Doppelhaus als Fertighaus: Modell Linus L von Kern Haus.
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Höchststand seit 1999: 2021 wurden über 380.000 Baugenehmigungen erteilt

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Die Zahl der Baugenehmigungen, die 2021 erteilt wurden, ist so hoch wie seit über 20 Jahren nicht mehr. Eine Gebäudeart liegt besonders im Trend.

Im Jahr 2021 wurde in Deutschland laut Statistischem Bundesamt der Bau von 380.914 Wohnungen genehmigt. Das waren 3,3 Prozent oder 12.325 mehr Baugenehmigungen als im Jahr 2020. In den Zahlen sind sowohl die Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Gebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten. Mehr genehmigte Wohnungen hatte es zuletzt im Jahr 1999 gegeben. Damals lag die Zahl bei 437.084.

"Die Nachfrage nach Wohnraum hat aber im Jahresverlauf nachgelassen. Zum einen war dies auf das Auslaufen der Baukindergeldförderung Ende März und zum anderen auf die zunehmenden Materialengpässe und die dadurch deutlich gestiegenen Baumaterialpreise zurückzuführen." Mit diesen Worten kommentierte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Baugenehmigungszahlen.

Zweifamilienhäusern liegen weiter im Trend

In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im Jahr 2021 rund 328.636 Wohnungen genehmigt. Das waren 2,6 Prozent oder 8.274 Wohnungen mehr als im Vorjahr. Dies ist insbesondere auf die Entwicklung bei den Zweifamilienhäusern zurückzuführen. Darunter fallen vor allem Doppelhäuser und Einfamilienhäuser mit Einliegerwohnung. Baugenehmigungen für diese nahmen um gut ein Viertel zu. Bereits 2020 hatte es bei Zweifamilienhäusern einen sprunghaften Anstieg um 20,5 Prozent gegeben.

Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stieg dagegen nur noch leicht an: Um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Baugenehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern stiegen 2021 um 2,2 Prozent im Vergleich zu 2020. Damit lägen die für die Behebung des Wohnraummangels besonders wichtigen Neubaugenehmigungen von Mehrfamilienhäusern deutlich unter dem Schnitt, so Müller. "In der Summe der sieben A-Städte gab es sogar ein Minus von 7,3 Prozent", so der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

Preisanstieg bei Baumaterialien wirkt sich auf verwendete Baustoffe aus

Lieferengpässe, Rohstoffknappheit und eine erhöhte Nachfrage im In- und Ausland haben sich auf den Bausektor ausgewirkt. Bauen ist 2021 deutlich teurer geworden. Die Preise für Holz sowie Stahl und Stahlbeton haben sich im Laufe des Jahres enorm verteuert. Mit dieser Preisentwicklung ging die Zahl der Baugenehmigungen für Neubauten von Wohn- und Nichtwohngebäuden, bei denen Holz oder Stahl und Stahlbeton die vorwiegend verwendeten Baustoffe waren, in der zweiten Jahreshälfte 2021 zurück. Bei Holzbauten lag der Rückgang bei 2,6 Prozent, bei Stahl- und Stahlbetonbauten sogar bei 9,8 Prozent.

Zahl neuer Genehmigungen weiter höher als Zahl der Fertigstellungen

Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Frühindikator zur Einschätzung der zukünftigen Bauaktivität, da Baugenehmigungen geplante Bauvorhaben darstellen. Allerdings nimmt die Zahl der Bauvorhaben, die zwar genehmigt, aber noch nicht begonnen oder abgeschlossen wurden, seit einigen Jahren zu. Aufschluss über die tatsächliche Entwicklung der Bautätigkeit im Jahr 2021 gibt daher erst die Zahl der Baufertigstellungen, die das Statistische Bundesamt voraussichtlich Mitte des Jahres 2022 veröffentlicht.

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