Haus mit Krüppelwalmdach
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Bauen | Ratgeber

Krüppelwalmdach: Alles über Krüppelwalmdächer als Dachform

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Das Krüppelwalmdach ist die erste Wahl für Bauten im Landhausstil. Es vereint die Eigenschaften verschiedener Dachformen und gilt als besonders witterungsbeständig. Erfahrt hier alles über die Vorteile, Nachteile und Kosten von Krüppelwalmdächern.

Krüppelwalmdächer trotzen Wind und Wetter. Deshalb findet man sie besonders in Gegenden mit rauem Klima. Eine große Tradition hat das Krüppelwalmdach im Norden Deutschlands sowie in den Niederlanden. An der See, wo es häufiger stürmt, bietet die Dachform ausreichend Schutz. Das Friesenhaus ist hier eines der bekanntesten Beispiele.

Doch auch im Bergland ziert das Krüppelwalmdach viele traditionelle Landhäuser. Inzwischen erobern Krüppelwalmdächer zudem immer mehr urbane Regionen. Überall dort, wo ländlicher Charme gewünscht ist, kann die Dachform stilvolle Akzente setzen.

Krüppelwalmdach: Definition und Optik

Das Krüppelwalmdach kombiniert Elemente der zwei bekanntesten Dachformen: Walmdach und Satteldach. Anders als beim Satteldach sind die Längsseiten trapezförmig. Zwei geneigte Dreiecke ersetzen zudem die Giebelseiten. Diese Dachelemente werden als Walme bezeichnet. Alle vier Dachflächen münden am höchsten Punkt im First und schließen auf derselben Höhe mit der Traufe ab.

Anders beim Krüppelwalmdach: Hier sind die Walme verkleinert. Die schmalen Dachseiten sind also deutlich kürzer als die Hauptflächen. Infolge haben Hausbauer mehr Gestaltungsspielraum: Die Dachtraufe kann auf jeder Seite unterschiedlich hoch sein. Es ist sogar möglich, eine der Dachflächen bis zum Boden zu verlängern.

Neben dem Begriff Krüppelwalmdach gibt es weitere Bezeichnungen für diese Dachform. Je nach Region sind Schopfdach, Schopfwalm, Kröpelwalm und Halbwalm üblich.

Reetdachhaus rot verklinkert in Deutschland mit Terrasse
Mit Reet eingedeckte Friesenhäuser ziert traditionell ein Krüppelwalmdach. © bildergala/stock.adobe.com

Neigung beim Krüppelwalmdach

Ein Krüppelwalmdach hat zwei Hauptflächen und zwei Walmflächen. Die Neigung ist in der Regel einheitlich und beginnt bei 18 Grad. In der Praxis beträgt sie meist zwischen 35 und 50 Grad. Je steiler die Dachneigung, desto mehr nutzbarer Wohnraum steht zur Verfügung.

Konstruktion von Krüppelwalmdächern

Der Dachstuhl beim Krüppelwalmdach besteht aus Sparren, die an allen vier Seiten vom First bis zur Traufe reichen. Im Gegensatz zum Satteldach haben die Dachflächen unterschiedliche Formen und sind über Eck verbunden. Das macht die Konstruktion von Walmdächern vergleichsweise kompliziert. Dachfenster, Überstände, Gauben und weitere bauliche Besonderheiten erhöhen den Aufwand.

Spartipp: Je kürzer die Walmseiten, desto weniger Material für die Tragflächen und die Dacheindeckung wird benötigt.

Grafik Aufbau eines Krüppelwalmdaches

Krüppelwalmdach Dämmung

Bei der Dämmung stellt sich die Frage, ob ihr das Dachgeschoss als Wohnraum nutzen wollt. Ist dies nicht der Fall, genügt es in der Regel, die oberste Geschossdecke zu dämmen. Das spart Kosten. Andernfalls ist eine fachgerechte Dämmung des Dachstuhls nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) Grundvoraussetzung. Dafür kommen verschiedene Dämmmethoden in Frage, wie:

  • Aufsparrendämmung
  • Zwischensparrendämmung
  • Untersparrendämmung

Beim Material haben Hausbauer eine große Auswahl, zum Beispiel Holzwolle oder Holzfaser. Hier findet ihr einen Überblick über ökologisches Dämmmaterial. Eine Übersicht über die oben genannten Dämmungen findet ihr in unserem Ratgeber "Dämmung von Dach, Keller und Fassade: Welche Methoden es gibt und was sie kosten".

Krüppelwalmdach Eindeckung

Wer dem traditionellen Landhausstil treu bleiben möchte, deckt sein Krüppelwalmdach mit Schiefer oder Reet ein. Letzteres hat vor allem in Küstenregionen eine lange Historie. Günstiger sind gängige Alternativen wie Dachziegel und Dachsteine. Auch Metalle, etwa Aluminium, Zink oder Kupfer, sind möglich, wobei hier eine Dachneigung von 35 Grad nicht überschritten werden sollte.

Photovoltaik-Anlage auf dem Krüppelwalmdach

Ein Walmdach hat im Gegensatz zum Satteldach den Vorteil, dass gleich vier geneigte Dachflächen zur Verfügung stehen. Dies ist eine gute Voraussetzung für Indach-Photovoltaikmodule, Solardachziegel oder PV-Anlagen. Im besten Fall ist eine der größeren Längsseiten zur Sonne ausgerichtet.

Zu beachten ist, dass in Deutschland eine Dachneigung um 30 Grad empfohlen wird, um Photovoltaik optimal nutzen zu können. Zu steil sollte das Krüppelwalmdach also nicht sein.

Vorteile und Nachteile von Krüppelwalmdächern

Neben seiner traditionellen Optik überzeugen Krüppelwalmdächer durch weitere Vorteile:

  • hohe Stabilität
  • hohe Witterungsbeständigkeit, etwa bei Sturmböen oder Schneefall
  • geringer Pflegeaufwand der Giebelseiten
  • Gewinnung von Solarenergie möglich
  • mehr Wohnraum und Varianz als beim klassischen Walmdach
  • bauliche Besonderheiten möglich, zum Beispiel eine Loggia unter dem Krüppelwalm

Dafür müssen Hausbauer diese Nachteile bedenken:

  • komplizierte Bauweise
  • hoher Arbeits- und Materialaufwand
  • höherer Pflegeaufwand der Dachflächen
  • eingeschränkte Wohnraumnutzung durch mehr Dachschräge
Modernes Haus mit Krüppelwalmdach
Krüppelwalmdächer sind ideal für den Anbau überdachter Balkone geeignet. © Getty Images/iStockphoto

Krüppelwalmdach Kosten

Walmdächer gehören zu den kostspieligsten Dachformen. Der Materialaufwand ist aufgrund der vier Dachflächen vergleichsweise groß und die Bauweise des Dachstuhls sehr komplex. Ihr solltet mit rund 100 Euro pro Quadratmeter rechnen.

Der Gesamtpreis ist unter anderem abhängig von der Größe der Walme, der Dacheindeckung und baulichen Besonderheiten. Die Preisspanne liegt bei einem Einfamilienhaus von 120 bis 160 Quadratmetern Wohnfläche zwischen 25.000 bis 45.000 Euro.

Fertighäuser mit Krüppelwalmdächern

Inspiration gefällig? Hier sind drei Fertighäuser mit Krüppelwalmdach. Für weitere Beispiele stöbert in unserer Fetighausdatenbank.

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