Mann steht vor einer großen Auswahl von Spanplatten
© Getty Images/iStockphoto

Bauen | Listicle

Spanplatten, Tischlerplatten, Sperrholzplatten: Das sind die Unterschiede bei Holzplatten

Dirc Kalweit

Level: Für Fortgeschrittene

Aus Spänen oder Furnier, in Schichten oder massiv, für Konstruktionen oder Möbel – Holzplatten (oder besser: Holzwerkstoffplatten) gibt es im Baustoff-Fachhandel für fast jeden Verwendungszweck in allen möglichen Ausführungen. Da schadet es nichts, ein wenig mehr über die Materie zu wissen.

Holzplatten gibt es in unzähligen Ausführungen und Qualitätsstufen. Ob eine Spanplatte, Sperrholzplatte oder MDF-Platte die richtige für eure Zwecke ist, kommt auf verschiedene Kriterien an.

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Grundsätzlich lassen sich die Holzwerkstoffplatten aber grob in drei Gruppen aufteilen. Anhand dieser Aufteilung erklären wir euch die grundsätzlichen Unterschiede und verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Sperrholzplatten, Spanplatten und Holzfaserplatten wie MDF.

Gruppe 1: Sperrholzplatten

Sperrholzplatten gehören zu den so genannten Lagenwerkstoffen. Sie bestehen nämlich aus min­destens drei Holzlagen mit einer Dicke von circa ein bis vier Millimetern. Dabei können die einzelnen Schichten des Sperrholzes aus Massivholztafeln, Furnieren (dünne Holzblätter), Stäben oder anderen Holzwerkstoffen bestehen.

Bei allen Sperrholzplatten sind die Lagen jeweils um 90 Grad gedreht, aufeinandergeklebt und gepresst. Je nach verwendeter Holzart (Nadelhölzer kommen eher im Baugewerbe zum Einsatz, Laubhölzer dagegen eher im Möbelbau), Oberflächenbehandlung und Zuschnitt gibt es die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es verschiedene Unterarten von Sperrholzplatten.

Furnierplatte

Eine Sperrholz-Unterart ist das Furniersperrholz, das viele auch als Furnierplatte kennen. Kurz gesagt ist hier immer eine ungerade Anzahl von Furnieren schichtweise über Kreuz verleimt.

Multiplexplatte

Multiplex-Platte
Multiplex-Platte: Wenn es um Robustheit und Formstabilität geht, ist sie die erste Wahl. Je nach Gesamtdicke ­können bei einer Multiplexplatte bis zu 35 Furnierlagen verklebt werden. © selbst ist der Mann

Sofern eine Furnierplatte mindestens fünf Lagen hat und mehr als zwölf Millimeter dick ist, wird sie als Multiplexplatte bezeichnet. Überdies werden bei diesen Platten oft verschiedene Holzarten miteinander kombiniert, was – unterstützt durch den Aufbau der Lagen und der Verleimung – unterschiedliche Qualitäten ermöglicht.

Tischlerplatte

Beispiel einer Tischlerplatte
Trotz des geringen Gewichts sind Tischlerplatten formstabil und biegesteif. Für den Kern der Tischlerplatte werden meist leichte Nadelhölzer verarbeitet. © selbst ist der Mann

Im Fall von Tischlerplatten ist das Innenleben entscheidend. Anstatt aus ganzen Furnierlagen besteht die Mittellage hier aus parallel ausgerichteten Vollholzstäben oder Furnierstreifen, die quer zu den Deckfurnieren ausgelegt sind. Dadurch entsteht eine Platte mit sehr hohen Festigkeitswerten, die gern im Möbel- und Ladenbau Verwendung findet. Ein anderer Name für die Tischlerplatte ist auch Stab- oder Stäbchensperrholz.

Brettsperrholz

Brettsperrholz ist der Überbegriff für Massivholztafeln, die aus mehreren Lagen bestehen, die über Kreuz flach aufeinander verleimt sind. Ebenfalls gängige Abkürzungen für Brettsperrholz sind BSP(-Holz), Brettsperrholzplatte, KLH (Kreuzlagenholz) oder auch CLT (cross laminated timber). Drüber hinaus wird in vielen Baumärkten Brettsperrholz auch als unter der Bezeichnung Dreischichtholz angeboten.

