alte Ölheizung
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Bauen | Expertentipp

Was muss ich beim Heizungsaustausch beachten?

Redaktion

Level: Für Fortgeschrittene

Viele Eigenheimbesitzer wollen ihre alte Ölheizung gegen eine modernere Heizung austauschen. Wir erklären euch, was ihr beim Heizungstausch beachten müsst und wo es unabhängige Beratung gibt.

Ein Nutzer hat sich mit folgender Frage an uns gewandt: "Wir wollen demnächst wohl unsere Ölheizung gegen eine Gasheizung austauschen lassen. Was müssen wir dabei beachten?"

Die Wohnglück-Experten antworten:

Beim Austausch einer Heizungsanlage sind eine Reihe von Faktoren zu bedenken. Die in der Werbung oft versprochene Heizenergie-Einsparung von bis zu 30 Prozent ist in der Regel unrealistisch. Das haben Untersuchungen und Recherchen der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) ergeben.

Die größte Einsparung (bis zirka 15 Prozent) könnt ihr erreichen, wenn ihr 30 Jahre alte Heizkessel (sogenannte Konstanttemperaturkessel) durch eine neue Heizung ersetzt. Beim Ersatz eines Niedertemperaturkessels beträgt die Einsparung nur noch zirka fünf bis zehn Prozent.

Diagramm Verteilung der Heizungsarten in Deutschland 2018

Heizung aufrüsten statt austauschen

Ihr könnt auch Energie sparen, wenn ihr eure Heizungsanlage aufrüstet: Zum Beispiel durch den hydraulischen Abgleich, den Einbau einer stufenlos-differenzdruckgeregelten elektronischen Umwälzpumpe und durch eine Verbesserung der Regelungstechnik.

Darüber hinaus sollte ihr nicht außer Acht lassen, dass neben dem technischen Zustand der Heizungsanlage auch der energetische Zustand eures Hauses eine maßgebliche Rolle spielt. Ist dieser unzureichend, fließt Heizungswärme nach außen ab, und ihr könnt keine Heizenergie einsparen.

Energetische Situation des Hauses prüfen

Aus diesem Grund ist es bei der Planung für eine neue Heizungsanlage ratsam, zusätzlich genaue Angaben über die energetische Situation des gesamten Hauses in allen Einzelheiten zu berücksichtigen:

  • Größe und Wohnfläche des Hauses
  • Aufbau und Wärmedämmung der Außenwände
  • Zustand der Fenster
  • Ausbauzustand und Wärmedämmung des Daches oder des Dachgeschosses
  • Wärmedämmung des Hauses gegenüber dem Keller
  • Art der Warmwasser-Versorgung

Weil diese Angaben in der Vergangenheit kaum Beachtung fanden, wurden oft stark überdimensionierte Heizungsanlagen eingebaut. Die Folge: Der Verbrauch von Heizenergie war hoch. Damit ihr das vermeidet, solltet ihr vor dem Einbau einer neuen Heizung genau überlegen, welche Kesselleistung tatsächlich erforderlich ist und ob ihr euren Heizenergieverbrauch durch Verbesserung der Wärmedämmung oder durch den Einbau neuer Fenster senken könnt.

Vor dem Heizungstausch auf unabhängige Beratung setzen

Unter dem Strich sind Laien mit der Beurteilung aller aufgeführten Faktoren in jedem Fall überfordert. Auch Heizungsbaufirmen können den energetischen Zustand eines Hauses kaum beurteilen. An dieser Stelle möchten nun einige Hersteller von Heizkesseln helfen. Dementsprechend bieten sie eine Energieberatung und die Vermittlung von Heizungsbaufirmen an, natürlich nicht uneigennützig.

Eine unabhängige Beratung, die nicht auf ein bestimmtes Fabrikat festgelegt ist, kann nur ein neutraler und zertifizierter Energieberater leisten. Daher ist es wichtig: Bevor ihr mit einer Maßnahme beginnt oder euch für ein bestimmtes Produkt entscheidet, lasst euch von ihm beraten.

Nachdem der Energieberater euer Haus genau untersucht hat, bekommt ihr einen Bericht. Darin wird der "Ist-Zustand" des kompletten Hauses analysiert. Er schlägt mehrere Varianten für die Erneuerung der Heizungsanlage und für die Verbesserung der energetischen Situation vor. Dementsprechend rechnet der Energieberater Kosten und Wirtschaftlichkeit der einzelnen Varianten durch. Zusätzlich gibt er euch Auskunft darüber, welche Fördermittel ihr erhalten könnt. Diese Beratung ist absolut unverbindlich. Ihr verpflichtet euch zu nichts. Ihr könnt freiwillig entscheiden, ob und welche Maßnahmen ihr durchführen möchtet.

Staat übernimmt einen Großteil der Kosten

Die Kosten für die Beratung übernimmt zum großen Teil der Staat. Die von zertifizierten Energieberatern durchgeführte Vor-Ort-Beratung wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gefördert. Das Bafa übernimmt 60 Prozent des Beratungshonorars, maximal 800 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern und maximal 1.100 Euro bei Wohnhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten.

Alle Zuschüsse beantragt der Berater. Sie werden an ihn gezahlt und er gibt die Zuschüsse an euch weiter. Auf der Abrechnung der Beratungskosten muss der Zuschuss für den Auftraggeber genau ersichtlich und nachprüfbar aufgeführt werden.

Seit dem 01. Juni 2013 gewährt die KfW-Bank nur dann Kredite und Zinszuschüsse, wenn für die Planung oder die Begleitung einer energetischen Maßnahme ein bei der KfW-Bank zertifizierter Energieberater tätig wird. Es werden nur noch Energieberater akzeptiert, die in der Datenbank der Energieeffizienz-Experten aufgeführt sind.

Eine Übersicht aller Zuschüsse bei der Heizungserneuerung findet ihr auch in unserem Artikel "Staatliche Förderung für die neue Heizung".

Unser abschließender Hinweis: Ihr habt auch eine Frage und benötigt den Rat unserer Wohnglück-Experten? Kein Problem: Schreibt uns über den Facebook-Messenger oder nutzt unser Kontaktformular und wir stehen euch nach Möglichkeit mit Rat und Tat zur Seite.

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