Mann und Frau mauern mit Ytong-Steinen.
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Bauen | Ratgeber

Bausatzhaus bauen: Kann ich selbst ein ganzes Haus bauen?

Dirc Kalweit

Bei einem Bausatzhaus spart ihr durch möglichst viel Eigenleistung eine Menge Geld. Wir zeigen euch, wie das funktioniert, was ihr unbedingt beachten solltet und wieviel Geld ihr durch eure eigene Arbeitskraft einsparen könnt.

Mit Hilfe eines Bausatzhauses ein komplettes Haus selber bauen – wie funktioniert das? Wir zeigen euch in diesem Artikel, wie viel Geld ihr mit einem Bausatzhaus einsparen könnt, was an Eigenleistung realistisch ist und was ihr unbedingt beachten solltet, wenn ihr euch für ein Bausatzhaus entscheidet.

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Wenn ihr schon mal einen Handwerker beauftragt habt, dann kennt ihr das: Auf der Rechnung sind die Lohnkosten in den meisten Fällen deutlich höher als die Materialkosten. Für viele Hausbauer stellt sich da automatisch die Frage: Wie lassen sich diese Lohnkosten beim Bau meines Hauses am besten einsparen? Da kommt dann die so genannte "Muskelhypothek" ins Spiel. Um das Geld für fremde Arbeitsleistungen zu sparen, können Bauherren in großem Umfang selbst Hand anlegen.

Gerade im Fertighaus-Bereich wird diese Variante häufig angeboten – und zwar in Form eines Bausatzhauses.

Was ist ein Bausatzhaus?

Bei einem Bausatzhaus (oder auch Selbstbauhaus) liefert der Hersteller die einzelnen Bausätze. Vom Rohbau bis hin zum kompletten Innenausbau übernehmt ihr als Bauherr dann die kompletten Arbeiten selbst. Das ist der entscheidende Unterschied zu einem Ausbauhaus, bei dem in der Regel der Rohbau von Profis erstellt wird und ihr "nur" den Innenausbau macht.

Für die Bausatzhäuser haben die verschiedenen Anbieter auch unterschiedlichste Angebote. In der Regel unterteilt sich so ein Hausbau in diverse Abschnitte. Ist ein Abschnitt abgeschlossen, liefert der Hersteller das Material für den nächsten. Das hat den Vorteil, dass ihr nicht monatelang die Dachziegel auf der Baustelle stehen habt, wenn ihr gerade erst beim Fundament seid.

Weitere Tipps zu den Umfängen und Leistungen bei einem Ausbauhaus und einem Bausatzhaus findet ihr auch in folgendem ausführlichen Ratgeber:

Bekomme ich bei einem Bausatzhaus Hilfe?

Der Sinn eines Bausatzhauses ist, dass ihr so viele Arbeiten wie möglich selbst übernehmt. Ganz allein werdet ihr aber nicht gelassen.

In vielen Fällen gewähren euch die Fertighaus-Hersteller theoretische und praktische Hilfe. Theoretisch zum Beispiel dann, wenn es um die Bauplanung geht. Das kann der Bauantrag sein oder die Erstellung eines Energiekonzeptes. Unterschätzt diese Punkte nicht. Viele Praktiker drücken sich gern um diese Aufgaben, die aber einfach dazugehören und nicht weniger zeitintensiv sind als die handwerklichen Arbeiten.

In puncto Praxis gibt es zum Beispiel Seminare (oder auch Webinare), in denen euch gezeigt wird, wie ihr eine Mauer hochzieht. Oder ihr erhaltet konkrete fachliche Unterstützung bei der Verlegung von Deckenplatten.

Bei einigen Gewerken, wie zum Beispiel der Sanitärinstallation oder der Elektrik, gibt es auch die Option, dass ihr nur die Vorarbeiten übernehmt und ein Profi vollendet dann die Arbeiten.

Ihr seht, es gibt die unterschiedlichsten Varianten und Vereinbarungen. Erkundigt euch vorher ganz genau, was der Hersteller an Unterstützung anbietet – und vor allem, wie er euch im Notfall hilft, wenn ihr mit eurem Baulatein am Ende seid.

