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Bauen | Ratgeber

QNG: Alles über das neue Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude

Eva Kafke

Eva Kafke

Wer Fördergelder für den Bau eines energieeffizienten Hauses haben will, muss seit April das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) vorlegen. Was es kostet, wie ihr es bekommt und wer es vergibt.

Seit April gibt es staatliche Fördergelder für den energieeffizienten Neubau eines Wohngebäudes nur noch, wenn dieses mit dem Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude, kurz: QNG, zertifiziert ist. Wir erklären, was es mit dem Gütesiegel auf sich hat.

Mit der begonnenen Neuausrichtung der Neubauförderung und der Einbindung des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude hat die Bundesregierung einen ersten konkreten Schritt unternommen: Künftig werden Gebäude nicht mehr schwerpunktmäßig unter der Überschrift Energieeffizienz, sondern verstärkt unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten betrachtet.

Was ist das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude?

Das QNG ist ein im Juli 2021 eingeführtes staatliches Gütesiegel für Gebäude. Es wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des damaligen Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat erarbeitet, um die Nachhaltigkeit im Bau- und Gebäudebereich zu fördern.

Das QNG definiert Anforderungen an die ökologische, soziokulturelle und ökonomische Qualität von Gebäuden sowie an die Qualität der Planungs- und Bauprozesse. Es gibt zwei Anforderungsstufen:

  • QNG-PLUS
  • QNG-PREMIUM.

Ein wesentlicher Bestandteil des Qualitätssiegels Nachhaltige Gebäude sind die besonderen Anforderungen im öffentlichen Interesse. Sie greifen die aktuellen politischen Ziele in den Bereichen Klimaschutz, Ressourcenschonung, Gesundheitsschutz und Teilhabe auf.

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude differenziert zwischen sogenannten Anwendungsfällen: Für bestimmte Gebäude-, Nutzungs- und Maßnahmenarten gibt es Siegelvarianten.

Für Wohngebäude existieren aktuell ausschließlich QNG-Varianten für Neubauten. Dabei wird nach der Größe unterschieden:

  • Das Siegel für Gebäude mit bis zu fünf Wohneinheiten wird mit der Abkürzung QNG-KN21 bezeichnet.
  • Für Wohngebäude jeder Größe gibt es das Siegel QNG-WN21.

Wer braucht das QNG?

Wer ein Haus neu baut, auf energetische Standards besonderen Wert legt und dafür staatliche Fördermittel bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen möchte, kommt seit 21. April 2022 um das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude nicht mehr herum. Denn seit diesem Stichtag werden Neubauten im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) nur noch im Effizienzhaus-Standard 40 in der NH-Klasse (NH für Nachhaltigkeit) gefördert.

In der Vergangenheit hatte das Siegel freiwilligen Charakter: Bei Vorlage des Zertifikats gab es einen Nachhaltigkeitsbonus von 2,5 Prozentpunkten auf die jeweilige Förderung.

Unter welchen Voraussetzungen kann mein Haus das QNG erhalten?

Um das Siegel zu erhalten, müsst ihr sowohl inhaltliche als auch formale Voraussetzungen erfüllen:

  • Das Gebäude muss einen ganzen Katalog von ökologischen, soziokulturellen und ökonomischen Anforderungen erfüllen.
  • Die Zertifizierung muss nach einem staatlich anerkannten Nachhaltigkeitsbewertungssystem erfolgen.
  • Die erreichten Qualitäten müssen durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle überprüft werden.

Welche Anforderungen muss das Gebäude erfüllen?

Die Kriterien für die einzelnen Anwendungsfälle sind im Handbuch "Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude" aufgelistet. Zu den Anforderungen für Wohnungsneubauten gehören:

  • Flächeninanspruchnahme
  • Ressourceninanspruchnahme und Wirkungen auf die globale Umwelt
  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Nutzerbedürfnisse
  • Trinkwasserbedarf in der Nutzungsphase
  • Rückbau- und Recyclingfreundlichkeit
  • Risiken der Bauprodukte für Gesundheit und die lokale Umwelt
  • Barrierefreiheit
  • Schaffung von Voraussetzungen für Bewirtschaftung
  • Flächeneffizienz
  • Erfüllung von spezifischen Nutzeranforderungen
  • Thermischer Komfort
  • Visueller Komfort
  • Schallschutz
  • Nachhaltige Beschaffung von Produkten und Leistungen
  • Lebenszykluskosten
  • Qualität der Projektvorbereitung
  • Qualitätskontrolle der Bauausführung

