Solardachziegel: Mann deckt Dach mit -PV-Indach-Modul ein.
© Ennogie

Bauen | Ratgeber

Solardachziegel: Alles über Installation, Kosten und Wirtschaftlichkeit

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Solardachziegel sind von herkömmlichen Dachpfannen kaum zu unterscheiden, produzieren aber zusätzlich Strom. Lohnt sich die Alternative zu großflächigen Photovoltaik-Anlagen? Lest hier alles über Vorteile, Nachteile, Kosten und Wirtschaftlichkeit.

Hausbesitzer, die auf eine nachhaltige Energiegewinnung setzen wollen, landen in den meisten Fällen bei einer Photovoltaikanlage. Kein Wunder, dass die Solarmodule inzwischen viele Wohnsiedlungen dominieren. Wem die Optik nicht zusagt, der kann sich alternativ für Solardachziegel entscheiden. Auch sie ermöglichen die Stromerzeugung aus Sonnenenergie, fallen aber kaum auf. Größter Nachteil sind aktuell die höheren Kosten.

Solardachziegel: Material und Installation

Die ersten Solardachziegel kamen Anfang der 1990er-Jahre auf den Markt. In den Anfängen wurden Dachziegel aus Ton mit Solarzellen beklebt. Dagegen ist das System heute deutlich ausgeklügelter und die Auswahl größer: Inzwischen gibt es Photovoltaikziegel aus Keramik, Kunststoff oder Schiefer. Diese verfügen über Vertiefungen, in die Solarzellen eingelassen sind. Eine Alternative sind Ziegel, die vollständig als Solarzelle dienen, zum Beispiel aus Quarzglas.

[Anzeige] Solaranlage für 0 € Anschaffungskosten – kommt dein Haus in Frage?*

Dabei lassen sich Solardachziegel wie herkömmliche Dachpfannen verlegen. Jedoch müssen sie zusätzlich elektrisch miteinander verknüpft werden. Dies erfolgt mithilfe von Steckverbindungen, die sich an der Unterseite der PV-Ziegel befinden. Dadurch ist der Aufwand deutlich größer als bei großflächigen Solarmodulen.

Das schreckt viele Hausbesitzer ab. Die Hersteller arbeiten jedoch daran, die Installation von Photovoltaikziegeln zu vereinfachen. Ziel ist es, die Kosten zu senken und die Mini-Solargeneratoren für Bauherren attraktiver zu machen. Dafür bedienen sich die Hersteller mittlerweile meist einer ausgeklügelten Planungssoftware.

Die Software berücksichtigt neben der Dachgröße auch die Dachneigung sowie eventuelle Stör- und Verschattungsobjekte wie Schornsteine und Gauben. So wird eine optimale Sonnenausbeute erreicht. Manche Anbieter kombinieren sogar ihre Solarziegel mit herkömmlichen Dachziegeln aus demselben Programm, um so ein einheitliches Dachbild zu gewährleisten.

Übrigens: Das Gewicht eines Solardachziegels entspricht in etwa dem eines herkömmlichen Dachziegels. Das bedeutet, dass die Statik des Daches durch Solardachziegel nicht beeinträchtigt wird.

Galerie: Beispiele von Solardächern

Wie ein Solardach aussehen kann, zeigen euch unsere Praxisbeispiele:

Gut zu sehen: Die eigentlichen Solarziegel sind meist keine kleinteiligen Dachpfannen, wie man sie aus der normalen Dacheindeckung kennt. Sondern in der Regel größere Module, die entweder ganz oder in Teilen die Dachfläche belegen und so die Dachhaut bilden. Im Folgenden ein wenig mehr zu den sogenannten Indach-PV-Anlagen.

Solardachziegel als Indach-PV-Anlagen

Sogenannte Indach-Photovoltaikanlagen sind eine Alternative zu kostspieligen Solardachziegeln. Während die Ziegel einzeln verlegt und elektrisch miteinander verknüpft werden müssen, lassen sich Indach-Anlagen als zusammenhängende Module installieren. Auch sie dichten das Dach ab und ersetzen herkömmliche Dachpfannen.