Bausatzhaus von Ytong im Rohbau.
Ein Bausatzhaus im Rohbau. Bei der Eigenleistung kommt es auch darauf an, welche Gewerke man sich zutraut. © Ytong

Was kann ich beim Bausatzhaus alles selber machen?

Hier ein kleiner Überblick der wichtigsten Gewerke beim Bau eines Fertighauses als Bausatzhaus:

  • Erdarbeiten
  • Fundamentierung
  • Hausanschlüsse
  • Maurerarbeiten
  • Dach und Schornstein
  • Heizung/Sanitär
  • Elektro
  • Estrich und Putz
  • Decken
  • Fenster und Türen
  • Malerarbeiten und Bodenbeläge

Eine ziemlich beeindruckende Liste, oder? Theoretisch könnt ihr das alles selbst erledigen. In der Praxis müsst ihr euch aber realistisch fragen, was ihr davon wirklich professionell abarbeiten könnt.

Dabei spielen neben dem handwerklichen Geschick auch Zeit und vor allem gesetzliche Vorgaben eine Rolle. Denn auch bei einem Bausatzhaus gilt es zum Beispiel, die Vorgaben der Energieeinsparverordnung einzuhalten. Und auch bei den Hausanschlüssen oder Elektroarbeiten müsst ihr bestimmte Normen erfüllen.

Offene Küche und Treppe in einem Haus des Herstellers Ytong.
Gerade beim Innenausbau gibt es eine Menge Möglichkeiten, durch Eigenleistung Geld zu sparen. © Ytong

Wie viel Geld kann ich mit einem Bausatzhaus sparen?

Wie viel Geld ihr durch Eigenleistung einspart, ist so pauschal schwer zu beantworten. Das kommt zum einen darauf an, wie aufwändig ihr euer Bausatzhaus gestaltet. Zum anderen ist entscheidend, wie viele Gewerke ihr selbst übernehmt.

In absoluten Zahlen geben einige Hersteller an, dass sich durch ein Bausatzhaus rund 50.000 Euro einsparen lassen. Andere sind da deutlich zurückhaltender und kalkulieren mit einer Ersparnis von zehn Prozent der gesamten Baukosten.

Bleibt bei der Ersparnisrechnung realistisch. Ihr könnt euch ja von Profis vergleichende Angebote einholen, zum Beispiel für Putz- oder Malerarbeiten. Dann habt ihr wirklich einen konkreten Anhaltspunkt.

Aber nicht vergessen: Nur die Lohnkosten kalkulieren, nicht das Material. Und fragt euch wirklich: Bekommt ihr die Arbeit so gut hin wie die Profis?

Geld könnt ihr natürlich indirekt auch dann sparen, wenn ihr einen Baukredit von der Bank aufnehmt. Durch die geringeren Baukosten ist das Darlehen auch niedriger, ihr spart also an den Zinszahlungen. Aber Vorsicht: Die Banken prüfen in der Regel sehr genau nach, wie realistisch eure Einschätzung bei der Erbringung der Eigenleistung ist.

Wie viel Zeit benötige ich für den Bau eines Bausatzhauses?

Mit Keller oder ohne? Normale Dachform oder mit Gauben und Erkern? Lehmputz oder Tapeten? Der Haustyp und die Ausstattung bestimmen im wesentlichen den Zeitfaktor bei der Errichtung eines Bausatzhauses.

Die Schätzwerte einiger Hersteller für die Zeit, die ihr für ein Bausatzhaus benötigt, liegen zwischen 1.000 und 2.000 Stunden. Nehmen wir den Mittelwert von 1.500 Stunden. Das entspricht bei einem Acht-Stunden-Tag einer Bauzeit von 187,5 Tagen, also etwas mehr als einem halben Jahr.

Das klingt erst einmal absolut machbar. Fragt sich nur: Habt ihr (und eure Helfer) auch ein halbes Jahr am Stück Zeit? Oder erledigt ihr die Arbeiten eher nach Feierabend und am Wochenende? Dann verzögert sich das Projekt nämlich erheblich. Und wie steht es mit Pausen, Urlaub, Krankheit?

