Mehrgenerationenhaus: das "Musterhaus Estenfeld" von Okal-Haus
© Okal Haus

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Mehrgenerationen­haus bauen als Fertighaus: Beispiele & Kosten

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Die ganze Familie unter einem Dach, das bietet das Wohnen in einem Mehrgenerationenhaus. Was solltet ihr dabei beachten? Welche Vorteile und Nachteile gibt es? Das sowie zehn beispielhafte Modelle von Mehrgenerationenhäusern zeigen wir euch in diesem Artikel.

Ihr wollt für euch und eure Familie ein Mehrgenerationenhaus bauen? Wir zeigen euch hier die Vorteile und Nachteile. Und wir listen zehn Fertighaus-Modelle auf, die sich super als Mehrgenerationenhaus eignen.

Wohnform Mehrgenerationenhaus

Rund 17,3 Millionen Menschen, also etwa jede fünfte Person, lebten 2018 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Deutschland in einem Einpersonenhaushalt. Dagegen machten Vierpersonenhaushalte nur neun Prozent aus. Und nur in drei Prozent der Haushalte lebten fünf oder mehr Personen. Sind da Fertighäuser, die mehrere Generationen unter einem Dach vereinen, überhaupt gefragt?

Definitiv ja, wenn ihr euch die vielfältigen Angebote und unterschiedlichen Bauweisen der Fertighaushersteller anguckt. Dabei liegt ihre Stärke in den ganz verschiedenen Ansätzen. Denn manche integrieren eine Einliegerwohnung in ihr Hauskonzept. Andere planen für die einzelnen Familienmitglieder mit komplett getrennten Stockwerken. Wieder andere bieten eine frei zu gestaltende Ausbaureserve an.

Das eine Mehrgenerationenhaus gibt es genauso wenig wie die eine Familie. Und das ist auch gut so. Ob die Großeltern einziehen oder das studierende Kind mehr Platz für sich braucht. Ob die Einliegerwohnung vermietet oder als großzügiger Gästebereich genutzt wird – im Idealfall lässt sich ein gut geplantes Mehrgenerationenhaus an verschiedene Lebens- und Wohnphasen anpassen. Allerdings ist dafür eine sorgfältige, auf dieses Ziel ausgerichtete Bauplanung wichtig. Hier unterstützen euch die Bauplanungs-Experten von Wohnglück.

Galerie: 10 Angebote von Mehrgenerationenhäusern aus unserer Fertighaus-Datenbank

Wer ein Mehrgenerationenhaus bauen möchtet, der findet dafür viele Beispiele bei den Fertighaus-Herstellern. Zehn ausgewählte Angebote findet ihr zur Inspiration in unserer Galerie. Mehr Infos zu den einzelnen Häusern plus direkte Kontaktmöglichkeiten zum jeweiligen Anbieter gibt es am Ende dieses Artikels.

Hier könnt ihr euch alle Angebote von Mehrgenerationen-Häusern in der Wohnglück-Fertighaus-Datenbank ansehen.

Barrierefreiheit im Mehrgenerationenhaus

Ein wichtiger Punkt bei der Planung eines Mehrgenerationenhaus ist die Barrierefreiheit. Erstens ziehen in der Regel ältere Semester mit ein. Zweitens kommen auch die nachfolgenden Generationen irgendwann in ein Alter, in dem sie für den vorausschauenden Entwurf dankbar sind.

Die meisten von uns verbinden ein Mehrgenerationenhaus zwar mit mehreren Stockwerken. Das muss aber gar nicht sein. Am simpelsten ist die Umsetzung durch den Bau eines ebenerdigen Bungalows. Gerade im Fertighausbereich gibt es viele Anbieter, die sich auf Bungalows spezialisiert haben. Durch die eingeschossige Bauweise fallen Treppen von vornherein weg. Wir haben hier für euch 10 moderne Bungalows unter 250.000 Euro aufgelistet.

Aber barrierefrei (oder zumindest barrierearm) lässt es sich auch in die Höhe bauen. Das solltet ihr bei eurer Planung mit einbeziehen:

Als fachliche Empfehlungen für das barrierefreie Bauen gelten dabei die DIN 18 024-1/-2 sowie die DIN 18 025-17-2. Was euch bewusst sein muss: Diese Normen sind in den einzelnen Ländern teils rechtsverbindlich, teils nur Empfehlungen. Und es kommt vor, dass diese Normen anderen Bauvorschriften widersprechen. Daher empfiehlt es sich, bei der Bauplanung auf so etwas genau zu achten. Ihr sucht einen Profi, der euch dabei hilft? Dann nehmt doch unverbindlich Kontakt auf zu den Bauplanungs-Experten vom Wohnglück-Service.

