Zu sehen ist ein Handwerker, der eine Glasfaserfliesbahn an eine Wand klebt.
© FutureCarbon

Modernisieren | Pro/Contra-Liste

Wandheizung im Trockenbau: Lohnt sich das Nachrüsten?

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Wer von einer Wandheizung spricht kann vieles meinen. Denn eine Wand lässt sich mit Wasser, Strom oder Luft in eine behagliche Wärmequelle verwandeln. Welches System sich zum Nachrüsten eignet, erfahrt ihr bei uns.

Die Heizung verbirgt sich in der Wand und die unschönen Heizkörper verschwinden aus dem Haus. Ein Traum? Ja, aber einer, der sich erfüllen lässt. Immer mehr Haus- und Wohnungsbesitzer nutzen Wandheizungen. Einfacher ist es oft, sie schon im Neubau mitzuplanen. Aber viele Systeme lassen sich durchaus auch nachträglich installieren. Gegenargumente gibt es aber auch. Wir haben die Pro- und Contra-Punkte gegenübergestellt.

Was versteht man unter einer Wandheizung?

Der Begriff Wandheizung ist nicht ganz eindeutig. Auch konventionelle Heizkörper sind schließlich an der Wand befestigt. Genau die sind aber hier nicht gemeint. Eine Wandheizung ist vielmehr eine Variante der Flächenheizung. Es geht darum, auf einer großen Fläche eine Wärmeabstrahlung zu erzeugen. Die bekannteste Flächenheizung ist die Fußbodenheizung. Aber auch Wandheizungen oder Deckenheizungen werden immer beliebter.

Welche Arten von Wandheizungen gibt es?

Grob lassen sich elektrische Wandheizungen von solchen unterscheiden, die Wasser oder Luft führen. Letztere lassen sich auch mit bereits vorhandenen Fußbodenheizungen kombinieren.

Wasserführende Wandheizung

Um eine Wandheizung zu installieren, werden Kapillarrohrmatten oder schlangenförmige Kunststoffrohre an der vorgesehenen Wand angebracht. Am einfachsten geht das mit vorgefertigten Elementen. Diese Trockenbauelemente mit schlangenförmig integrierten Rohren können später verputzt oder mit Trocken- oder Lehmbauplatten verschalt werden.

Wandheizung, die unter Putz verlegt wird
Diese Wandheizung von Variotherm führt Wasser und wird verputzt. © Variotherm

Elektrische Wandheizungen

Bei der elektrischen Wandheizung gibt es zwei Varianten. Zum einen gibt es elektrische Heizmatten, Heizfolien oder Heizgewebe aus unterschiedlichen Werkstoffen. Durch sie wird Strom geleitet. Dieser erwärmt die Leiter in den dünnen Heizmatten, die die Wärme wiederum an die Wand abgeben (Widerstandsheizung). Die Matten verschwinden nach der Installation entweder hinter einem Putz oder einer Trockenbauwand.

Zum anderen gibt es die elektrische Infrarot-Wandheizung. Sie erstreckt sich nicht über die gesamte Wand, sondern besteht aus Modulen, die an der bestehenden Wand befestigt werden. Sie sind also nicht in der Wand versteckt, sondern von außen sichtbar. Dass das nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, zeigt eine kurze Stichwortsuche im Netz. Es gibt viele tolle Ideen, wie ein oder mehrere Infrarot-Wandpaneele in den Wohnraum integriert werden können. Die einen wollen sie eher optisch in den Hintergrund treten lassen. Sie wählen eine Metall- oder Glasoberfläche in der Farbe der Wand. Andere wollen gerade einen Eyecatcher und entscheiden sich für Infrarotelemente in Form von Spiegeln, Landschaftsbildern oder beschreibbaren Tafeloberflächen.

Die neuesten Varianten einer Infrarot-Wandheizung sind dagegen unsichtbar. Montagefertige Heizvliese oder Heizfarben wie Carbo e-Paint haben dabei den großen Vorteil, dass sie mit anderen Wandfarben überstrichen werden können. Es bleibt eine optisch normale Wand, die aber wohlige Wärme abstrahlt. Teilweise können diese Wandheizungen mit dem Smartphone per App gesteuert werden.

Zu sehen ist ein Handwerker, der eine Glasfaserfliesbahn an eine Wand klebt.
Das elektrisch beheizbare Glasfaservlies Carbo e-Now wird einfach auf die vorbereitete Wand aufgeklebt. Danach kann überstrichen oder überfliest werden. © FutureCarbon

Hypokaustensystem:

Die Art der Wandheizung ist weniger verbreitet. Der Ursprung liegt in der Antike. Bei diesem System müssen eure Wände Hohlräume haben, durch die in einem Kreislauf warme Luft geleitet wird. Unterstützt wird die Zirkulation durch ein Gebläse. Die Heizquelle liegt unterhalb der Wand. Was in der Antike Kaminöfen waren, sind heute moderne Kachelöfen oder Solar-Luft-Systeme. Zum Nachrüsten eignen sich Hypokaustensysteme eher nicht.

