Thermografie-Aufnahme eines Hauses.
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Passivhaus: Energieeffizienz, Nutzen, Kosten, Förderung

Eva Kafke

Eva Kafke

Ein Passivhaus ist weit mehr als nur ein Haus, das Energie spart. Wir erklären, welche Voraussetzungen ein Passivhaus erfüllen muss, wie diese zu erreichen sind und was sie kosten.

Wer energieeffizient neu bauen oder sanieren will, stößt schnell auf den Begriff Passivhaus. Wir erklären, was es mit diesem Standard auf sich hat.

Passivhaus ist ein seit gut 30 Jahren etablierter Standard für besonders energieeffiziente Gebäude. Die Idee wurde von Professor Dr. Wolfgang Feist entwickelt und erstmals 1990 mit einem regulär bewohnten Mehrfamilienhaus in Darmstadt umgesetzt.

Was ist ein Passivhaus?

Das Passivhaus-Konzept kombiniert zwei technische Strategien:

  • Das Haus ist extrem gut gedämmt, verliert also möglichst keine oder nur wenig Wärme durch die Gebäudehülle.
  • Ein Großteil des Wärmebedarfs im Gebäude aus "passiven" Quellen wie Sonneneinstrahlung oder Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage gedeckt.

Das Ergebnis: Der Energieverbrauch ist extrem niedrig.

Das von Professor Feist 1996 gegründete Passivhaus Institut (PHI) hat als unabhängiges Forschungsinstitut eine Reihe von Qualitätsanforderungen an Passivhäuser formuliert. So darf beispielsweise ein echtes Passivhaus einen jährlichen Heizwärmebedarf von 15 kWh/m² nicht überschreiten.

Die Passiv-Kriterien wurden im Laufe der Jahre weiter differenziert. Heute gibt es drei Passiv-Klassen – Passivhaus Classic, Plus und Premium. Sie unterscheiden sich vor allem in den Vorgaben für den erneuerbaren Primärenergiebedarf. Dazu später mehr.

Das Institut zertifiziert Gebäude, die den Anforderungen des PHI entsprechen. Dabei überprüfen die Experten die Planung und Energiebilanzierung, die mit dem sogenannten PHPP-Tool erfolgen muss. Monitoring-Berichte belegen, dass der tatsächliche Energieverbrauch in zertifizierten Passivhäusern sehr nahe bei dem mit diesem Tool berechneten prognostizierten Energiebedarf liegt. Auch für Passivhäuser geeignete Bauteile sowie Handwerker und Berater werden vom Institut zertifiziert.

Diese Zertifikate sind für Bauherren vor allem deshalb wichtig, weil der Begriff Passivhaus nicht gesetzlich definiert oder geschützt ist. Deshalb können auch Anbieter mit dem Begriff Passivhaus werben, ohne die Qualitätsanforderungen des Passivhaus Instituts zu erfüllen. Wenn ihr ein Passivhaus neu bauen oder eure Immobilie zum Passivhaus umbauen wollt, solltet ihr also genau hinschauen.

Welche Kriterien muss ein Gebäude erfüllen, um den Passivhaus-Standard zu erreichen?

Das PHI stellt drei zentrale Anforderungen an ein Passivhaus:

Der Jahresheizwärmebedarf

Der Jahresheizwärmebedarf wird angegeben in Kilowattstunde pro Quadratmeter Wohnfläche pro Jahr = kWh/(m²a). Er darf bei einem Passivhaus 15 kWh/(m²a) nicht überschreiten. Das heißt: Es soll mit weniger als 1,5 Litern Heizöl oder 1,5 m³ Erdgas pro Quadratmeter im Jahr auskommen.

Damit ist die Anforderung an den Heizwärmebedarf eines Passivhauses deutlich höher als bei einem 3-Liter-Haus (30 kWh/(m²a)) und etwas niedriger als bei einem 1-Liter-Haus (10 kWh/(m²a)). Alternativ zum Heizwärmebedarf kann auch die Heizlast zur Beurteilung herangezogen werden. Sie darf maximal 10 W/m² betragen. In unserem Ratgeber Heizlastberechnung: So könnt ihr eure Heizlast berechnen erfahrt ihr alles über diese beiden technischen Größen.

