Älterer Mann mit Frau an der Seite unterschreibt ein Schriftstück.
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Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, meine Immobilie zu verkaufen?

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Der richtige Zeitpunkt, um seine Immobilie zu verkaufen, hängt von vielen Faktoren ab. Welche das sind und wie ihr den besten Verkaufszeitpunkt erkennt, das lest ihr hier.

Wer sein Haus oder seine Wohnung verkaufen möchte, der fragt sich bestimmt: Wann ist eigentlich der beste Zeitpunkt, um eine Immobilie zu verkaufen? Wir zeigen euch die Faktoren, die die Frage nach dem besten Verkaufszeitpunkt beeinflussen.

Immobilie verkaufen: Konjunkturelle Faktoren

Wer die regelmäßigen Updates zu den Immobilienpreisen in Deutschland auf Wohnglück verfolgt, der weiß: Seit Jahren geht es mit den Preisen nur bergauf. Wer nicht muss, der verkauft auch nicht. Denn erstens könnten die Preise ja noch steigen. Und zweitens stellt sich dann die Frage: Wie nach einem Verkauf das erlöste Geld anderweitig vernünftig anlegen?

Also nicht verkaufen? Ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn den hohen Preisen stehen niedrige Bauzinsen gegenüber. Das macht das Baugeld attraktiv und führt dazu, dass sich zunehmend mehr Menschen Gedanken über eine Baufinanzierung machen. Denn durch die niedrigen Zinsen lässt sich gegebenenfalls mehr Geld aufnehmen. Und vor allem durch eine höhere Tilgung schneller zurückzahlen (lest hier mehr zum Zusammenspiel von Zinsen und Tilgung).

Nun scheint aber die Zeit der Tiefzinsen vorbei. Jedenfalls steigen die Bauzinsen langsam wieder an. Zwar erwarten Experten kein Zinsniveau wie in den 1990er-Jahren, als der durchschnittliche Bauzins bei sage und schreibe neun Prozent lag. Mittelfristig werden sich Baudarlehen aber verteuern, was den Kreis der potentiellen Käufer verkleinert. Jetzt also, kurz vor der Zins-Trendwende, über den Verkauf der Immobilie nachzudenken, kann sich durchaus lohnen.

Immobilie verkaufen: Saisonale Faktoren

Wann die Immobilie verkaufen, das ist für einige auch eine Frage der Jahreszeit. Denn angeblich lassen sich zu ganz bestimmten saisonalen Abschnitten des Jahres ein Haus oder eine Wohnung besser verkaufen. Konkret mit Zahlen lässt sich das allerdings nicht belegen.

Im Frühling können die Verkaufschancen steigen, weil sich die Immobilie durch den grünen und blühenden Garten drumherum besser darstellt. Auch sind Besichtigungstermine eher in den Abendstunden üblich. Wenn es dann noch hell ist, können sich Interessenten ein besseres Bild machen.

Der Sommer bietet sich als guter Verkaufszeitpunkt an, weil dann gerade Käufer mit Kindern ihren Umzug und einen eventuellen Schulwechsel über die Sommerferien besser planen können. Scheiden damit Herbst und Winter als geeignete Jahreszeiten für den Immobilienverkauf aus?

Gefühlt ja, statistisch gesehen nicht. So ist auf dem Immobilienportal ImmoScout 24 zu lesen: "Die langjährige Besucherstatistik der großen Immobilienportale und Maklerwebseiten bestätigt auch, dass die Zahl der Besucher sich relativ ausgeglichen auf die Jahreszeiten verteilen." Denn umgekehrt betrachtet sind es beim Käufer Faktoren wie persönliche Veränderungen, zeitliche Vorgaben bei der zugesicherten Baufinanzierung oder auch Fristen beim Aus- und Umzug, die weitaus mehr ins Gewicht fallen als die Jahreszeit.

