Giebelfertigung bei einem Fertighaus in Holzständerbauweise.
© SchwörerHaus/Jürgen Lippert

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Holzständerbauweise: Der schlauere Hausbau?

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Moderne Fertighäuser in Holzständerbauweise sind eine echte Alternative zum klassischen Massivbau. Die größten Pluspunkte: Nachhaltige Baumaterialien und schnelle Bauzeit.

Holzständerbau, Holzrahmenbau, Holztafelbau? Was jetzt? Beim Bau eines modernen Holzhauses geraten die Begriffe schnell durcheinander. Wir klären für euch die Bezeichnungen, stellen Vor- und Nachteile gegenüber und zeigen euch, wie eine typische Holzhauswand in Holzständerbauweise aufgebaut ist. Denn die ist ein wichtiger Garant für ein langes Holzhausleben.

Was bedeutet Holzständerbau?

Die Holzständerbauweise ist eine der ursprünglichsten Konstruktionsformen beim Hausbau. Dabei tragen eine Reihe massiver, senkrechter Holzstützen die Hauptlast des Gebäudes. Diese Bauweise wird heute nur noch für größere Hallen (zum Beispiel in der Landwirtschaft) genutzt.

Ist beim Einfamilienhausbau von Holzständerbauweise die Rede, benutzen die meisten diesen Begriff meistens synonym zu modernen Weiterentwicklungen der traditionellen Holzständerbauweise. Dazu gehören vor allem der Holzrahmenbau und der Holztafelbau. Bei diesen Varianten sind die Wände ausschlaggebend für die Statik.

Übrigens: Auch wenn ihr keine Fans von Holzhäusern seid, könnt ihr euch für ein Innenleben aus Holz entscheiden. Denn die äußere Verkleidung könnt ihr frei wählen. Ein Holzständerhaus kann am Ende von außen auch verputzt werden, wie dieses Fertighaus in Holzständerbauweise. Auch eine Klinkerfassade ist möglich, wie dieses Fertighaus zeigt.

Welche Varianten der Holzständerbauweise sind verbreitet?

Die meisten Holzfertighäuser werden im Holzrahmenbau oder Holztafelbau gefertigt. Der Holzskelettbau ist der ursprünglichen Holzständerbauweise noch am ähnlichsten, wird aber vergleichsweise selten angewendet.

Holzrahmenbau

Beim Holzrahmenbau werden Wand- und Geschossdeckenelemente im Holzbaubetrieb vorgefertigt und auf der Baustelle Geschoss für Geschoss zusammengesetzt. Die Rahmen bestehen aus stabilem Vollholz und orientieren sich häufig an einem Standardraster von 62,5 Zentimetern. Sie bilden das Gerüst für den weiteren Wandaufbau. Dazu gehört eine Dämmung, eine Installationsebene mit Kanälen für Leitungen sowie eine innere und äußere Wandverkleidung aus unterschiedlichen Materialien.

Holztafelbau

Beim Holztafelbau passiert noch mehr im fertigenden Betrieb, bevor die Elemente auf die Baustelle transportiert werden. Die Holzrahmen werden zu Holztafeln, indem sie schon zu kompletten Wänden ausgebaut werden. Sie erhalten ab Werk eine Schall- und Wärmedämmung, Kanäle für die Wasser- und Stromversorgung und häufig bereits eine Innenwandverkleidung und einen Außenputz.

Auch Fenster- und Türelemente können bereits integriert sein. Werden die großformatigen Wand-, Dach- und Deckenelemente dann vor Ort zusammengefügt, dauert der eigentliche Hausbau oft nur wenige Tage.

Holzskelettbau

Beim Holzskelettbau sorgt ein Gerüst aus dicken, horizontalen und vertikalen Balken für die Stabilität des Hauses. Die Wände selbst tragen keine Last und werden erst später montiert. Damit kommt die Holzskelettbauweise der traditionellen Holzständerbauweise am nächsten.

Die Vorteile der Konstruktion sind ein flexibler Grundriss und viele Möglichkeiten in der Fassadengestaltung. Daher greifen Bauherren, die sich ein Haus mit großflächigen Glasfronten wünschen, gerne auf diese Variante zurück. Insgesamt gesehen macht der Holzskelettbau aber nur einen geringen Prozentsatz der Neubauten aus.

Wenn ihr noch mehr zu den Unterschieden wissen wollt, dann lest dazu auch gern diesen Artikel: Holzbauweise: Alles über Holzbau bei Häusern

Vorfertigung der Dämmung bei einem Fertighaus.
Ein hoher Vorfertigungsgrad (hier: die Dämmung) ist einer der Vorteile der Holzständerbauweise. © chwörerHaus/Jürgen Lippert

Wie sieht der Wandaufbau aus beim Holzständerbau?