Der erneuerbare Primärenergiebedarf

Der erneuerbare Primärenergiebedarf (PER) für alle Haushaltsanwendungen (Heizung, Warmwasser und Strom) darf in der Klasse Passivhaus Classic nicht mehr als 60 kWh/(m²a) betragen. Ein Passivhaus Plus darf nicht mehr als 45 kWh/(m²a) und ein Passivhaus Premium maximal 30 kWh/(m²a) benötigen. Unser Text Primärenergiebedarf: Energieverbrauch eines Haushalts richtig berechnen erklärt, was es mit diesem Wert auf sich hat.

Die Behaglichkeitskriterien

Die Behaglichkeitskriterien (zum Beispiel Wärme und Luftaustausch) müssen in jedem Wohnraum sowohl im Winter als auch im Sommer erfüllt sein.

Wie werden der niedrige Heizwärmebedarf und der geringe Primärenergiebedarf im Passivhaus erreicht?

Entscheidend ist, dass möglichst wenig Wärme aus dem Haus verloren geht. Der Fachmann spricht hier von Transmissionswärmeverlusten. Ein Hauptaugenmerk liegt deshalb auf der energetisch optimierten Gebäudehülle.

Wärmedämmung

Alle Flächen, die den beheizten Raum begrenzen – Dach, Fassade, Kellerdecke oder Bodenplatte – müssen sehr gut gedämmt sein. Der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) eines Passivhauses beträgt höchstens 0,15 W/(m²K).

Das heißt: Pro Grad Temperaturunterschied und Quadratmeter Fläche gehen maximal 0,15 Watt verloren. Je nach Aufbau des Bauteils, Ausrichtung des Gebäudes und gewähltem Dämmstoff ist dieser Wert mit einer 25 oder auch einer 40 Zentimeter dicken Dämmung erreichbar.

Passivhaus-Fenster

Der U-Wert des gesamten Fensters (Uw) darf 0,80 W/(m²K) nicht überschreiten. Dieser Wert gilt auch für andere halbtransparente (transluzente) Bauteile. Ein niedriger Uw-Wert lässt sich unter anderem durch möglichst hohe Bautiefe des Rahmens, viele Kammern im Rahmenprofil und eine Dreifachwärmeschutzverglasung erzielen.

Luftdichtheit

Bei einem Test mit Unter-/Überdruck von 50 Pascal muss die Leckage durch unkontrollierte Fugen niedriger als 0,6 Hausvolumen pro Stunde sein. In unserem Ratgeber Blower-Door-Test: So wird die Luftdichtigkeit eures Hauses gemessen lest ihr mehr dazu.

Wärmebrückenfreiheit

An Kanten, Ecken, Anschlüssen und Durchdringungen, wo unterschiedliche Materialien aufeinander stoßen, müssen Wärmebrücken möglichst vermieden, zumindest aber reduziert werden. Die Einlaibungen der Fenster, Kabelführungen, Maueröffnungen für Lüftungskanäle und Wasserrohre müssen besonders sorgfältig geplant und ausgeführt werden.

Welche Wärmequellen kommen im Passivhaus zum Einsatz?

Im Passivhaus geht es nicht darum, Wärme aktiv mit einer – dann möglichst effizienten – Heizungsanlage zu erzeugen. Vielmehr steht der Erhalt von Wärme im Vordergrund. Dafür werden die im Gebäude vorhandenen „passiven“ Energiequellen genutzt. Hier gibt es vor allem zwei Ansatzpunkte:

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Das Kriterium „Luftdichtheit“ erfordert zwangsläufig den Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung. Schließlich müssen Feuchtigkeit und Kohlendioxid aus den Wohnräumen nach draußen abgeführt und durch Frischluft ersetzt werden. Damit dabei so wenig Wärme wie möglich verloren geht, kommt im Passivhaus eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung zum Einsatz: Mindestens 75 Prozent der Wärme aus der Abluft werden über einen Wärmetauscher der Frischluft wieder zugeführt.

Auf diese Weise werden auch die Abwärme von Haushaltsgeräten und die Körperwärme nutzbar gemacht. Außerdem sorgt die kontrollierte Wohnraumlüftung für gleichmäßige und konstante Temperaturen in allen Räumen des Hauses. Die Lüftungsanlage dient damit im Winter als Heizung und im Sommer als Klimaanlage. Wie das funktioniert, könnt ihr in unserem Ratgeber Zentrale Lüftungsanlage: Vorteile und Kosten der zentralen Wohnraumlüftung nachlesen.

