Haus sanieren: Stift markiert Stelle auf einem alten Bauplan
© Arnt Haug

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Haus klimafreundlich sanieren: So klappt es in 6 Schritten

Sven Rohde

Wer sein Haus klimafreundlich sanieren will, benötigt einen guten Überblick, um echte Einspareffekte zu erzielen. Unser 6-Punkte-Plan hilft bei den Vorbereitungen für die erfolgreiche energetische Sanierung eures Altbaus.

Ein klimafreundliches Haus möchte jeder Hausbesitzer gern haben. Doch gerade die Bewohner von Altbauten fragen sich: Wie kann ich mein Haus sanieren und dabei Energie einsparen, ohne dafür ein Vermögen auszugeben?

Wir zeigen euch mit unserem Sechs-Schritte-Fahrplan, wie ihr euer Haus vielleicht nicht komplett, aber doch wenigstens in Teilen ein wenig klimafreundlicher macht und was ihr auf diesem Weg alles beachten solltet.

Eine energetische Sanierung ist in der Theorie ganz einfach: Fassadendämmung und Fenstertausch bringen je bis zu 20 Prozent Energieersparnis, die Dachdämmung und der Heizungstausch noch einmal je 15 Prozent. Macht zusammen 70 Prozent Reduzierung – ein stattlicher Wert!

Leider entsprechen die wenigsten Häuser der Theorie. Denn die rechnerischen Einsparpotentiale beziehen sich in der Regel auf einen komplett unsanierten Altbau – und die sind in Deutschland selten geworden.

Das bedeutet keineswegs, dass ein solches Haus nicht auf jeden Fall saniert werden sollte. Welche Maßnahme aber den stärksten Effekt hat und welche sich am schnellsten rechnet, diese Fragen lassen sich nicht theoretisch beantworten. Sondern nur ganz konkret mithilfe einer Analyse durch einen Energieberater. Er zeigt auf, was sich besonders lohnt, sagt in welchen Schritten eine Sanierung durchgeführt werden sollte und begleitet auch die Umsetzung.

Gemeinsam mit dem Energieberater solltet ihr also folgendermaßen vorgehen:

Haus sanieren, Schritt 1: Analyse

Sie weist detailliert nach, in welchem Zustand sich die energetisch relevanten Bauteile des Hauses befinden, von der Kellerdecke bis zum Dach. In einer Grafik, die jedem Bauteil eine Farbe zwischen Dunkelrot und Neongrün zuordnet, ist auf einen Blick zu sehen, wo Handlungsbedarf besteht.

Haus sanieren, Schritt 2: Sanierungsfahrplan

Der Sanierungsfahrplan bringt die Potentiale der verschiedenen Maßnahmen in eine Hierarchie. In Abhängigkeit von den finanziellen Ressourcen der Hausbesitzer berechnet der Energieberater, welcher Schritt den größten Ertrag bringt. Das können verblüffend einfache Maßnahmen sein – die Dämmung der Kellerdecke oder der obersten Geschossdecke etwa.

Hierbei spielt den Bauherren nicht selten ein physikalisches Prinzip in die Hände: Die ersten Zentimeter einer Dämmung haben den größten Effekt. Weil damit aber nicht annähernd das Potential der Sanierung ausgeschöpft wird, bauen die Maßnahmenpakete des Fahrplans sinnvoll aufeinander auf. Vier Perspektiven sind für den Sanierungsfahrplan wichtig:

1. Energieeinsparverordnung

Sie schreibt vor, welche Mindestvoraussetzungen eine Sanierung des zu erneuernden Bauteils erfüllen muss, welche Dämmwerte etwa ein Fensterglas oder eine Dachdämmung aufzuweisen hat. Die Einhaltung der Vorschriften wird das Bauamt kaum je überprüfen, aber die staatliche Förderung ist auf jeden Fall daran gekoppelt.

2. Zukunftsfähigkeit

Was heute Mindestvoraussetzungen erfüllt, ist morgen schon veraltet. Deswegen sollte der Umstieg von fossilen auf regenerative Energien Priorität haben, ebenso eine Sanierung der Gebäudesubstanz, die über die Bedingungen der Energieeinsparverordnung hinausgeht.