Das Gerüst der Wand besteht aus Kanthölzern (zum Beispiel 14 Zentimeter dick). Sie geben der Wand – und damit dem Haus – seine Stabilität. Im Inneren eines Rahmens befinden sich diverse Quer- und Längshölzer, die die Fläche unterteilen und Aussparungen für Fenster und Türen definieren. Das Ständerwerk wird seitlich mit OSB- beziehungsweise Putzträgerplatten (außen) verschalt. Sie versteifen den Rahmen und bilden einen Hohlraum, der die Dämmung aufnehmen kann. Diese kann sowohl aus Dämmplatten als auch aus einem Material bestehen, das in die entstandenen Kammern eingeblasen wird.

Wer ökologisch baut, achtet darauf, dass auch das Material für die Dämmung möglichst CO2-neutral hergestellt wurde (zum Beispiel Zellulose, Holzfasern oder Hanf mit unbedenklichen Imprägnierungen. Hier findet ihr noch mehr zum Thema ökologische Dämmung). Die nach innen gerichteten OSB-Platten sollten als Schutz gegen Schimmel mit einer Dampfsperre versehen sein. So dringt keine Feuchtigkeit aus dem Haus in die Dämmung.

Zum späteren Wohnraum hin wird mit schmalen Holzlatten eine Installationsebene aufgebaut, die wiederum mit einer OSB-Platte abgedeckt wird. Diese ist empfehlenswert, damit man später schwere Möbel an die Wand hängen kann. Erst dann folgt eine Gips- oder Lehmbauplatte, die die Grundlage für eure Tapete, eine Wandfarbe oder Putz ist.

Nach außen kann ein Wärmeschutzverbundsystem angebracht werden, bevor eine Putzträgerplatte und der Putz folgt. Alternativ kann die vorbereitete Holzrahmenwand aber auch verklinkert werden. Insgesamt beträgt die Wandstärke der Außenwände – je nach Anbieter – zwischen 34 und 40 Zentimeter.

Der Wandaufbau (von innen nach außen) in der Übersicht:

  1. Gips- oder Lehmbauplatte
  2. Grobspanplatte (OBS), nur notwendig, wenn schwere Möbel gehängt werden sollen
  3. Installationsebene für Leitungen (Wasser, Heizung, Strom)
  4. OSB-Platte
  5. Holzständer, gefüllt mit Dämmmaterial
  6. Holzfaserdämmplatte
  7. Putzträgerplatte (aus Holzfaser oder Mineralwolle) oder DWD-Platte (dampfdiffusionsoffene und winddichte Wand- und Dachplatte) bei einer Holzverkleidung
  8. Putz, Klinkersteine oder eine Verkleidung aus Holz
Infografik Holzständerbauweise

Was kostet ein Haus in Holzständerbauweise?

Die Frage nach den Kosten lässt sich pauschal leider nicht beantworten. Zu unterschiedlich sind die diversen Fertighaustypen, die mittlerweile in Holzrahmen- oder Holztafelbauweise auf dem Markt sind. Gerade die Rahmenbauweise ist oft nicht unbedingt günstiger als ein Fertighaus in Massivbauweise.

Allerdings bietet ein Holzhaus dennoch Einsparpotential. Zum einen bekommt ihr durch den geringeren Querschnitt der Wände rund 10 Prozent Wohnfläche "geschenkt". Dadurch spart ihr de facto also Herstellungskosten pro Quadratmeter Grundfläche. Und zum anderen haben Holzfertighäuser eine sehr hohe Energieeffizienz. Langfristig spart ihr also Kosten für Heizenergie.

Ganz grob könnt ihr im Holzrahmenbau zwischen 1.200 Euro und 2.000 Euro pro Quadratmeter Herstellungskosten für den Rohbau rechnen. Mit eurer Eigenleistung lassen sich die Kosten weiter reduzieren. Dazu müsst ihr bei vielen Herstellern noch nicht einmal auf die Baustelle.

Auch bei der Vorfertigung der Module in der Produktionshalle könnt ihr Hand anlegen. Zum Beispiel beim Anstreichen der Fassadenbeplankung, wenn ihr euch auch optisch für ein Holzhaus entscheidet. Sprecht schon im Vorfeld mit dem Fertighaus-Hersteller, welche weiteren Eigenleistungen im konkreten Fall denkbar sind. Fünf bis zehn Prozent Ersparnis können durch eure Muskelhypothek drin sein.

Was sind die Vor- und Nachteile von Holzständerhäusern?

