Familie füttert frei laufende Hühner
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Wohnen | Ratgeber

Hühner halten im Garten: Alle Tipps & Infos zur privaten Hühnerhaltung

Dirc Kalweit

Level: Für Einsteiger

Jeden Tag ein frisches Ei – das ist nur eine der schönen Seiten, wenn man eine eigene Hühnerschar in seinem Garten hat. Aber ganz so einfach ist das nicht. Für die private Haltung von Hühnern gibt es wichtige rechtliche Rahmenbedingungen, die ihr beachten müsst.

Hühner im Garten, die glücklich vor sich hinscharren. Ab und an ein Ei legen. Und mit ihrer unaufgeregten Art dafür sorgen, dass der Mensch auch automatisch runterfährt und entspannt.

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Klingt gut? Ihr spielt mit dem Gedanken, selbst ein paar Hühner zu halten? Das ist grundsätzlich möglich, allerdings wohl nur auf eurem eigenen Grundstück. Als Mieter müsst ihr für die Hühnerhaltung die Genehmigung eures Vermieters einholen. Dies wird er in der Regel ablehnen. Und in den allermeisten Kleingartenvereinen ist die Unterbringung des Federviehs per Satzung ausgeschlossen.

Aber auch für die Haltung von Hühnern im eigenen Garten gibt es einige Regeln und Rahmenbedingungen zu beachten. Wir klären hier die wichtigsten Fragen rund um die private Hühnerhaltung.

Darf ich in meinem Garten überhaupt Hühner halten?

Grundsätzlich ja. Hühner gelten als Kleintiere, und die dürft ihr auch in reinen Wohngebieten laut Baunutzungsverordnung ohne extra Genehmigung halten. Es gilt allerdings das Gebot der Rücksichtnahme – und da wird es kompliziert.

In der erwähnten Baunutzungsverordnung heißt es nämlich: "In einem Wohngebiet ist die Zulassung von Anlagen der Kleintierhaltung nur zulässig, soweit die Kleintierhaltung den Rahmen der für eine Wohnnutzung typischen Freizeitbetätigung nicht sprengt und auch nicht der Eigenart des Gebiets widerspricht."

Typische Freizeitbetätigung? Eigenart des Gebietes? Das lässt Raum für Interpretationen. In Einzelfällen kann es durchaus sein, dass ein Gericht das in einen ganz engen Rahmen fasst. Insbesondere dann, wenn ein Hahn ins Spiel kommt, kann es hakelig werden. Zu Krähzeiten und Lautstärken gibt es die unterschiedlichsten Urteile. Bevor ihr also das erste Federvieh im Garten scharren lasst, sprecht mit den Nachbarn. Vielleicht freuen die sich ja sogar über die Aussicht einer regelmäßigen Frischei-Lieferung.

Macht aber auch unbedingt mit eurer Kommune oder Stadtverwaltung einen Termin. Eventuell gibt es doch schon örtliche Einschränkungen, an die ihr euch halten müsst.

Wieviele Hühner darf ich maximal in meinem Garten halten?

In einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes Bayern vom vom 28.04.2016 (Aktenzeichen 9 CS 15.2118) wird ein Richtwert von "20 Stück Geflügel" festgelegt. Das ist aber wie gesagt nur ein Richtwert, denn im selben Urteil heißt es auch: "Inwieweit nach der Größe der Grundstücke und unter Berücksichtigung einer herkömmlichen oder regional traditionellen Kleintierhaltung hiervon abgewichen werden kann, ist eine Frage des Einzelfalls."

Heißt konkret: 19 Hühner und ein Hahn auf dem eigenen Grundstück zu halten, das sollte in der Regel möglich sein. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Klagt jemand dagegen, kann das Gericht unter Umständen auch gegen euch entscheiden.

Übrigens: Hühner sind sehr soziale Tiere. Mit einem Einzelhuhn tut ihr euch und dem Tier keinen Gefallen, es sollten schon mindestens drei Hühner sein.

Hühnerschar auf einer Rasenfläche beim Scharren und Picken
Für eine artgerechte Haltung braucht die Hühnerschar im Garten ausreichend Auslauf. © Getty Images/iStockphoto

Wie halte ich meine Hühner möglichst artgerecht?