Welche Wandheizung lässt sich einfach nachrüsten?

Bis auf das Hypokaustensystem könnt ihr alle Varianten auch nachträglich einbauen. Am einfachsten ist aber die Installation einer Infrarot-Wandheizung. Denn sie wird auf die Wand montiert und kann dann in die Steckdose gesteckt werden. Das geht relativ schnell und verursacht nur wenig Dreck. Auch die Variante einer Infrarotheizung als Wandfarbe ist sehr gut für zum Nachrüsten geeignet.

Das sieht bei dem Einbau einer wasserführenden Wandheizung oder der Installation einer elektrischen Wandheizung mit Heizmatten oder Heizgeweben auf Glasfaserbasis anders aus. Wollt ihr die Module später hinter einer Putzschicht verschwinden lassen, verursacht der Einbau natürlich auch Dreck und dauert aufgrund der Trockenzeit länger.

Daher entscheiden sich viele Bauherrn beim Nachrüsten eher für die Trockenbauvariante. Dafür gibt es im Handel praktische Module, bei denen die Heizschlangen bereits in die Trockenbauplatten integriert sind.

Elektrische Heizmatten und Heizgewebe haben den Vorteil, dass die Aufbauhöhe sehr gering ist. Das ist besonders in kleinen Räumen wichtig, denn hier zählt jeder Zentimeter Wohnraum.

Man sieht den Aufbau einer Wandheizung mit Heizschlangen und einer Putzschicht.
Das wasserführende Heiz- und Kühlsystem Blanke Permatop Wall ermöglicht kurze Bauzeiten. Die Wandheizung lässt sich auch mit einer Fußbodenheizung kombinieren. © Blanke

Was spricht für das Nachrüsten einer Wandheizung?

Der Aufwand des Einbaus ist aber nur ein Aspekt. Wandheizungen punkten mit einer Reihe von Vorteilen. Sie können in der Summe Grund genug sein, sich trotz des Aufwands für das Nachrüsten zu entscheiden.

Angenehme Wärme

Während mit einem konventionellen Heizkörper die Raumluft erwärmt und umgewälzt wird (Konvektionswärme), arbeiten Wandheizungen nach einem anderen Prinzip. Die von der Wand abgestrahlte Wärme erwärmt nicht die Luft, sondern die Körper und Objekte im Raum. Genau wie beim Sonnenlicht. Das ist auch der Grund, warum die Strahlungswärme von vielen Menschen als sehr angenehm und wohltuend empfunden wird. Die gefühlte Wärme liegt rund drei Grad über der tatsächlichen Wärme der Luft. Das Heizen mit Wandheizungen hat also eine hohe Energieeffizienz.

Weniger Staub in der Raumluft

Beim Heizen mit Heizkörpern wird mit der erwärmten Luft auch immer wieder Staub aufgewirbelt. Bei einer Wandheizung ist das nicht der Fall. Die Luft ist sauberer und auch weniger trocken. Ein großes Plus für Asthmatiker und Allergiker.

Gleichmäßige Wärmeverteilung

Die Strahlungswärme von Wandheizungen sorgt für eine gleichmäßige Verteilung im Raum. Ein großer Vorteil gegenüber normalen Heizkörpern: Denn da steigt die erwärmte Luft immer erst nach oben, bevor sie wieder absinkt und auch den Rest des Raums erreicht. Die Folge: Ganz oben im Raum ist es zwar warm, aber die Wärme kommt nicht in Kontakt mit den Bewohnern, während es ganz unten an den Füßen oft als zu kalt empfunden wird.

Kühlung im Sommer

Einige Wandheizungssysteme können auch kühlen. Nach einigen sehr heißen Sommer in den vergangenen Jahren ist das sicher ein Aspekt, der mitgedacht werden sollte. Wenn ihr nachrüstet, erkundigt euch unbedingt, ob das Produkt, das ihr ins Auge gefasst habt, heiß und kalt kann.

Keine unschönen Heizkörper mehr

In den vergangenen Jahren sind sie schlanker geworden oder haben ein neues Design bekommen. Aber es gibt vermutlich dennoch wenige Menschen, die ihre Heizkörper wirklich schön finden. Und nicht nur das. Sie nehmen einfach Platz weg. Wäre es nicht toll, wenn sie einfach verschwinden würden?

Zusätzliche Wärmequelle

Beim Thema Nachrüsten muss es nicht immer um den ganz großen Wurf gehen. Eine elektrische Infrarotwandheizung kann auch als Zusatzheizung fungieren. Vielleicht habt ihr an eurem Schreitisch oder in einem bestimmten Bereich im Wohnzimmer schon immer gefroren. Ein einzelnes Infrarotmodul könnte hier die herkömmliche Heizung punktuell unterstützen und aus einer frostigen Ecke ein warmes Plätzchen machen.