Hinter dem Gütesiegel steht ein ganzheitlicher Ansatz. Das Haus wird als System betrachtet. Deshalb wird zum einen das fertige Haus mit Außenanlagen und sämtlichen baulichen und technischen Anlagen, die in einem räumlichen und/oder funktionalen Zusammenhang mit dem Gebäude stehen, bewertet. Darüber hinaus spielen auch sämtliche Prozesse von der Planung über die Errichtung bis zur Übergabe und Inbetriebnahme und Nutzung für die Zertifizierung eine Rolle.

Was sind "staatlich anerkannte Nachhaltigkeitsbewertungssysteme"?

In den vergangenen Jahren haben diverse vorrangig privatwirtschaftliche Anbieter unterschiedliche Systeme zur Bewertung und Zertifizierung der Nachhaltigkeit von Einzelgebäuden entwickelt. Sie haben zudem eigene Siegel mit eigenen Namen vergeben. Diese Anbieter und ihre Systeme gibt es auch weiterhin. Für Bauherren ist das oft verwirrend. Das QNG sorgt nun für eine Vereinheitlichung und Qualitätssicherung.

Die Anbieter der Nachhaltigkeitsbewertungssysteme können ihre Systeme für bestimmte Anwendungsfälle bei der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) registrieren lassen, wenn sie die staatlichen Anforderungen an das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude erfüllen.

Derzeit gibt es vier registrierte Bewertungssysteme für Wohngebäude. Zwei Varianten werden von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) angeboten, jeweils eine vom Bau-Institut für Ressourceneffizientes und Nachhaltiges Bauen GmbH und vom Verein zur Förderung der Nachhaltigkeit im Wohnungsbau:

  • DGNB Neubau Wohngebäude, Version 2018 (DGNB NWO18)
  • DGNB Neubau Kleine Wohngebäude, Version 2013 (DGNB NKW 13.2)
  • Qualitätssiegel Nachhaltiger Wohnungsbau (NaWoh V3.1)
  • Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau (BNK_V1.0)

In der Systematik vom Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude sind die Anbieter und ihre Bewertungssysteme gleichwertig. Unterschiede gibt es jedoch in den Details der Inhalte, in der Struktur und Organisation der Systeme. Außerdem sind die Anbieter hinsichtlich der Zahl und geografischen Verteilung ihrer Auditoren und Zertifizierungsstellen unterschiedlich organisiert.

Wer darf ein QNG ausstellen?

Weder im Handbuch "Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude" noch den Förderrichtlinien der Bundesförderung für effiziente Gebäude sind konkrete Anforderungen an die Qualifikation der Nachhaltigkeitsexperten formuliert. Also gibt es auch keine öffentliche Expertenliste, etwa nach dem Vorbild der Energie-Effizienz-Experten-Liste.

Vielmehr definieren die Anbieter der Nachhaltigkeitsbewertungssysteme ihre Anforderungen an ihre Auditoren selbst. Entsprechend organisieren sie auch die Aus- und Fortbildung. Fertighaushersteller dürfen Auditoren benennen.

Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude
So sieht das QNG aus. © BBSR

Wie läuft die Zertifizierung für das QNG ab?

Für die technisch-operative Abwicklung ist die Zertifizierungsstelle zuständig. Sie prüft die Voraussetzungen und vergibt das Siegel. Als Zertifizierungsstellen sind im Rahmen einer Übergangsregelung noch die Anbieter der registrierten Bewertungssysteme anerkannt. Geplant ist aber eine organisatorische Unabhängigkeit. Die Geschäftsstelle Nachhaltiges Bauen im BBSR führt eine Liste der akkreditierten Zertifizierungsstellen.

Der Antragsteller – also in der Regel der Bauherr – beauftragt einen Auditor. Dieser meldet das Projekt an, begleitet und dokumentiert den Planungs- und Bauprozess und reicht die Unterlagen zur Prüfung bei der Zertifizierungsstelle ein.

Muss jedes Haus individuell zertifiziert werden?

