Starker Regen überflutet die Dachrinne eines Hauses
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Rückstauklappe fürs Abwasser: Alles zur Rückstausicherung im Keller

Dirc Kalweit

Dirc Kalweit

Angst vor Starkregen? Weil das Abwasser aus der Kanalisation euren Keller fluten könnte? Dagegen hilft unter anderem die Rückstauklappe. Wir stellen euch diese und weitere Methoden der Rückstausicherung ausführlich vor.

Eine Rückstauklappe (oder auch Rückstausicherung) dient dazu, beim Überlaufen der Kanalisation den Keller vor einer Überflutung zu schützen. Dabei zählen Rückstauklappen zu den effektivsten Maßnahmen bei der Rückstausicherung. Im Folgenden beschreiben wir euch, wie ein Rückstauverschluss funktioniert, was eine Rückstauklappe von einer Hebeanlage unterscheidet, wann ihr was verbauen dürft und mit welchen Kosten ihr rechnen müsst.

Warum brauche ich eine Rückstausicherung?

Wir erleben es leider immer wieder: Starkniederschläge zählen zu den folgenschwersten Wettererscheinungen. Der Deutsche Wetterdienst spricht dann von Starkregen, wenn es in einer Stunde mindestens 15 Liter pro Quadratmeter oder in sechs Stunden mindestens 20 Liter pro Quadratmeter regnet. Doch für solche Wassermengen sind die hiesigen Abwasserkanäle meist nicht ausgelegt.

Deshalb ist es umso wichtiger, sich vor den Folgen zu schützen. Denn: Stößt die öffentliche Kanalisation bei Starkregen an ihre Kapazitätsgrenzen, wird das Abwasser in die angeschlossenen Entwässerungsleitungen (und damit in die Häuser) zurückgedrückt. Infolgedessen stehen tiefer liegende Räume wie Keller, die sich unterhalb der Rückstauebene befinden, dann schnell unter Wasser. Und das ist dann oft noch mit Fäkalien vermischt, so dass die braune Brühe nicht nur Feuchtigkeitsschäden an den Wänden und Schimmel verursacht, sondern auch noch mit Keimen belastet ist.

Ganz wichtig: Als Hauseigentümer habt ihr in der Regel die Pflicht, die Grundstücksentwässerungsanlagen gegen Rückstau aus der städtischen Entwässerungseinrichtung selbst zu sichern. Andernfalls entfällt zum Beispiel der Versicherungsschutz. Dazu später mehr.

Was muss ich zur Rückstausicherung wissen?

Beim Rückstauschutz gibt es ein paar Begriffe, die ihr kennen solltet, um später einen optimalen Schutz vor einer Überschwemmung zu haben:

  • Rückstauebene: Dies ist die Ebene, bis zu der sich das Wasser anstauen kann. Sie ist in den meisten Fällen in der Entwässerungssatzung der Kommune festgelegt, häufig als "Oberkante Straßenbelag des Anschlusspunktes des Grundstückes".
  • Rückstauschleife: Dies ist eine bestimmte Stelle der Druckleitung einer Abwasserhebeanlage. Die Leitung, über die das Abwasser abgeleitet wird, wird über einen Bogen höher geführt als die Rückstauebene. Somit ist es physikalisch nicht möglich, dass Abwasser aus dem Kanal zurück ins Gebäude drückt.
Schematische Darstellung einer Rückstausicherung bei Starkregen.
Rückstausicherung bei Starkregen: Die Rückstauklappen verhindern, das Abwasser aus der Kanalisation zurück in die Abwasserrohre des Hauses läuft. © Aco Haustechnik

Rückstauklappe oder Hebeanlage – Welche Rückstausicherung ist besser?

Grundsätzlich unterscheidet der Fachmann zwei Arten von Rückstausicherungen:

  • Abwasserhebeanlagen = aktive Rückstausicherung. Automatisch arbeitende Anlagen, die das Abwasser, das unter der Rückstauebene anfällt, ableiten oder auf eine höherliegende Ebene pumpen.
  • Rückstauverschlüsse = passive Rückstausicherung. Systeme, die mittels (Rückstau-)Klappen vor Rückstau schützen.

Fragt ihr den Profi, dann sind Abwasserhebeanlagen seine erste Wahl der Rückstausicherung. Denn diese lassen sich durch die Pumpe auch dann einsetzen, wenn kein Gefälle zum Kanal vorhanden ist. Allerdings sind sie in der Installation auch aufwändiger (und damit teurer).

