sich die monatlich Rate dadurch verändert:

So beeinflusst der Zinssatz die Tilgungsrate (Hypothekendarlehen über 300.000 Euro, zehn Jahre Zinsbindung, 3 Prozent Tilgung)

  • Zinssatz
  • Monatliche Rate
  • Jährliche Mehrbelastung
  • 0,7 Prozent
  • 925 Euro
  • 1 Prozent
  • 1.000 Euro
  • 900 Euro
  • 1,4 Prozent
  • 1.100 Euro
  • 2.100 Euro

Anstieg der Rückzahlungsrate bei Zinsherhöhungen

Ein Paar hat eine Kreditsumme von 300.000 Euro mit zehn Jahren Zinsbindung und drei Prozent Tilgungsrate. Bei einem Zinssatz von 0,7 Prozent beläuft sich die monatliche Rate auf 925 Euro. Klettert der Zins wie aktuell auf 1 Prozent, sind es bereits monatliche 1.000 Euro. Steigt der Zinssatz auf 1,4 Prozent, beliefe sich die monatliche Belastung auf 1.100 Euro.

Das Paar müsste also jährlich 900 beziehungsweise 2.100 Euro mehr für die Tilgung seines Kredits aufbringen.

Bauzinsen steigen: Das können Kreditnehmer tun

Bewahrheitet sich die aktuelle Prognose, müssen zukünftige Kreditnehmer und alle, deren Zinsbindung demnächst ausläuft, tiefer in die Tasche greifen. Rainer Eichwede, Kapitalmarktexperte und Leiter Finanzsteuerung der Bausparkasse Schwäbisch Hall, rät deshalb, die Kosten für die Anschlussfinanzierung frühzeitig abzusichern, entweder durch eine lange Zinsbindung oder mit einem klassischen Bausparvertrag. Dass sich Bausparen auch in der (Noch-)Niedrigzinsphase durchaus lohnen kann, das ist das Fazit einer Untersuchung der Stiftung Warentest.

Eine weitere Möglichkeit: Das Darlehen mit einem aktuell noch niedrigen Zinssatz schneller abzahlen, damit der Restkredit zu einem dann schlechteren Zins schrumpft. Dafür bieten sich höhere Tilgungsraten von zwei bis fünf Prozent pro Jahr oder Sondertilgungen an.

Unser abschließender Tipp: Unsicher, ob es sich aktuell überhaupt lohnt, in eine Immobilie zu investieren? Mit der Immobilienbewertung von Wohnglück seid ihr auf der sicheren Seite. Wir ermitteln in nur fünf Minuten den Marktpreis eines Objekts – schnell, kostenlos und zuverlässig.

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