Übrigens: Sperrholz muss nicht ausschließlich aus Holz bestehen. Kommt eine Schicht eines anderen Material dazu – zum Beispiel Kunststoff zur Schalldämmung – spricht der Fachmann von zusammengesetztem Sperrholz.

Gruppe 2: Spanplatten

Spanplatte
Die Spanplatte wurde in den 1930er-Jahren vom Deutschen Max Himmelheber erfunden. Für die Oberfläche werden kleine, für den Kern möglichst große Holzteile verwendet. © selbst ist der Mann

Weil sie universell einsetzbar sind, zählen Spanplatten zu den häufigsten beim Bau verwendeten Holzplatten. Auch hier gibt es einige Unterschiede in Qualität und Ausführung. Grundsätzlich bestehen die Spanplatten aus unterschiedlich großen, beleimten Holzspänen, die in mehreren Schichten miteinander verpresst sind. Dabei sind die äußeren Schichten fast immer aus feinerem Spanmaterial.

Verwendung von Spanplatten

Welcher Spanplattentyp wo verbaut werden darf, regelt die DIN EN 312-1. Die Einteilung erfolgt dabei in folgenden Kategorien:

Allgemeine Verwendung (im statischen Sinne nicht tragend)

  • P1 für leichte Verkleidungen im Trockenbereich
  • P2 für Möbel- und Innenausbau im Trockenbereich
  • P3 im Feuchtbereich

All­ge­mein ver­wend­bar, auch für im sta­ti­schen Sinn tra­gen­de Bau­tei­le

  • P4 Trockenbereich
  • P5 Feuchtbereich

Hoch­be­last­bar für im sta­ti­schen Sinn tra­gen­de Bau­tei­le

  • P6 Trockenbereich
  • P7 Feuchtbereich

OSB-Platten

Beispiel einer OSB-Platte
OSB-Platten werden oft als Bauplatten beim Rohbau und im Innenausbau als Wand- oder Dachbeplankung eingesetzt, in den USA manchmal sogar beim kompletten Hausbau. © selbst ist der Mann

Während bei herkömmlichen Spanplatten die Lage der Späne egal ist, werden bei der Herstellung der so genannten Grobspan- oder OSB-Platten die Späne längs und quer gestreut und so in drei Schichten kreuzweise angeordnet. Außerdem sind die Späne bei OSB-Platten größer.

OSB steht für „Oriented Strand Board“, also eine Platte, bei der die Späne ausgerichtet sind. Bei der Herstellung von OSB-Platten verwendet man frisches Nadelholz. Überdies werden im Handel diese Platten in roher und geschliffener Ausführung in Stärken von 7,5 bis 60 Millimetern angeboten. Im Heimwerkerbereich sind zudem Platten mit einer Melaminbeschichtung als Dekorspanplatten und Fußboden-Verlegeplatten mit Nut und Feder weit verbreitet.

Verwendung von OSB-Platten

Bei der fachgerechten Verwendung von OSB-Platten gilt die DIN EN 300 mit folgender Einteilung:

  • OSB/1 Platten für den Innenausbau (einschließlich Möbel) zur Verwendung im Trockenbereich
  • OSB/2 Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Trockenbereich
  • OSB/3 Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich
  • OSB/4 Hochbelastbare Platten für tragende Zwecke zur Verwendung im Feuchtbereich

Gruppe 3: Faserplatten

Die dritte Kategorie der Holzplatten bilden die Faserplatten. Sie werden aus Holz, Sägenebenprodukten oder Resthölzern, aber auch aus anderen holzfaserhaltigen Pflanzen wie zum Beispiel Flachs oder Raps hergestellt.

Holzfaserdämmplatte

Beispiel einer Weichfaserplatte
Holzfaserplatten zählen zu den ältesten industriell hergestellten Naturdämmstoffen und wurden bereits – ähnlich wie die Spanplatte – in den 1930er-Jahren hergestellt. © selbst ist der Mann

Holzfaserdämmplatten (auch als Holzweichfaserplatten oder Weichholzfaserplatten bekannt) werden bereits seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hergestellt und oft zur Wärme- oder Schallisolation verbaut. In der Regel bestehen sie zu mindestens 85 Prozent aus Holzfasern, die wiederum aus Sägeresten und Hackschnitzeln gewonnen werden.