Sonneneinstrahlung

Um die solare Energie im Winter optimal nutzen zu können, sind die großen Fensterflächen idealerweise nach Süden ausgerichtet. Durch Sonnenschutz und Verschattungslösungen lässt sich die unerwünschte Aufheizung der Räume im Sommer vermeiden. Auf der Nordseite des Hauses finden sich nur kleine Fenster. Die Raumnutzung muss an diese Ausrichtung des Hauses angepasst werden.

Passivhaus, Modell Rheinau Linx-CityLife, von WeberHaus.
Aus unserer Fertighaus-Datenbank: Passivhaus, Modell Rheinau Linx-CityLife, von WeberHaus. © WeberHaus

Was ist, wenn die passiven Energiequellen nicht ausreichen?

Den Restwärmebedarf deckt eine zusätzliche Heizung ab. Dafür schreibt der Passivhaus-Standard weder einen Energieträger noch eine bestimmte Technik vor. In Frage kommt beispielsweise Wärmepumpe, Nah- oder Fernwärme, Biomasseheizung oder thermische Solaranlage, aber auch Zuluftheizung mit elektrischem Heizregister.

Für die Entscheidung spielen unter anderem die Höhe des Restwärmebedarfs, die baulichen Gegebenheiten und das individuelle Wärmeempfinden der Bewohner eine Rolle. Passend ausgelegte Pufferspeicher erhöhen dabei die Energieeffizienz.

Die Energie aus den "passiven" Energiequellen füttert im Passivhaus die Heizung. Die für die Erwärmung von Trinkwasser notwendige Energie kann eine thermische Solaranlage, ein dezentraler, elektrischer Durchlauferhitzer oder eine zentrale Brauchwassererwärmung liefern.

Eine interessante Alternative ist ein Kompaktgerät. Es kombiniert die zentrale Lüftungsanlage des Passivhauses mit einer Wärmepumpe und deckt dann den Heizwärme-, den Frischluft- und den Warmwasserbedarf.

Die Geräteausstattung ist das eine, die effiziente Steuerung das andere. Damit alle Komponenten der Versorgungstechnik optimal aufeinander abgestimmt arbeiten, werden sie am besten zentral über eine gebäudeintegrierte Steuerungstechnik geführt. Darin müssen Temperaturfühler, Sensoren für den Kohlendioxidgehalt und die Luftfeuchte integriert sein.

Wie wirkt sich der Passivhaus-Standard auf die Gestaltung des Gebäudes aus?

Der Passivhausstandard kann in den unterschiedlichsten Bauweisen ausgeführt werden – in Leichtbauweise aus Holz, als Massivbau oder auch in Mischbauweise. Auch bezüglich der Materialien der Bauteile gibt es keine prinzipiellen Einschränkungen.

Aber: Mit einer möglichst kompakten Bauform lassen sich die Anforderungen an ein Passivhaus am einfachsten umsetzen. Entscheidend ist dabei das Verhältnis zwischen der Außenoberfläche des Gebäudes (A) und dem beheizten Gebäudevolumen (V). Je niedriger der A/V-Wert ist, umso geringer ist die Wärmeübertragung nach außen. Ein Gebäude mit vielen Erkern, Simsen und Vorsprüngen hat immer einen ungünstigeren A/V-Wert als ein Würfelbau.

Das heißt nicht, dass ein Passivhaus keinen Erker und keine Gaube haben darf. An diesen Stellen ist jedoch die saubere Ausführung besonders wichtig. Das Passivhaus Institut zertifiziert dafür auch Produkte und Detaillösungen.

Bei der Grundrissplanung verdient die oben erwähnte Ausrichtung des Gebäudes Beachtung: Wenig genutzte Räume mit kleinen Fenstern kommen an die Nordseite, viel genutzte Wohnräume mit großen Fensterflächen an die Südseite.

Kompliziert kann sich die Unterkellerung gestalten: Ein unbeheizter Keller muss thermisch vom restlichen (beheizten) Haus entkoppelt werden. Ein beheizter Keller muss an die Lüftungsanlage angebunden werden. Beides ist mit erhöhtem Aufwand verbunden.

Wer baut Passivhäuser?