Bei der Planung einer Abwasserhebeanlage müsst ihr folgende Punkte nach DIN EN 12056-4 berücksichtigen:

  • Der Platz für eine Abwasserhebeanlage muss ausreichend groß sein. Heißt konkret: Um die Anlage herum muss ein Arbeitsraum von 60 Zentimetern frei sein. Außerdem muss der Raum ausreichend beleuchtet und belüftet sein.
  • Bei fäkalienhaltigem Abwasser dürfen die Sammelbehälter nicht baulich mit dem Gebäude verbunden sein (lösbare Verbindung).
  • Die Leitungen dürfen sich in Fließrichtung nicht verengen und müssen so verlegt werden, dass sie von selbst leerlaufen können.
  • Im Zulauf zur Hebeanlage ist ein Absperrschieber einzubauen, beim Ablauf sind ein Rückflussverhinderer und ein Absperrschieber vorgeschrieben.
  • Die Druckleitung der Hebeanlage muss mit der Sohle der Rückstauschleife über die Rückstauebene geführt werden.

Ein Rückstauverschluss arbeitet wie beschrieben nur mit Klappen. Um aber einen Rückstauverschluss zur Rückstausicherung einsetzen zu können, gibt es konkrete Vorgaben nach DIN EN 13564:

  • Zum Kanal muss ein natürliche Gefälle vorhanden sein.
  • Die Räume dürfen nur von untergeordneter Nutzung sein. Es darf keine Gefährdung wesentlicher Sachwerte oder der Gesundheit der Bewohner bei Überflutung der Räume geben.
  • Der Benutzerkreis muss klein sein, oberhalb der Rückstauebene muss ein WC zur Verfügung stehen.
  • Bei Rückstau kann auf die Benutzung der Ablaufstelle verzichtet werden.

Ihr seht: Rückstauklappen sind für den privaten Bereich durchaus zugelassen, werden aber durch die Norm auf ein relativ enges Einsatzgebiet begrenzt.

Welche Typen von Rückstauklappen gibt es?

Es gibt sechs verschiedene Typen von Rückstauklappen, nämlich die Typen 0 bis Typ 5. Jedoch sind in Deutschland für fäkalienfreies Abwasser nur die Typen 2, 3 und 5 zugelassen. Zudem dürft ihr bei fäkalienhaltigem Abwasser nur den Typ 3 mit der Kennzeichnung "F" verwenden.

Dabei liegt der Unterschied in der Arbeitsweise der Rückstauklappe. Denn Rückstauverschlüsse für fäkalienhaltiges Abwasser sind im Normalfall immer geöffnet. Hierdurch schließt im Rückstaufall die Klappe automatisch. Dagegen hängen Rückstauverschlüsse für fäkalienfreies Abwasser in geschlossener Stellung und werden bei Rückstau noch fester an die Dichtungen gepresst.

"Die Systeme können aber nur funktionieren, wenn sie ordnungsgemäß gewartet werden", so Mathias Johr, Technischer Referent bei der ACO Passavant GmbH. Das muss sogar – auch dafür gibt es eine DIN-Norm – mehrmals im Jahr erfolgen. "Bei Rückstauverschlüssen für fäkalienfreies Abwasser kann das ein Hausmeister übernehmen. Bei Anlagen für fäkalienhaltiges Abwasser muss ein Fachbetrieb ran. Er kontrolliert die Dichtungen, Dichtflächen und mechanischen Funktionsteile. Und er führt eine Funktionsprüfung durch eine Rückstausimulierung durch".

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Rückstauklappe oder Hebeanlage? Oder beides?

Darüber hinaus gibt es auf dem Markt auch Systeme, bei denen Rückstauverschlüsse mit Pumpen kombiniert werden. Dann wird nur gepumpt, wenn die Klappen geschlossen sind. Dadurch soll Strom gespart werden. Allerdings ist Experte Mathias Johr davon nicht überzeugt: "So ein System bietet nicht den grundlegenden Schutz einer Abwasserhebeanlage. Und die gesparten Stromkosten sind marginal. Und nach meiner Meinung sprechen auch der Mehrpreis einer solchen Anlage und der erhöhte Wartungsaufwand dagegen."

Wo wird eine Rückstausicherung am besten eingebaut?

Die einfachste (und günstigste) Lösung, eine Rückstausicherung einzubauen, ist die Installation in einer frei zugänglichen Abwasserleitung. Das ist meist problemlos möglich. Dabei wird die Steuerung gleichzeitig an einer Stelle mit Stromanschluss gelegt.

Bei einem Neubau ist der Schacht für die Rückstausicherung oft Teil der Bauplanung und wird direkt beim Erstellen der Bodenplatte mit eingegossen und unter einer (abnehmbaren) Bodenfliese versteckt. Rückstauklappen sind grundsätzlich für den Einsatz in Gebäuden gebaut. Aber sie werden auch außerhalb von Gebäuden eingesetzt, dann besteht allerdings Frostgefahr.

Beim Altbau ist es oft sehr schwierig, eine günstige Position für den Einbau zu finden. Hier kommt der Einbau in die Bodenplatte nicht in Frage. Aber wie gesagt: Sowohl Rückstauverschlüsse als auch eine Hebeanlage lassen sich an freien Leitungen montieren, letztere sind dann sogenannte "Hebeanlagen für die Freiaufstellung".