Holländisches Viertel in Potsdam
Lokale Standortfaktoren (hier: das "Holländisches Viertel" in Potsdam) sind ebenfalls ein wichtiger Faktor bei der Verkaufsentscheidung. © Getty Images/iStockphoto/CAHKT

Immobilie verkaufen: Regionale Faktoren

Stadt, Speckgürtel, Land. Metropolen, Schwarmstädte oder wirtschaftlich unterentwickelte Regionen. Beim Blick auf die Entwicklung der Immobilienpreise 2022 sind Experten der Meinung, dass die Steigerungsraten längst nicht mehr so hoch sein werden wie in den vergangenen Jahren. Das größte Potential, beim Verkauf seiner Immobilien noch einen satten Preisaufschlag zu erhalten, bietet sich demnach in den sogenannten Schwarmstädten. Damit sind Städte wie Jena, Münster oder Bonn gemeint, die in Pendlerreichweite zu den großen Metropolen liegen.

Hier eine Übersicht der – aus Renditesicht – attraktivsten Schwarmstädte in Deutschland (Quelle: PriceHubble Deutschland GmbH):

  • Schwarmstadt
  • Renditeprognose in %
  • Magdeburg
  • 8,5
  • Leipzig
  • 8,3
  • Halle
  • 7,5
  • Jena
  • 7,4
  • Braunschweig
  • 5,2
  • Münster
  • 5,1
  • Rostock
  • 5,0
  • Darmstadt
  • 4,9
  • Bonn
  • 4,9
  • Mainz
  • 4,6

Top10-Ranking der Schwarmstädte nach Attraktivität für Wohnimmobilien als Kapitalanlage

Wo die zu verkaufende Immobilie liegt, spielt also auch eine nicht unerhebliche Rolle beim richtigen Verkaufszeitpunkt. Liegt das Objekt in einer wirtschaftlich potenten Region? Sind eventuell größere Ansiedlungen von Firmen geplant? Neben den wirtschaftlichen sind es auch infrastrukturelle und soziodemographische Faktoren, die beim Verkaufszeitpunkt eine Rolle spielen.

Bei einer sich anbahnenden Abwanderungswelle ist es vielleicht schon zu spät, um einen Top-Preis zu erzielen. Umgekehrt müssen neue zugezogene Interessenten auch zur Immobilie passen. Übrigens: Die Immobilienbewertung von Wohnglück berücksichtigt auch diese Faktoren.

Immobilie verkaufen: Eigene Lebensplanung

Völlig unabhängig von der Wirtschaftslage, der Preisentwicklung, den Umgebungsdaten und anderer harten Bewertungskriterien ist auch die eigene Lebensplanung wichtig beim Immobilienverkauf. Denn zunächst einmal stellt sich die Frage: Wo wohne ich nach dem Verkauf? Will ich mich verkleinern (weil vielleicht die Kinder ausgezogen sind)? Wo soll das neue Zuhause sein, in der Stadt oder eher außerhalb?

Das alles sollte auch beim eigenen Verkauf nicht vergessen werden. Eine berufliche Veränderung erfordert meist eine enge zeitliche Planung, in vielen anderen Fällen ist der Druck nicht ganz so groß. Und wenn der Verkaufserlös nicht komplett in die neue Immobilie fließen muss, lohnt es sich unter Umständen eher zu vermieten als zu verkaufen.

Auch die oft zitierte Erbengeneration steht häufig vor der Frage, wie sie als Erbengemeinschaft zum Beispiel das Haus der Eltern verkauft. Oft wohnen die Kinder ganz woanders oder besitzen selbst Wohneigentum. Und auch in Sachen Spekulationssteuer gilt es im Einzelfall zu prüfen, ob sich ein Verkauf innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist lohnt.

Ihr seht: Das Thema "Immobilie verkaufen" ist ziemlich komplex. Weiterführende Infos findet ihr auch in diesen Artikeln:

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