Frau erntet mit ihren Kindern Kartoffeln im Garten
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Wohnen | Ratgeber

Selbstversorger werden: Die besten Tipps für Einsteiger

Michael Penquitt

Michael Penquitt

Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, Eier von den eigenen Hühnern und Sonnenstrom vom Dach – das Leben als Selbstversorger schmeckt immer mehr Menschen. Doch Selbstversorger werden ist gar nicht so leicht. Was Einsteiger wissen müssen.

Was unsere Großeltern noch ganz selbstverständlich wussten und praktizierten, scheint uns völlig fremd. In unserer hochindustrialisierten, durchgetakteten und globalisierten Welt haben wir Selbstversorgung verlernt. Doch in Zeiten von Krisen und Unsicherheit fragen sich viele Menschen: Selbstversorger werden – wie geht das eigentlich?

Es gibt zahlreiche Gründe, sich mehr und mehr zum Selbstversorger zu entwickeln. Die Argumente reichen von Vorteilen für die Gesundheit über pädagogisch wertvolle Erfahrungen beim Wühlen im Garten bis hin zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt. Und sparen kann man dabei auch noch.

Wir begleiten euch auf dem Weg zum Selbstversorger und verraten die ersten Schritte sowie Tipps und Tricks. Es muss ja nicht alles auf einmal sein.

1. Klein anfangen beim Selbstversorger werden...

Übernehmt euch bitte nicht. Es ist zunächst wichtig, klein anzufangen. Das gilt für euren Urban Jungle im Wohnzimmer ebenso wie für euren Nutzgarten, aus dem ihr euer tägliches Obst und Gemüse erntet. Niemand schafft es, von jetzt auf gleich autark zu leben.

Eine kleine Fläche intensiv zu bewirtschaften, ist zu Beginn Herausforderung genug. Wenn sich die Pflanzen nach dem ersten Jahr weiterhin wohl fühlen und das Beet tatsächlich etwas Brauchbares abgeworfen hat, könnt ihr euren Nutzgarten im nächsten Jahr auf einer größeren Fläche anlegen und die Produktion steigern.

2. ...aber nicht zu klein

Auch wenn ihr euch zunächst nur langsam in die Selbstversorgung vorwagt, sollten die Teilbereiche des Gartens nicht zu klein geraten. Es ist einfacher und effizienter, große Gemüsebeete zu pflegen als kleine. Denn die Vegetation profitiert von der Vielfalt, die ein größeres Beet bietet. Mehr Nützlinge bedeuten weniger Krankheiten und weniger Schädlinge. Am Ende resultiert das in gesünderen Pflanzen und einem größeren Ertrag.

3. Selbstversorger-Garten in Bereiche aufteilen

Obst und Gemüse stellen verschiedene Anforderungen und werden unterschiedlich gepflegt und bearbeitet. Es ergibt daher Sinn, die verfügbare Fläche klar in einen Obst- und in einen Gemüsegarten zu teilen. Die Gemüsebeete legt ihr am besten auf dem sonnigsten und fruchtbarsten Fleckchen Erde an. Gurken und Tomaten fühlen sich in einem kleinen Gewächshaus besonders wohl.

Erfahrene Gärtner beachten zusätzlich Fruchtfolgen, setzen ihre Pflanzen je nach Verträglichkeit und Nützlichkeit in die Nachbarschaft anderer Pflanzen (Stichwort Permakultur) und stellen sogar einen mehrjährigen Anbauplan auf.

4. Die richtige Fläche auswählen

Eine der entscheidenden Fragen beim Anbau von eigenem Gemüse in einem Selbstversorger-Garten ist: Wie viel Platz benötige ich, um von dem, was mir der Garten gibt, zumindest teilweise zu leben? Für eine nahezu vollständige Selbstversorgung solltet ihr pro Person rund 150 Quadratmeter einplanen. Alleine die Hälfte davon verschlingen Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln.

Wenn ihr eure Kartoffeln allerdings auswärts hinzukauft, reichen pro erwachsener Person in der Regel 60 bis 80 Quadratmeter. Die sollten allerdings auf der Südseite angelegt sein, denn euer Gemüse braucht so viel Sonne, wie es bekommen kann.

Landwirt mit Kartoffelkiste auf Acker
Kartoffeln benötigen ziemlich viel Platz im Selbstversorger-Garten. © Getty Images

5. Bewässerung von Anfang an planen

Ein Selbstversorger-Garten mit Obstbäumen und Gemüsebeeten schluckt ganz schön viel Wasser. Daher solltet ihr euch rechtzeitig, am besten noch bevor ihr das erste Beet anlegt oder den ersten Strauch pflanzt, Gedanken über eine effiziente und günstige Bewässerung machen.

Eine im Boden eingelassene Zisterne, die an eine automatische Bewässerungsanlage angeschlossen ist, nimmt natürlich viel Arbeit ab. Doch die Anschaffungs- und Installationskosten sind hoch. Für den Anfang genügt auch ein Gartenschlauch oder eine Gießkanne. Statt Leitungswasser aus dem Hahn zu zapfen, könnt ihr im Garten eine Regentonne aufstellen und euch ohne zusätzliche Kosten am Regenwasser bedienen. Denkt bitte auch an die richtige Größe beim Regentank.

6. Obstbäume & Beerensträucher zuerst pflanzen

Wer Selbstversorger werden möchte, sollte zuerst an die Obstbäume denken und die richtigen Sorten wählen. Denn bis ein Baum Früchte trägt, vergehen für gewöhnlich mehrere Jahre. Und selbst Beerensträucher brauchen einige Zeit, ehe sie einen nennenswerten Ertrag liefern. Pflanzt die von euch ausgewählten Obstbäume und Sträucher also möglichst früh an. Euer zukünftiges Selbstversorger-Ich wird euch danken.