Fertighaus für Selbstbauer: Hausbeispiel des Hersteller Ytong.
Bausatzhäuser (hier von Ytong Bausatzhaus) gibt es in den verschiedensten Ausführungen. Sogar individuelle Wünsche lassen sich nach Absprache erfüllen. © Ytong

Fünf Punkte, die ihr beim Bau eines Bausatzhauses beachten solltet

Hier kurz zusammengefasst die fünf Dinge, die aus unserer Sicht ganz wichtig sind, wenn ihr den Bau eines Bausatzhauses plant:

  1. Planung: Vor der Praxis kommt die Theorie. Die gesamte Bauplanung inklusive aller Genehmigungen, Pläne und Koordination der Gewerke liegt in euren Händen. Das kann unter Umständen mehr Zeit in Anspruch nehmen, als ein Bad zu fliesen oder eine Mauer hochzuziehen.
  2. Kosten: Bei der Berechnung der Kosten dürft ihr nicht nur die Ersparnis durch eure Eigenleistung im Auge haben. Von den Vermessungskosten über den Baustrom bis hin zu den Notarkosten und der Grunderwerbsteuer gibt es eine Menge an Baunebenkosten, die ihr mit einkalkulieren müsst.
  3. Versicherung: Auch Bauherren brauchen eine Versicherung. Unwetter oder Feuer können einen riesigen Schaden verursachen. Spätestens dann, wenn ihr bei der Eigenleistung Unterstützung von Freunden und Verwandten habt, müsst ihr euch über eine Bauhelferversicherung ernsthaft Gedanken machen. Hier findet ihr die wichtigsten Versicherungen für Bauherren.
  4. Zeit: Bleibt bei der Zeitplanung realistisch. Ein Maurer hat sein Gewerk gelernt und arbeitet trotzdem nicht acht Stunden am Stück. Auch als versierter Laie stoßt ihr auf Probleme, die ihr nicht auf Anhieb lösen könnt. Und wenn euch eure Helfer als Freunde erhalten bleiben sollen, dann nutzt ihre Arbeitskraft mit Augenmaß. Fragt euch selbst, wie viel Zeit ihr (neben dem Job) wirklich regelmäßig auf der Baustelle verbringen könnt und vergesst nicht: Gewerke bauen aufeinander auf, zeitliche Verzögerungen können sich da schnell mal potenzieren.
  5. Pflichten und Normen: Ein Bauherr hat diverse Pflichten. Das reicht von der Kennzeichnung der Baustelle über die Kontrollpflicht bis hin zum Eintrag ins Grundbuch. Und auch bei den technischen Gewerken müsst ihr euch an diverse Normen halten. Auch dafür müsst ihr nicht nur eine Menge wissen, sondern auch Zeit haben.

Haus selber bauen mit einem Bausatzhaus: Unser Fazit

Mal eben so ein ganzes Haus selber zu bauen ist auch mit einem Bausatzhaus nicht ganz einfach. Im Kern geht es vor allem darum, die Eigenleistung sowohl von der Ausführung als auch von der Zeit her wirklich realistisch zu betrachten.

Wer über die entsprechenden handwerklichen Kenntnisse verfügt und sorgfältig plant, der kann in der Tat mit einem Bausatzhaus eine Menge Geld sparen. Ganz abgesehen davon, dass ihr als Bauherr eines Bausatzhauses voller Überzeugung von "meinem Haus" sprechen könnt.

Die Hersteller von Fertighäusern wollen neben ihren Hausmodellen natürlich auch die dazugehörige Bauleistung verkaufen. Trotzdem haben fast alle Fertighaus-Hersteller auch Bausatzhäuser im Programm. Das Angebot reicht dabei von Einfamilienhäusern über Villen und Landhäuser bis hin zu Mehrgenerationenhäuser. Sogar Tiny Houses gibt es als Fertigbausätze.

Wir haben aus der Wohnglück-Fertighaus-Datenbank beispielhaft zehn Häuser zum Selbstausbau herausgesucht und nach Preis aufgelistet. Schaut euch die Modelle gern in folgendem Beitrag an:

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