Grundriss des Mehrgenerationenhauses "Solution 230 V4" der Firma Living Fertighaus
Grundriss des Mehrgenerationenhauses "Solution 230 V4" der Firma Living Fertighaus. Typisch: die getrennten Wohnbereiche bei gemeinsamer Haustechnik. © Living Fertighaus

Mehrgenerationenhaus: der ideale Grundriss

Den einen perfekten Grundriss für alle, die ein Mehrgenerationenhaus planen, gibt es schlichtweg nicht, denn er muss individuell auf die Bedürfnisse der Bewohner und Bewohnerinnen angepasst sein. Allerdings gibt es ein paar grundsätzliche Details bei der Grundrissplanung eines Mehrgenerationenhauses, auf die ihr achten könnt:

  • Flexibel: Grundsätzlich sind Grundrisse heutzutage sehr flexibel, auch bei Mehrgenerationenhäusern. Wenn ihr nicht gerade absolute Spezialwünsche habt, dürften die meisten Anbieter mit der Umsetzung eurer persönlichen Pläne kein Problem haben.
  • Separate Eingänge: Ob zwei Wohnungen auf einer Ebene oder über Stockwerke verteilt, separate Eingänge wahren die nötige Privatsphäre.
  • Getrennte Terrassen plus Dachterrasse: Nach Möglichkeit sollte der Grundriss so gestaltet sein, dass jede Partei auch einen eigenen "Erholungsbereich" hat. So kann es im Erdgeschoss eine Terrasse geben, der erste Stock verfügt dann über einen Balkon oder eine Dachterrasse.
  • Gemeinschaftsräume: Ihr wollt das Motto "Unter einem Dach" auch leben? Dann plant doch mit einer großen Wohnküche für gemeinsame Kocherlebnisse, einem Freizeit- und Spieleraum oder einer anderen räumlichen Möglichkeit, das Miteinander zu pflegen.
  • Einheitliche Technik: Die gesamte Haustechnik sollte zentral gebündelt sein, auch räumlich. Umso wichtiger, sich rechtzeitig über technische Fragen wie die Heiztechnik oder Dinge wie Solarthermie zu einigen.

Mehrgenerationenhaus bauen: Die Vorteile

Gemeinsam unter einem Dach zu leben, kann viele Vorteile haben – sowohl finanzieller als auch emotionaler Art:

  1. Gegenseitige Unterstützung: Opa macht mit den Enkeln Hausaufgaben, während Papa und Mama arbeiten sind. Umgekehrt kaufen die Eltern für die Senioren regelmäßig mit ein. Gerade im Alltag ist die gegenseitige familiäre Hilfestellung viel wert.
  2. Geteilte Kosten: Vom Grundstück über die Bau- bis hin zu den Verbrauchskosten: Ein Mehrgenerationenhaus ist günstiger als zwei Häuser oder ein Haus und eine Wohnung zusammen. Unter dem Strich sind auch viele Gebrauchsgüter wie Waschmaschine, Trockner oder Gefriertruhe billiger, weil ihr sie nur einmal anschaffen müsst.
  3. Getrennt und doch zusammen: Bei einer guten Planung mit in sich abgeschlossenen Wohnbereichen bekommt jeder die nötige Privatsphäre.

Mehrgenerationenhaus bauen: Die Nachteile

Das gemeinschaftliche Leben in einem Mehrgenerationenhaus bringt aber auch Nachteile mit sich:

  1. Plötzlich zu viel Platz: Die Eltern gehen doch ins Seniorenheim. Oder das Kind hat zu Ende studiert und zieht aus. Was tun mit dem gewonnenen Raum? Wer nicht vermieten möchte, hat vielleicht plötzlich eine große Menge an ungenutztem Platz, der trotzdem Unterhalt kostet.
  2. Verschiedene Ansichten: Die Küche müsste mal wieder gestrichen werden. Ein Carport wäre auch schön. Und wie steht es mit einer neuen Heizung? Hausbesitzer müssen viele Entscheidungen treffen. Da ist Einigkeit gefragt. Das ist sicher nicht immer einfach.
  3. Wer zahlt was? Jeder Hausbesitzer kennt das: Wer sein Heim in Schuss halten will, muss regelmäßig investieren. Das heißt: Gibt es keine eindeutigen Vereinbarungen, kann es schnell zum Streit kommen, wer welche Summen zu tragen hat.

Gibt es für Mehrgenerationenhäuser auch Fördermittel?

Ein spezielles Förderprogramm für Mehrgenerationenhäuser gibt es nicht. Die Förderung für den Neubau eines Mehrgenerationenhauses fällt – wie andere Haustypen auch – unter die neue Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Beim Umbau empfehlen wir euch zu prüfen, ob ihr Fördermittel aus dem Programm "Altersgerecht umbauen" beantragen könnt.