In der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung (TierSchNutztV) ist genau festgehalten, wie eine artgerechte Haltung von Hühnern in der Landwirtschaft auszusehen hat. Unter anderem gelten dort folgende Regelungen:

  • die Ställe müssen so eingerichtet sein, dass jedes Tier artgemäß fressen, trinken, sich ausruhen, im Staub baden und sich zu einem Nest begeben kann
  • die Ställe müssen ausreichend belüftet sein
  • für jede Henne stehen mindestens 2,5 Quadratmeter Platz zur Verfügung
  • jedem Tier steht zu jeder Zeit Trinkwasser zur Verfügung

Soweit die offizielle Verordnung für den gewerblichen Bereich. Für die private Haltung empfehlen Tierschutz-Organisationen aber ganz andere, großzügigere und damit viel tiergerechtere Rahmenbedingungen. Hier im Einzelnen die Empfehlungen für eine artgerechte Hühnerhaltung im eigenen Garten:

Auslauf

Picken, scharren, laufen – Hühner brauchen Platz. 10 bis 20 Quadratmeter Fläche pro Huhn ist ein Daumenwert, der ei der privaten Hühnerhaltung empfohlen wird. Es kommt natürlich auch ein wenig auf die Rasse an. Kleinere Hühner brauchen nicht ganz so viel Auslauf wie ihre größeren Artgenossen.

Auch die Umgebung selbst ist wichtig. Büsche und Sträucher benötigt das Federvieh, um sich auch mal verstecken zu können. Rasen und Erde ist wichtig zum Scharren. Und trockene Erde oder Sand hilft den Hühnern, sich beim Staubbad von Parasiten zu befreien. Hier hilft unter Umständen auch eine große Kiste mit Erde oder Sand.

Damit euch der Hühnerhaufen nicht davonflattert oder -rennt (fliegen können die allermeisten Hühnerrassen nicht), benötigt ihr einen Zaun. Wie hoch der sein muss, hängt wieder von der Rasse ab. Leichtere Arten machen schneller die Flatter, hier sollte der Zaun eine Mindesthöhe von zwei Metern haben.

Futter

Neben frischem Wasser und täglichem Auslauf gehört auch stets frisches Futter zur artgerechten Hühnerhaltung. Beim Picken auf dem Boden fressen Hühner Gras, Insekten und Samen. Es gibt auch spezielles Geflügelfutter, das ihr dazufüttern könnt. Hühner mögen ab und an auch gerne Haferflocken, Gemüsereste und aufgeweichtes Brot. Und wer ihnen ein paar Delikatessen gönnen möchte, versucht es mal mit Mehlwürmern.

Pflege

Ein wenig Pflegeaufwand brauchen eure Hühner schon. So solltet ihr den Stall regelmäßig gründlich reinigen. Den Kot vom Kotbrett entfernt ihr am besten täglich. Und natürlich müsst ihr auch immer mal nach den Eiern schauen.

Brauche ich auch einen Hahn?

Nicht unbedingt. Um Eier zu legen, brauchen Hennen keinen Hahn. Der kommt erst ins Spiel, wenn es um die Nachzucht geht. Allerdings hat der Hahn im sozialen Gefüge der Hühnerschar eine wichtige Aufgabe. Er hält die Schar zusammen und ist anerkannter Streitschlichter. Leider ist seine Stimmgewalt ein Nachteil. Regelmäßiges frühmorgendliches Krähen stößt bei den meisten Nachbarn auf Ablehnung.

Muss ich für den Hühnerstall eine Baugenehmigung beantragen?

Grundsätzlich braucht ihr einen Stall für die Hühner. Der sollte warm, hell und gut belüftet sein. Er dient ihm wahrsten Sinne des Wortes als Schutzraum für die Tiere (Achtung, Marder!). Und bei kaltem Wetter, zur Eiablage und zum Schlafen braucht das Geflügel einen Stall als Rückzugsraum.

Egal ob Geräteschuppen oder Hühnerstall – feste Bauten unterliegen in Deutschland dem Baurecht und benötigen eine Baugenehmigung. Hier gibt es regional manchmal völlig unterschiedliche Vorschriften. Abstand zum Nachbarn, Grundfläche, Höhe – vor der Planung eines Hühnerstalls solltet ihr auf jeden Fall bei eurem örtlichen Bauamt nach den Bestimmungen fragen.

Alternativ gibt es auch mobile Lösungen. Ein versetzbarer Hühnerstall hat viele Vorteile: Ihr braucht dafür keine Baugenehmigung. Der ideale Standort lässt sich ganz bequem im Laufe der Zeit herausfinden. Durch die unterschiedliche Platzierung verhindert ihr, dass Brachflächen entstehen. Und im Winter wird der Stall dort hingestellt, wo die Laufflächen noch frei von Matsch und Eis sind.

Noch einmal zurück zu den Nachbarn: Um die Lärmbelästigung zu minimieren, gibt es auch schallisolierte Hühnerstall-Modelle mit einem automatischen Türöffner. Die werden gerade für kleine Bestände auch im Fachhandel angeboten.