Ein Tipp noch: Schützt die Wurzeln der jungen Obstbäume vor Nagern.

Zwergapfelbaum
Obstbäume benötigen einige Jahre, bis sie Früchte liefern. © Getty Images/iStockphoto

7. Selbstversorger werden – unbedingt mit Gewächshaus

Ein Gewächshaus ist für jeden ernstzunehmenden Selbstversorger ein Muss. Dabei muss es nicht gleich ein teurer Glaspalast für alle wärmeliebenden Pflanzen wie Tomate, Gurke, Paprika, Aubergine und Melone oder für Frühstarter wie Rettich, Radieschen und Salate sein. Für den Anfang reicht schon ein Folientunnel oder ein selbst gezimmertes Kleingewächshaus aus Plastikfolie und Holzlatten. Bereits diese kleinen Varianten schützen die Pflanzen effektiv vor Kälte und Schädlingen.

Wer mehr wissen will: Wir haben einige Artikel zum Thema im Angebot:

8. Kompost verwenden

Wenn ihr euch über eine fette Ernte freuen wollt, solltet ihr nicht zu sparsam düngen. Kompost versorgt den Boden nach und nach mit Nährstoffen und verbessert die Qualität der Erde spürbar, weshalb ihr von Anfang an eine Ecke für eure Komposthaufen bestimmen solltet: möglichst im Halbschatten und etwas windgeschützt.

Seid beim Düngen nicht zu zimperlich, Gemüsepflanzen stehen gerne in einer zwei Zentimeter dicken Kompostschicht. Hier entlang, wer wissen will, wie richtig Kompostieren geht. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit Kompostbeschleuniger.

Frau wirft Abfälle auf Kompost
In einen Selbstversorger-Garten gehört unbedingt ein Komposthaufen. © Getty Images

9. Hühner als Gartenhelfer

Zu einem richtigen Selbstversorger-Haushalt gehören auch Hühner. Die sind für weitaus mehr gut als nur für die Produktion von leckeren Bio-Eiern. Sie liefern Dünger und wühlen den Boden auf. Und das Allerbeste: Hühner fressen Käfer und andere Insekten.

Aber Achtung: Hühner halten im Garten ist nicht überall und uneingeschränkt erlaubt!

10. Selbstversorger – auch bei der eigenen Energie

Energie-Autarkie, das ist ein großer Wunsch. Aber längst kein unrealistischer mehr. Denn viele Privathaushalte produzieren dank der Sonne, die auf Photovoltaik-Anlagen oder ein Balkonkraftwerk scheint, ihren eigenen Strom. Und können diesen mit einem Batteriespeicher auch in schattigen Zeiten nutzen.

Und dann ist da noch die Frage nach der Heizung: Mit einer Wärmepumpe in Kombination mit Photovoltaik und Batteriespeicher macht ihr euch unabhängig(er) von Kohle und Gas. Eine hundertprozentige Energieautarkie ist also möglich, allerdings (noch) unwirtschaftlich.

11. Sich nicht in der Theorie verlieren

Wer einen Blick in die Foren und Infoportale der stetig wachsenden Selbstversorger-Community wirft, begegnet teils ausgefeilten Rechenoperationen. Mit wie vielen Kalorien muss ich als Selbstversorger pro Person am Tag rechnen? 2.530 oder eher 2.700 Kilokalorien? Wie viel Fläche brauche ich genau dafür? Man könnte meinen, auch das benötigte Wasser wird auf den Tropfen genau auf die Beete verteilt und die Lebensmittel werden unter den Familienmitgliedern streng rationiert.

Wer sich allerdings zu sehr in solchen Kalkulationen verstrickt, geht nie ans Werk. Viele Erkenntnisse werden erst in der Praxis gesammelt. Und selbst dann dürft ihr nicht vergessen, dass ein echter Garten nicht ausschließlich aus Gemüsebeeten besteht. Pflanzt auch Blumen und Kräuter, an denen Schmetterlinge und andere Insekten ihre Freude haben. Hört auf euer Bauchgefühl und versucht nicht, aus eurem Selbstversorger-Garten einen industriellen Agrarbetrieb zu machen. Ihr wollt schließlich Freude an diesem Gartenprojekt haben und gerne eure Zeit zwischen den Beeten verbringen.

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Selbstversorger werden – das Fazit

Aller Anfang ist schwer – auch auf dem Weg zum Selbstversorger. Zumal schon viele Leute ohne eigenen Garten am Schrebergarten mieten scheitern. Was alle eint: Ihnen geht es um Unabhängigkeit, um nachhaltigeres und selbstbestimmteres Leben. Es geht ihnen darum, sich darauf zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

Deshalb haben wir einige Artikel zum Thema Nachhaltigkeit erstellt, die schon viele Menschen inspiriert haben: Wir schreiben zum Beispiel über Ökohaus-Hersteller, nachhaltige Holzdecken, nachhaltiges Baumaterial, ökologische Dämmung und Bambus als Alternative zu Holz.

Und auch das Thema Tiny House begleiten wir intensiv. Denn eines ist klar: Grenzenloser Konsum und Selbstversorgung – das geht nicht, das passt nicht zusammen.

Ihr habt bereits eigene Erfahrungen als Selbstversorger gesammelt? Schreibt gerne ans Wohnglück-Team.

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