Lena und Alex Euler mit Kinderwagen vor ihrem Tiny House
© Lena & Alex Euler – tnyfmly.de

Wohnen | Statement

Tiny Wohnglück: Lena und Alex leben mit Baby im Tiny House

Eva Dorothée Schmid

Eva Dorothée Schmid

Lena und Alex Euler leben mit ihrer Tochter seit einem Jahr in einem mobilen Tiny House und sind mit diesem auch schon umgezogen. In unserer Serie Tiny Wohnglück erzählen sie von ihrem familientauglichen Minihaus.

Um unkompliziert ihren Traum vom Leben in einem Tiny House zu verwirklichen, sind die 34-jährige Lena und der 33-jährige Alex Euler vor einem Jahr von Köln ins Tiny House Village in Mehlmeisel gezogen. Der Zeitpunkt war günstig, denn die beiden hatten gerade ihre kleine Tochter Romina bekommen und die Grundschullehrerin Lena war in Elternzeit.

Auf der Terrasse eines modernen Holzhauses stehen zwei bunte Stühle und die Sonne scheint durch Baumkronen.

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Zuvor hatten sie sich nach einem Wochenende Probewohnen im Modell "Nordic Fjöll" vom Tiny-House-Hersteller Diekmann ihr Tiny House bauen lassen. "Das Raumkonzept des Hauses hat uns sehr gut gefallen", erzählen Lena und Alex Euler. Wenig später haben sie auf der Tiny-House-Messe in Karlsruhe Firmenchef Stefan Diekmann und seine Angestellten persönlich getroffen und sich noch viele andere Häuser und Konzepte angeschaut. "Aber keines hat uns so zugesagt wie das Raumkonzept des Nordic Fjöll", sagen sie.

Deshalb haben sie nun ihr eigenes, 18 Quadratmeter großes Nordic Fjöll. Rechnet man die beiden Hochebenen dazu, bietet es der kleinen Familie und ihren zwei sibirischen Wildkatzen 25 Quadratmeter Wohnfläche. Für das schlüsselfertige Häuschen haben die Grundschullehrerin und der Projektleiter in einer Internetagentur etwa 75.000 Euro bezahlt.

Umzug mit mobilem Haus

Bei dem Häuschen handelt es sich um ein Tiny House on Wheels. Es fällt von den Maßen her unter die Regulierungen der Straßenverkehrsordnung. Das Haus ist 7,20 Meter lang, 2,55 Meter breit und 4,00 Meter hoch und wiegt 3,5 Tonnen. Somit kann es von einem großen Geländewagen oder Bulli gezogen werden und muss zum Transport nicht auf einen Tieflader geladen werden.

Gerade erst ist die Familie mit ihrem Tiny House umgezogen. Es steht nun auf einem Baugrundstück im Oberbergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen, wo es Alex und Lena auch bald wieder bewohnen wollen, sobald der Bauantrag genehmigt wurde.

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Holzhaus mit Elektroheizung

Das Tiny House ist in Holzständerbauweise gebaut. Die Fassade besteht aus Fichten-Thermoholz und ist mit einem UV-Schutz geölt. Die Wände und Decke sind mit Mineralwolle gedämmt, die Dämmschicht ist in den Wänden acht Zentimeter und in der Decke zehn Zentimeter dick. Der Boden wurde mit zehn Zentimetern Polyurethan gedämmt.

Die Innenverkleidung der Wände besteht aus Fichten-Mehrschichtplatten, die transparent geölt wurden. Beheizt wird das Haus mit drei Elektro-Konvektor-Heizkörpern, zwei davon sind im Wohnraum, einer im Schlafloft angebracht.

Komplett abgeschlossenes Schlafloft mit Absturzschutz

Das Tiny House von Familie Euler weist einige Besonderheiten auf. Da ist zum Beispiel der Raumtrenner, der zum einen Treppe in das vordere Loft ist und gleichzeitig sehr viel Stauraum bietet. Die Treppe zum hinteren Loft, das der Familie als Schlafzimmer dient, nimmt nur einen Quadratmeter Fläche ein und bietet ebenfalls viel Stauraum. Das Schlafzimmer ist komplett abgeschlossen vom übrigen Wohnraum. Damit Romina nicht abstürzen kann, wurde ein Absturzschutz integriert.