Viele Planer und Architekten haben sich auf den Passivhaus-Standard spezialisiert. Das Passivhaus Institut bietet dazu eine Suchmaschine an. Der Vorteil liegt auf der Hand: Die Experten können auf eure individuellen Wünsche eingehen.

Bei kompletten Passiv-Fertighäusern fällt der Planungsaufwand deutlich geringer aus. In unserer Fertighaus-Datenbank könnt ihr euch einige Beispiele anschauen. Informationen bietet auch der Bundesverband Deutscher Fertigbau an.

Was ist bei der Sanierung eines Bestandsgebäudes zum Passivhaus zu bedenken?

In der Sanierung ist die Ausgangslage erheblich schwieriger als beim Neubau. Wer ein Passivhaus neu baut, kann die Gebäudeausrichtung und die Fenster, den Dämmstandard und die Versorgungstechnik gezielt nach den Anforderungen des Passivhaus-Standards planen.

Im Bestand muss man mit dem arbeiten, was man hat. Eine gute Dämmung ist oft vergleichsweise einfach realisierbar. Zum Problem werden jedoch häufig die Luftdichtheit und vor allem die Reduzierung vorhandener Wärmebrücken.

Für einen Umbau zum Passivhaus gibt es mittlerweile spezielle Komponenten und technische Lösungen. Das Passivhaus Institut hat zwar einen Zertifikatsstandard EnerPHit gezielt für Sanierungsfälle erarbeitet. Er sieht einen maximalen Heizwärmebedarf von 25 kWh/(m²a) vor.

Wirtschaftlich ist ein solcher Umbau zum echten Passivhaus dennoch in vielen Fällen nicht. Manchmal ist der Einbau von einzelnen Passivhaus-Komponenten eine gute Alternative. Eine gute Planungsgrundlage ist auf jeden Fall ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP).

Wie viel kostet ein Passivhaus mehr?

Zu den Mehrkosten gibt es eine ganze Bandbreite weit auseinander liegender Angaben. Das Passivhaus Institut schätzt die Mehrkosten auf rund 100 Euro pro Quadratmeter im Neubau und 150 Euro pro Quadratmeter für die Sanierung mit Passivhauskomponenten. Bei einer aktuellen Online-Recherche finden sich Angaben zu Mehrkosten zwischen 10 und 30 Prozent.

Diese immensen Unterschiede liegen zum einen daran, dass die Vergleichsbasis unklar ist ("Mehr als was?"). Zum anderen steigen gerade in den vergangenen Monaten sämtliche Baukosten dermaßen dramatisch, dass die heute realistischen konkreten Angaben in Euro morgen bereits überholt sind. Sämtliche Schätzungen können deshalb nur als grobe Orientierung dienen.

Mann dämmt von außen die Fassade eines Hauses.
Wichtig bei einem Passivhaus: die Minimierung des Wärmeverlustes. © Getty Images/iStockphoto/U. J. Alexander

Ist ein KfW-Effizienzhaus ein Passivhaus?

Ja und nein. Nicht jedes KfW-Effizienzhaus ist ein Passivhaus. Und nicht jedes Passivhaus ist ein KfW-Effizienzhaus. Hinter diesen beiden Standards für energieeffiziente Gebäude stecken unterschiedliche Berechnungsverfahren und unterschiedliche Begrifflichkeiten. Diese Standards lassen sich also nicht direkt miteinander vergleichen.

So arbeitet beispielsweise das Passivhaus Institut mit dem Begriff "erneuerbarer Primärenergiebedarf". Dahinter verbirgt sich etwas anderes als hinter dem "Primärenergiebedarf" der KfW-Effizienzhäuser. Entsprechend sind die Werte und Anforderungen nicht 1:1 miteinander vergleichbar.

Ob ihr mit eurem neuen Passivhaus den aktuell einzigen noch förderfähigen Effizienzhausstandard KfW40 NH erreicht, muss ein Energieberater oder Architekt im konkreten Einzelfall prüfen. Das gilt auch, wenn es darum geht, eure Sanierung zum Passivhaus in die Effizienzhaus-Systematik einzuordnen.

Welche Förderung gibt es für ein Passivhaus?