Seit dem 1. Januar 2021 gibt es auch das "Bundesprogramm Mehrgenerationenhaus". Hier geht es aber eher darum, im Rahmen von insgesamt rund 530 Projekten in ganz Deutschland die interkulturelle Begegnung und das nachbarschaftliche Miteinander zu fördern.

Fertighausmodell Sarnthein von Rubner Haus.
Das Fertighausmodell Sarnthein von Rubner Haus ist der Sieger in der Kategorie "Mehrgenerationenhäuser" beim Deutschen Traumhauspreis 2021. © A.FRANCESCHI-BZ/Rubner Haus

Mehrgenerationenhaus als Fertighaus bauen: 10 Beispiele unter 350.000 Euro

Ob Doppelhaus, Einliegerwohnung mit eigenem Eingang, komplett eigenes Stockwerk oder Ausbaureserve für alle Fälle – die Fertighausanbieter haben zahlreiche Formen für das generationenübergreifende Wohnen im Programm.

Auch in unserer Fertighaus-Datenbank findet ihr zahlreiche Angebote von Mehrgenerationenhäusern beziehungsweise Mehrfamilienhäusern. Wir haben zehn davon stellvertretend herausgesucht und stellen sie euch hier aufsteigend nach Preis geordnet vor:

1. Innovationshaus 240 von Ytong Bausatzhaus

Das Innovationshaus 240 von Ytong Bausatzhaus ist ein modernes Haus im Bauhausstil. Abgesehen davon ist es mit seiner Einliegerwohnung als Mehrgenerationenhaus und gleichzeitig als KfW Effizienzhaus 55 geplant.

2. Domizil 192 von Town & Country Haus

Town & Country Haus bietet mit dem Modell Domizil 192 Platz für zwei Familien auf zwei Etagen. Auf Wunsch ist dieses Haus auch mit Keller sowie als Energiesparhaus erhältlich.

3. Kundenhaus – frei geplant von FingerHaus

Dieses frei geplante Kundenhaus von FingerHaus erstreckt sich über insgesamt drei Etagen – die große Wohneinheit mit 140 Quadratmetern besteht aus dem Dach- und Erdgeschoss; die barrierefreie Einliegerwohnung (62 Quadratmeter) ist im Kellergeschoss angesiedelt.

4. Musterhaus Estenfeld von Okal

Das Musterhaus Estenfeld von Okal ist ein klassisches Satteldachhaus, das zur eigentlichen Wohnfläche noch von einem Anbau mit Küche, Balkon, Wohn- u. Essbereich sowie separatem Eingang ergänzt wird.

5. Schwedenstil von Max-Haus

Das Modell Schwedenstil von Max-Haus hat eine Gesamtwohnfläche von rund 200 Quadratmetern. Dabei dienen 95 Quadratmeter im Obergeschoss als frei verfügbare Ausbaureserve.

6. Solution 230 V4 von Living Fertighaus

Das Solution 230 V4 von Living Fertighaus kombiniert gemeinsames Wohnen unter einem Dach mit zeitgemäßer architektonischer Gestaltung. Dafür wurde es mit dem Deutschen Traumhauspreis 2017 in der Kategorie "Mehrgenerationenhäuser" ausgezeichnet.

7. Junto 184 von Fingerhut Haus

Bei seinem Modell Junto 184 verteilt die Firma Fingerhut Haus zwei Wohnungen auf zwei Etagen und einer Gesamtfläche von 179 Quadratmetern. Die Wohnung im Dachgeschoss verfügt dabei über einen zusätzlichen Raum.

8. Solution 242 V3 von Living Fertighaus

Alles im Doppelpack: Das Solution 242 V3 von Living Fertighaus ist ein Zweifamilienhaus mit Zwerchgiebel und Panorama-Erker. Beide Haushälften bieten dabei das Zuhause für jeweils eine vierköpfige Familie.

9. Junto 168 von Fingerhut Haus

Unter dem Pultdachhaus Junto 168 von Fingerhut Haus birgt sich eine Wohnung mit Platz für einen Zwei-Personenhaushalt auf zwei Etagen. Unter dem Flachdachhaus ist ebenso Platz für ein Paar, wobei diese Wohnung ohne Treppen auch seniorengerecht gestaltet wurde.

10. Generationenhaus mit Schleppdacherker und Einliegerwohnung von Okal Haus

Das Generationenhaus mit Schleppdacherker von Okal Hause sieht von außen wie ein großes Einfamilienhaus aus. Im Inneren entpuppt es sich als eine architektonisch ausgeklügelte Hauptwohnung mit komplett abgetrennter Erdgeschoss-Einliegerwohnung.

