© istock/getty images/schulzie

Bauen | Ratgeber

Regenwasserversickerung: So versickert Regenwasser auf eurem eigenen Grundstück

Sandra Hermes

Sandra Hermes

Der Begriff Regenwasserversickerung beschreibt den Bau und Betrieb einer Anlage, die dafür sorgt, dass Niederschlagswasser auf dem Grundstück bleibt und nicht in die Kanalisation geleitet wird. Welche Arten von Versickerungsanlagen es gibt, erfahrt ihr hier.

Der Grundwasserspiegel sinkt, bei Starkregen laufen die Kanäle über. Jeder Tropfen Regenwasser, der nicht in die Kanalisation gelangt, ist ein Beitrag für Umweltschutz und gegen das nächste Hochwasser. Versickerung ist das Zauberwort. So gebt ihr das Wasser dem Boden dort zurück, wo es anfällt. Für private Grundstücke gibt es altbekannte und neue Lösungen. Wir haben für euch alle Möglichkeiten der Regenwasserversickerung zusammengetragen.

Was ist eine Regenwasserversickerung?

Im technischen Sinne beschreibt der Begriff Regenwasserversickerung den Bau und Betrieb einer Anlage, die dafür sorgt, dass Niederschlagswasser, das sich auf einer Fläche sammelt, nicht in die Kanalisation gelangt, sondern vor Ort gezielt abläuft und nach der Reinigung langsam im Boden versickern kann. Dazu gibt es eine Reihe von Methoden, die unterschiedlich aufwändig und kostenintensiv sind.

Warum ist eine Regenwasserversickerung überhaupt sinnvoll?

Gerade in städtischen Regionen ist es noch üblich, Niederschlagswasser, das auf unsere Dächer prasselt, über Dachrinnen und Fallrohre direkt in die Kanalisation einzuspeisen. Dort vermischt sich das gute Regenwasser mit den schmutzigen Abwässern der Haushalte. In der Kläranlage muss das Ganze wieder zu Trinkwasser aufbereitet werden. Das kostet nicht nur viel Geld, auch für die Natur ist diese Art der Entwässerung ein Minusgeschäft. Denn das wertvolle Wasser müsste eigentlich vor Ort wieder in den Boden gelangen. Wird es aber dem natürlichen Wasserkreislauf entnommen, sinkt der Grundwasserspiegel.

Es ist daher viel sinnvoller, den Niederschlag vor Ort wieder dem Boden zuzuführen – durch Versickerung. In ländlichen Wohngebieten ist das einfacher als in der Stadt. Und so werden neben dem Bau von kommunalen Versickerungsanlagen auch private Grundstücksbesitzer immer mehr in die Verantwortung genommen. Je höher die versiegelte Fläche auf eurem Grundstück, desto mehr Niederschlagswassergebühren müsst ihr in der Regel auch bezahlen. Denn dort, wo das Haus steht oder eine Einfahrt gepflastert wurde, gelangt das Regenwasser nicht mehr in den Boden.

Wer aber auf dem eigenen Grundstück in eine Versickerungsanlage investiert, spart Abwassergebühren und verhindert, dass der Boden austrocknet. Darüber freuen sich auch eure Gartenpflanzen. Außerdem sind Versickerungsanlagen ein Beitrag zum Gewässerschutz. Wer bei Starkregen das Wasser auf seinem eigenen Grundstück abfließen und versickern lassen kann, entlastet die kommunale Kanalisation und verhindert, dass Keller volllaufen und Straßen überspült werden.

Werde aktiv: So schützt ihr euer Haus vor Hochwasser und Starkregen

Wer braucht eine Regenwasserversickerung?

Im Sinne des Natur- und Gewässerschutzes braucht eigentlich jeder eine Regenwasserversickerung. Während Mieter selbst nicht aktiv werden können, haben Grundstückseigentümer und künftige Bauherren die Chance, einen Beitrag zu leisten.
Doch freiwillig entscheiden sich nur wenige für eine lokale Versickerungsanlage. Dabei gibt es gute Gründe für den Bau einer Versickerungsanlage:

  • die Kommune oder Stadt schreibt die lokale Entwässerung bei Neubauten vor oder fördert eine Nachrüstung.
  • die Regenwasserversickerung ist ist ein aktiver Beitrag zum Naturschutz
  • ihr tut etwas gegen künftige Überschwemmungen eures Wohnortes
  • ihr könnt Abwassergebühren sparen

Hier lest ihr, wie ihr eure Abwassergebühren richtig berechnet!