Eine spezielle bundesweite Förderung für Passivhäuser gibt es nicht. Wenn euer Passivhaus-Neubau oder eure Sanierung die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus erfüllt, könnt ihr bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einen Kredit 261 aus der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG WG) beantragen. Die Förderung besteht dort aus einem vom Effizienzstandard abhängigen Tilgungszuschuss und einer maximalen Zinsvergünstigung in Höhe von 15 Prozent. Welche alternativen Förderungen es für einen Neubau gibt, erfahrt ihr in unserem Ratgeber KfW-Förderung beim Neubau: So kommt ihr an Fördermittel.

Wenn ihr mit eurer Sanierung keinen Effizienzhausstandard erreicht, geht ihr dennoch nicht leer aus. Viele Passivhauskomponenten sind als Einzelmaßnahmen förderfähig. Für die Dämmung, die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung oder die Wärmepumpe gibt es Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Unser Ratgeber Dämmung, Lüftung, neue Fenster: Fördermittel für Einzelmaßnahmen bei der Sanierung erklärt, wie es geht.

Außerdem haben Länder und Kommunen Förderprogramme für Passivhäuser aufgelegt. Das Land Nordrhein-Westfalen fördert Wohngebäude im Passivhausstandard einschließlich Lüftungsanlagen im Modul "Modellprojekte.NRW". Darüber hinaus unterstützen Städte wie München, Frankfurt oder Heidelberg den Bau von Passivhäusern. Ihr könnt euch beim kommunalen Bauamt vor Ort erkundigen, welche Möglichkeit es bei euch gibt.

Lohnt sich ein Passivhaus?

Ein Passivhaus in ein etablierter Baustandard, der energieeffizientes Bauen mit Wohnkomfort verbindet. Laut Passivhaus Institut verbraucht ein Passivhaus bis zu 75 Prozent weniger Heizenergie als ein üblicher in den vergangenen Jahren nach den gesetzlichen Mindeststandards errichteter Neubau und bis zu 90 Prozent weniger als ein unsanierter Altbau.

Allerdings wurden die gesetzlichen Anforderungen an Wohngebäude in den vergangenen Jahren angehoben, so dass der Vorsprung der Passivhäuser – zumindest auf dem Papier – für aktuell entstehende Gebäude geschrumpft ist. Die Anforderungen an die Energieeffizienz sind jedoch nach wie vor weit höher als die Vorgaben des aktuellen Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und die Betriebskosten entsprechend niedriger.

Der Preis für die bessere Energieeffizienz und niedrigere Betriebskosten sind höhere Baukosten und aufwändige Lüftungstechnik. Kritiker argumentieren, dass häufig auch wenig ökologische Baustoffe etwa bei der Dämmung zum Einsatz kommen, um die Gesamtkosten im Rahmen zu halten.

In unserer Tabelle seht ihr Vorteile und Nachteile im Überblick:

  • Vorteile
  • Nachteile
  • niedriger Wärmebedarf > geringe Energiekosten, hohe Autarkie
  • höhere Baukosten
  • keine große Heizungsanlage
  • aufwändige und wartungsintensive Lüftungstechnik
  • Komfort durch automatische Lüftung
  • keine automatische Förderung
  • geringes Schimmelrisiko
  • Risiko trockener Raumluft im Winter
  • keine Zugerscheinungen
  • nahezu gleiche Temperatur in allen Räumen
  • gute Schallisolierung und guter sommerlicher Wärmeschutz
  • verwendete Dämmmaterialien sind oft nicht umweltfreundlich
  • helle Räume durch große Fensterflächen nach Süden
  • erschwerte Umsetzung in der Sanierung

Unterm Strich heißt das: Ein Passivhaus ist vor allem im Neubau eine gute Möglichkeit, einen hohen Effizienzstandard zu erreichen. Es ist aber nicht die einzige Möglichkeit, energieeffizient zu bauen. Wer heute neu baut oder saniert, ist gut beraten, sich mit unterschiedlichen Standards und Konzepten Passivhaus, Aktivhaus, Sonnenhaus oder Plusenergiehaus auseinander zu setzen. Oft stellt sich dann heraus, dass die Gegebenheiten vor Ort die Auswahl zwischen den Standards einschränken.

Ihr wollt einen Überblick bekommen über die verschiedenen nachhaltigen Bauweisen? Dann schaut rein in unseren Artikel "Energiesparhäuser: Endlich Durchblick beim nachhaltigen Bauen".

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