Schützt gegen Schimmelbildung

Klassische Heizsysteme haben den Effekt, dass die Luft wärmer wird als die Wand. Die Luft kondensiert an der kalten Wand. Die Folge: Schimmelbildung. Wird die Wand beheizt, tritt das Problem nicht auf.

Was spricht gegen das Nachrüsten einer Wandheizung?

Neben den vielen Vorteilen gibt es auch Argumente gegen das Nachrüsten einer Wandheizung.

Kosten

Der Einbau einer wasserführenden Wandheizung und einer elektrischen Wandheizung ist nicht ganz billig. Wie hoch die Kosten sind, lässt sich aber pauschal nicht beantworten. Es kommt darauf an, ob das gesamte Haus oder nur einzelne Räume nachgerüstet werden sollen. Soll die Wandheizung außerdem an eine bestehende Fußbodenheizung angeschlossen werden, kommen zusätzliche Kosten hinzu.

In der Anschaffung ist die Infrarotheizung eine eher günstige Variante. Aber ebenso wie bei der elektrischen Wandheizung schlagen hier die hohen Stromkosten in Deutschland zu Buche. Wer nicht gerade eine Solaranlage besitzt und den selbstproduzierten Strom auf diese Weise sinnvoll in Wärme umwandeln kann, sollte sich genau ausrechnen lassen, wie hoch die Stromkosten im Jahr werden könnten. Besonders, wenn ihr die Wandheizung als Hauptheizung plant. In einer Wärmebedarfsrechnung werden eine ganze Reihe von Faktoren berücksichtigt: Dazu gehören die Beschaffenheit der Wände, die Isolation der Kellerdecke und des Dachs sowie die Zahl und Fläche der Innen- und Außenwände.

Weniger Platz für Möbel

Die Wand, in der ihr die Heizung verbaut habt, solltet ihr später nicht mit Möbeln zustellen. Während ein Sofa oder niedrige Sideboards noch in Ordnung sind, würden hohe Schränke und Regale die Wirkung der neuen Heizung stark beeinträchtigen. Die Wand könnte nicht genug Wärme abstrahlen.

Wenn ihr die Wand also unbedingt braucht, um eure Möbel sinnvoll stellen zu können, ist eine Flächenheizung hier nicht die richtige Entscheidung. Alternativ könntet ihr aber über eine Infrarotheizung nachdenken. Sie verbraucht weitaus weniger Platz.

Nicht überall geeignet

Wassergeführte Wandheizungen könnt ihr im Prinzip an Innen- und Außenwänden montieren. Da aber die Außenwände nun mal diejenigen sind, die auch von Fenstern und Türen unterbrochen werden, ist die Montage mit mehr Aufwand verbunden. Außerdem verringert sich so auch die Gesamtfläche der Wandheizung. Dadurch ist der Wirkungsgrad unter Umständen zu gering, um den Raum ausreichen zu beheizen.

Bei Altbauten kommt noch ein weiteres Argument gegen Außenwände hinzu: Sie sind oft zu schlecht gedämmt. Die Wärme der Wand würde nicht nur den Raum heizen, sondern auch nach außen abstrahlen.

Bohren und Nagel einschlagen ist aufwändiger

Verbergen sich hinter eurer Wand künftig mäandernde Wasserrohre, müsst ihr das Aufhängen eines Bildes genau planen. Denn ein Nagel an der falschen Stelle kann im Extremfall den ganzen Heizkreislauf zerstören. Am besten besorgt ihr euch spezielle Thermofolien. Wenn ihr die auf die Wand legt, seht ihr, wo die Rohre entlanglaufen.

Es gibt aber auch Hersteller wie Variotherm, die spezielle Rohrsuchgeräte anbieten, mit denen sich die Heizungsleitungen orten lassen.

Fazit: Lohnt sich das Nachrüsten?

Der Einbau einer wasserführenden Wandheizung und einer Wandheizung, die auf Basis von Heizmatten oder Heizgewebe Wärme erzeugt, ist schon ein größeres Bauprojekt. Wenn ihr diese Systeme selbst nachrüsten wollt, müssen eure handwerklichen Fähigkeiten schon sehr gut sein. Viel einfacher ist die Installation von Infrarotheizpaneelen.

Ob sich das Nachrüsten in Sachen Kosten lohnt, ist von System zu System sehr unterschiedlich. Bei den Betriebskosten liegt die wasserführende Wandheizung vorn.

Wandheizungen, die mit Strom betrieben werden, lohnen sich nur, wenn die Heizleistung bei der Planung genau auf die Räumlichkeiten abgestimmt wurde und sich über Thermostate oder – noch besser – über die Einbindung in ein Smart-Home-Konzept genau regeln lässt. Auch in Kombination mit dem Einspeisen von selbstgemachtem Strom aus einer Photovoltaikanlage kann sich ein Nachrüsten lohnen.

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