Fertighaus Griffner Box Architecture von Griffnerhaus
© Griffnerhaus

Bauen | Ratgeber

Fertighaus in Hanglage: Vorteile, Nachteile & Kosten vom Hanghaus

Lisa Gutknecht

Lisa Gutknecht

Ein Fertighaus in Hanglage hat viel Potenzial. Doch nicht jedes Grundstück eignet sich für ein Domizil mit Traumaussicht. Worauf ihr euch bei einem Hanghaus einlasst, welche Vor- und Nachteile es gibt und was ein Fertighaus am Hang kostet.

Traumhafte Aussichten, mehr Wohnfläche und günstigere Grundstückspreise sprechen für ein Fertighaus in Hanglage. Dafür ist die Bauweise häufig sehr komplex und der Preis entsprechend hoch. Erfahrt hier, wie ihr ein gutes Hanggrundstück findet, was für und was gegen ein Fertighaus am Hang spricht und mit welchen Mehrkosten ihr rechnen müsst.

Fertighaus in Hanglage: Welches Grundstück eignet sich?

Bevor ihr euch für ein Grundstück entscheidet, solltet ihr die Lage und Bebauungsvorschriften genau prüfen. Wägt ab, ob sich der Hang eurer Wahl wirklich für ein Fertighaus eignet oder ob ihr zu viele Kompromisse machen müsstet. Bedenkt: Es können extra Kosten für die Baulogistik auf euch zukommen, je nachdem, ob das Grundstück von der Tal- oder von der Hangseite erschlossen werden muss. Eine Nordausrichtung bedeutet zudem viel Schatten, während sich ein Südhang optimal für Photovoltaikanlagen eignet.

Idealerweise holt ihr euch Unterstützung von einem Experten für Bauplanung, organisiert euch den Bebauungsplan und klärt folgende Fragen:

  • Welche Vorschriften gelten für die Bebauung?
  • Sind in unmittelbarer Umgebung weitere Bauten geplant, die das Grundstück beschatten oder die Aussicht versperren könnten?
  • Muss das Grundstück von der Hang- oder von der Talseite erschlossen werden?
  • In welche Himmelsrichtung zeigt der Hang?
  • Wie steht es um die Verschattung des Grundstücks?

Hat das Hanggrundstück euren ersten Fakten-Check bestanden, solltet ihr im nächsten Schritt ein Bodengutachten einholen. Lest auch: "Grundstückskauf: Was ihr zu Ablauf, Bebauungsplan und Kosten wissen solltet"

Warum ist ein Bodengutachten fürs Hanggrundstück so wichtig?

Vor der Kaufentscheidung ist ein geologisches Gutachten bei Hanggrundstücken grundsätzlich immer empfehlenswert. Die Bodenverhältnisse entscheiden darüber, welches Bauverfahren für das Fertighaus in Hanglage geeignet ist.

Für ein Bodengutachten untersucht ein Experte die einzelnen Bodenschichten mit Blick auf mögliche ökologische Belastungen, die Tragfähigkeit und das Wasservorkommen. Eventuell zeigen die Ergebnisse, dass das Hanghaus eine Stützkonstruktion braucht oder dass eine Begradigung des Grundstücks notwendig ist. Zudem kann der Gutachter Empfehlungen für weitere Maßnahmen aussprechen, die das Bauen am Hang ermöglichen, wie beispielsweise Gabionen oder einen partiellen Bodenaustausch. So lässt sich das Budget für den Hausbau optimal planen.

Hanghaus: Welche Bauverfahren gibt es?

Für ein Fertighaus in Hanglage gibt es in Abhängigkeit von der Bodenbeschaffenheit und dem Gefälle verschiedene Bauverfahren:

1. Fertighaus in den Hang bauen

Ist der Boden nicht zu felsig, bietet sich in den meisten Fällen ein Bau in den Hang an. Das bedeutet, Teile des Hangs werden abgetragen, so dass Platz für das Fundament geschaffen wird. Das unterste Geschoss schließt zur Hangseite unter der Erde ab. Auf der Talseite können Fensterflächen den Blick freigeben und der Hauseingang installiert werden.

Vorteile: Das Fertighaus mit Blick ins Tal fügt sich optimal in den Hang ein. Zudem ist das Untergeschoss bewohnbar und von der Hangseite aus natürlich gedämmt.

Nachteile: Ein Bau in den Hang bedeutet, dass das Haus konstant Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Hangwasser kann zum Problem werden, so dass ein gutes, meist kostspieliges Drainagesystem Voraussetzung ist.

Hausbau Fertighaus in Hanglage
Typischerweise wird bei einem Gefälle das Haus in den Hang gebaut. © Getty Images

2. Split-Level-Bauverfahren

Beim Split-Level-Verfahren handelt es sich um eine Terrassenbauweise. Das Haus hat mehrere versetzte Geschosse, die sich terrassenartig ins Tal entwickeln. Dabei entstehen halbe Etagen.

Vorteil: Die Split-Level-Architektur ist optisch sehr reizvoll und bietet aufgrund der speziellen Raumaufteilung ein besonderes Wohnerlebnis.

Nachteile: Ein Fertighaus in Terrassenbauweise ist vergleichsweise teuer und die Konstruktion sehr aufwendig. Man benötigt mehr Außenwände und Anschlüsse als bei einem Haus im Hang. Außerdem müssen die verschiedenen Ebenen durch Treppen verbunden werden, was kostspielig werden kann und der Barrierefreiheit im Weg steht.