Wie lasst ihr am besten Regenwasser auf eurem Grundstück versickern?

Auf eurem Grundstück könnt ihr Regenwasser über unterschiedliche Methoden versickern lassen. Besonders kostengünstig bei der Regenwasserversickerung ist die Flächen- oder Muldenversickerung oder der Einsatz einer Regentonne. Platzsparend aber teurer ist der Einbau unterirdischer Rigolen. Im Folgenden ein Überblick der einzelnen Möglichkeiten:

Flächenversickerung

Der Regen wird vom Dach oder anderen Flächen (zum Beispiel einer Auffahrt) auf eine benachbarte Grünfläche geleitet und kann dort versickern. Im privaten Bereich funktioniert das aber nur für geringe Niederschlagsmengen. Es sei denn, die Grünfläche ist groß genug und ihr nutzt sie nicht anderweitig.

Mulden-Versickerung

Eine Versickerungsmulde ist eine von euch angelegte Geländevertiefung (etwa 30 cm) in eurem Garten. In ihr kann sich das eingeleitete Regenwasser sammeln und dort langsam versickern. Um die Filterfunktion des Mutterbodens zu verbessern, könnt ihr eine Mulde zusätzlich mit einer Schicht Kies oder Filtervlies (*Anzeige) ausstatten. Je mehr Fläche entwässert werden soll, desto größer muss eure Mulde sein. Die Quadratmeterzahl der Mulde sollte zehn bis 20 Prozent der zu entwässernden Fläche betragen. Großer Vorteil der Muldenversickerung: Sie ist leicht anzulegen und wartungsfrei. Mit den Jahren könnte die obere Erdschicht allerdings belastet sein.

Rigolen-Versickerung

Bei Rigolen (*Anzeige) handelt es sich um unterirdische Kiesspeicher. Sie dienen als Zwischenspeicher für das Niederschlagswasser, das auf eurem Grundstück anfällt und bewirken eine verlangsamte Versickerung in den Untergrund. Rigolen können unterschiedliche Ausmaße haben. Es gibt sie zum Beispiel als quaderförmige oder als flächige Kästen. Auch Rohrrigolen sind erhältlich. Welcher Art der Rigole die beste für euer Grundstück ist, hängt von den Rahmenbedingungen ab:

  • Wie groß ist die Fläche, die ihr entwässern wollt?
  • Wie groß ist die Fläche, die für eine Rigole zur Verfügung steht?
  • Und wie tief könnt ihr gegraben?

Wer in diesem Bereich kein Experte ist, sollte die Planung zusammen mit einem Fachmann angehen. Die Kosten sind stattlich. Rund 5.000 Euro kostet ein gutes Versickerungssystem, es gibt aber auch günstigere Modelle. Vorteil: Ist die Rigole eingebaut, kann die Fläche darüber ganz normal genutzt werden. Nur tiefwurzelnde Pflanzen sollten nicht gesetzt werden.

Versickerung über Kunststoff-Hohlkörper

Hier wird das Wasser – ebenfalls unterirdisch – im meist tunnelförmigen Hohlkörpern, sogenannten Sickertunneln (*Anzeige), gesammelt. Die Einleitung und die Weiterleitung zur Versickerung erfolgt über Rohre. Vorteil: Die Hohlkörper haben ein größeres Speichervolumen als Kiesrigolen und sind dadurch platzsparender. Auch auf kleinen Grundstücken können sie gut eingesetzt werden. Soll auch verschmutztes Wasser versickert werden (zum Beispiel von PKW-Stellplätzen), müsst ihr an den Einbau zusätzlicher Filter denken.

Kombinierte Mulden-Rigolen-Versickerung

Ihr könnt die unterschiedlichen Techniken auch kombinieren. Besonders beliebt ist die Mulden-Rigolen-Versickerung. Denn das in der Mulde gesammelte und dort durchgesickerte Wasser wird bereits durch die belebte Bodenschicht gereinigt und gelangt sauber in die Rigole. Von dort kann es dann langsam im Erdreich versickern. Noch ein Vorteil: Die Kombination erhöht das aufnehmbare Wasservolumen und verlängert die Versickerungszeit.