Mitteldichte Faserplatte

MDF-Platte
Mitteldichte Faserplatte: Hergestellt aus feinst zerfasertem, hauptsächlich rindenfreiem Nadelholz, schätzen viele die MDF-Platte wegen ihrer glatten (und damit gut behandelbaren) Oberfläche. © selbst ist der Mann

Die MDF-Platte wurde in den USA erfunden ist ist mittlerweile der größte Konkurrent der Spanplatte.

Bei der mitteldichten Faserplatte verpressen die Hersteller fein zerfasertes, hauptsächlich rindenfreies Nadelholz zu einem homogenen Werkstoff. Das Besondere an MDF-Platten sind die glatten und festen Kanten. Dadurch werden sie besonders gern im Möbel- und Innenausbau benutzt.

Holzplatten im Vergleich: Eigenschaften, Einsatzgebiete, Preise

Welches Holz wurde bei der Holzplatte verwendet? Wie viel Lagen gibt es? Wie ist die Platte verleimt oder auch imprägniert? Nach welchem Verfahren wurde die Holzplatte hergestellt? Muss die Platte auch Wind und Wetter aushalten oder kommt sie nur im Innenbereich zum Einsatz? Beschichtet oder nicht? Feuerhemmend? Das sind alles Fragen, die die Qualität der Holzplatte und damit auch den Preis beeinflussen.

Demzufolge gibt es unzählige Kombinationsmöglichkeiten und Qualitäten bei Holzwerkstoffplatten. Lasst euch also vor dem Kauf beraten und schildert möglichst genau, was ihr vorhabt. Dann kann euch der Fachmann beim Zuschnitt sagen, mit welcher Holzplatte ihr für euer Projekt am besten fahrt.

An dieser Stelle können wir euch nur einen ganz groben Überblick über die Materie geben. Gerade was die Preise angeht, gibt es große Differenzen, wir können hier nur Daumenwerte angeben.

  • Holzplatte
  • Eigenschaften
  • Verwendung
  • Preis
  • Furnierplatte
  • Quillt nicht und hat eine hohe Biegefestigkeit, sehr formbeständig.
  • Im Möbel- und Innenausbau, da hauptsächlich für Rückwände, Verkleidungen und Füllungen. Aber auch der Korpus von Möbelstücken und Arbeitsplatten wird aus Furniersperrholz gefertigt.
  • ab ca. 6 €/m²
  • Multiplexplatte
  • Extrem robust und formstabil. Je nach gewünschtem Einsatz der Multiplexplatte werden durch verschiedenen Holzarten und durch den Aufbau der Lagen und der Verleimung verschiedene Qualitätsstufen erzeugt.
  • Zum Beispiel im Bühnenbau, bei Innen- und Außenverkleidungen, die starken Witterungseinflüssen ausgesetzt sind, für Dach- und Betonschalungen, Treppenstufen u.v.m.
  • ab ca. 10 €/m²
  • Tischlerplatte
  • Das Stab- oder Stäbchensperrholz ist formstabil und biegesteif und hat ein sehr hohes Stehvermögen (damit ist die Fähigkeit gemeint, bei wechselnden Umweltbedingungen die Maße zu halten).
  • Möbelbau, Laden- und Innenausbau, Wandverkleidungen.
  • ab ca. 17 €/m²
  • OSB-Platte
  • Auch OSB-Platten bieten eine hohe Festigkeit und sind (ab OSB/3) hervorragend für das Be- und Verarbeiten im konstruktiven Bereich geeignet.
  • Fußbodenaufbau, Wandverkleidungen, Wandbeplankungen
  • ab ca. 5 €/m²
  • Holzfaser-Dämmplatte
  • Ökologisches Dämmmaterial, das aus Nadelholz-Abfällen gewonnen wird.
  • Wird gern als Dämmmaterial in der Zwischensparren- oder Aufdachdämmung eingesetzt oder zur Wand- oder Trittschalldämmung im Trockenbau.
  • ab ca. 7 €/m²
  • Mitteldichte Faserplatte (MDF)
  • MDF-Platten lassen sich gut bearbeiten: Lackieren, beschichten, ummanteln – alles kein Problem.
  • Innenausbau, Laden- und Messebau
  • ab ca. 13 €/m²

Überblick: Holzwerkstoffplatten im Vergleich

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