Das Tiny House hat auch eine Art Keller. Lena und Alex haben ihr Wohnzimmer auf ein Podest gestellt, um mehr Stauraum zu schaffen. Der Holzdielenboden aus Fichte enthält drei große Luken, über die sie die Gegenstände im Keller erreichen können.

Auch sonst bietet das Minihaus einiges an Komfort – einen Waschtrockner, eine Spülmaschine und im Badezimmer sogar eine große Regendusche.

Einblicke in ihr Leben gibt die Familie in ihrem Instagram-Kanal tnyfmly.

5 Fragen an die Tiny House-Bewohner Lena und Alex

1. Warum seid ihr in ein Tiny House gezogen?

Bevor wir in unser persönliches Abenteuer Tiny House gestartet sind, haben wir in einer etwa 80 Quadratmeter großen Wohnung in Köln gelebt. Schon damals wussten wir, dass uns als Familie Zeitwohlstand, das heißt Zeit für die Kinder und Familie, wichtiger sein werden als Karriere. Im Laufe der Zeit, wurde uns klar, dass wir nicht ewig in der Stadt wohnen bleiben wollen. Lena träumte schon einige Jahre vom Tiny House. Als wir 2019 für ein Wochenende zum Probewohnen ins Tiny House Village kamen, war auch Alex sofort total begeistert von der Wohnform. Jetzt hatten wir richtig Lust in einem Tiny House zu leben – auch mit Kindern, für die wir irgendwann ein zweites Haus anbauen werden.

Ein weiterer Punkt, warum wir ins Tiny House gezogen sind, war für uns die flexible Wohnform. Wir mussten uns nicht bei der Bauplanung auf einen Wohnort festlegen, obwohl wir etwas Eigenes haben wollten. Keine Miete mehr und dennoch flexibel sein. Für unser Haus reichte ein kleinerer Kredit aus, als für ein "normales" Haus notwendig gewesen wäre. Diesen können wir schneller abzahlen und haben dann weniger monatliche Ausgaben.

Unser Ziel ist es, in Teilzeit zu arbeiten und mehr Zeit fürs Leben und die Familie zu haben. Außerdem macht es uns Spaß, klein zu wohnen. Es fühlt sich ein bisschen nach dauerhaftem Campingurlaub an – nur besser. Wir lieben das Leben in der Natur, viel draußen zu sein, Lagerfeuer zu machen und weniger Kram zu besitzen.

2. Welche Hürden musstet ihr nehmen, um in das Tiny ziehen zu können?

Für unseren ersten Stellplatz im Tiny House Village mussten wir keine rechtlichen Hürden nehmen. Dort dürfen Tiny- und Kompakthäuser aufgestellt werden, die mobil sind und wieder rückstandsfrei abgebaut werden können. Um ohne die ganzen behördlichen Genehmigungsverfahren den Traum vom Tiny House ausprobieren zu können, sind wir in der Elternzeit von Nordrhein-Westfalen einmal quer durch Deutschland ins bayrische Mehlmeisel gezogen.

Nach einem Jahr sind wir nun seit Anfang April wieder zurück in unserer Heimat. Wir freuen uns über die Nähe zu Köln und darüber, Lenas Familie um uns herum zu haben. Auch kann Lena in Nordrhein-Westfalen wieder in den Schuldienst einsteigen.

Bei der Erstellung des Bauantrags arbeiten wir aktuell eng mit einer Architektin und unserer Herstellerfirma Tiny House Diekmann zusammen. Damit wir unser Haus weiterhin als Erstwohnsitz bewohnen können, müssen wir einen Bauantrag wie für ein großes Haus stellen.

Da wir ein Grundstück beziehen werden, welches bereits in Familienbesitz ist und für das es keinen konkreten Bebauungsplan gibt, während es gleichzeitig vom Flächennutzungsplan her Mischgebiet und kein reines Wohngebiet ist, ist aktuell unsere größte Hürde der EnEV-Nachweis.