Sickerschächte/Sickergrube

Bei diesem altbekannten Verfahren sammelt sich das Niederschlagswasser in einem senkrechten Schacht, der durchlässige Sohle und Wände hat. Am besten bettet ihr den Schacht oder – in der kleineren Variante – ein senkrecht eingelassenes Drainagerohr in Sand und Feinkies. So kann das Wasser besser versickern. Vorteil: Sickerschächte sind besonders platzsparend und optisch unauffällig. Nachteil: Ihr müsst sie regelmäßig säubern und warten. Außerdem gelang das Wasser ungereinigt in den Boden. Oft erhaltet ihr für einen Sickerschacht nur in Ausnahmefällen eine Genehmigung.

Becken- oder Teichversickerung

Das Niederschlagswasser sammelt sich bei dieser Variante in einem nach unten hin abgedichtetem Teich oder einem Becken. Die Versickerung erfolgt im Böschungsbereich.

Regentonne oder -speicher

Besonders leicht lässt sich eine Regentonne, ein Regenfass oder ein Regenspeicher auf einem privaten Grundstück nachrüsten. Hier wird das Wasser direkt aus dem Fallrohr eures Dachs gesammelt. Die Versickerung geschieht erst im zweiten Schritt. Nämlich dann, wenn ihr das Wasser entnehmt und zum Gießen nutzt.

Übrigens: Technische Details zur den einzelnen Möglichkeiten der Regenwasserversickerung liefert das (kostenpflichtige) Arbeitsblatt-A 138 der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA).

Frau neben einer Regentonne gießt ihre Blumen
Die einfachste Form der Regenwasserversickerung: In eine Regentonne das Wasser sammeln und zum Gießen verwenden. © Getty Images/Cultura RF

Wasserdurchlässige Pflastersteine

Herkömmlich angelegte Wege und Auffahrten gelten als versiegelte Flächen. Durch sie kann Regenwasser nicht durchsickern. Es fließt oberflächlich ab. Das muss aber gar nicht sein. Entscheidet ihr euch für wasserdurchlässige Fugen oder Pflastersteine (Filter- oder Porensteine), gelangt ein Großteil des Niederschlags direkt in den Boden. Je breiter die Fugen und je offenporiger die Steine, desto besser für den Grundwasserspiegel.

Der Nachteil: Wasserdurchlässige Fugen werden mit der Zeit von Unkraut besiedelt. Da könnt ihr auch gleich zu Rasengittersteinen greifen. Hier ist der Bewuchs Teil des Konzepts. Die Steine bestehen zu 40 Prozent aus Rasen, der in die wabenartigen Lücken gepflanzt wird. Lest passend zum Thema auch unseren Ratgeber: Wie kann ich verhindern, dass Unkraut zwischen Pflastersteinen wächst?

Wie wird das Niederschlagswasser aufgefangen?

Das Wasser fließt direkt vom Dach in die Dachrinnen und durch Fallrohre nach unten. Von dort kann es unterschiedliche Wege nehmen. Es kann über Rohre weiter zu einer Rigole oder zur Versickerung auf eine Freifläche oder in eine Mulde geleitet werden. Regentonnen stehen in der Regel direkt neben dem Fallrohr. Um das Wasser in die Tonnen zu leiten, wir ein Regensammler ins Rohr gesetzt. Dieses Teil kostet nur rund 30 Euro und ist auch für einen Laien schnell zu installieren.

Was kostet eine Regenwasserversickerung?

Die Kosten richtet sich nach der Art der Versickerungsanlage. Eine Regentonne bekommt ihr bereits für wenige hundert Euro.

Auch eine Flächenversickerung ist mit rund fünf Euro pro Quadratmeter günstig.

Der Bau einer Rigole kann dagegen mehrere tausend Euro kosten. Hier sind schwere Erdarbeiten notwendig, für die ihr vermutlich die Unterstützung von Experten benötigt. Rüstet ihr eine Rigole oder ein Hohlkörpersystem nach, kommen noch die Arbeiten hinzu, um den ursprünglichen Zustand des betreffenden Areals wieder herzustellen.

Lasst euch unbedingt mehrere Angebote machen, bevor ihr aktiv werdet. Ist die Versickerungsanlage Teil eines Neubaus, erkundigt euch, ob diese bereits in der Kalkulation enthalten ist.

Wichtig: Erfragt vor dem Bau die Abwassergebühren, die ihr künftig spart und stellt nach der Fertigstellung einen Antrag bei der Kommune, um euch von den Niederschlagswassergebühren befreien zu lassen.