Ihr sucht noch mehr Beispiele für Mehrgenerationenhäuser? Hier könnt ihr euch alle Angebote von Mehrgenerationen-Häusern in der Wohnglück-Fertighaus-Datenbank ansehen. Das absolute Topmodell ist dabei ein schlüsselfertiges Mehrfamilienhaus mit knapp 500 Quadratmetern Wohnfläche, vier Wohnungen im Erd- und Obergeschoss sowie ein Staffelgeschoss mit einer Wohnung mit Dachterrasse.

Checkliste: 5 Fragen, die ihr vor dem Bau eines Mehrgenerationenhauses klären solltet

Ein Mehrgenerationenhaus ist eines besondere Form des Zusammenlebens. Und wenn sich unterschiedliche Menschen einem gemeinsamen Projekt widmen, dann sollten diverse Fragen schon im Vorfeld geklärt sein. Das gilt ganz besonders für den Bau und das anschließende Wohnen im Mehrgenerationenhaus. Stellt euch also folgende Fragen und geht diese Punkt für Punkt durch:

  1. Wer trägt welche Kosten? Mal ganz abgesehen von den Kosten für den Bau oder Kauf eines Mehrgenerationenhauses: Bedenkt auch solche Posten wie zum Beispiel die Grunderwerbsteuer, den Notar und weitere Kaufnebenkosten. Gern vergessen werden auch die Hausnebenkosten, um das Haus einfach nur zu unterhalten beziehungsweise in Schuss zu halten. Wer zahlt das, beziehungsweise in welchem Verhältnis sollen sich die Beteiligten diese Kosten teilen?
  2. Wem gehört das Mehrgenerationenhaus? Die Kosten zu teilen ist eine Sache. Aber wer steht nachher im Grundbuch, wem gehört das Grundstück? Wie steht es mit Wohnrechten, was passiert bei Streitigkeiten? Klärt die Eigentumsverhältnisse deutlich und transparent und sichert euch im Vorfeld rechtlich gegen alle Eventualitäten ab.
  3. Wie ist die Aufteilung? Wer hat wieviel Platz, welche Räume sind privat, welche für die Gemeinschaft geplant? Ist die Aufteilung gerecht, das heißt, fühlt sich jeder damit wohl?
  4. Wie ist das Zusammenleben geregelt? Wer kümmert sich um die alltäglichen Dinge wie Putzen, Aufräumen oder den Müll? Gibt es eine klare Verteilung dieser Aufgaben? Wer ist für die Gemeinschaftsräume verantwortlich
  5. Was passiert im Notfall? Ein älteres Mitglied wird pflegebedürftig und die Pflege kostet viel Geld. Am Haus gibt es einen größeren Schaden. Gibt es dafür einen finanziellen Puffer? Oder muss ein Mitbewohner eventuell ausbezahlt werden.

Wir empfehlen, euch mit einem Fachanwalt für Immobilienrecht zusammenzusetzen. So könnt ihr allen Eventualitäten vorbeugen und verhindern, dass im schlimmsten Fall das Haus verkauft werden muss, um zum Beispiel die Pflegekosten zu decken.

Mehrgenerationenhaus bauen: Unser Fazit

Auch wenn die Statistik etwas anderes sagt: Mehrere Generationen, die unter einem Dach leben, sind immer noch eine Zielgruppe. Demzufolge ist das Angebot an Mehrgenerationenhäusern groß. Wichtig ist nur, dass ihr euch bei der Planung vorab genug Gedanken über das gemeinsame Leben macht. Gibt es genug Rückzugsbereiche? Dagegen steht vielleicht der Wunsch nach Gemeinschaftsräumen.

Sprecht die Wünsche (und auch Ängste) von allen Familienmitgliedern an. Schließlich wollt ihr die nächsten Jahrzehnte nicht nur miteinander leben, sondern auch miteinander auskommen.

Mehrgenerationenhäuser eignen sich aus unserer Sicht besonders für folgende Zielgruppen:

  • Große Familien, die sich Kosten und Aufgaben bewusst teilen wollen.
  • Familien mit Kindern, die auch längerfristig (zum Beispiel beim Studium) einen gemeinsamen Lebensmittelpunkt haben.
  • Bauherren, die sich mit einer Einliegerwohnung diverse Optionen (als eigenes Büro oder separat vermietete Wohnung) offen halten möchten.

Falls ihr noch ein Top-Beispiel für ein Mehrgenerationenhaus sucht, dann schaut euch auch gern den Sieger bei der Deutschen Traumhauswahl in der Kategorie "Mehrgenerationenhäuser" an.

Unser abschließender Tipp: Ihr habt noch nicht das richtige Haus unter unseren Beispielmodellen für euch gefunden? Dann stöbert doch einmal durch unsere umfangreichen Datenbank:

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