Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren
© Arnd Haug

Bauen | Ratgeber

Für Immobilienkäufer: Diese Nachrüstpflichten sieht die EnEV für Altbauten vor

Eva Dorothée Schmid

Wer ein älteres Haus kaufen möchte oder gekauft hat, sollte die Nachrüstpflichten nach der Energieeinsparverordnung kennen und fristgerecht erfüllen. Ansonsten drohen hohe Bußgelder.

Weil Bauland rar ist und neu zu bauen teuer, suchen sich immer mehr Familien einen Altbau im Bestand. Was viele nicht ahnen: Neben den nötigen Schönheitsreparaturen und eventuellen Umbauten müssen die Käufer ihre Immobilie oft nachrüsten, um Energie zu sparen. Welche Nachrüstpflichten es genau gibt, das regelt die Energieeinsparverordnung (EnEV).

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Im Paragraph 10 Abs. 4 der EnEV heißt es dazu: "Bei Wohngebäuden mit nicht mehr als zwei Wohnungen, von denen der Eigentümer eine Wohnung am 1. Februar 2002 selbst bewohnt hat, sind die Pflichten … im Falle eines Eigentümerwechsels nach dem 1. Februar 2002 von dem neuen Eigentümer zu erfüllen."

Pflicht zur Nachrüstung trifft den nächsten Eigentümer

"Kaufinteressenten müssen genau hinsehen“, rät Holger Freitag, Vertrauensanwalt des Verbands Privater Bauherren (VPB). "Denn für die Nachrüstpflichten gibt es bei Wohngebäuden mit einer oder zwei Wohnungen eine Ausnahme: Wer sein Haus vor Februar 2002 selbst nutzte, musste nichts tun. Damit wollte der Verordnungsgeber 2002, als er die Nachrüstung einführte, vor allem ältere Eigentümer finanziell schonen. Aber die Pflicht zur Nachrüstung ist nur aufgeschoben und trifft den nächsten Eigentümer – eventuell die jetzigen Kaufinteressenten."

"Käufer älterer Häuser sollten deshalb immer konkret nachfragen“, empfiehlt der VPB-Vertrauensanwalt: "Wann haben die Verkäufer selbst die Immobilie übernommen, vor oder nach dem Stichtag? Mussten sie entsprechend nachrüsten oder nicht? Und falls ja, sind sie ihren Pflichten auch nachgekommen? Längst nicht alle haben das getan, weil es niemand kontrollierte. Manche haben nur auch teilweise nachgerüstet, etwa die veralteten Heizungskessel ausgetauscht. Darauf hatten die bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger meist ein Auge. Wem sein Haus schon vor dem Stichtag 2002 gehörte, musste aber nicht einmal das erledigen.“

Welche Nachrüstpflichten Käufer von Bestandsbauten erfüllen müssen

Käufer, die die Immobilie nach dem 1. Februar 2002 erworben haben oder jetzt erwerben, mussten und müssen folgende Nachrüstpflichten erfüllen:

  • Den veralteten Heizkessel erneuern. Darunter fallen alle Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden, keine Niedertemperatur-Heizkessel oder Brennwertkessel sind, deren Nennleistung weniger als vier Kilowatt oder mehr als 400 Kilowatt beträgt, und die nicht nur Warmwasser bereitstellen oder hauptsächlich den Raum heizen, in dem sie aufgestellt sind. Sie alle müssen grundsätzlich nach Ablauf von 30 Jahren erneuert werden. Wurde der Kessel im Haus vor dem 1.1.1990 eingebaut, darf er seit 2020 nicht mehr betrieben werden.
  • Nicht gedämmte Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen, die in unbeheizten Räumen wie etwa im Keller liegen, nachträglich dämmen.
  • nicht gedämmte oberste Geschossdecken oder Dächer dämmen. Betroffen ist die Decke, die einen beheizten von einem unbeheiztem Raum trennt. Normalerweise sind das die Decken zwischen dem bewohnten Obergeschoss und dem nicht ausgebauten Dachboden. Stattdessen kann auch das Dach selbst gedämmt sein. Die neue Dämmung darf dabei einen bestimmten Wärmedurchgangskoeffizienten nicht überschreiten.

Welche Fristen gibt es für die Nachrüstpflichten?

In der Energieeinsparverordnung ist geregelt, dass die Frist zur Pflichterfüllung zwei Jahre ab dem ersten Eigentumsübergang, also der Eintragung ins Grundbuch, beträgt.

Nachrüstpflichten betreffen im Übrigen nicht nur Käufer, sondern auch Erben und Kinder, die eine Immobilie von ihren Eltern übernehmen. Sobald sie offiziell neue Eigentümer sind, läuft die Uhr.

Bußgelder drohen bei Nichterfüllung der Nachrüstpflichten

Verstöße gegen die Nachrüstpflichten der EnEV werden keinesfalls als Bagatelle betrachtet, sondern mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet.

Schon deshalb und weil eine energetische Sanierung auch laufende Kosten spart, sollten sich Käufer von Altbauten um die energetische Sanierung ihrer Immobilie kümmern. Bei der Finanzierung helfen die Steuererleichterungen, die mit dem Klimapaket 2030 verabschiedet wurden.

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