Die Montage ist im Vergleich zu Solardachziegeln deutlich simpler und die Störanfälligkeit geringer. Denn ein Modul ersetzt in der Regel gleich mehrere Dachziegel. So lassen sich neben Zeit auch Kosten sparen.

Optisch fallen die Module natürlich ein wenig mehr auf als die schlichten Ziegel. Sie sind aber zurückhaltender als aufgesetzte Photovoltaikanlagen. Auf diese Weise lassen sich entweder ganze Dächer eindecken und als Solardach nutzen. Oder die einzelnen Solarelemente werden optisch so eingesetzt, dass sie mit den "normalen" Dachziegeln optisch harmonieren.

Preise und Kosten für Solardachziegel

Die Preise für Solardachziegel beziehungsweise Solarmodule variieren, je nach Anbieter, Dachgröße und Dachform. Außerdem ist entscheidend, ob es sich um einen Neubau handelt oder das alte Dach erst ab- und anschließend neu eingedeckt werden muss.

Im Schnitt müssen Hausbesitzer mit mindestens 25 Euro pro PV-Ziegel inklusive Montage rechnen. Um ein Einfamilienhaus mit Strom aus Sonnenenergie zu versorgen, sollten rund 50 Quadratmeter der Dachfläche mit Photovoltaikziegeln eingedeckt sein. Hierdurch lassen sich im Schnitt 5.000 bis 6.000 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen, was vollkommen ausreichend ist.

Die Kosten für eine PV-Anlage mit Solardachziegeln belaufen sich in diesem Beispiel auf 17.000 bis 21.000 Euro. Nicht eingerechnet sind Kosten für die Dacheindeckung und Dämmung sowie für einen Stromspeicher.

Zum Vergleich: Für die Anschaffung und Montage einer herkömmlichen Photovoltaikanlage geben Privathaushalte im Schnitt 8.000 bis 9.000 Euro aus.

Solardachziegel: Kosten und Leistung

  • Solardachziegel
  • Durchschnittliche Leistung
  • Durchschnittliche Kosten
  • 1 Ziegel (circa 0,07 Quadratmeter)
  • 0,009 Kilowatt-Peak
  • 25 Euro
  • 1 Quadratmeter
  • 0,13 Kilowatt-Peak
  • 360 Euro
  • 50 Quadratmeter
  • 6 Kilowatt-Peak
  • 17.900 Euro

Bei Photovoltaikanlagen wird in der Regel in Kilowatt-Peak (kWp) gerechnet. Pro Kilowatt-Peak könnt ihr jährlich mit circa 900 bis 1.200 Kilowattstunden (kWh) Strom rechnen.

Der Anbieter SolteQ stellt für eine Indach-PV-Anlage folgende Rechnung auf:

1 kWp bietet er für 1.980 Euro an, fertig installiert. Eine herkömmliche Aufdach-PV-Anlage kostet nach Angaben von SolteQ rund 1.800 Euro/kWp, dazu kommen noch ungefähr 400 Euro für das Dach darunter. Macht also insgesamt 2.200 Euro/kWp.

Das Solardach wäre somit über den Daumen gepeilt rund 200 Euro pro kWp günstiger als eine herkömmliche Photovoltaikanlage. Hierbei handelt es sich aber nur um eine Überschlagsrechnung, die genauen Kosten (und den Nutzen) solltet ihr sorgfältig prüfen lassen, denn es gibt durchaus auch herkömmliche Solaranlagen, die weniger als 1.800 Euro pro kWp kosten.

Detailansicht eines mit PV-Indach-Modulen gedeckten Daches.
Gut zu erkennen: Durch die Überlappung sind die Module absolut dicht, dazu noch regen-, frost- und sturmsicher. © SolteQ Solar GmbH

Wie wirtschaftlich sind Solardachziegel?

Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht circa 4.000 bis 5.000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. Bei einem durchschnittlichen kWh-Preis von 31,89 Cent (Stand: 2021) müsstet ihr jährlich rund 1.275 bis 1.590 Euro an euren Stromversorger zahlen. Geht man von Grundkosten von 17.000 bis 21.000 Euro für Solardachziegel aus, würde sich die Anlage nach 11 bis 17 Jahren für euch rechnen.

Allerdings hängt die Wirtschaftlichkeit von Solardachziegeln maßgeblich davon ab, ob euer Haus ein Neubau oder Altbau ist. Bei einem neuen Haus fallen ohnehin Arbeiten wie die Dacheindeckung und Dämmung an – zwei Kostenpunkte, die sich bei Solardachziegeln und herkömmlichen Dachpfannen nur minimal unterscheiden. In diesem Fall kann sich die Investition lohnen. Im Vergleich dazu müssen bei einem Bestandsbau die alten Dachziegel erst abgedeckt und entsorgt werden. Dies sind Zusatzkosten, die bei einer nachträglich montierten herkömmlichen Photovoltaikanlage komplett entfallen.

Ob und wie sich Solardachziegel für euer Projekt lohnen, solltet ihr am besten mit einem Fachmann akribisch ausrechnen. Entweder, ihr zieht einen Energieberater hinzu. Oder ihr wendet euch an einen Bausachverständigen. Wollt ihr euer altes Dach austauschen, dann empfehlen wir auch eine Modernisierungsberatung vor Ort.

Solardachziegel: Vorteile und Nachteile

Solardachziegel sind vor allem aus ästhetischen Gründen bei Hausbesitzern beliebt. Das sind die Vorteile:

  • Die Optik unterscheidet sich kaum von herkömmlichen Dachziegeln.
  • Bei Neubauten ist keine weitere Dacheindeckung notwendig.
  • Die Auswahl an Materialien ist groß, so dass sich individuelle Wünsche ans Dach mit Solarziegeln realisieren lassen.
  • Solardachziegel erfüllen die Anforderungen des Denkmalschutzes.
  • Solardachziegel sind vielfältig einsetzbar, auch auf verwinkelten Dächern.
  • Beschädigte Ziegel lassen sich ohne großen Aufwand einzeln austauschen.

Dem gegenüber stehen abgesehen von den höheren Anschaffungskosten folgende Nachteile von Solardachziegeln:

  • Der Einbau von Solardachziegeln ist bei Bestandsbauten besonders kostspielig.
  • Die Installation und laufende Reparaturen sind aufwändig und mit Mehrkosten verbunden.
  • Die Steckverbindungen zwischen den einzelnen Solardachziegeln sind störanfällig.

Das gilt wie gesagt für Solardachziegel. Wie beschrieben sind PV-Indach-Module weitaus wartungsärmer und einfacher zu verbauen.

Solardachziegel auf einem modernen Neubau.
Auch (oder gerade) bei Neubauten machen sich die Solardachziegel optisch besonders gut. © Braas

Für wen eignen sich Solardachziegel?

Solardachziegel und/oder Indach-PV-Anlagen können sich für Hausbesitzer lohnen, die neu bauen oder ein denkmalgeschütztes Haus restaurieren. Außerdem ist diese Variante der Energiegewinnung für jeden interessant, der in puncto Optik keine Kompromisse machen und seine individuellen Vorstellungen umsetzen möchte. Schließlich gibt es Solardachziegel in unterschiedlichen Materialien und gängigen Dachfarben, so dass nur ein Fachmann den Unterschied sehen wird.

Hersteller von Solardachziegeln und PV-Indach-Modulen

Auch wenn Photovoltaikanlagen aktuell beliebter sind, haben sich inzwischen viele Hersteller (zusätzlich) auf Solardachziegel und Indach-Module spezialisiert. Dies sind die wichtigsten Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum:

*Dieser Beitrag wurde um sogenannte Affiliate-Links ergänzt. Dadurch bekommen wir bei Kaufabschluss einen kleinen Anteil der Provision. Der Kaufpreis erhöht sich dadurch nicht.

Das wird dich auch interessieren