Energetische Sanierung: Blick auf eine Baustelle im Zimmer
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Energetische Sanierung: 5 typische Fehler, die ihr vermeiden solltet

Joscha Thieringer

Fassade und Dach dämmen, neue Heizung, neue Fenster: Die Bundesregierung stellt viel Geld für die energetische Sanierung zur Verfügung. Energieberater Romed Spiekermann warnt Bauherren dennoch vor blindem Aktionismus und nennt fünf typische Fehler, die ihr vermeiden solltet.

Mit den im Klimapaket beschlossenen Förderungen kann sich die energetische Sanierung einer Immobilie schnell lohnen. Die Anfragen bei Heizungsinstallateuren, Dachdeckern und Dämmungsspezialisten sind gestiegen. Doch von kurzfristigen Einzelmaßnahmen ist eher abzuraten, oft lohnt es sich, einen Energieberater zu beauftragen, der das Maximum bei der energetischen Sanierung in jedem einzelnen Fall herausholt.

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Wir nennen euch fünf typische Fehler bei der energetischen Sanierung.

Fehler 1: Ist-Analyse vergessen

Eine neue Heizung ist effizienter und spart deshalb langfristig Geld – diese Aussage ist natürlich nicht falsch, allerdings sollte man so nicht in eine energetische Sanierung starten. "Erst als Letztes kommt die Entscheidung fürs Heizsystem", sagt Romed Spiekermann, Energieberater aus Herten.

Zuvor sollte immer ein "Sanierungsfahrplan" erstellt werden: "Man sollte immer erst die Schwachstellen des Gebäudes ermitteln, sie nach Möglichkeit beseitigen und dabei alle Maßnahmen aufeinander abstimmen", sagt er. Ein unabhängiger Energieberater erstellt zuerst eine Analyse der Immobilie, prüft die Einsparungspotentiale und berücksichtigt dabei auch Standort und Gegebenheiten wie zum Beispiel Anschlüsse an die örtliche Versorgung.

"Als Energieberater berechne ich immer mehrere Alternativen und biete sie dem Kunden an", sagt Spiekermann.

Energieberater Romed Spiekermann
Energieberater Romed Spiekermann weiß, welche Fehler ihr bei der Sanierung vermeiden könnt. © privat

Fehler 2: Nur Handwerker mit energetischer Sanierung beauftragen

Wer einen Dachdecker fragt, welche energetische Maßnahme er empfehlen würde, wird relativ sicher eine Dachdämmung empfohlen bekommen. Ein Heizungsinstallateur empfiehlt meistens eine neue Heizung und eine Glaserei rät zu neuen Fenstern. Das ist wenig verwunderlich, aber für die Bauherren oft nicht optimal.

Häufig fehle den Handwerkern "der ganzheitliche Blick", sagt Energieberater Spiekermann: "Dann habe ich zum Beispiel neue dreifach verglaste Fenster in einer schlecht gedämmten Fassade – und Schimmel als Ergebnis."

Besser ist es, die Maßnahmen zur energetischen Sanierung aufeinander abzustimmen. Wobei auch dem Energieberater klar ist: "Natürlich hängen die Maßnahmen auch von den finanziellen Möglichkeiten des Kunden ab."

Fehler 3: Überdimensionierte Heizung einbauen

Ein komplettes Haus zu dämmen, ist ziemlich teuer. Eine neue Gasheizung inklusive Einbau gibt es hingegen schon für 6.000 bis 12.000 Euro – weshalb viele Bauherren mit dieser Maßnahme starten.

Energieberater Romed Spiekermann rät: "Wenn jemand zunächst die Heizung erneuern möchte, weil das Geld für die Dämmung der Fassade derzeit nicht ausreicht, dann ist mein dringender Rat: Sagen Sie das unbedingt dem Heizungsinstallateur! Denn mit der Dämmung ändert sich der Wärmebedarf, und am Ende gibt es eine überdimensionierte Heizung. Im Idealfall kommt erst die Gebäudehülle, dann der Heizungswechsel."

Fehler 4: Unrentable Wärmepumpe installieren

Wärmepumpen gelten als sehr umweltfreundlich, weil sie Wärme aus der Außenluft oder aus dem Erdreich nutzen. Allerdings benötigen sie dafür Strom und auch die Anschaffungskosten (12.000 bis 20.000 Euro) sind – trotz staatlicher Förderung von Wärmepumpen – recht hoch. Wer im Rahmen einer energetischen Sanierung eine Wärmepumpe installieren möchte, sollte genau prüfen, ob sich das auch wirklich lohnt.

Denn eine Wärmepumpe lohnt sich vor allem dann, wenn ein Haus bereits gut gedämmt ist und deshalb wenig Heizenergie – also auch wenig Strom – benötigt. Der schlechte energetische Zustand vieler Altbauten mache die Installation einer Wärmepumpe eher unrentabel, sagt auch Energieberater Romed Spiekermann: "Eine Wärmepumpe braucht dann zu viel Strom."

Oft sei hingegen eine Hybridlösung sinnvoll. "Das funktioniert mit Öl wie mit Gas", sagt Spiekermann, der dies in seinem 1980 gebauten Haus selbst praktiziert. "Weil es keine Fußbodenheizung, sondern Heizkörper gibt, wäre eine reine Wärmepumpenheizung nicht effizient. Deshalb habe ich mich für eine Hybridlösung aus Gasheizgerät und Luft-Wärmepumpe entschieden. Etwa neun Monate im Jahr reicht die Wärmepumpe aus, aber bei hohem Wärmebedarf springt die Gasheizung ein."

Einfach erklärt: So funktioniert eine Wärmepumpe.

Fehler 5: Zu früh mit energetischer Sanierung loslegen

Die energetische Sanierung sollte keine Frage der finanziellen Möglichkeiten sein. Deshalb hat die Bundesregierung die Fördermittel im Rahmen des Klimapakets massiv erhöht.

Aber: "Die neue Förderung ist erst in Teilen konkret", sagt Romed Spiekermann. "Es gibt nun eine steuerliche Förderung für energetische Gebäudesanierungen. Wie die weiteren verbesserten Fördermaßnahmen im Detail aussehen, wissen wir noch nicht."

Der Energieberater rät deshalb, "mit konkreten Entscheidungen abzuwarten. Für die Analyse dagegen ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Denn sobald die gesetzliche Grundlage steht, können Hausbesitzer Entscheidungen treffen und die optimale Förderung beantragen."

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