Ihr habt Angst vor einem Wasserschaden durch extreme Niederschläge? Dann lest hier, warum eine Rückstauklappe der wichtigste Schutz vor Überschwemmungen ist.

Was müsst ihr beim Bau einer Versickerungsanlage beachten?

Diese Fragen müsst ihr vor dem Bau einer Versickerungsanlage klären:

  • Durchlässigkeit: Ist der Boden durchlässig genug? Durch Sand und Kies versickert Wasser schnell, durch Tonböden nicht so gut. Für eure Planung braucht ihr den sogenannten Durchlässigkeitsbeiwert (kf-Wert). Ihn könnt ihr durch einen Selbsttest ermitteln oder ihr beauftragt einen Bodengutachter.
  • Grundwasserspiegel: Wie hoch ist der Grundwasserspiegel auf eurem Grundstück? Für alle Versickerungsanlagen gilt: Die Versickerungsstrecke bis zum mittleren höchsten Grundwasserspiegel muss mindestens einen Meter betragen. In der Regel könnt ihr den Grundwasserstand bei der Kommune erfragen.

Erst wenn ihr diese beiden Werte habt, könnt ihr entscheiden, welche Versickerungsanlage sich für euer Grundstück überhaupt eignet.

Hinzu kommen weitere Fragen, die ihr euch vorab stellen solltet:

  • Wieviel Quadratmeter Fläche wollt ihr entwässern (Dach, Wege, Auffahrten)
  • Wieviel Niederschlag fällt an eurem Wohnort an (die „Kostra“-Daten könnt ihr ich eurer Kommune erfragen)
  • Könnt ihr selbst Hand anlegen oder wollt ihr Handwerker beauftragen?
  • Wieviel Platz könnt ihr für eine Versickerungsanlage nutzen?
  • Wie groß ist euer Budget?
  • In welcher Jahreszeit ist der Bau sinnvoll?
  • Braucht ihr eine Genehmigung für die Versickerungsanlage?

Die rechtlichen Anforderungen an Versickerungsanlagen sind Ländersache. Die Genehmigungspflicht für private Versickerungsanlagen liegt bei eurer Kommune. Je nach Gemeinde, sind einige Anlagen erlaubnisfrei. Unterirdische Anlagen (zum Beispiel Rigolen, Schächte) brauchen meistens eine Genehmigung. Bei Neubauten ist der Einbau einer Rigole in vielen Regionen bereits verpflichtend. Je nach Bundesland gelten also oft andere regionale Wassergesetze. Erkundigt euch rechtzeitig, bevor ihr euch für eine Versickerungs-Methode entscheidet.

Und auch der Bund redet mit. 2010 trat das neue Bundeswasserhaushaltsgesetz in Kraft. Auf neu bebauten Grundstücken dürft ihr als Bauherren das Regenwasser nicht mit dem häuslichen Abwasser zusammen entsorgen. Je nach lokalen Gegebenheiten, kann das Niederschlagswasser direkt oder über Rohre in ein Gewässer eingespeist werden. Alternativ kann es versickert oder verrieselt werden.

Ist das Wasser nicht zu schade zum Versickern?

Bei der Versickerung geht es in erster Linie darum, Regenwasser dem Boden dort zurückzugeben, wo es angefallen ist. Damit habt ihr das Entwässerungsproblem gelöst und etwas Gutes für den Grundwasserspiegel und das Mikroklima eures Gartens getan. Zusätzlich könnt ihr einen Teil des Regenwassers aber auch sammeln, um es als Brauchwasser zu nutzen.

In der einfachsten Variante stellt ihr eine Regentonne auf und nutzt das aufgefangene Wasser zur Bewässerung eures Gartens. Dagegen ist der Einbau unterirdischer Zisternen oder Speicher, aus denen das Brauchwasser auch ins Haus gepumpt werden kann, aufwändiger. Zum Beispiel für die Toilettenspülung oder zum Wäschewaschen. Wichtig ist, dass ihr das Brauchwasser klar vom Trinkwasser trennt, denn das Regenwasser kann belastet und nicht für den Verzehr geeignet sein.

Achtung: Aus alten Eternitdächern kann mit dem Regenwasser Asbest ausgespült werden. Hier ist von einer Nutzung als Brauchwasser dringend abzuraten.

Kann ich einen Flüssiggasbehälter als Regenwasserspeicher nutzen?

Das wird dich auch interessieren