Die CO2-Bepreisung wird fossile Brennstoffe sukzessive verteuern. Das Ende der Ölheizung ist ohnehin absehbar, in einigen Bundesländern wie Hamburg könnte es noch schneller kommen als bundesweit, wo ein Verbot ab 2026 geplant ist.

3. Bedingungen vor Ort

Dennoch ist der Abschied von fossilen Brennstoffen nicht überall gleich realisierbar. Wo es kein Gasnetz gibt und keine Fernwärme, fällt die Verschrottung der Ölheizung schwerer – zumal wenn die Gebäudesubstanz eine Wärmepumpe nicht wirtschaftlich erscheinen lässt.

Auch der Einsatz von Photovoltaik für die eigene Stromproduktion ist in Freiburg ertragreicher als in Flensburg, ebenso in einem Neubaugebiet im Vergleich zu einem Grundstück, das von hohen Bäumen umstanden ist.

4. Amortisation

Angesichts des Klimawandels kann es nicht nur darum gehen, welche Maßnahme sich am schnellsten rechnet. Dennoch muss man sich eine Sanierung natürlich leisten können. Deshalb sollte es eine sinnvolle Perspektive geben, wann sie sich amortisiert hat.

In diese Rechnung gehört freilich nicht nur die reine Energiekostenersparnis, sondern auch der Werterhalt der Immobilie. Je besser ihr energetischer Zustand, umso höher ihr Preis. All diese Faktoren fließen in den Sanierungsfahrplan ein, der in der Regel mehrere Optionen enthält.

Haus sanieren: Energieberater misst die Decke eines Mauerwerks
Von der Theorie in die Praxis: Der Energieberater prüft die Gegebenheiten eines Hauses nicht nur anhand der Pläne. © Arnt Haug

Haus sanieren, Schritt 3: Ausführungsplanung & Ausschreibung

Als unabhängiger Fachmann ist der Energieberater nur für die Planung, nicht aber für die konkrete Kalkulation und die Umsetzung zuständig. Das sollte bei größeren Maßnahmen ein Architekt übernehmen, bei Einzelmaßnahmen reicht in der Regel eine Fachfirma. Allerdings sollte man jeweils mehrere Angebote einholen – die Differenzen können erheblich sein!

Haus sanieren, Schritt 4: Förderung für Klimaschutz

Nach der Verabschiedung des Klimaschutzpakets können Sanierer ab 2020 mit einer verbesserten Förderung rechnen. Vor allem die steuerliche Absetzbarkeit bedeutet einen zusätzlichen Anreiz. Zudem sollen die bestehenden unterschiedlichen Förderprogramme des Bundes mit zinsgünstigen Darlehen sowie Zuschüssen zusammengefasst und aufgestockt werden. Daneben gibt es regionale Fördermaßnahmen. Auch darüber informiert der Energieberater.

Haus sanieren, Schritt 5: Baubegleitung & Abnahme

Energetische Sanierungen sind komplexe Bauaufgaben, bei denen es auf Präzision ankommt. Sind eine Dämmebene oder eine Abdichtung nicht sauber ausgeführt, mindert das nicht nur die Energieersparnis. Erhebliche Bauschäden wie Durchfeuchtungen können die Folge sein. Deswegen sollten ein Gutachter, ein Architekt oder der Energieberater selbst den Baufortschritt begleiten und die Arbeiten abnehmen.

Haus sanieren, Schritt 6: Nutzerverhalten

Ob es im Haus 20 oder 22 Grad warm ist, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Energiekosten. Ebenso, ob dauerhaft ein Fenster auf Kipp steht oder dreimal am Tag stoßgelüftet wird, wie lange man unter der Dusche steht oder wie oft man sich ein Wannenbad gönnt.

Tatsächlich wächst die Bedeutung des Nutzerverhaltens mit dem energetischen Standard der Immobilie. Denn bei einem insgesamt niedrigeren Energieverbrauch fallen schon kleine Maßnahmen wie ein sparsamer Warmwasserverbrauch stärker ins Gewicht. Stimmt euch neben den baulichen Maßnahmen mit dem Energieberater auch darüber ab, was ihr im Zuge der Sanierung auch bei eurem Nutzerverhalten ändern könnt.

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