Wer zahlt bei Schäden durch Starkregen?

Um der Haftung durch Rückstauschäden zu entgehen, verankern Städte und Gemeinden oft entsprechende Klauseln in ihre Satzungen. Zum Beispiel heißt es in der Entwässerungssatzung von Erfurt: "Gegen Rückstau des Abwassers aus der öffentlichen Abwasserbeseitigungseinrichtung hat sich jeder Anschlussberechtigte nach den technischen Bestimmungen und den allgemein anerkannten Regeln der Technik selbst zu schützen."

Dementsprechend ist jeder Hauseigentümer selbst für seine Rückstausicherung verantwortlich. Doch überprüft wird das im Regelfall nicht. Daher merkt ihr unter Umständen als Hausbesitzer erst bei einer Überflutung des Kellers, dass keine Rückstauklappe oder Hebeanlage existiert.

Das trifft nicht nur Käufer von Bestandsimmobilien. Obwohl der Einbau einer Rückstausicherung beim Neubau einfach und günstig ist, wird er nicht automatisch auch ausgeführt. Insofern solltet ihr im Zweifelsfall beim Planer nachfragen, um später nasse Überraschungen zu vermeiden.

Wenn aber im Ernstfall über Waschmaschinen, Waschbecken oder Duschen das Wasser ins Haus zurückfließt, ist der Schaden schnell sehr groß – und meistens nicht durch die Versicherung gedeckt. Zum Beispiel benötigt ihr bei Schäden durch Starkregen eine Versicherung gegen Elementarschäden. Aber Achtung: Das Risiko eines Rückstaus ist nicht automatisch in der Elementarschadenversicherung mit abgedeckt. Daher ist es ratsam, vor dem Abschluss einer Police genau nach diesem Punkt zu fragen!

Welche Versicherung springt sonst bei Wasserschäden ein? Lest dazu unseren Artikel zum Thema Wasserschaden: Diese Versicherungen braucht ihr im Ernstfall.

Was kostet eine Rückstausicherung?

Der Einbau einer aktiven oder passiven Rückstausicherung zur Vermeidung von Überschwemmungen ist kein DIY-Projekt. Was ihr dafür ausgeben müsst, kommt auf die Einbausituation, die DIN-Vorgaben und eure Sicherheitsbedürfnisse an.

Drei Preisbeispiele (nur Materialpreise ohne Einbau) für drei Rückstauklappen plus eine Hebeanlage:

Aco Kellerablauf Junior mit Rückstauverschluss

Rückstauklappe, Modell Junior, von Aco.
  • Absperreinheit mit zwei Rückstauklappen, handverriegelbarer Notverschluss, für fäkalienfreie Abwässer
  • Preis: ca. 105 Euro

Aco Triplex-K-2 2.0 Doppelrückstauverschluss

Rückstauklappe: Doppelrueckstauverschluss Triplex K von Aco.
  • Rückstauklappe für freiliegende Rohrleitung, auch für den nachträglichen Einbau geeignet. Nur für fäkalienfreies Abwasser.
  • Preis: ca. 225 Euro pro Stück

Aco Quatrix-K Fäkalien-Rückstauautomat Typ 3F

Rückstautomat K-Quatrix von Aco.
  • Für den Einbau in eine freiliegende Abwasserleitung bei fäkalienhaltigem Abwasser bestimmt. Pneumatische/elektrische Steuerung, mit integriertem Akku und Hand-Notverschluss.
  • Preis: ca. 2.900 Euro

Aco Hebeanlage Sinkamat-K

Hebeanlage Sinkamat K von Aco.
  • Hebeanlage aus Polyethylen zur Unterflormontage für fäkalienfreies Abwasser.
  • Preis: ca. 1.350 Euro

Neben dem reinen Materialpreis müsst ihr in der Regel noch die Einbaukosten dazurechnen. Allerdings gibt es auch Unternehmen, die auf den Listenpreis einen Rabatt bekommen und diesen gegebenenfalls an euch weitergeben. Manche Planer nehmen beim Neubau den Listenpreis oft als Preis für das Produkt inklusive Einbau. Dies lässt sich nur im Einzelfall klären.

Wer baut mir eine Rückstausicherung ein?

Beim Neubau ist die Rückstausicherung über Rückstauklappen oder eine Hebeanlage mit vorgesehen. Trotzdem kann es nicht schaden, bei eurem Architekten, Planer oder Bauunternehmen mal nachzufragen.

Für den nachträglichen Einbau einer Rückstausicherung müsst ihr das Sanitärunternehmen eures Vertrauens beauftragen. Lasst euch ausführlich beraten, fragt nach, welche technischen Möglichkeiten überhaupt in Frage kommen, welche DIN-Normen eingehalten werden müssen und wie aufwändig (und damit kostenintensiv) die geplanten Maßnahmen werden.

Mehr Infos zum Thema Hochwasserschutz lest ihr in unserem Artikel "Hochwasserschutz fürs Haus".

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