Hochspannungsmasten und Windräder unter blauem Himmel
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Strom in Deutschland: Sichere Netze – aber teuer wie nie

Katharina Schneider

Katharina Schneider

Der Strom kommt in Deutschland zuverlässig zum Verbraucher. So zuverlässig wie noch nie. Doch während die Versorgungslücken auf Rekordtief sind, ist der Strompreis auf einem Rekordhoch. Wer wenig Strom verbraucht, muss fast 50 Cent pro Kilowattstunde ausgeben.

Das Stromnetz in Deutschland ist zuverlässig. Im vergangenen Jahr seien die niedrigsten Ausfallzeiten seit Beginn der Erhebungen dokumentiert worden, heißt es von der Bundesnetzagentur. Die Energiewende wirke sich demnach nicht negativ auf die Stromversorgung aus.

Schon seit 2006 misst die Bundesnetzagentur die Ausfallzeiten der Stromversorgung. Im Jahr 2019 habe die Unterbrechungsdauer bei 12,20 Minuten je angeschlossenem Letztverbraucher gelegen. Das sind 1,71 Minuten weniger als noch im Jahr zuvor. Insgesamt hätten im Jahr 2019 genau 859 Netzbetreiber der Bundesnetzagentur 159.827 Versorgungsunterbrechungen übermittelt.

Doch nicht nur kommt der Strom zuverlässig an – er ist in Deutschland auch teuer wie nie. Im Durchschnitt mussten private Haushalte im ersten Halbjahr 2020 31,94 Cent für eine Kilowattstunde Strom bezahlen. Das ist ein Anstieg von 6,8 Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2019, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) unlängst mitteilte.

Strom in Deutschland: Große regionale Unterschiede in der Versorgung

Aus den ungeplanten Unterbrechungen, die nicht auf Ereignisse der höheren Gewalt zurückzuführen sind, ermittelt die Bundesnetzagentur den System Average Interruption Duration Index (SAIDIEnWG). Der gibt an, wie hoch die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung von Strom je angeschlossener Letztverbraucher innerhalb eines Kalenderjahres ist. Dieser Index lag im ersten Jahr der Erhebung noch bei 21,53 Minuten.

In den einzelnen Bundesländern gibt es teils erhebliche Unterschiede. Während der SAIDIEnWg im Saarland 2019 nur bei 6,68 Minuten lag, mussten Verbraucher in der Hauptstadt mit 34,33 Minuten im vergangenen Jahr mit den größten Versorgungslücken leben.

  • Bundesland
  • SAIDIEnWg 2019
  • Saarland
  • 6,68 Minuten
  • Bremen
  • 7,51 Minuten
  • Hamburg
  • 9,02 Minuten
  • Schleswig-Holstein
  • 9,02 Minuten
  • Niedersachsen
  • 9,65 Minuten
  • Nordrhein-Westfalen
  • 9,95 Minuten
  • Mecklenburg-Vorpommern
  • 10,03 Minuten
  • Hessen
  • 10,31 Minuten
  • Sachsen
  • 10,34 Minuten
  • Rheinland-Pfalz
  • 10,58 Minuten
  • Bayern
  • 10,82 Minuten
  • BUNDESDURCHSCHNITT
  • 12,20 Minuten
  • Thüringen
  • 12,82 Minuten
  • Baden-Württemberg
  • 13,37 Minuten
  • Sachsen-Anhalt
  • 18,49 Minuten
  • Brandenburg
  • 21,42 Minuten
  • Berlin
  • 34,33 Minuten

Durchschnittle Versorgungslücke pro Bundesland im Jahr 2019 nach dem System Average Interruption Duration Index, kurz SAIDIEnWg (Quelle: Bundesnetzagentur)

Strom in Deutschland: Über 120 Prozent teurer als noch vor 10 Jahren

Auch wenn das deutsche Stromnetz immer zuverlässiger wird – der Strom wird auch immer teurer. Wie hoch der Strompreis ist, hängt stark vom Jahresverbrauch eines einzelnen Haushalts ab, ermittelte Destatis. Wer in den ersten sechs Monaten des Jahres aufs Jahr gerechnet weniger als 1.000 Kilowattstunden verbraucht hat, der musste pro Kilowattstunde ganze 47,52 Cent berappen. Ein Haushalt, der mehr als 15.000 Kilowattstunden jährlich verbraucht, zahlte nur 25,79 Cent.

Seit der Jahrtausendwende, als die Kilowattstunde Strom noch im Schnitt bei 13,94 Cent lag, ist der Strompreis in Deutschland um mehr als 120 Prozent gestiegen. In keinem vergleichbaren Land der Welt müssen die Menschen für Strom so viel Geld ausgeben.

Auch wenn die Bundesregierung eine Deckelung der EEG-Umlage für die kommenden zwei Jahre beschlossen hat – und sich das Milliarden kosten lässt – werden Verbraucher beim Strompreis im kommenden Jahr laut Experten wohl kaum eine Entlastung spüren.

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