Ihr überlegt, euch ein Haus in Holzständerbauweise zu kaufen? Wir haben hier das Pro und Contra aufgelistet:

Vorteile der Bauweise

  • kurze Bauzeit, besonders beim Holztafelbau (keine Trocknungszeiten auf der Baustelle wie beim Massivhaus aus Stein)
  • wetterunabhängige Vorfertigung in der Halle
  • hohe Energieeffizienz durch gute Dämmung (durch größere Raster lässt sich der Holzanteil zugunsten der Dämmung noch weiter reduzieren)
  • mehr Wohnraum pro Quadratmeter Grundfläche durch dünne Wände
  • Bau mit natürlichen, nachhaltigen Baumaterialien (Holz ist ein nachwachsender Rohstoff und auch die Dämmung kann aus nachhaltigen Materialien bestehen)
  • klimaneutral: Bauholz verursacht in seiner Produktion weniger Co2 als es gebunden hat
  • angenehmes Raumklima und hohe Wohngesundheit durch diffusionsoffenen Aufbau der Wände (U-Werte von 0,2 W/(m2K))
  • warm im Winter (hohe Wärmedämm- und Speicherwirkung des Holzes) und kühl im Sommer (gute Dämmung verhindert das Aufheizen)
  • mögliche Kostenersparnis durch Eigenleistung (auch schon vor dem Aufbau auf der Baustelle)
  • Fassadengestaltung frei wählbar (Holz, Putz, Klinker)
  • Bau mit lokalen Unternehmen (Zimmereien, Holzbauunternehmen) möglich

Nachteile der Bauweise

  • geringere Flexibilität bei der Platzierung von Fenstern
  • stärkere Witterungsanfälligkeit
  • geringere Schallisolierung (diese kann man durch einen mehrschichtigen Aufbau von Decken und Wänden verbessern)
  • möglicherweise niedrigerer Wiederverkaufswert
  • geringere Lebensdauer (abhängig von der Qualität der Konstruktion und der Baustoffe, ein hochwertiges Holzhaus kann auch über hundert Jahre alt werden)

Ein wichtiges Argument gegen ein Holzhaus war in Europa lange Zeit die Brandgefahr. Anders als in den USA, wo freistehende Einfamilienhäuser überwiegend in dieser Bauweise errichtet werden, war die oft dichte Bebauung hierzulande immer ein Argument gegen Holz. Brannte ein Haus, entzündete sich auch bald das Nachbarhaus und so weiter.

Experten für die Konstruktion moderner Holzhäuser versichern aber, dass dieses Argument heute nicht mehr greift. Die modernen Baumaterialien für Holzfertighäuser erfüllen alle Anforderungen an Brandschutz und Feuerwiderstand nach DIN 4102.

Behandelt man das Bauholz mit Feuerschutzmitteln, gilt es sogar als "schwer entflammbar" und rückt von der Baustoffklasse B2 zu B1 auf. Lest dazu auch diesen Beitrag: Stimmt es, dass Holzhäuser leichter brennen?

Wie lange hält ein Holzständerhaus?

Ein Holzhaus in Rahmen- oder Tafelbauweise kann durchaus 100 Jahre alt werden. Seine Lebensdauer ist in erster Linie von der Qualität des Holzes abhängig. Es muss gut getrocknet und gegen Schädlinge und Schimmelbildung behandelt sein. Auch beim Aufbau ist es wichtig, dass Feuchtigkeit vermieden wird. Plant also die Baustellenphase am besten im Frühling oder Sommer.

Nicht ausreichend getrocknetes Holz führt übrigens nicht nur zu einem Schimmelproblem. Es schrumpft mit der Zeit. Klar, dass das Gift für die Statik eures Traumhauses ist. Sucht euch ein Bauunternehmen oder eine Zimmerei, der ihr in dieser Hinsicht absolut vertrauen könnt und lasst euch vorab Referenzobjekte zeigen und sprecht am besten mit den Besitzern.

Auch ein nach allen Regeln der Holzbaukunst errichtetes Einfamilienhaus kann bei einem Wiederverkauf einen Wertverlust erleiden. Der Preis am Markt bildet sich eben auch aufgrund der (Vor)-Urteile der potentiellen Käufer. Sie schreiben einem Holzhaus einfach eine gefühlt kürzere Haltbarkeit zu. Als Besitzer sollt man Käufern vielleicht einen Blick nach Esslingen oder Limburg an der Lahn empfehlen. Dort stehen heute noch Fachwerkhäuser, die im 13. Jahrhundert errichtet wurden.

Hier findet ihr alle Fertighäuser in Holzständerbauweise aus der Wohnglück Fertighaus-Datenbank

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