Holzhaus im Rohbau.
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Bauen | Expertentipp

Stimmt es, dass Holzhäuser leichter brennen?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Ein Holzhaus brennt viel leichter und schneller als eines aus Stein. Stimmt das wirklich? Oder lässt sich diese Annahme sogar widerlegen? Wir klären euch darüber auf, wie es um das Brandverhalten von Holzhäusern steht.

So ein Holzhaus brennt doch viel leichter als eines aus Stein! Ein Vorurteil, mit dem Holzhausbesitzer immer wieder konfrontiert werden. Aber entspricht das auch den Tatsachen?

Fakt ist: Holzhäuser brennen keineswegs leichter als Häuser in anderen Bauweisen. Im Gegenteil: Das so genannte Brandverhalten von Holz ist außerordentlich positiv. Im Folgenden erklären wir euch, woran das liegt und woher der Mythos vom leicht brennenden Holzhaus eigentlich kommt.

Brandschutz ist für alle gleich

Grundsätzlich gilt: Holzhäuser müssen dieselben Brandschutzanforderungen erfüllen wie zum Beispiel Häuser, die Stein auf Stein gebaut sind. Die geltenden Brandschutzbestimmungen sind für alle gleich. Auch wichtig zu wissen: Durch die vermehrte Verwendung von Holz beim Hausbau erhöht sich nicht automatisch das Brandrisiko.

Denn das hängt nicht vom Konstruktionsmaterial eines Hauses ab, sondern von anderen Faktoren. Ob und wie stark es brennt, das liegt unter anderem an der Innenausstattung, am Verhalten der Bewohner und am Zustand der Elektroinstallationen.

Darum brennen Holzhäuser nur sehr schwer

Trotzdem: Wenn es dann mal brennt, warum brennt ein Holzhaus dann nicht viel leichter und schneller als eines aus Stein? Mit dieser Frage hat sich auch der "Ausschuss Feuerwehrangelegenheiten, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung" der Arbeitsgemeinschaft der Innenministerien der Bundesländer beschäftigt.

In seinem ausführlichen Bericht heißt es: "Das Holz verkohlt bei Brandeinwirkung an der Oberfläche. Die Wärmeleitfähigkeit von Holzkohle ist geringer als die von Holz. Die Holzkohleschicht bildet eine Schutzschicht, die den weiteren Abbrand des Holzes stark verzögert."

Also: Die Hitze der Flammen verkohlt das Holz von außen. Das schützt den Kern. Und so bleibt eben dieser Kern im Inneren trotz Brandeinwirkung lange intakt – besonders wichtig bei Stützen und Trägern aus Holz. Übrigens: Das Verfahren, Holz zu verkohlen und so zu schützen, wird auch bei Fassaden angewandt. Yakisugi nennt sich die japanische Methode der Holzveredelung.

Wichtig ist aber, das Brandverhalten beim Bau und der Konzeption des Holzhauses zu berücksichtigen. Tragende Elemente sollten zum Beispiel dicker produziert und verbaut sein, um den Feuerwiderstand und die Stabilität des Hauses zu erhöhen. Mehr Infos dazu findet ihr in unserem Artikel "5 Gründe für ein Haus aus Holz".

Woher das schlechte Brand-Image der Holzhäuser kommt

Holzhäuser brennen also definitiv nicht leichter oder schneller. Woher kommt aber dann der Mythos – und das damit verbundene Image?

Das hat historische Gründe. Zum einen gab es immer wieder große Brandkatastrophen in Städten. Das lag ursächlich aber nicht an den Holzhäusern, sondern an einer viel zu dichten Bebauung. Weil die Holzhäuser dicht an dicht standen, konnte das Feuer problemlos überspringen und sich so ausbreiten.

Darüber hinaus gibt es auch regionale Unterschiede. Während sich in West- und Mitteleuropa Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts (auch aus Kostengründen) vor allem Ziegel gegenüber Holz als Baumaterial durchsetzten, gehören Holzhäuser auch heute noch in Skandinavien zum gewohnten Stadtbild.

Holz vs. Stein: Der Feuertest

Grau ist alle Theorie. Das lettische Unternehmen Pavasars, Anbieter von modular aufgebauten Holzhäusern und Anbieter von Holzfenstern und -türen, wollte es genau wissen. Die Letten haben ein kleines, herkömmlich gebautes Musterhaus und eines aus Holz nebeneinander gestellt – und angezündet.

Klar, das Interesse von Pavasars liegt im Verkauf von Holzhäusern, die Tester sind also nicht neutral. Interessant anzuschauen ist das Video (auf lettisch mit englischen Untertiteln) aber allemal.

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Unser abschließender Tipp: Seid ihr am Bau eines Holzhauses interessiert? Dann schaut euch gern auch diesen Artikel an:

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