Haus mit Pultdach
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Bauen | Ratgeber

Pultdach: Vorteile, Nachteile & Kosten von Pultdächern

Lisa Gutknecht

Das Pultdach gehört zu den einflächigen Dachformen. In Deutschland sieht man es eher selten. Dabei ist es vielseitig und vergleichsweise günstig. Erfahrt hier alles, was ihr über Pultdächer wissen müsst.

Unter Hausbauern fand das Pultdach in den vergangenen Jahrzehnten kaum Beachtung. Die ebenflächige Dachform wird häufig mit gewerblicher Nutzung oder mit Garagen und Schuppen assoziiert. Doch inzwischen erspäht man immer häufiger Pultdächer auch in Wohngebieten. Hier sind sie ein echter Hingucker, die sich von Klassikern wie dem Satteldach oder Walmdach abheben.

Wer sich also ein Haus mit individueller Note und viel Gestaltungsspielraum wünscht, kann mit einem Pultdach richtig liegen. Auch um sich die Möglichkeit eines nachträglichen Anbaus offen zu halten, sind Pultdächer praktisch.

Pultdach: Definition und Optik

Das einfache Pultdach ist ein halbes, ebenflächiges Dach und erinnert optisch an ein halbes Satteldach. Es besteht aus nur einer Fläche, die im Gegensatz zum Flachdach gleichmäßig zu einer Seite geneigt ist. Die obere Kante schließt an die sogenannte hohe Wand an und bildet hier den Dachfirst. Die untere, niedrigere Kante ist die Dachtraufe.

Eine Besonderheit ist das versetzte Pultdachhaus oder Doppelpultdach. Es verfügt über zwei einfache Pultdächer, die versetzt konstruiert sind. Anders als beim Satteldach gibt es zwei Dachfirste, die sich auf unterschiedlichen Höhen befinden. Gleiches gilt für die Dachtraufen.

Der Begriff Pultdach leitet sich übrigens vom Pult ab, das viele noch aus ihrer Schulzeit kennen.

Modernes Pultdachhaus
Pultdächer waren lange Zeit ausschließlich in Gewerbegebieten als Nutzgebäude zu sehen. Heute sieht man sie als moderne Interpretation auch immer häufiger in Neubaugebieten. © Getty Images

Neigung beim Pultdach

Die Neigung beim Pultdach ist flexibel – einer der großen Vorteile dieser Dachform. Wichtig ist, dass die Dachneigung den technischen und optischen Ansprüchen gerecht wird. Grundsätzlich gilt: Je steiler die Dachfläche, desto weniger Wohnraum steht Hausbauern im Obergeschoss zur Verfügung.

Die meisten Pultdächer haben eine Neigung von 20 bis 25 Grad. Der Spielraum ist jedoch weitaus größer und liegt in der Regel zwischen 10 und 60 Grad.

Tipp: Beachtet bereits bei der Planung eures Pultdachs die gewünschte Dacheindeckung. Jedes Material setzt eine bestimmte Neigung voraus.

Dachneigung beim Pultdach berechnen

Ihr könnt die Neigung eures Pultdachs mit einer einfachen Formel berechnen:

(Höhe Dachfirst - Höhe Dachtraufe) / Dachlänge x 100 = Dachneigung in Prozent

Die Formel angewendet auf ein Beispiel:

(6 Meter - 5 Meter) / 4 Meter x 100 = 25 Prozent

Die Prozentzahl könnt ihr nun in Grad umrechnen, am einfachsten geht das mit einem Umrechnungstool wie ihr es unter grad-prozent.de findet.

Die 25 Prozent Neigung entsprechen einem Winkel von 14 Grad.

Konstruktion von Pultdächern

Bei der Konstruktion von einfachen Pultdächern ist zu beachten, dass sie aus nur einer Dachfläche bestehen. Der Dachfirst befindet sich über der hohen Hauswand und liegt nicht mittig über der Grundfläche wie beim Satteldach. Daraus ergibt sich eine deutlich kleinere Dachfläche und entsprechend weniger Materialaufwand. Auch ist die Konstruktion einfacher als beispielsweise beim Walmdach. Aufwändiger hingegen ist die Dämmung.