3. Was sind die größten Herausforderungen beim Leben in eurem Tiny House?

Das Thema Luftfeuchtigkeit und die Gefahr, dass es bei uns im Haus schimmeln könnte, hat uns gerade im Herbst mit seinem feuchten Wetter so einiges an Kopfschmerzen bereitet. Hier galt es das richtige Heiz- und Lüftungskonzept zu entwickeln. In diesem Zusammenhang haben wir einen elektrischen Lufttrockner angeschafft, mit dem wir zeitweise die Raumluft entfeuchtet haben.

Das Zusammenleben auf so kleinem Raum passt für uns. Wenn einer telefoniert, geht er bei gutem Wetter raus, nutzt Kopfhörer oder der andere nutzt sie. Romina hat immer eine Auswahl an Spielzeug im Wohnzimmer zur Verfügung. Die anderen Spielsachen stehen auf dem Regal. Es wird immer mal abgewechselt.

Das tolle Raumkonzept unseres Hauses macht alles leichter. Durch den Raumtrenner zwischen Wohn- und Essbereich beziehungsweise Küche entsteht das Gefühl, dass unser Wohnraum mehrere Zimmer bildet. Außerdem scheint es auch an unserer Persönlichkeit zu liegen. Selbst in der großen Wohnung in Köln, wo wir uns aus heutiger Sicht sehr stark aus dem Weg hätten gehen können, haben wir sehr viel Zeit im gleichen Raum verbracht, auch wenn wir unterschiedlichen Tätigkeiten nachgegangen sind.

Um uns nach einem Streit aus dem Weg zu gehen, dazu brauchen wir nicht mehrere Räume. Und eine Badezimmertür zum Knallen haben wir ja ...

4. Was gefällt euch am besten daran, in einem Tiny House zu leben?

Jeder Quadratmeter von unserem Haus wird genutzt. Hier helfen die direkt in das Haus eingebauten Möbel. Einen großen Wocheneinkauf können wir gut im Haus verstauen. Trotz der geringen Wohnfläche können wir immer wieder viele Leute einladen. Das tun wir sehr gerne.

Richtig schön finden wir auch die kurzen Wege, die wir in unserem Haus haben. Es macht uns sehr viel Spaß, kreative Lösungen zu finden, umzudenken und das Haus auf die immer neuen Anforderungen, insbesondere mit Romina, anzupassen. Auch ist es genial, Romina von überall so gut im Blick zu haben – und morgens im Bett mit dem Fuß das Fenster aufmachen zu können, ohne sich groß zu bewegen oder gar aufstehen zu müssen.

5. Was würdet ihr heute anders machen, wenn ihr euch nochmal ein Tiny House bauen würdet?

Wegen der schönen Wärme hätten wir neben der Elektroheizung gerne einen Holzofen. Eventuell werden wir einen in unserem zweiten Haus einbauen.

Da wir zu dritt im Schlafloft schlafen, hätte wegen der hohen Luftfeuchtigkeit von Beginn an ein Luftwärmetauscher eingebaut werden sollen. Diesen werden wir noch nachträglich einbauen. Um unsere Stromkosten zu senken, planen wir noch eine Solaranlage zu installieren.

Familie Eulers Tipp für alle, die auch in einem Tiny House leben wollen:

Macht mal ein paar Tage Urlaub in einem Tiny House und schaut, wie es sich anfühlt. Wenn ihr euch vorstellen könnt, klein zu leben, traut euch und lasst euren Wohntraum wahr werden. Mit Kind hat sich für uns das abgetrennte Schlafloft total bewährt.

Informiert euch vor Baubeginn gut darüber, welche rechtsgültigen Kriterien der Landesbauordnung ihr erfüllen müsst und bezieht frühzeitig euer zuständiges Bauamt in eure Planungen ein, damit bei der Baugenehmigung alles rund läuft.

Ihr wollt noch von anderen Tiny-House-Bewohnern lesen? Wir haben mit Michaela Keitel eine weitere Bewohnerin des Tiny House Village porträtiert. Und auf dieser Seite findet ihr alle Teile unserer Serie:

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