Da jedes individuell geplante und gebaute Haus auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ein Unikat ist, muss es für sich bewertet werden, um ein Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude zu erhalten.

Für Fertighäuser sieht das etwas anders aus: Mehrere Fertighaushersteller haben Baureihen von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen zertifizieren lassen. Aktuell sind das Allkauf, BienZenker, HanseHaus, HUF Haus, Living Haus, Massa Haus, OKAL und Viebrockhaus. Wenn ihr ein solches Haus bauen lasst, erspart das (etwas) Aufwand und Zeit.

Wie viel kostet die Zertifizierung für das QNG?

Die Kosten setzen sich aus zwei Bestandteilen zusammen – den Zertifizierungsgebühren und den Honorarkosten für den Auditor. Die Zertifizierungsgebühren hängen unter anderem von der Art des Gebäudes und der Grundfläche der Immobilie ab. Nach Angaben der DGNB betragen sie für ein Einfamilienhaus mit zwei Vollgeschossen etwa zwischen 750 und 1.250 Euro. Die Honorarkosten für den Auditor richten sich nach dessen Aufwand.

Gibt es für das QNG staatliche Fördermittel?

Die KfW fördert die Nachhaltigkeitszertifizierung eures neuen Hauses mit einem zusätzlichen Kreditbetrag. Dabei beträgt der Tilgungszuschuss 50 Prozent. Die maximal förderfähigen Kosten für ein Ein- oder Zweifamilienhaus belaufen sich auf 10.000 Euro. Allerdings sind die Lizenzgebühren, die für die Zertifizierung anfallen, nicht förderfähig.

Übrigens: Das Anforderungsniveau - QNG-PLUS oder QNG-PREMIUM - hat keinen Einfluss auf die Förderfähigkeit oder auf Art und Umfang der Förderung.

Diese Förderung der Nachhaltigkeitszertifizierung kann zusätzlich zur Förderung der Fachbegleitung und Baubegleitung beantragt werden.

Alle Details zu Laufzeitvarianten, Zinssatz, Bereitstellung und Tilgung findet ihr auf der Website der KfW.

Was müssen wir beim Förderantrag für unser Effizienzhauses 40 in der NH-Klasse beachten?

Voraussetzung für die Förderung ist die Einbindung eines anerkannten Energie-Effizienz-Experten. Er stellt für die Beantragung des Förderkredits eine Bestätigung aus, dass euer Haus die Mindestanforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 40 erfüllen wird und dass eine Zertifizierung "Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude" geplant ist.

Ihr könnt die Förderung jedoch nicht direkt bei der KfW beantragen, sondern müsst einen sogenannten durchleitenden Finanzierungspartner suchen. Mit dieser Bank, Sparkasse oder Versicherung schließt ihr dann den Kreditvertrag. Euer Finanzierungspartner stellt nur einen Förderantrag bei der KfW. Darin gibt er die förderfähigen Kosten für die Investition, die Fachplanung/Baubegleitung und die Nachhaltigkeitszertifizierung separat an. Der Antrag muss immer vor Beginn der Maßnahmen gestellt werden. Planungs- und Beratungsdienstleistungen dürft ihr vor der Antragstellung in Anspruch nehmen.

Nach Abschluss des Baus und nach Erhalt des QNG bestätigt der Energie-Effizienz-Experte, dass die Effizienzhaus-40-NH-Klasse mit der Erteilung des Qualitätssiegels erreicht wurde. Das Zertifikat müsst ihr natürlich auf Nachfrage vorlegen können.

Welche Bedeutung wird das QNG künftig haben?

Die Bundesregierung hat bereits angekündigt, die Neubauförderung mit Beginn des Jahres 2023 neu zu strukturieren und dabei Nachhaltigkeitsaspekte stärker zu berücksichtigen. Ob und in welchem Umfang dabei das QNG als Grundlage dienen wird, ist bislang unklar.

Aktuell entwickelt beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen weitere Siegelvarianten, unter anderem für Bestandsgebäude. Denkbar ist, dass diese dann bei der Sanierungsförderung herangezogen werden.

Unabhängig von der Förderung ist für alle Gebäude ein Ressourcenpass im Gespräch. Wann und in welcher Form dieser Gebäudeausweis eingeführt wird, steht allerdings noch nicht fest.

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