Der Arbeits- und Kostenaufwand hängt nicht zuletzt von der Dachneigung und den Ansprüchen an die Innenraumgestaltung ab. Danach richten sich die Tragekonstruktion sowie der Einsatz von Stützbalken.

Aufbau Doppelpultdach

Pultdach-Dämmung

Eine gut funktionierende Dämmung ist beim Dacheindecken Voraussetzung. Für Pultdächer bieten sich je nach Dachneigung verschiedene Möglichkeiten an, zum Beispiel:

  • eine Aufsparrendämmung
  • eine Zwischendämmung
  • eine Untersparrendämmung

Die Herausforderung beim Pultdach besteht im offenen Dachgeschoss. Damit hier gerade im Sommer kein Saunaklima herrscht, wird besonders an der hohen Seite eine extra starke Dämmung empfohlen.

Pultdach-Eindeckung

Bei der Dacheindeckung haben Hausbauer eine große Auswahl. Flache Pultdächer mit einer Neigung von 5 bis 15 Grad eignen sich zur Begrünung. Ab einer Neigung von 22 Grad sind Dachziegel, Dachsteine und Schiefer gute Möglichkeiten. Auch Metalle wie Kupfer oder Zink sind bis 35 Grad Neigungswinkel eine Alternative. Bei entsprechender Ausrichtung sind Solardachziegel oder eine Photovoltaik-Anlage empfehlenswert.

Lest hier alles über die beste Dacheindeckung – mit Infos zu Materialien, Kosten und Regeldachneigung.

Photovoltaik-Anlage auf dem Pultdach

Wer sein Pultdachhaus zum Energieerzeuger machen will, hat hier alle Möglichkeiten. Die Form bietet viel Flexibilität, um Solarenergie zu gewinnen. Für eine Photovoltaik-Anlage wird eine Regeldachneigung von 30 Grad empfohlen. Die Dachtraufe sollte zudem Richtung Süden zeigen, damit ihr Sommer wie Winter mit Strom versorgt werden könnt.

Vorteile und Nachteile von Pultdächern

Lasst euch von ihrer Seltenheit nicht täuschen. Pultdächer haben viele Vorteile:

  • hohe Flexibilität
  • einfache Konstruktion
  • geringer Verlust an Wohnraum
  • hoher Lichteinfall im Obergeschoss
  • guter Abfluss von Regenwasser

Dem gegenüber stehen wenige Nachteile:

  • schnelle Hitzeentwicklung im Dachgeschoss
  • großer Aufwand bei Dämmung und Abdichtung

Letztlich ist es vor allem eine optische Entscheidung oder an baurechtliche Maßgaben gebunden, ob ein Pultdach für euch in Frage kommt.

Fertighausmodell Pultdachhaus der Firma ECO.
Dieses Pultdachhaus der Firma ECO hat beim Deutschen Traumhauspreis 2020 silber in der Kategorie "Familienhäuser" gewonnen. © ECO System Haus

Pultdach-Kosten

Ein Pultdach kostet rund 120 Euro pro Quadratmeter. Nicht wenig, doch das Dach ist bei gleicher Wohnfläche im Schnitt um ein Drittel kleiner als ein Satteldach. Dachrinnen und Fallrohre sind zudem nur einseitig notwendig. Entsprechend reduzieren sich die Kosten für Materialien und Montage.

Dafür schlagen in der Regel die aufwändigere Unterkonstruktion und die dickere Wärmedämmung stärker zu Buche. Geht man von einer Standardwohnfläche von 120 bis 160 Quadratmetern aus, belaufen sich die Gesamtkosten beim Pultdach mit Dämmung und Eindeckung auf etwa 10.000 bis 15.000 Euro.

Fertighäuser mit Pultdach

Es gibt eine große Auswahl an Fertighäusern mit Pultdach, zum Beispiel in unserer Fertighausdatenbank.

Natürlich gibt es auch Doppelpultdach-Modelle:

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