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Einnahmen aus Grunderwerbsteuer erreichen Rekordhöhe

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Katharina Schneider


Mit der Grunderwerbsteuer haben die Länder im vergangenen Jahr fast 16 Milliarden Euro eingenommen. Wirtschaftsverbände kritisieren die Höhe der Steuer. Sie trage zum Mangel an Wohnraum bei.

  1. Höchster Satz der Grunderwerbsteuer bei 6,5 Prozent
  2. Ifo-Institut: Verkäufer sind Leidtragende der hohen Steuer
  3. Niedrigere Steuer kann zu mehr Wohneigentum führen

Die deutschen Bundesländer haben im vergangenen Jahr 15,8 Milliarden Euro mit der Grunderwerbsteuer eingenommen. Das ist ein neuer Rekord. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Einnahmen aus der Grunderwerbsteuer laut Bundesfinanzministerium damit um zwölf Prozent gestiegen.

Den höchsten Anstieg unter den Bundesländern verzeichnet Berlin mit einem Plus von 37 Prozent gegenüber 2018. Insgesamt haben sich die Einnahmen durch die Grunderwerbsteuer seit 2010 verdreifacht.

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Höchster Satz der Grunderwerbsteuer bei 6,5 Prozent

Die Grunderwerbsteuer fällt beim Kauf eines Grundstücks oder einer Immobilie an. Seit 2006 kann jedes Bundesland einen eigenen Satz bestimmen. Davor galt ein einheitlicher Prozentsatz von 3,5 Prozent. Der gilt nur noch in Sachsen und Bayern. Den höchsten Steuersatz gibt es mit 6,5 Prozent in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Insgesamt haben die Länder die Steuer seit 2006 27 Mal erhöht. Von 2019 auf 2020 erhöhte Mecklenburg-Vorpommern als einziges Bundesland den Steuersatz von fünf auf sechs Prozent.

Bundesland Grunderwerbsteuersatz 2020
Baden-Württemberg 5
Bayern 3,5
Berlin 6
Brandenburg 6,5
Bremen 5
Hamburg 4,5
Hessen 6
Mecklenburg-Vorpommern 6
Niedersachsen 5
Nordrhein-Westfalen 6,5
Rheinland-Pfalz 5
Saarland 6,5
Sachsen 3,5
Sachsen-Anhalt 5
Schleswig-Holstein 6,5
Thüringen 6,5
Grunderwerbsteuer in den einzelnen Bundesländern im Jahr 2020 in Prozent

Der Bundesverband freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) hat in einer Presseerklärung das neue Rekordhoch zum Anlass genommen, um die Wohnungspolitik zu kritisieren. "Während der Mangel an bezahlbarem Wohnraum immer größer wird, treiben die Länder die Wohnkosten weiter in die Höhe", sagte BFW-Präsident Andreas Ibel. Es sei "ein Skandal, dass sich die Länder im Wettlauf um die höchste Grunderwerbsteuer überbieten".

Ifo-Institut: Verkäufer sind Leidtragende der hohen Steuer

Vor dem Hintergrund, dass die Einnahmen in Berlin am meisten gestiegen sind, schoss Ibel auch gegen den kürzlich vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossenen Mietendeckel. Es sei absurd, dass der Berliner Senat die Mieten einseitig auf Kosten von Vermietern und Investoren begrenzen wolle. "Schließlich treibt der Senat höchstselbst die Mieten mit der Grunderwerbsteuer immer weiter nach oben."

Laut Ibel zahlten vor allem Mieter und Käufer wegen der hohen Grunderwerbsteuer drauf. Eine Studie des renommierten Ifo-Instituts aus dem August vergangenen Jahres besagt jedoch das Gegenteil: Demnach sind in erster Linie die Verkäufer von Eigenheimen die Leidtragenden der hohen Grunderwerbsteuer.

Die Grunderwerbsteuer führe nämlich nicht dazu, dass Immobilienpreise steigen, sondern sinken. "Da die Grunderwerbsteuer von den Käufern einer Immobilie zu zahlen ist, verringert sie deren Zahlungsbereitschaft", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest anlässlich der Analyse.

Niedrigere Steuer kann zu mehr Wohneigentum führen

Nicht nur der BFW kritisiert die hohe Grunderwerbsteuer. Im Januar hatte der Bund Katholischer Unternehmer (BKU) eine Senkung der Grunderwerbsteuer beim Kauf der ersten Wohnimmobilie auf ein Prozent gefordert. Der Grund: Immer weniger Menschen in Deutschland können sich Wohneigentum leisten. Das liegt auch an den hohen Erwerbsnebenkosten. Neben der Grunderwerbsteuer müssen Käufer auch Notarkosten von zwei Prozent und Maklergebühren zahlen.

Auch die Bundesbank hat in einer Studie aus dem Januar die hohen Erwerbsnebenkosten für die in Deutschland geringe Wohneigentumsquote von 45 Prozent mitverantwortlich gemacht. Eine Senkung der Grunderwerbsteuer würde, mit anderen Maßnahmen kombiniert, laut dieser Analyse zu einer Wohneigentumsquote von 58 Prozent führen.

Trotz der zahlreichen Kritik aus der Wirtschaft hat die Bundesregierung offenbar nicht vor einzugreifen. Die FDP fordert einen Freibetrag für die Grunderwerbsteuer. Dieser ist jedoch laut den Freidemokraten für die Bundesregierung kein Thema (Link führt zu bezahlpflichtigem Inhalt).

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