Für die Errichtung eines festen Hühnerstalls gelten regionale Bauvorschriften.
Für die Errichtung eines festen Hühnerstalls gelten regionale Bauvorschriften. © Getty Images/iStockphoto

Muss ich die Hühner irgendwo anmelden?

Unbedingt. Ab Huhn Nummer eins gilt die Meldepflicht. Heißt konkret: Die Tiere müsst ihr beim zuständigen Veterinäramt und der Tierseuchenkasse registrieren. Und auch die Impfung spielt eine wichtige Rolle.

Anmeldung beim Veterinäramt

Folgende Angaben müsst ihr für die Anmeldung beim Veterinäramt machen:

  • Namen des Halters
  • Adresse des Halters
  • Art und Anzahl der im Jahresdurchschnitt gehaltenen Tiere

Das Veterinäramt ist dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt unterstellt.

Anmeldung bei der Tierseuchenkasse

Auch bei der Tierseuchenkasse muss der Bestand angemeldet werden. Die Meldung erfolgt in der Regel einmal im Jahr schriftlich. Durch die Anmeldung können gegebenenfalls (geringe) Kosten auf euch zukommen. Das wird in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. In Schleswig-Holstein fallen für Herden unter 25 Tieren keine Gebühren an. In Baden-Württemberg sind es acht Euro für die ersten 300 Tiere.

Diese Regelungen müsst ihr unbedingt einhalten. Sie sind wichtig, damit die Behörden im Seuchenfall schnell eingreifen können und die Verbreitung von Krankheiten unterbinden können.

Impfung der Hühner

Als Halter von Hühnern seid ihr verpflichtet, die Tiere regelmäßig gegen die Newcastle-Krankheit (besser bekannt als Vogelgrippe oder atypische Geflügelpest) impfen zu lassen. Die Impfung erfolgt hier über das Trinkwasser. Wann beziehungsweise wie oft geimpft wird, das richtet sich nach dem Impfstoff. Die Hersteller geben genaue Anweisungen zu den Impf-Intervallen.

Wenn ihr den Verdacht habt, dass eines eurer Tiere krank ist, müsst ihr sofort einen Tierarzt verständigen. Ganz wichtig ist es, die Vogelgrippe auszuschließen, denn die ist hochansteckend.

Achtung: Wir haben hier nur die grundsätzlichen gesetzlichen und gesundheitlichen Regelungen bei der Hühnerhaltung aufgezählt. Erkundigt auch beim Veterinäramt oder beim Tierarzt, was ihr sonst noch vorbeugend für das Tierwohl tun könnt beziehungsweise holt euch hier gern noch weiterführende Tipps, zum Beispiel zum Lebensmittel- und Arzneimittelrecht.

Ein Hahn auf einer Wiese
Ein Hahn hält die Hühnerschar zusammen, kann durch sein Gekrähe aber auch für Ärger mit den Nachbarn sorgen. © Getty Images/iStockphoto

Wo kann ich Hühner kaufen?

Stall, Zaun, Auslauf – alles vorbereitet? Dann fehlen nur noch die Hühner. Die könnt ihr kaufen bei

  • einem Geflügelzuchtverein
  • einem gewerblichen Züchter (am besten beim Bio-Bauern)
  • auf regionalen Geflügelmärkten, die es in einigen kleineren Städten auch noch gibt.

Für ein ein junges Rassehuhn müsst ihr so um die 20 Euro veranschlagen. Macht euch aber vorab mit einzelnen Rassen und ihren Eigenarten vertraut. Und vielleicht mögt ihr ja auch zur Arterhaltung beitragen und schafft euch eine ganz alte Rasse an.

Kann ich das Halten von Hühnern erstmal ausprobieren?

Ja. Klingt lustig, aber ihr könnt Hühner samt Stall auch mieten. Unter Mieteeinhuhn gibt es das Komplettpaket mit fünf Legehennen, einem Hühnerstall, Einstreu, Hühnerfutter, Futterautomat, Wassertränke, Sandbad und Steckzaun sowie Lieferung, Aufbau, Abbau, Abholung, Einführung und die Endreinigung des Hühnerstalls.

Der Mietpreis für das Komplettpaket beträgt pro Woche 85 Euro (ab dem 01.01.2020 sind es 95 Euro). Da diese Firma in Achim bei Bremen ansässig ist, wird bei einer Entfernung zum Aufbauort von mehr als zehn Kilometern eine Pauschale von 50 Cent pro gefahrenem Kilometer berechnet. Schaut euch bei Interesse im Netz um, hier gibt es noch weitere, für euch unter Umständen näher liegende Anbieter.

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