3. Fertighaus in Hanglage auf Stelzen bauen

Bei einem starken Gefälle oder felsigem Grund werden Hanghäuser häufig auf Stelzen errichtet. Das heißt, die Bodenplatte ist auf der Talseite aufgeständert, so dass kein Aushub notwendig ist. Ein Punktfundament im Hang sorgt für die Stabilität der Ständerkonstruktion.

Vorteile: Eine schwierige Bodenbeschaffenheit ist dank der Stelzenbauweise kein Ausschlusskriterium für ein Fertighaus in Hanglage. Die Ständerkonstruktion kann auf der Talseite möglicherweise für einen überdachten Eingang oder für einen Carport genutzt werden.

Nachteil: Die Unterseite des Hauses liegt frei, so dass eine teure Dämmung notwendig ist.

4. Aufschüttung des Hangs

Ein eher selten angewendetes Bauverfahren auf Grundstücken mit wenig Gefälle ist die Aufschüttung des Hangs. So entsteht auf der Talseite eine künstliche Ebene, auf der sich das Fertighaus errichten lässt.

Vorteil: Die Konstruktion des Fertighaues muss nicht an den Hang angepasst sein.

Nachteile: Eine Aufschüttung ist aufwendig und nicht zwangsläufig im Bebauungsplan vorgesehen. Eine Genehmigung muss eingeholt werden.

Fertighaus in Hanglage: Mit oder ohne Keller bauen?

Ob ein Fertighaus in Hanglage mit oder ohne Keller gebaut werden kann, hängt vom Bauverfahren ab. Während eine Ständerkonstruktion ein klassisches Untergeschoss ausschließt, bietet sich beim Bau in den Hang eine Unterkellerung an.

Das Besondere am Fertigkeller bei Hanghäusern: Die hinteren Wände liegen meist komplett im Erdreich, während die Seite zum Tal hin Platz für Fensterfronten und Eingangstüren schafft. So wird aus dem Keller zusätzlicher Wohnraum mit Weitblick. Auch eine Garage mit direktem Zugang zum Haus lässt sich umsetzen, sofern die Zufahrt auf der Talseite liegt.

Damit keine Feuchtigkeit eindringen kann, wird der Fertigkeller in der Regel aus wasserundurchlässigen Betonteilen errichtet. Die übrigen Fertighausteile knüpfen nahtlos an die Betonwände an, so dass eine stimmige Einheit entsteht.

Mehr zum Thema Keller lest ihr in diesem Ratgeber: "Keller bauen: Vorteile und Nachteile eines Untergeschosses"

Was kostet ein Fertighaus in Hanglage?

Wer ein Fertighaus in Hanglage baut, muss grundsätzlich mit mehr Kosten rechnen als bei einem ebenen Grundstück. Dabei spielen vor allem die Bodenbeschaffenheit und die Stärke des Gefälles eine Rolle. Ein Hanggrundstück bedeutet immer einen höheren Planungsaufwand und eine komplexere Baustellenlogistik. Möglicherweise fallen zusätzliche Erdarbeiten und Stützmaßnahmen an.

Als Faustregel gilt: Die Bebauung eines Hanggrundstücks kostet rund 15 Prozent mehr als der Hausbau auf einem Grundstück ohne Gefälle. Mehr Infos für eure Budgetplanung gibt es in diesem Artikel: "Fertighaus-Kosten: Was kostet ein Fertighaus?"

Es ist immer empfehlenswert, Angebote mehrerer Fertighaushersteller zu vergleichen. Unsere Fertighaus-Datenbank liefert euch einen guten Überblick.

Vorteile Hausbau am Hang

Ein Fertighaus am Hang kann trotz der Mehrkosten sehr reizvoll sein. Das sind die größten Vorteile:

  • Fertighäuser am Hang geben je nach Lage und Ausrichtung tolle Aussichten frei.
  • Die Bebauung von Hanggrundstücken bietet viel Potenzial für eine individuelle Gestaltung und ein besonderes Wohnerlebnis, zum Beispiel durch halbe Etagen.
  • Bei den meisten Hanghäusern lässt sich das Untergeschoss als zusätzlicher Wohnraum, Einliegerwohnung oder Garage nutzen.
  • Häuser am Südhang lassen sich energetisch voll ausschöpfen durch die Installation von Photovoltaikanlagen.

Nachteile Hausbau am Hang

Den Vorzügen stehen folgende Nachteile beim Hanghaus gegenüber:

  • Fertighäuser in Hanglage sind deutlich kostspieliger als Häuser auf ebenem Grund.
  • Der Hausbau dauert in der Regel länger und ist aufwendiger.
  • Beim Bau eines Hanghauses sind weniger Eigenleistungen möglich.
  • Hanghäuser kommen nicht ohne Treppen aus, so dass Barrierefreiheit nur eingeschränkt realisierbar ist.
  • Eine Hanglage ist mit vielen Risiken behaftet, wie Erdrutsche, Starkregen oder Lawinen. Die Versicherungskosten sind entsprechend höher.

Das könnte euch auch interessieren: "Stimmt es, dass Fertighäuser schlecht gedämmt sind?"

Das wird dich auch interessieren

Immer informiert

Für unseren kostenlosen Newsletter anmelden